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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Dann zog er einen Paß aus seiner Schublade und sagte: Gut! er ist noch für zwei Monate gültig.

Der Kirchhof Père la Chaise.

Herr von Villefort, ein Vollblut‑Pariser, betrachtete den Friedhof Père la Chaise als allein würdig, die sterblichen Hüllen einer Pariser Familie aufzunehmen. Nur auf dem Père la Chaise konnte ein Hingeschiedener der guten Gesellschaft anständig ruhen. Er hatte hier für ewige Zeiten einen Raum erkauft, auf dem sich das so schnell gefüllte Mausoleum erhob. Man las am Giebeclass="underline" die Familien Saint‑Meran und Villefort; denn dies war der letzte Wunsch der armen Renée, Valentines Mutter, gewesen.

Der prunkhafte Leichenzug fuhr durch ganz Paris, sodann durch den Faubourg du Temple und über die äußerenBoulevardsbis zum Friedhofe. Mehr als fünfzig Herrenwagen folgten den zwanzig Trauerwagen, und hinter diesen fünfzig Wagen gingen noch mehr als fünfhundert Personen zu Fuß.

Als der Zug die Grenze des Stadtgebietes erreicht hatte, sah man ein Gespann von vier Pferden erscheinen; es war das des Herrn von Monte Christo. Der Graf stieg aus und mischte sich unter die Menge, die zu Fuß dem Leichenwagen folgte. Chateau‑Renaud erblickte ihn; er stieg sogleich aus seinem Coupé und ging auf ihn zu. Beauchamp verließ ebenfalls sein Kabriolett. Der Graf schaute aufmerksam durch die Reihen der Leidtragenden. Er suchte offenbar irgend jemand. Endlich fragte er: Wo ist Morel? Weiß einer von Ihnen, meine Herren, wo er ist?

Wir haben uns schon gegenseitig dieselbe Frage vorgelegt, sagte Chateau‑Renaud, denn niemand von uns hat ihnbemerkt.

Endlich gelangte man auf den Friedhof. Des Grafen durchdringendes Auge durchforschte die Eiben- und Fichtengebüsche; ein Schatten schlüpfte durch das dunkle Gesträuch, und Monte Christo erkannte ohne Zweifel den, welchen er suchte. Erbeobachtete, wie dieser Schatten sich rasch über den Platz hinter dem Grabe von Heloise und Abälard fortbewegte und zu dem für dasBegräbnis gewählten Ort gelangte.

In dem Schatten erkannten, als der Zug anhielt, auch die andern Morel, der mit seinem schwarzen, bis oben zugeknöpften Rocke, mit seiner leichenbleichen Stirn, seinen hohlen Wangen und seinem krampfhaft zerknitterten Hute sich an einenBaum angelehnt und auf einem das Mausoleum überragenden Hügel so aufgestellt hatte, daß er nicht das geringste von der Zeremonie verlieren konnte.

Alles ging wie gewöhnlich vor sich. Einige Herren hielten Reden. Die einenbeklagten den frühzeitigen Tod; die andern verbreiteten sich über den Schmerz des Vaters; einige waren geistreich genug, zubehaupten, Valentine habe mehr als einmalbei Herrn von VillefortBitten für die Schuldigen eingelegt, über deren Haupt er das Schwert der Gerechtigkeit gehalten; kurz man erschöpfte sich inblumenreichen Wendungen.

Monte Christo hörte nichts, sah nichts, oder er sah vielmehr nur Morel, dessen Ruhe und Unbeweglichkeit ein furchtbares Schauspiel für den waren, der allein zu lesen vermochte, was im Innersten des jungen Mannes vorging.

Sieh da, sagte plötzlichBeauchamp zu Debray, dort ist Morel! Wo zum Teufel mag er gesteckt haben?

Und sie zeigten ihn Chateau‑Renaud.

Wiebleich er aussieht! sagte dieser erschrocken.

Es wird ihn frieren, versetzte Debray.

Nein, entgegnete langsam Chateau‑Renaud, ich glaube, er ist erschüttert. Maximilian ist ein für Eindrücke sehr empfänglicher Mensch.

Bah! rief Debray; er kannte Fräulein von Villefort kaum. Sie haben es selbst gesagt.

Es ist wahr. Doch ich erinnere mich, daß er auf demBalle der Frau von Morcerf dreimal mit ihr getanzt hat; Sie wissen, Graf, auf demBalle, wo Sie eine so große Wirkung hervorbrachten?

Nein, es ist nur nichtbekannt, antwortete Monte Christo, ohne eigentlich zu wissen, worauf und wem er antwortete, so sehr war er damitbeschäftigt, Morel zu überwachen, dessen Wangen sich jetztbelebten.

