Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Dieser Schmerz war so einschneidend, daß d'Avrigny sich abwandte, um seine Rührung zu verbergen, und daß Villefort, ohne eine andere Erklärung zu fordern, durch den Magnetismus angezogen, der uns zu den Menschen hintreibt, welche diejenigen geliebt haben, die wirbeweinen, dem jungen Manne die Hand reichte.
Doch Morel sah nichts; er hatte Valentines eisige Hand ergriffen, und da er nicht weinen konnte, biß erbrüllend in dieBettücher.
Eine Zeit lang hörte man in diesem Zimmer nur Schluchzen, Verwünschungen und Gebete.
Endlich nahm Villefort, der noch am meisten seiner Herr war, nachdem er eine Zeit lang Maximilian gleichsam den Platz abgetreten hatte, das Wort und sagte zu diesem: Mein Herr, Sie liebten Valentine, sagten Sie; Sie waren ihr Verlobter, ich wußte nichts von dieser Verbindung; aber dennoch vergebe ich Ihnen, ich, ihr Vater, denn ich sehe, Ihr Schmerz ist groß und wahr. Überdies istbei mir der Schmerz auch zu groß, als daß in meinem Herzen Raum für den Zornbleiben könnte. Doch Sie sehen, der Engel, auf den Sie hofften, hat die Erde verlassen. Valentine kann von den Menschen nur noch angebetet werden, sie, die zu dieser Stunde den Herrn anbetet; nehmen Sie Abschied von der traurigen Hülle, die sie unter uns gelassen hat, ergreifen Sie zum letzten Male ihre Hand, die Sie für sich haben wollten, und trennen Sie sich auf immer von ihr; Valentinebedarf jetzt nur noch des Priesters, der sie segnen soll.
Sie täuschen sich, mein Herr, rief Morel, sich auf ein Knie erhebend, das Herz durchbohrt von einem Schmerze, der schärfer war als alle Schmerzen, die erbis jetzt empfunden; Sie täuschen sich; gestorben, wie sie gestorben ist, bedarf Valentine nicht nur eines Priesters, sondern auch eines Rächers. Herr von Villefort, schicken Sie nach dem Priester, ich werde der Rächer sein.
Was wollen Sie damit sagen, mein Herr? murmelte Villefort.
Ich will damit sagen, antwortete Morel, daß in Ihnen zwei Menschen sind; der Vater hat genug geweint, der Staatsanwaltbeginne sein Amt!
Noirtiers Augen funkelten, d'Avrigny trat näher.
Mein Herr, fuhr der junge Mann fort, ich weiß, was ich sage, und Sie wissen ebensogut, wie ich, was ich sagen wilclass="underline" Valentine ist ermordet worden!
Villefort neigte das Haupt; d'Avrigny trat noch einen Schritt näher; Noirtier machte mit den Augen ja.
Mein Herr, fuhr Morel fort, ein Geschöpf, und wäre es auch nicht jung, wäre es auch nicht schön, wäre es auch nicht anbetungswürdig, wie Valentine, ein Geschöpf wird in unserer Zeit nicht gewaltsam aus der Welt gebracht, ohne daß man Rechenschaft über sein Verschwinden verlangt. Auf! Herr Staatsanwalt, fügte Morel mit wachsender Heftigkeit hinzu, kein Mitleid! Ich zeige Ihnen das Verbrechen an, suchen Sie den Mörder!
Und sein unversöhnliches Auge fragte Villefort, der mit demBlickebald Noirtier, bald d'Avrigny anflehte.
Doch statt Hilfebei seinem Vater undbei dem Doktor zu finden, fand er in ihren Gesichtern nur einen ebenso unbeugsamen Ausdruck, wie in dem Morels.
Ja! machte der Greis.
Gewiß! sagte d'Avrigny.
Mein Herr, versetzte Villefort, der noch gegen diesen dreifachen Willen und gegen seine eigene Erschütterung anzukämpfen suchte, mein Herr, Sie täuschen sich, es werden keine Verbrechen in meinem Hausebegangen. Das Unglück trifft mich, Gott prüft mich; das ist ein furchtbarer Gedanke — aber man ermordet niemand!
Noirtiers Augen flammten, d'Avrigny öffnete den Mund, um zu sprechen, Morel streckte, Schweigenbefehlend, den Arm aus und rief mit einer Stimme, die sich senkte, ohne etwas von ihrem furchtbaren Klange zu verlieren: Und ich sage Ihnen, daß man hier tötet. Ich sage Ihnen, daß dies das vierte Opfer ist, das seit vier Monaten getroffen wird! Ich sage Ihnen, daß man vor vier Tagenbereits einmal Valentine zu vergiften versucht hat, was nur infolge der Vorsichtsmaßregeln des Herrn Noirtier scheiterte. Ich sage Ihnen, daß man die Dose verdoppelt oder die Natur des Giftes verändert hat, und daß es diesmal gelungen ist! Ich sage Ihnen endlich, daß Sie dies alles so gut, wie ich, wissen, denn dieser Herr hat Sie als Arzt und als Freund davon in Kenntnis gesetzt.
