Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich schwankte ein wenig und spürte Jamies Hand unter meinem Ellbogen. Ich hatte seit fast drei Tagen nicht mehr geschlafen und kaum gegessen. Doch ich fühlte mich weder hungrig noch müde; ich fühlte mich fern und unwirklich, als bliese der Wind durch mich hindurch.
Der Vater stieß einen Aufschrei untröstlicher Trauer aus und sank plötzlich auf den Erdhügel, der durch den Aushub des Grabs entstanden war. Ich spürte, wie sich Jamies Muskeln in instinktivem Mitleid anspannten, trat ein wenig beiseite und murmelte: »Geh nur.«
Ich sah ihm zu, während er rasch zu Mr. MacAfee hinüberging, sich über ihn beugte, um ihm etwas zuzuflüstern, einen Arm um ihn legte. Roger hatte aufgehört zu reden.
Meine Gedanken weigerten sich, mir zu gehorchen. Sosehr ich auch versuchte, mich auf das Geschehen zu konzentrieren, sie schweiften ab. Meine Arme schmerzten; ich hatte Kräuter zerstampft, Patienten hochgehoben, Wasser geholt … Ich hatte das Gefühl, all diese Dinge immer noch zu tun, wieder und wieder, konnte das rhythmische Klopfen des Stößels im Mörser spüren, das Gewicht bewusstloser Körper, das an mir zerrte. Ich sah lebhaft die Objektträger mit den Entameba vor mir, gierigen Scheinfüßlern, die gefräßig in Zeitlupe dahintrieben. Wasser, ich hörte Wasser fließen; sie lebten im Wasser, obwohl nur die Zystenform ansteckend war. Sie wurden durch Wasser übertragen. Das dachte ich sehr deutlich.
Dann lag ich auf dem Boden, ohne mich erinnern zu können, gefallen zu sein, je gestanden zu haben, und ich hatte den kräftigen Geruch von frischer, feuchter Erde und frischem, feuchtem Holz in der Nase. Hastige Bewegung vor meinen Augen; die kleine grüne Bibel war zu Boden gefallen und lag vor meinem Gesicht auf der Erde, und der Wind blätterte ihre Seiten um, eine nach der anderen wie geisterhafte Sortes Virgilianae – wo würde er anhalten?, fragte ich mich dumpf.
Hände und Stimmen waren da, doch ich hatte keine Aufmerksamkeit für sie übrig. Eine große Amöbe trieb majestätisch vor mir in der Dunkelheit, und ihre Scheinfüßchen öffneten sich langsam, langsam, um mich grüßend zu umarmen.
Kapitel 63
Der Augenblick der Entscheidung
Fieber überrollte meinen Verstand wie ein Gewitter; gezackte Linien aus Schmerz knisterten gleißend durch meinen Körper, jede einzelne ein Blitz, der für einen Moment glühend einen Nerv oder Plexus durchzuckte, die verborgenen Höhlungen meiner Gelenke erleuchtete und an meinen Muskelfasern entlangbrannte. Ein gnadenloses Gleißen; es blitzte wieder auf und wieder, das flammende Schwert eines zerstörerischen Engels, der kein Mitleid kannte.
Ich wusste nur selten, ob meine Augen offen waren oder geschlossen, ob ich wachte oder schlief. Ich sah nichts als ein brodelndes Grau, turbulent und mit Rot durchschossen. Die Röte pulsierte in den Adern und Organen, von Wolken verhüllt. Ich packte eine dieser purpurnen Adern und folgte ihrem Weg, heftete mich hartnäckig an ihr dumpfes Glühen inmitten des dröhnenden Donners. Das Donnern wurde lauter, je tiefer ich in die kochende Finsternis eindrang, die mich umgab, wurde schauderhaft regelmäßig wie die Schläge einer Pauke, bis es mir in den Ohren dröhnte und ich mich fühlte wie eine ausgehöhlte Haut, die fest gespannt mit jedem hallenden Schlag vibrierte.
Die Quelle des Lärms lag jetzt direkt vor mir und pochte so laut, dass ich das Gefühl bekam, ich müsste schreien, nur um irgendein anderes Geräusch zu hören – doch obwohl ich spürte, wie sich meine Lippen öffneten und meine Kehle vor Anstrengung anschwoll, hörte ich nichts als das Hämmern. Verzweifelt schob ich meine Hände – wenn es denn meine Hände waren – durch das Nebelgrau und bekam einen warmen, feuchten Gegenstand zu fassen, der sehr schlüpfrig war und krampfhaft in meinen Händen pulsierte.
Ich senkte den Blick darauf, und mir war abrupt klar, dass es mein eigenes Herz war.
Entsetzt ließ ich es fallen, und es kroch in einer rötlichen Schleimspur davon, zitternd vor Anstrengung, während sich seine Klappen öffneten und schlossen wie die Münder eines erstickenden Fischs, jedes Öffnen ein hohles Klicken, jedes Schließen ein leises, fleischiges Klatschen.
