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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Das kann ich mir vorstellen«, sagte ich belustigt.

»Andererseits«, bemerkte ich sotto voce zu Jamie, als sie mit dem Baby wieder ging, »wenn ihre Eltern glauben, dass er Dämonenbrut ist und du sein Großvater bist …«

»Tja, du bist seine Großmutter, Sassenach«, vollendete Jamie trocken. »Es könnte genauso gut an dir liegen. Doch aye, mir wäre es auch lieber, wenn sie nicht zu intensiv darüber nachdenken würden.«

»Nein«, pflichtete ich ihm bei. »Obwohl – glaubst du, jemand von ihnen weiß, dass Marsali nicht deine leibliche Tochter ist? Von Fergus müssen sie es ja wissen.«

»Es würde keine große Rolle spielen«, sagte er. »Sie glauben, dass unser Henri ein Wechselbalg ist, so oder so.«

»Woher weißt du das?«

»Die Leute reden«, sagte er. »Und du, wie geht es dir, Sassenach?«

Vom Gewicht des Babys befreit, hatte ich die Decke zurückgeschlagen, um etwas Luft an mich zu lassen. Jamie starrte mich missbilligend an.

»Himmel, ich kann ja deine Rippen zählen! Geradewegs durch dein Hemd!«

»Dann genieße es, solange du kannst«, wies ich ihn schnippisch an, obwohl es mich schmerzte. Er schien das zu spüren, denn er nahm meine Hand und zeichnete die Linien der tiefblauen Adern nach, die über meinen Handrücken liefen.

»Mach dir nichts daraus, Sassenach«, bat er liebevoll. »Ich habe es nicht so gemeint. Hier, Mrs. Bug hat dir sicher etwas Köstliches mitgebracht.« Er hob den Deckel von einem Schüsselchen, betrachtete stirnrunzelnd die Substanz darin, dann steckte er vorsichtig den Finger hinein und leckte ihn ab.

»Ahornpudding«, verkündete er mit glücklicher Miene.

»Oh?« Ich hatte immer noch nicht den geringsten Appetit, aber Ahornpudding klang zumindest harmlos, und ich widersetzte mich nicht, als er einen Löffel darin eintunkte und mit der Konzentration eines Mannes, der einen Jumbo fliegt, mit dem Inhalt auf meinen Mund zusteuerte.

»Ich kann selbst essen, weißt d…« Er ließ den Löffel zwischen meine Lippen gleiten, und ich leckte resigniert den Pudding davon ab. Erstaunliche Offenbarungen sahniger Süße explodierten umgehend in meinem Mund, und ich schloss ekstatisch die Augen, weil mir alles wieder einfiel.

»O Gott«, sagte ich. »Ich hatte ganz vergessen, wie gutes Essen schmeckt.«

»Ich wusste doch, dass du die ganze Zeit nichts gegessen hast«, sagte er voller Genugtuung. »Hier, nimm noch etwas.«

Ich bestand darauf, den Löffel selbst zu nehmen, und schaffte das halbe Schüsselchen; auf mein Drängen hin aß Jamie die andere Hälfte.

»Du bist vielleicht nicht so dünn wie ich«, sagte ich, drehte meine Hand um und zog eine Grimasse angesichts der vorstehenden Handgelenksknochen, »aber viel hast du in letzter Zeit auch nicht gegessen.«

»Da hast du wohl recht.« Er schabte das Schüsselchen nachdenklich mit dem Löffel aus, um auch den letzten Puddingrest zu erwischen, und leckte den Löffel sauber. »Ich hatte … viel zu tun.«

Ich beobachtete ihn genau. Er gab sich jeden Anschein der Fröhlichkeit, doch mein eingerosteter Spürsinn kehrte langsam zurück. Über eine unbekannte Zeitspanne hinweg hatte ich weder Energie noch Aufmerksamkeit für irgendetwas übriggehabt, das jenseits der vom Fieber gebeutelten Hülle meines Körpers lag; jetzt sah ich die kleinen, vertrauten Details von Jamies Körper, Stimme und Verhalten und stimmte mich langsam wieder auf ihn ein wie eine durchhängende Geigensaite, die in Gegenwart einer Stimmgabel wieder angezogen wird.

Ich konnte spüren, dass eine Sorge in ihm vibrierte, und allmählich kam mir der Gedanke, dass nicht allein mein kürzliches Beinahe-Ableben daran schuld war.

»Was?«, sagte ich.

»Was?« Er zog fragend die Augenbrauen hoch, doch ich kannte ihn zu gut. Die Frage allein verlieh mir die Sicherheit, dass ich recht hatte.

»Was verschweigst du mir?«, fragte ich mit aller Geduld, die ich aufbringen konnte. »Ist es schon wieder Brown? Hast du von Stephen Bonnet gehört? Oder von Donner? Oder hat die weiße Sau eins der Kinder gefressen und ist daran erstickt?«

Das brachte ihn immerhin zum Lächeln, wenn auch nur kurz.

