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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Auf der entgegengesetzten Seite, nämlich in der Richtung von Eduards Zimmer, glaubte Valentine wirklich denBoden knacken zu hören; sie horchte, ihrenbeinahe erstickten Atem zurückhaltend; die Türklinke knirschte, und die Tür drehte sich auf ihren Angeln.

Valentine hatte sich auf ihren Ellenbogen erhoben; esbliebihr kaum Zeit, sich auf ihrBett zurückfallen zu lassen und ihre Augen unter ihrem Arm zu verbergen. Dann wartete sie, zitternd, erschüttert, mit einem von unsäglicher Angst zusammengeschnürten Herzen.

Es näherte sich jemand demBette und streifte die Vorhänge. Valentine raffte alle ihre Kräfte zusammen und ließ das regelmäßige Gemurmel des Atems vernehmen, das einen ruhigen Schlaf andeutet.

Valentine! sprach ganz leise eine Stimme.

Dasselbe Schweigen: Valentine hatte versprochen, nicht zu erwachen und nicht zu sprechen.

Dannblieballes still; Valentine hörte nur dasbeinahe unmerkliche Geräusch, wie eine Flüssigkeit in das Glas gegossen wurde, das sie geleert hatte.

Nun wagte sie es, unter dem Schirm ihres ausgestreckten Armes halbihr Augenlid zu öffnen. Sie sah eine Frau in weißem Nachtkleide, die aus einer Phiole eine Flüssigkeit in ihr Glas leerte.

Während dieses kurzen Augenblicks hielt Valentine vielleicht ihren Atem zurück, oder sie machte irgend eineBewegung, denn die Frau schaute unruhig auf und neigte sich über ihrBett, um zu sehen, obsie wirklich, schlafe: es war Frau von Villefort. Als Valentine ihre Stiefmutter erkannte, wurde sie von einem so jähen Schauer ergriffen, daß sich ihrBettbewegte.

Frau von Villefort drückte sich sogleich an die Wand undbeobachtete hier, vomBettvorhang gedeckt, ihr Opfer stumm und aufmerksam.

Valentine erinnerte sich der furchtbaren Worte Monte Christos; es war ihr vorgekommen, als hätte sie in der Hand, welche die Phiole nicht hielt, ein langes, scharfes Messer glänzen sehen, und sie rief ihre ganze Willenskraft zu Hilfe, um die Augen zu schließen.

Durch die Stille, in der sich das gleichmäßige Geräusch des Atemholens der Kranken wieder hören ließ, sicher gemacht, streckte Frau von Villefort abermals den Arm aus und goß, halbverborgen hinter dem oben amBette zusammengezogenen Vorhang, den Inhalt der Phiole vollends in Valentines Glas.

Dann entfernte sie sich, ohne das geringste Geräusch zu verursachen. Es läßt sich nicht ausdrücken, was Valentine während der letzten anderthalbMinuten empfunden hatte. Ein leichtes Kratzen an derBibliothek entzog sie ihrerBetäubung. Sie hobden Kopf mit großer Anstrengung in die Höhe. Die stille Tür drehte sich abermals auf ihren Angeln, und der Graf von Monte Christo erschien wieder.

Nun! fragte er, zweifeln Sie immer noch?

Oh, mein Gott! murmelte das Mädchen.

Sie haben sie erkannt?

Valentine stieß einen Seufzer aus und erwiderte: Ja, doch ich kann nicht daran glauben.

Sie wollen also lieber sterben und Maximilian sterben lassen?

Mein Gott! mein Gott! rief das Mädchen, fast von Sinnen, kann ich denn nicht das Haus verlassen und fliehen?

Valentine, die Hand, die Sie verfolgt, wird Sie überall treffen; mit Gold verführt man Ihre Diener, und der Todbietet sich Ihnen unter allen Gestalten verkleidet: im Wasser, das Sie an der Quelle trinken, in der Frucht, die Sie vomBaume pflücken.

Wer sagten Sie denn nicht, die Vorsicht des guten Papas habe mich gegen das Giftbeschützt?

Gegen ein Gift, das nicht einmal in starker Dose angewendet wurde; man wird das Gift verändern oder die Dosis vermehren.

Er nahm das Glas undbenutzte seine Lippen.

Ah! sehen Sie, sagte er, es istbereits geschehen. Man vergiftet Sie nicht mehr mitBrucin, sondern mit einem andern Mittel. Ich erkenne den Geschmack des Alkohols, in dem man es sich hat auflösen lassen. Hätten Sie getrunken, was Ihnen Frau von Villefort in dieses Glas gegossen, Valentine, Sie wärenbereits verloren.

Mein Gott! warum verfolgt sie mich denn? Ich habe ihr nie Schlimmes zugefügt.

Doch Sie sind reich, Valentine, Sie haben 200 000 Franken Rente, und diese 200 000 Franken entziehen Sie ihrem Sohne.

