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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Schock?, dachte ich, dumpf überrascht, als sich das Wort in meinen Gedanken formte und dann wieder zerfloss wie Gummi. Wahrscheinlich konnte man ja infolge seelischer Verletzungen einen echten körperlichen Schock erleiden – natürlich konnte man das, das wusste ich doch …

»Claire!« Mir wurde bewusst, dass Roger immer drängender meinen Namen rief und mich am Arm rüttelte. Unter immenser Anstrengung brachte ich meine Augen dazu, sich auf ihn zu richten. Er sah wirklich alarmiert aus, und ich fragte mich vage, ob ich wieder begonnen hatte zu sterben. Aber nein – dazu war es zu spät.

»Was?«

Er seufzte – erleichtert, dachte ich.

»Einen Moment lang hast du ziemlich merkwürdig ausgesehen.« Seine Stimme war rauh und heiser; er klang, als schmerzte ihn das Sprechen. »Ich dachte – möchtest du noch eine Tasse Tee?«

Dieser Vorschlag kam mir so unpassend vor, dass ich dicht daran war zu lachen. Doch ich hatte schrecklichen Durst – und auf einmal schien mir eine Tasse Tee das Begehrenswerteste auf der Welt zu sein.

»Ja.« Die Tränen liefen mir immer noch über das Gesicht, doch jetzt erschienen sie mir beinahe tröstend. Ich machte nicht den Versuch, sie zu unterdrücken – das schien viel zu schwer zu sein –, sondern betupfte mir nur mit einer Ecke des teefleckigen Lakens das Gesicht.

Ganz allmählich dämmerte mir, dass ich möglicherweise nicht die klügste – oder zumindest nicht die einfachste – Entscheidung getroffen hatte, als ich beschloss, nicht zu sterben. Ich begann, wieder Dinge wahrzunehmen, die außerhalb der Grenzen und Bedürfnisse meines eigenen Körpers lagen. Sorgen, Schwierigkeiten, Gefahren … Trauer. Dunkle, beängstigende Dinge wie ein Fledermausschwarm. Ich traute mich gar nicht, mir die Bilder zu genau zu betrachten, die in einem unordentlichen Haufen am Grund meines Hirns lagen – Dinge, die ich über Bord geworfen hatte, während ich darum kämpfte, nicht unterzugehen.

Doch wenn ich zurückgekehrt war, war ich gleichzeitig zu dem zurückgekehrt, was ich war – und ich war Ärztin.

»Die … Krankheit.« Ich trocknete die letzten Tränen und ließ Roger seine Hände um die meinen legen und mir helfen, die neue Tasse festzuhalten. »Ist sie noch –?«

»Nein.« Er sprach leise und hob den Rand der Tasse an meine Lippen. Sie dampfte heiß und duftend. Was war es?, fragte ich mich vage, Minze und etwas Kräftigeres, Bittereres … Engelwurz?

»Sie greift nicht weiter um sich.« Roger hielt die Tasse und ließ mich langsam nippen. »In der letzten Woche ist niemand mehr krank geworden.«

»Eine Woche?« Ich stieß an die Tasse, und mir lief etwas Tee über das Kinn. »Wie lange war ich –«

»Ungefähr genauso lange.« Er räusperte sich. Roger hielt den Blick fest auf die Tasse gerichtet; er fuhr mir mit dem Daumen sacht über das Kinn, um die Tropfen wegzuwischen, die ich verschüttet hatte. »Du warst eine der Letzten, die krank geworden sind.«

Ich holte tief Luft, dann trank ich noch etwas. Ein sanfter, süßer Geschmack schwebte über dem bitteren Aroma des Tees … Honig. Mein Verstand fand das Wort, und ich fühlte mich etwas erleichtert, dieses kleine, fehlende Stück Realität ausfindig gemacht zu haben.

Ich sah seinem Verhalten an, dass einige der Kranken gestorben waren, fragte aber vorerst nicht weiter. Mich zum Leben zu entscheiden, war eine Sache. Mich den Lebenden wieder anzuschließen, war ein Kampf, der Kraft erfordern würde, die ich jetzt nicht hatte. Ich hatte meine Wurzeln aus dem Boden gezogen und lag da wie eine verwelkte Pflanze; sie wieder in die Erde zu stecken, überstieg derzeit meine Kräfte.

Das Wissen, dass Menschen, die ich kannte – und vielleicht geliebt hatte –, gestorben waren, war genauso schmerzhaft wie der Verlust meines Haars – und beides überforderte mich.