Oh! Sie sprechen im Fieberwahn, mein Herr! sagte Villefort, der sich vergebens in dem Kreise, in dem er sich gefangen fühlte, zu sträuben suchte.
Ich im Fieberwahn! rief Morel; wohl, ichberufe mich auf Herrn d'Avrigny. Fragen Sie ihn, mein Herr, ober sich noch der Worte erinnere, die er im Garten dieses Hauses gesprochen, an dem Abend, wo Frau von Saint‑Meran starb; als Sie im Glauben, Sie seien allein, über den eigentümlichen plötzlichen Todesfall sprachen.
Villefort und d'Avrigny schauten sich an.
Ja, ja! erinnern Sie sich, rief Morel. Allerdings hätte ichbei der frevelhaften Nachsicht des Herrn von Villefort für die Seinigen schon an jenem Abende derBehörde alles entdecken sollen, und dann wäre ich in diesem Augenblick nicht mitschuldig an deinem Tode, Valentine! Meine vielgeliebte Valentine! Doch der Mitschuldige wird dein Rächer werden; dieser vierte Mord ist offenkundig und aller Augen sichtbar, und wenn dein Vater dich verläßt, Valentine, so werde ich den Mörder verfolgen, das schwöre ich dir.
Nun endlich schien die Natur Mitleid mit diesem starken Geist zu empfinden; die letzten Worte Morels verklangen in einem mächtigen Schluchzen, und Tränen entstürzten seinen Augen, er wankte, fiel auf seine Knie und weinte an ValentinesBett.
Nun war die Reihe an d'Avrigny, der mit fester Stimme erklärte:
Auch ich verbinde mich mit Herrn Morel, um Gerechtigkeit für das Verbrechen zu verlangen, denn mein Herz empört sichbei dem Gedanken, daß meine feige Nachgiebigkeit den Mörder ermutigt hat!
Oh! mein Gott! murmelte Villefort vernichtet.
Morel hobdas Haupt empor und sagte, in den Augen des Greises lesend, welche übernatürliche Flammen schleuderten:
Seht! seht! Herr Noirtier will sprechen.
Ja, machte Noirtier mit einem um so furchtbareren Ausdrucke, als alle Fähigkeiten des ohnmächtigen Greises in seinemBlicke konzentriert waren.
Sie kennen den Mörder? fragte Morel.
Ja, erwiderte Noirtier.
Und Sie wollen uns leiten? rief der junge Mann. Hören Sie, Herr d'Avrigny, hören Sie!
Noirtier wandte sich hierauf an den unglücklichen Morel mit jenem sanften Lächeln, welches Valentine so oft glücklich gemacht hatte, und fesselte dadurch seine Aufmerksamkeit. Als er Maximilians Augen gleichsam an den seinigenbefestigt hatte, wandte er diese der Tür zu.
Ich soll mich entfernen, mein Herr? rief Morel mit schmerzlichem Tone. — Ja, machte Noirtier.
Ach! ach! mein Herr, haben Sie Mitleid mit mir.
Die Augen des Greisesblieben unbarmherzig auf die Tür geheftet.
Darf ich wenigstens zurückkommen? fragte Morel.
Ja. — Soll ich allein gehen? — Nein.
Wen soll ich mitnehmen, den Herrn Staatsanwalt?
Nein. — Den Doktor? — Ja.
Sie wollen mit Herrn von Villefort alleinbleiben?
Ja. Oh! rief Villefort, beinahe freudig, daß die erste Untersuchung unter vier Augen vor sich gehen sollte.
D'Avrigny nahm Morelbeim Arm und führte ihn in das anstoßende Zimmer.
Es herrschte sodann im ganzen Hause eine Todesstille.
Nach Verlauf einer Viertelstunde hörte man wankende Schritte, und Villefort erschien auf der Schwelle des Zimmers, in dem sich Morel und d'Avrignybefanden.
Kommen Sie, sagte er und führte sie zurück.
Morel schaute nun Villefort aufmerksam an. Das Gesicht des Staatsanwaltes war leichenblaß, undbreite, rostfarbige Fleckenbedeckten seine Stirn.
Meine Herren, sagte er mit gepreßter Stimme, Ihr Ehrenwort, daß das furchtbare Geheimnis unter unsbegrabenbleibt?
Diebeiden Männer machten eineBewegung.
Ichbeschwöre Sie! fuhr Villefort fort.
Doch der Schuldige!.. rief Morel… der Mörder… der Meuchler!..