Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Valentine heftete einenBlick voll Dankbarkeit auf ihn undbliebgelehrig wie ein Kind. Da zog der Graf aus seiner Westentasche die kleineBüchse von Smaragd, nahm ihren goldenen Deckel abund schüttelte in Valentines Hände eine runde Pastille von der Größe einer Erbse. Valentine schobdie Pastille in den Mund und verschluckte sie.
Und nun auf Wiedersehen, mein Kind, sagte der Graf, ich will versuchen, zu schlafen, denn Sie sind gerettet.
Gehen Sie, sagte Valentine, was mir auchbegegnen mag, ich verspreche Ihnen, keine Furcht zu haben.
Monte Christo hielt lange seine Augen auf das Mädchen geheftet, das, von der Macht des narkotischen Mittelsbesiegt, allmählich entschlummerte.
Nun nahm er das Glas, leerte drei Viertel in den Kamin, damit man glaube, Valentine habe das Fehlende getrunken, und stellte es wieder auf den Nachttisch; dann kehrte er zur Tür derBibliothek zurück und verschwand, nachdem er einen letztenBlick auf Valentine geworfen hatte, die mit dem Vertrauen und der Reinheit eines zu den Füßen des Herrn liegenden Engels einschlief.
Valentine.
Die Nachtlampebrannte immer noch auf dem Kamine und verzehrte die letzten Tropfen Öl; ein trauriges Licht färbte mit mattem Widerschein die weißen Vorhänge und dieBettücher. Alles Geräusch der Straße war jetzt erloschen, und im Innern herrschte eine furchtbare Stille.
Die Tür von Eduards Zimmer öffnete sich jetzt, und ein Kopf erschien in dem der Tür gegenüber angebrachten Spiegel; es war Frau von Villefort, die zurückkehrte, um die Wirkung des Trankes zubeobachten.
Siebliebauf der Schwelle stehen und ging dann sacht auf den Nachttisch zu, um zu sehen, obdas Glas leer sei.
Es war, wie gesagt, noch zum vierten Teile voll.
Frau von Villefort nahm es und leerte es in die Asche, dir sie mit dem Fuße umrührte, um die Einsaugung der Flüssigkeit zu erleichtern; dann spülte sie sorgfältig den Kristall aus, wischte ihn mit ihrem eigenen Taschentuch abund stellte ihn wieder auf den Nachttisch.
Wer in das Innere dieses Zimmers hätte schauen können, würde gesehen haben, wie Frau von Villefort zögerte, ihre Augen auf Valentine zu heften und sich ihremBett zu nähern! die Giftmischerin fürchtete sich offenbar vor ihrem Werke.
Endlich faßte sie Mut, schobden Vorhangbeiseite, stützte sich auf das Kopfkissen und neigte sich über Valentine.
Valentine atmete nicht mehr, ihre halbgeöffneten Zähne ließen kein Atom von dem Hauche durch, der das Leben verrät. Ihre weißen Lippen hatten zu zittern aufgehört; in einen violetten Dunst getaucht, der sich unter die Haut gezogen zu haben schien, bildeten ihre Augen dort, wo der Augapfel das Augenlid wölbte, einen weißen Vorsprung, und ihre langen, schwarzen Wimpern schienen dunkle Furchen über einebereits wachsartig matte Haut zu ziehen.
Frau von Villefortbeschaute dieses Gesicht mit einem sonderbar starren Ausdruck; sie hobdann rasch die Decke auf und legte ihre Hand auf das Herz des Mädchens. Es war stumm und eisig.
Was unter ihrer Hand schlug, das war die Arterie ihrer Finger; sie zog ihre Hand mit einem Schauer zurück. Valentines Arm hing über dasBett herab, und die Nägel waren an der Wurzelblau.
Für Frau von Villefort gabes keinen Zweifel mehr, alles war vorbei; das furchtbare Werk, das letzte, das sie zu vollbringen hatte, war vollbracht. Die Giftmischerin hatte nichts mehr in diesem Zimmer zu tun; sie wich langsam, den Vorhang noch immer haltend und wie gebannt durch den Anblick des Opfers, sobehutsam zurück, daß sie das Geräusch ihrer Füße auf dem Teppiche zu fürchten schien.
In diesem Augenblick verdoppelte sich das Geknister der Nachtlampe. Frau von Villefortbebtebei diesem Geräusch und ließ den Vorhang fallen. Dann erlosch die Lampe, und das Zimmer versank in eine furchtbare Dunkelheit.
In dieser Dunkelheit erwachte die Pendeluhr und schlug halbvier. Erschrocken über diese aufeinander folgenden Geräusche, erreichte die Giftmischerin tappend die Tür, und kehrte, den Angstschweiß auf der Stirn, in ihr Zimmer zurück. Die Dunkelheit dauerte noch zwei Stunden.