»Das nicht«, sagte er. »Sie hat sich auf MacDonald gestürzt, der bis vor ein paar Tagen hier war, aber er hat es rechtzeitig auf die Veranda geschafft. Ziemlich agil, der Major, für einen Mann seines Alters.«

»Er ist jünger als du«, wandte ich ein.

»Nun, ich bin sowieso agil«, sagte er in aller Logik. »Mich hat die Sau schließlich noch nicht erwischt, oder?«

Ich spürte ein beklommenes Gefühl, als er den Major erwähnte, aber es waren keine Neuigkeiten von politischen Unruhen oder militärischem Donnergrollen, die Jamie Kummer machten; das hätte er mir sofort gesagt. Ich fixierte ihn erneut mit zusammengekniffenen Augen, schwieg aber.

Er seufzte tief.

»Ich glaube, ich muss sie fortschicken«, sagte er leise und ergriff erneut meine Hand.

»Wen fortschicken?«

»Fergus und Marsali und die Kinder.«

Ich spürte einen scharfen, plötzlichen Ruck, als hätte mir jemand einen Hieb direkt unter das Brustbein versetzt, und plötzlich fiel mir das Luftholen schwer.

»Was? Warum? Und – und wohin?«, brachte ich heraus.

Er rieb sacht mit dem Daumen über meine Fingerknöchel, vor und zurück, und sein Blick war ganz auf diese kleine Bewegung konzentriert.

»Fergus hat versucht, sich umzubringen, vor drei Tagen«, sagte er ganz leise.

Meine Hand packte krampfhaft die seine.

»Gott im Himmel«, flüsterte ich. Er nickte, und ich merkte, dass er im Moment nichts sagen konnte; er biss sich auf die Unterlippe.

Jetzt war ich es, die seine Hand in meine Hände nahm und Kälte durch meine Haut dringen spürte. Ich hätte es gern abgeleugnet, mich gegen die Vorstellung gewehrt – doch ich konnte es nicht. Sie hing zwischen uns, hässlich wie eine Giftkröte, die keiner von uns berühren mochte.

»Wie denn?«, sagte ich schließlich. Meine Stimme schien im Zimmer widerzuhallen. Eigentlich war mir danach zu fragen: »Bist du sicher?«, doch ich wusste, dass es so war.

»Mit einem Messer«, erwiderte er. Sein Mundwinkel zuckte erneut, jedoch nicht ohne Humor. »Er hat gesagt, er hätte sich aufgehängt, aber er konnte das Seil nicht mit einer Hand verknoten. Zum Glück.«

Der Pudding hatte eine kleine feste Kugel gebildet, die wie Gummi am Boden meines Magens lag.

»Du … hast ihn gefunden? Oder war es Marsali?«

Er schüttelte den Kopf.

»Sie weiß es gar nicht. Oder zumindest – ich nehme an, dass sie es weiß, aber sie gibt es nicht zu. Weder vor sich selbst noch vor ihm.«

»Dann kann er nicht schwer verletzt gewesen sein, sonst müsste sie es ja wissen.« Meine Brust schmerzte noch, doch die Worte kamen jetzt problemloser.

»Nein. Ich habe ihn vorbeigehen sehen, als ich weiter oben auf dem Hügel ein Hirschfell gegerbt habe. Er hat mich nicht entdeckt, und ich habe nicht nach ihm gerufen. Ich weiß nicht, was es war, das mir an ihm seltsam vorkam … aber es hat mir keine Ruhe gelassen.« Er zog seine Hand zurück und rieb sich die Nase.

»Mir ging der Gedanke nicht aus dem Kopf, dass etwas nicht stimmte, und schließlich habe ich meine Arbeit niedergelegt und bin ihm nachgegangen, noch in dem Glauben, ich sei ein Narr.«

Fergus war am Ende des Bergkamms dem bewaldeten Abhang gefolgt, der zur Weißen Quelle führte. Dies war die abgelegenste der drei Quellen auf dem Kamm, die »weiß« genannt wurde, weil am Kopf des Teiches ein großer, heller Findling stand.

Gerade, als Jamie aus dem Wald kam, hatte er gesehen, wie Fergus sich neben der Quelle niederlegte, den Ärmel aufgekrempelt und den Rock zum Kopfkissen zusammengefaltet hatte, und seinen handlosen linken Arm in das Wasser tauchte.

»Vielleicht hätte ich ihn da rufen sollen«, sagte er und fuhr sich abwesend mit der Hand durch das Haar. »Aber ich konnte es einfach nicht glauben, verstehst du?«

Dann hatte Fergus ein kleines Jagdmesser in die rechte Hand genommen, ins Wasser gefasst und mit einem gezielten Schnitt die Pulsadern in seinem linken Ellbogen geöffnet, so dass das Blut in einer sanften, dunklen Wolke um seinen weißen Arm herum aufquoll.

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