Wieso? Mein Vermögen ist nicht das seinige; es kommt mir von meinen Großeltern zu.

Allerdings, und deshalbsind Herr und Frau von Saint‑Meran gestorben, die Siebeerben sollten; deshalbwar Herr Noirtier verurteilt, sobald er Sie zu seiner Erbin eingesetzt hatte; deshalbendlich sollen Sie sterben, damit Ihr Vater von Ihnen erbt und IhrBruder als einziges Kind dann von Ihrem Vater.

Eduard! Armes Kind, für ihnbegeht man alle diese Verbrechen?

Ah! Siebegreifen endlich.

Mein Gott! Wenn er nur nicht einmal hierfür leiden muß!

Sie sind ein Engel, Valentine!

Und in dem Geiste einer Frau ist eine solche Kombination geboren worden! Mein Gott! Mein Gott! Denken Sie an Perugua, an die Laube im Gasthause zur Post, an den Mann mit dembraunen Mantel, den Ihre Mutter über die Aqua Tosanabefragte! Nun, seit jener Zeit reifte der ganze höllische Plan in ihrem Gehirn.

Oh! mein Herr, rief das sanfte Mädchen, in Tränen zerfließend, ich sehe wohl, daß ich zum Sterben verurteiltbin, wenn es so ist.

Nein, Valentine, nein, denn ich habe dies alles vorhergesehen; nein, denn unsere Feindin istbesiegt, weil sie entdeckt ist: nein, Sie werden leben, Valentine, um zu lieben und geliebt zu werden, Sie werden leben, um glücklich zu sein und ein edles Herz glücklich zu machen; doch um zu leben, Valentine, müssen Sie Vertrauen zu mir haben.

Befehlen Sie, mein Herr, was soll ich tun?

Sie müssenblindlings nehmen, was ich Ihnen geben werde.

Oh! Gott ist mein Zeuge, rief Valentine, wenn ich allein wäre, so würde ich lieber sterben.

Sie werden niemand vertrauen, selbst nicht einmal Ihrem Vater?

Nicht wahr, mein Vater hat keinen Anteil an diesem furchtbaren Komplott?

Nein, und dennoch muß Ihr Vater vermuten, daß alle diese Todesfälle, die Ihr Haus treffen, nicht natürlich sind. Ihr Vater hätte über Ihnen wachen sollen, er sollte zu dieser Stunde an dem Platze sein, den ich einnehme; er solltebereits dieses Glas ausgeleert haben; er müßte sich gegen den Mörder erhoben haben. Gespenst gegen Gespenst, murmelte er, ganz leise seinen Satz vollendend.

Gut, sagte Valentine, ich werde alles tun, um zu leben, denn es gibt zwei Wesen auf der Welt, die mich so lieben, daß sie sterben würden, wenn mich der Tod träfe: mein Großvater und Maximilian.

Ich werde auch siebeschützen.

Wohl, mein Herr, verfügen Sie über mich, sprach Valentine. Dann sagte sie mit leisem Stimme: Oh, mein Gott! mein Gott! Was wird mir widerfahren?

Valentine, was Ihnen auch geschehen mag, erschrecken Sie nicht! Wenn Sie leiden, wenn Sie das Gesicht, das Gehör, das Gefühl verlieren, fürchten Sie nichts! Wenn Sie erwachen, ohne zu wissen, wo Sie sind, hegen Sie keine Furcht, und sollten Sie sich in einem Grabgewölbe oder in einem Sarge finden! Sammeln Sie sogleich Ihren Geist und sagen Sie sich: In diesem Augenblick wacht ein Freund, ein Vater, ein Mann, der mein und Maximilians Glück will, über mir.

Ach! ach! welch eine gräßliche Notwendigkeit!

Valentine, wollen Sie lieber Ihre Stiefmutter anklagen?

Ich wollte lieber hundertmal sterben! ah! ja, sterben!

Nein, Sie werden nicht sterben, und was Ihnen auch geschehen mag, Sie werden nicht klagen, sondern hoffen, das versprechen Sie mir.

Ich werde an Maximilian denken.

Sie sind meine vielgeliebte Tochter; ich allein kann Sie retten und werde Sie retten.

Valentine faltete im höchsten Schrecken die Hände, denn sie fühlte, daß der Augenblick gekommen war, Gott um Mut anzuflehen; sie richtete sich auf, um zubeten, murmelte Worte ohne Folge und vergaß dabei, daß ihre weißen Schultern keinen andern Schleier hatten, als ihr weiches Haar, und daß man ihr Herz unter der seinen Spitze ihres Nachtgewandes schlagen sah.

Der Graf legte sacht die Hand auf Valentines Arm, zog ihre Samtdeckebis zum Halse herauf und sprach mit väterlichem Lächeln: Meine Tochter, glauben Sie an meine Zuneigung, wie Sie an die Güte Gottes und an die Liebe Maximilians glauben.

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