Die Reden sind zu Ende, Gottbefohlen, meine Herren, sagte plötzlich der Graf. Damit gaber das Zeichen zum Aufbruch und verschwand sofort. Die Leichenfeierlichkeit war vorüber, und die Anwesenden schlugen den Weg nach Paris ein.

Nur Chateau‑Renaud suchte einen Augenblick Morel mit den Augen; doch während seinBlick dem wegeilenden Grafen gefolgt war, hatte Morel seinen Platz verlassen, und Chateau‑Renaud ging, nachdem er ihn vergebens gesucht, Debray undBeauchamp nach.

Monte Christo war in ein Gebüsch getreten undbeobachtete, hinter einem großen Grabmale verborgen, jedeBewegung Morels, der sich allmählich dem Mausoleum näherte. Morel schaute irre umher; Monte Christo konnte sich abermals zehn Schritte nähern, ohne gesehen zu werden.

Der junge Mann kniete nieder, erbeugte seine Stirnbis auf den Stein, umfaßte das Gitter mit seinen Händen und murmelte: Oh! Valentine!

Dem Grafen wolltebei dem Ausdruck, mit dem diese Worte gesprochen wurden, das Herzbrechen; er machte noch einen Schritt, klopfte Morel auf die Schulter und sagte: Sie, mein lieber Freund, Sie suchte ich.

Monte Christo erwartete ein Aufbrausen, Vorwürfe, Beschuldigungen; er täuschte sich. Morel wandte sich um und sagte mit scheinbarer Ruhe: Sie sehen, ichbetete!

Der forschendeBlick des Grabenbetrachtete den jungen Mann von obenbis unten. Nach dieser Prüfung schien er ruhiger. Soll ich Sie nach Paris zurückfahren? sagte er.

Nein, ich danke.

Wünschen Sie irgend etwas? — Lassen Sie michbeten.

Der Graf entfernte sich ohne Erwiderung, doch nur um auf einer andern Stelle stehen zubleiben, von wo aus er jedeBewegung Morelsbeobachten konnte. Dieser erhobsich endlich und schlug wieder den Weg nach Paris ein, ohne ein einziges Mal den Kopf umzuwenden. Er ging langsam die Rue de la Roquette hinab. Der Graf folgte ihm auf hundert Schritte.

Maximilian ging über den Kanal und kehrte auf denBoulevards nach der Rue Meslai zurück. Fünf Minuten nachdem sich die Tür hinter ihn geschlossen hatte, öffnete sie sich wieder für Monte Christo.

Juliebefand sich am Eingang des Gartens und schaute Penelon zu, der im Garten arbeitete.

Ah! Herr Graf von Monte Christo, rief sie mit jener Freude, die jedes Mitglied der Familie Morel zeigte, wenn Monte Christo einenBesuch in der Rue Meslai machte.

Nicht wahr, gnädige Frau, Maximilian ist soeben nach Hause gekommen? fragte der Graf.

Ja, ich glaube, ich habe ihn vorübergehen sehen, erwiderte die junge Frau, doch ichbitte, rufen Sie Emanuel.

Verzeihen Sie, gnädige Frau, ich muß sogleich zu Maximilian hinaufgehen, ich habe ihm eine Sache von der größten Wichtigkeit mitzuteilen.

Gehen Sie, sagte sie, den Grafen mit ihrem reizenden Lächeln nachschauend, bis er an der Treppe verschwunden war.

Monte Christo hattebald die Stufen der zwei Stockwerke hinter sich, die das Erdgeschoß von Maximilians Wohnung trennten. Auf dem Vorplatze horchte er, es ließ sich kein Geräusch vernehmen. An dieser Glastür fand sich kein Schlüssel; Maximilian hatte sich von innen eingeschlossen, aber man konnte unmöglich durch die Tür sehen, da hinter den Scheibe ein Vorhang von roter Seide angebracht war.

Die Angst des Grafen verriet sich durch eine lebhafte Röte.

Was ist zu tun? murmelte er. Und er dachte einen Augenblick nach. Läuten? fuhr der Graf fort; oh, nein! Oftbeschleunigt der Schall einer Glocke den Entschluß dessen, der sich in Morels augenblicklicher Lagebefindet.

Monte Christo schauerte vom Scheitelbis zu den Zehen, und dabei ihm der Entschluß die Raschheit desBlitzes hatte, so stieß er mit dem Ellenbogen eine Scheibe der Glastür ein, hobden Vorhang auf und sah Morel, wie er, au seinem Schreibtisch sitzend, beim Geräusch der zerbrochenen Scheibe vom Stuhle aufsprang.

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