Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Ah! murmelte er, das ist nicht mehrBrucin; wir wollen sehen, was es ist.
Dann lief er nach einem Schranke im Zimmer, den man in eine Apotheke verwandelt hatte, zog ein Fläschchen mit Salpetersäure hervor und ließ ein paar Tropfen in das Milchweiß der Flüssigkeit fallen, die sich alsbaldblutrot färbte.
Ah! machte d'Avrigny, indem sich mit dem Schrecken des die entsetzliche Wahrheit erkennenden Richters die Genugtuung des Gelehrten, dem sich ein Problem entschleiert, mischte.
Frau von Villefort drehte sich einen Augenblick um sich selbst, ihre Augen schleuderten Flammen, dann wurden sie trübe; wankend suchte sie mit der Hand die Tür und verschwand.
Einen Augenblick nachher hörte man das Geräusch eines auf denBoden fallenden Körpers. Doch niemand achtete darauf außer Herrn d'Avrigny, der Frau von Villefort mit den Augen folgte und ihre rasche Entfernungbemerkte.
Er hobden Türvorhang des Zimmers von Valentine auf, worauf seinBlick durch Eduards Zimmer in das Gemach der Frau von Villefort dringen konnte, die er ohneBewegung auf demBoden ausgestreckt sah.
Stehen Sie Frau von Villefortbei, sagte er zu der Wärterin: Frau von Villefort ist unwohl!
Doch Fräulein Valentine? stammelte die Wärterin.
Fräulein Valentinebedarf keiner Hilfe mehr, denn sie ist tot, sprach d'Avrigny.
Tot! Tot! seufzte Villefort im Paroxysmus eines um so gräßlicheren Schmerzes, als er für dieses eherne Herz neu, unbekannt, unerhört war.
Tot sagen Sie, rief eine dritte Stimme, wer sagt, Valentine sei tot?
Diebeiden Männer wandten sich um und erblickten an der Tür Morel, bleich, verstört, furchtbar.
Morel hatte sich zur gewöhnlichen Stunde durch die kleine Tür, die zu Noirtier führte, eingefunden. Gegen die Gewohnheit fand er die Tür offen; er hatte also nicht nötig zu läuten und trat ein. Im Vorhause wartete er einen Augenblick und rief einenBedienten, der ihnbei dem alten Noirtier einführen sollte. Doch niemand antwortete auf sein Rufen. Nachdem er noch eine Weile vergeblich gewartet hatte, entschloß er sich, hinaufzugehen.
Noirtiers Tür war offen, wie die andern Türen.
Das erste, was er sah, war der Greis in seinem Lehnstuhle und an seinem gewöhnlichen Platze; doch seine weitgeöffneten Augen schienen einen inneren Schrecken auszudrücken, den auch die über seine Züge ausgebreitete seltsameBlässe verriet.
Wie geht es Ihnen, mein Herr? fragte der junge Mann mit gepreßtem Herzen.
Gut! machte der Greis mit den Augenblinzelnd, gut!
Doch seine Unruhe schien noch zuzunehmen.
Sie sind unruhig, fuhr Morel fort, Siebrauchen etwas, soll ich jemand von Ihren Leuten rufen?
Ja, machte Noirtier.
Aber Morel mochte an der Klingelschnur ziehen, soviel er wollte, es kam niemand.
Mein Gott! mein Gott! sagte er, warum kommt man denn nicht? Ist jemand krank im Hause?
Noirtiers Augen schienenbei diesen Worten nahe daran, aus ihrer Höhle hervorzuspringen.
Aber was haben Sie denn? fuhr Morel fort, Sie erschrecken mich. Valentine! Valentine!..
Ja, ja, machte der Greis.
Maximilian öffnete den Mund, um zu sprechen, doch er vermochte keinen Ton hervorzubringen; er wankte und hielt sich am Gesimse. Dann streckte er die Hand nach der Tür aus.
Ja! ja! ja! fuhr der Greis fort.
Maximilian stürzte nach der kleinen Treppe, über die er in zwei Sprüngen setzte, während Noirtier ihm mit den Augen zuzurufen schien: Schneller! schneller!
Eine Minute genügte für den jungen Mann, um durch mehrere Zimmer zu eilen, die wie das übrige Haus verlassen waren, undbis an das Krankenzimmer zu gelangen, dessen Tür weit offen stand.
Ein Schluchzen war das erste Geräusch, das er hörte. Er sah wie durch eine Wolke eine knieende und in einem verworrenen Haufen von weißen Tüchern verlorene schwarze Gestalt. Die Angst, die gräßliche Angst fesselte ihn an die Schwelle.