Manchmal tauchten Gesichter in den Wolken auf. Manchmal kamen sie mir bekannt vor, obwohl ich ihnen keine Namen zuordnen konnte. Dann wieder waren es die Gesichter von Fremden, die halb gesehenen, unbekannten Gesichter, die einem manchmal am Rand des Schlafs durch die Gedanken huschen. Sie betrachteten mich voll Neugier oder Gleichgültigkeit – dann wandten sie sich ab.
Die anderen, die, die ich kannte, trugen Mienen des Mitgefühls oder der Sorge; sie versuchten, mich dazu zu bringen, dass ich ihre Blicke erwiderte, doch mein Blick schlich sich schuldbewusst davon, schlidderte beiseite, hatte nicht die Kraft dazu. Ihre Lippen bewegten sich, und ich wusste, dass sie mit mir sprachen, doch ich hörte nichts, und ihre Worte ertranken im lautlosen Donnern meines Sturms.
Ich fühlte mich sehr, sehr seltsam – jedoch zum ersten Mal in unzähligen Tagen nicht krank. Die Fieberwolken hatten sich verzogen; zwar grollte ihr Donnern nach wie vor leise in der Nähe, doch im Moment waren sie außer Sichtweite. Mein Blick war klar; ich konnte das freiliegende Holz der Deckenbalken über mir sehen.
Ich sah das Holz sogar so deutlich, dass mich angesichts seiner Schönheit Ehrfurcht ergriff. Die Windungen und Kringel der polierten Holzkörnung schienen gleichzeitig reglos und in eleganter Bewegung zu sein, ihre Farben rauchig zu schimmern und die Essenz der Erde auszustrahlen, so dass ich sehen konnte, wie der bearbeitete Balken immer noch den Geist des Baumes enthielt.
Dies faszinierte mich so sehr, dass ich meine Hand ausstreckte, um das Holz zu berühren – und es auch tat. Meine Finger freuten sich an seiner kühlen Oberfläche und den Rinnen der Axtspuren, die den ganzen Balken flügelförmig überzogen, so ebenmäßig wie ein fliegender Gänseschwarm. Ich konnte das Schlagen kraftvoller Schwingen hören und zugleich spüren, wie meine Schultern ausholten und niedersausten, wie Freude in meinen Armen vibrierte, wann immer die Axt auf das Holz traf. Während ich dieses faszinierende Gefühl noch auskostete, dämmerte mir, dass sich der Balken fast zweieinhalb Meter über dem Bett befand.
Ich drehte mich um – ohne das geringste Gefühl der Anstrengung – und sah, dass ich unten auf dem Bett lag.
Ich lag auf dem Rücken, die Bettwäsche zerwühlt und verstreut, als hätte ich versucht, mich davon zu befreien, aber nicht die Kraft dazu gehabt. Die Luft im Zimmer war seltsam unbewegt, und die farbigen Flächen auf dem Stoff leuchteten hindurch wie Edelsteine am Meeresboden, bunt, aber gedämpft.
Im Gegensatz dazu hatte meine Haut die Farbe von Perlen, blutleer, blass und schimmernd. Und dann sah ich, dass ich so abgemagert war, dass sich die Haut meines Gesichts und meiner Gliedmaßen fest um die Knochen spannte und es der Glanz der Knochen und Knorpel darunter war, der meinem Gesicht diesen Schimmer verlieh, eine glatte Härte, die die transparente Haut durchleuchtete.
Und was es für Knochen waren! Ich war voller Staunen über ihre wunderbare Form. Mein Blick zeichnete voll Ehrfurcht und Erstaunen die zarten Rippenbögen nach, die beinahe schmerzhafte Schönheit des gemeißelten Schädels.
Mein Haar war zerzaust, verklebt und verworren … und doch fühlte ich mich davon angezogen, folgte seinen Locken mit Auge und … Finger? Denn ich war mir nicht bewusst, mich bewegt zu haben, und doch spürte ich die weichen Strähnen, kühles und seidiges Braun, elastisches, lebendiges Silber, hörte die Haare leise klingelnd aneinanderstoßen, eine raschelnde Kaskade von Tönen wie die einer Harfe.
Mein Gott, sagte ich und hörte die Worte, obwohl kein Geräusch die Luft bewegte, du bist so schön.
Meine Augen standen offen. Ich schaute tief hinein und traf auf einen Blick aus Bernstein und sanftem Gold. Die Augen sahen durch mich hindurch in weite Ferne – und doch sahen sie mich auch. Ich sah, wie sich die Pupillen leicht weiteten, und spürte, wie mich ihr warmes Dunkel wissend und einwilligend aufnahm. Ja, sagten diese wissenden Augen. Ich kenne dich. Lass uns gehen. Ich empfand großen Frieden, und die Luft ringsum regte sich, als rauschte ein Windhauch durch Gefieder.