Trotz der Bitterkeit trank ich noch zwei Tassen des honiggesüßten Tees, dann legte ich mich mit einem Seufzer zurück, und mein Magen fühlte sich an wie ein kleiner, heißer Ballon.

»Du solltest dich etwas ausruhen«, riet Roger mir und stellte die Tasse auf den Tisch. »Ich hole Brianna, aye? Aber schlaf ruhig, wenn du möchtest.«

Ich hatte nicht die Kraft zu nicken, brachte aber ein Zucken meiner Lippen zuwege, das als Lächeln durchzugehen schien. Ich streckte meine zitternde Hand aus und strich mir vorsichtig über den geschorenen Scheitel. Roger zuckte leicht zusammen.

Er stand auf, und ich sah, wie dünn und erschöpft er war – vermutlich hatte er die ganze Woche geholfen, die Kranken zu pflegen, nicht nur mich.

»Roger?« Es war furchtbar anstrengend zu sprechen; so furchtbar schwer, die Worte zu finden, sie aus dem Durcheinander in meinem Kopf herauszutrennen. »Hast du in letzter Zeit etwas gegessen?«

Da veränderte sich sein Gesicht, und ein Ausdruck der Erleichterung glättete die Falten der Erschöpfung und Sorge.

»Nein«, sagte er, räusperte sich erneut und lächelte. »Seit gestern Abend nicht.«

»Oh. Na dann«, sagte ich und hob meine bleischwere Hand. »Dann tu das. Hol dir etwas. Wirst du das tun?«

»Ja«, sagte er. »Das tue ich.« Doch anstatt zu gehen, zögerte er, dann kam er mit mehreren schnellen Schritten zurück, beugte sich über das Bett, nahm mein Gesicht in seine Hände und küsste mich auf die Stirn.

»Du bist wunderschön«, sagte er mit Nachdruck. Dann drückte er mir noch einmal die Wangen und ging.

»Was?«, sagte ich schwach, doch die einzige Antwort war der Vorhang, der sich aufblähte, als der Wind ins Zimmer wehte, der nach Äpfeln duftete.

In Wirklichkeit sah ich aus wie ein Skelett mit einem außergewöhnlich unschmeichelhaften Bürstenschnitt, wie ich herausfand, als ich schließlich die Kraft fand, Jamie zu zwingen, mir einen Spiegel zu bringen.

»Ich gehe nicht davon aus, dass du es in Betracht ziehen würdest, eine Haube zu tragen?«, schlug er vor und befühlte zögerlich ein Exemplar aus Spitze, das Marsali mir mitgebracht hatte. »Nur, bis sie wieder etwas gewachsen sind?«

»Darauf kannst du Gift nehmen.«

Das zu sagen, bereitete mir durchaus Schwierigkeiten, so schockiert, wie ich über die Schreckensvision in meinem Spiegel war. Mich erfasste sogar ein starker Impuls, ihm die Haube aus der Hand zu reißen, sie aufzusetzen und sie mir bis auf die Schultern herunterzuziehen.

Ich hatte bereits abgelehnt, als Mrs. Bug – die sich lauthals zu meinem Überleben als offensichtlichem Resultat ihrer Fieberbehandlung beglückwünschte – mir eine Haube angeboten hatte, ebenso wie Marsali, Malva und sämtliche anderen Frauen, die mich besuchen gekommen waren.

Schuld daran war einfach nur meine Widerspenstigkeit; der Anblick meines ungebändigten Haars versetzte ihren schottischen Frauenanstand in Rage, und sie versuchten schon seit Jahren – mehr oder weniger subtil –, mich in eine Haube zu zwängen. Der Teufel sollte mich holen, wenn ich zuließ, dass die Umstände ihnen den Wunsch erfüllten.

Jetzt, da ich mich im Spiegel gesehen hatte, war meine Überzeugung schon weniger felsenfest. Und mein rasierter Schädel war ein wenig kühl. Andererseits war mir klar, dass Jamie sich schreckliche Sorgen machen würde, wenn ich nachgab – und ich hatte das Gefühl, ihm genug Angst eingejagt zu haben, zumindest seinem eingefallenen Gesicht und den dunklen Rändern unter seinen Augen nach zu schließen.

Tatsächlich hatte sich sein Gesicht beträchtlich erhellt, als ich die Haube in seiner Hand zurückwies, und er warf sie beiseite.

Ich drehte den Spiegel vorsichtig um und legte ihn auf den Bettüberwurf, während ich einen Seufzer unterdrückte.

»Zumindest bin ich jetzt für einen Lacher gut, wenn ich mir den Gesichtsausdruck der Leute betrachte, wenn sie mich sehen.«

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