Da hörte er eine Stimme sagen: Valentine ist tot.
Maximilian.
Villefort stand auf, wie es schien, beschämt darüber, daß er sichbei dem Anfalle dieses Schmerzes hatte überraschen lassen. Sein anfangs irres Auge heftete sich auf Morel, und er sagte: Wer sind Sie, mein Herr, der Sie vergessen, daß man nicht so in ein Haus eintritt, das der Todbewohnt? Entfernen Sie sich!
Doch Morelbliebunbeweglich; er konnte seine Augen nicht von dem furchtbaren Schauspiel des in Unordnung gebrachtenBettes und des darauf liegendenbleichen Gesichtes losmachen.
Entfernen Sie sich, hören Sie! rief Villefort, während d'Avrigny vorschritt, um Morel weggehen zu heißen.
Morel aber schaute mit verstörter Miene den Leichnam an, schien einen Augenblick zu zögern, öffnete den Mund, fand jedoch, trotz der zahllosen unseligen Gedanken, die sein Gehirnbestürmten, keine Worte, fuhr mit den Händen in die Haare, kehrte auf der Stelle um und eilte hinaus, so daß Villefort und d'Avrigny, nachdem sie ihm nachgeschaut hatten, einenBlick austauschten, der sagen wollte: Er ist ein Narr!
Doch ehe fünf Minuten abgelaufen waren, hörte man die Treppe unter einer schweren Last seufzen und sah Morel, der, mit übermenschlicher Kraft Noirtiers Lehnstuhl in seinen Armen haltend, den Greis in den ersten Stock des Hauses trug. Oben auf der Treppe setzte Morel den Stuhl zuBoden und rollte ihn rasch in Valentines Zimmer. Dieses ganze Manöver wurde mit einer durch die wahnsinnige Aufregung des jungen Mannes verzehnfachten Kraft ausgeführt.
Eines aber warbesonders gräßlich, das Antlitz Noirtiers, als dieser, von Morel fortgeschoben, sich ValentinesBett näherte, das Antlitz, worin der Verstand alle seine Mittel entwickelte und die Augen ihre ganze Kraft anstrengten, um die anderen Sinne zu ersetzen.
Diesesbleiche Gesicht mit dem flammendenBlicke war auch für Villefort eine furchtbare Erscheinung. So oft er mit seinem Vater inBerührung gekommen war, hatte sich etwas Schreckliches ereignet.
Sehen Sie, was sie getan haben! rief Morel, eine Hand noch auf die Lehne des Stuhles gestützt, den erbis zumBette fortschob, und die andere gegen Valentine ausstreckend, sehen Sie! mein Vater, sehen Sie!
Villefort wich einen Schritt zurück und schaute mit Erstaunen den ihm kaumbekannten jungen Mann an, der Noirtier seinen Vater nannte.
In dieser Sekunde schien die ganze Seele des Greises in seine Augen überzugehen, die sich zuerst mitBlut unterliefen; dann schwollen die Halsadern an, einebläuliche Farbe, wie sie die Haut des Epileptischen überzieht, bedeckte seinen Hals, seine Wangen und seine Schläfe; diesem inneren Ausbruche seines ganzen Wesens fehlte nur ein Schrei.
D'Avrigny eilte auf den Greis zu und ließ ihn an einem Fläschchen riechen, das ein kräftiges Ableitungsmittel enthielt.
Mein Herr, rief nun Morel, die träge Hand des Gelähmten ergreifend, man fragt mich, wer ich sei, und welches Recht ich habe, hier zu sein. Oh! Sie, der Sie es wissen, sagen Sie es!
Und die Stimme des jungen Mannes erlosch in Schluchzen. Ein keuchender Atem schüttelte dieBrust des Greises. Man hätte glauben sollen, er sei einer von den heftigenBewegungen preisgegeben, die dem Todeskampfe vorhergehen.
Endlich entstürzten Tränen den Augen Noirtiers, der glücklicher war, als der junge Mann, denn dieser schluchzte, ohne zu weinen.
Sagen Sie, fuhr Morel mit gepreßter Stimme fort, sagen Sie, daß es meine Verlobte war! Sagen Sie, daß es meine edle Freundin, meine einzige Liebe auf Erden war! Sagen Sie, sagen Sie, daß dieser Leichnam mir gehört!
Und der junge Mannbot das furchtbare Schauspiel einerbrechenden Kraft und stürzte schwerfällig vor dasBett, das seine krampfhaften Finger mit aller Heftigkeit preßten.