Allmählich drang einbleicher Tag durch die Zwischenräume der Läden, und das Licht wurde nach und nach stärker und gabden Gegenständen und Körpern Farbe und Form zurück. Jetzt hörte man das Husten der Krankenwärterin auf der Treppe, und diese Frau trat, eine Tasse in der Hand, ein. Sie hielt Valentine noch für schlafend und sagte: Gut! sie hat getrunken, das Glas ist zu zwei Dritteln leer. Dann ging sie an den Kamin, zündete Feuer an, setzte sich in ihren Lehnstuhl undbenutzte, obgleich sie erst aus ihremBette kam, Valentines Schlaf, um selbst noch einige Augenblicke zu schlummern. Die Pendeluhr erweckte, die Wärterin, als sie acht Uhr schlug. Erstaunt über den hartnäckigen Schlaf, in dem Valentine verharrte, erschrocken über den aus demBette hängenden Arm, ging sie näher undbemerkte jetzt erst die kalten Lippen und die eisigeBrust. Sie wollte den Arm zum Körper heraufziehen; doch mit jener furchtbaren Steifheit, die für eine Wärterin keinen Zweifel übrig ließ, widerstand der Arm.
Sie stieß einen furchtbaren Schrei aus, lief an die Tür und rief: Zu Hilfe! zu Hilfe!
Wie! zu Hilfe? entgegnete unten an der Treppe Herrn d'Avrignys Stimme.
Es war die Stunde, zu der der Doktor gewöhnlich kam.
Wie! zu Hilfe! rief Herr von Villefort, aus seinem Kabinett stürzend, Doktor, haben Sie nicht um Hilfe rufen hören?
Ja, ja, gehen Sie rasch hinauf, es istbei Valentine, antwortete d'Avrigny.
Doch ehe der Arzt und der Vater hinaufkamen, waren die Diener, welche sich in den Zimmern und Gängenbefanden, bei Valentine eingetreten, und als sie diesebleich und unbeweglich auf ihremBette sahen, hoben sie die Hände zum Himmel empor und wankten, wie vom Schwindel erfaßt.
Ruft Frau von Villefort! Weckt Frau von Villefort! schrie der Staatsanwalt vor der Tür des Zimmers, in das er, wie es schien, nicht einzutreten wagte.
Doch statt zu antworten, schauten die Diener Herrn d'Avrigny an, der auf Valentine zugelaufen war und sie in seinen Armen aufhob.
Auch diese… murmelte er und ließ sie zurückfallen. Oh! mein Gott! mein Gott! wann wirst du müde werden?
Villefort stürzte in das Zimmer.
Was sagen Sie? rief er, die Hände zum Himmel emporstreckend, Doktor!.. Doktor!..
Ich sage, daß Valentine tot ist, antwortete d'Avrigny mit feierlichem und in seiner Feierlichkeit schrecklichem Tone.
Herr von Villefort sank zusammen, wie wenn seineBeine gebrochen wären, und fiel mit dem Kopf auf dasBett seiner Tochter.
Bei den Worten des Doktors, bei dem Geschrei des Vaters entflohen die Diener voll Schrecken und unter dumpfen Verwünschungen. Man hörte auf den Treppen und in den Gängen hastige Tritte — dann war alles vorbei, der Lärm verklang; von dem erstenbis zum letzten hatten sie das verfluchte Haus verlassen.
In diesem Augenblick hobFrau von Villefort, den Arm halbin ihr Morgengewand gehüllt, den Türvorhang auf; einen Augenblickbliebsie auf der Schwelle, scheinbar die Anwesendenbefragend und ein paar widerwillige Tränen zu Hilfe rufend.
Plötzlich machte sie, die Arme gegen den Nachttisch ausstreckend, einen Schritt oder vielmehr einen Sprung vorwärts.
Sie hatte gesehen, wie sich d'Avrigny neugierig über diesen Tischbeugte und das Glas nahm, von dem sie gewiß wußte, daß sie den Inhalt in die Asche geschüttet hatte.
Hätte sich das Gespenst des Opfers vor der Giftmischerin erhoben, es hätte keine solche Wirkung auf sie hervorbringen können. Hat sie nicht den Rest des Trankes vorsichtig ausgeschüttet? Es muß ein Wunder sein, das Gott ohne Zweifel getan, damit eine Spur des Verbrechens zurückbleibe.
Während Frau von Villefort unbeweglich wie eineBildsäule des Schreckens dastand, während Villefort, den Kopf in den Tüchern des Sterbebettesbergend, nichts von dem sah, was um ihn her vorging, näherte sich d'Avrigny dem Fenster, um den Inhalt des Glases zu prüfen, und kostete einen Tropfen, den er mit dem Ende des Fingers nahm.