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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Dann ließ mich ein Geräusch zum Fenster herumfahren, und ich sah den Mann, der dort stand. Ich hatte keinen Namen für ihn, und doch liebte ich ihn. Er stand mit dem Rücken zum Bett, die Arme auf die Fensterbank gestützt, und sein Kopf war ihm auf die Brust gesunken, so dass das Licht der Morgendämmerung rot auf seinem Haar glühte und seine Arme in Gold tauchte. Trauer schüttelte ihn krampfhaft; ich spürte es wie die Stöße eines fernen Erdbebens.

Neben ihm bewegte sich jemand. Eine dunkelhaarige Frau, ein Mädchen. Sie trat zu ihm, berührte seinen Rücken, murmelte ihm etwas zu. Ich sah, wie sie ihn ansah, wie sie sanft den Kopf neigte, sich ihr Körper dem seinen vertraulich entgegenlehnte.

Nein, dachte ich mit großer Ruhe. Das geht nicht.

Ich richtete noch einen Blick auf mich, wie ich auf dem Bett lag. Mit einem Gefühl, das zugleich fester Entschluss und unermessliches Bedauern war, holte ich wieder Luft.

Kapitel 64

Ich bin die Auferstehung, Teil 2

Ich schlief immer noch über lange Strecken und erwachte nur kurz, um etwas zu mir zu nehmen. Doch die Fieberträume waren jetzt fort, und mein Schlaf war ein See mit tiefem, schwarzem Wasser, in dem ich das Vergessen atmete und unbekümmert wie ein Fisch an schwankenden Wasserpflanzen vorbeitrieb.

Manchmal schwebte ich dicht unter der Oberfläche dahin und war mir der Menschen und Dinge an der Luft bewusst, konnte aber nicht zu ihnen durchstoßen. Stimmen sprachen dicht in meiner Nähe, gedämpft und bedeutungslos. Dann und wann durchdrang ein Satzfetzen die klare Flüssigkeit, die mich umgab, und schwebte in meinen Kopf, wo er hing wie eine winzige Qualle, rund und durchsichtig, durch eine mysteriöse tiefere Bedeutung zum Pulsieren gebracht, seine Worte ein treibendes Netz.

Jeder Satz blieb eine Weile in meinem Gesichtsfeld hängen, faltete und entfaltete sich in seinem seltsamen Rhythmus, bis er dann leise an die Oberfläche davontrieb und Stille hinterließ.

Und zwischen den kleinen Quallen kamen offene, klare Wasserflächen, manche von strahlendem Licht erfüllt, manche von der Dunkelheit grenzenlosen Friedens. Ich trieb auf und ab, von den Launen unbekannter Strömungen gehalten zwischen der Oberfläche und den Tiefen.

»Heiler, blicke her.« Pfizz. Etwas regt sich, ein schlummernder Keim bewusster Wahrnehmung; aufgestört durch Luftbläschen, teilt er sich und blüht auf. Dann ein Stich, scharf wie Metall. Wer ruft mich da? Heiler, blicke her.

Ich öffnete meine Augen.

Es war kein großer Schock, denn das Zimmer war von Zwielicht erfüllt, stillem Licht, als wäre man unter Wasser, und ich fühlte mich nicht aufgestört.

»Oh, Herr Jesus Christus, Du großer Heiler: Blicke großzügig auf diese Deine Dienerin; schenke jenen, die sie in ihrer Krankheit umsorgen, Weisheit und Vorsicht; segne alle Mittel zu ihrer Wiederherstellung …«

Die Worte rannen wie ein flüsternder Strom über mich hinweg und kühlten meine Haut. Vor mir war ein Mann, sein dunkelhaariger Kopf über ein Buch gebeugt. Das Licht im Zimmer umarmte ihn, und er schien ein Teil davon.

»Strecke deine Hand aus«, flüsterte er den Seiten zu, und seine Stimme krächzte und hakte, »und wenn du es willst, gib ihr Gesundheit und Kraft zurück, auf dass sie lebe, um dich für deine Güte und Gnade zu preisen; zum Ruhm deines heiligen Namens. Amen.«

»Roger?«, sagte ich ratend seinen Namen. Auch meine Stimme war heiser, weil ich sie so lange nicht benutzt hatte; zu sprechen bedeutete unerträgliche Anstrengung.

Seine Augen waren zum Gebet geschlossen; sie öffneten sich abrupt und ungläubig, und mir fiel auf, wie lebhaft sie waren, das Grün von Sommerlaub und nassem Serpentin.

»Claire?« Seine Stimme überschlug sich wie die eines Jungen im Stimmbruch, und das Buch fiel ihm aus der Hand.

»Ich weiß es nicht«, sagte ich und spürte, wie mich das traumgleiche Gefühl des Untertauchens wieder zu umfassen drohte. »Bin ich das?«

Ich konnte für ein oder zwei Sekunden eine Hand heben, war aber zu schwach, um auch nur den Kopf zu bewegen, ganz zu schweigen davon, mich hinzusetzen. Roger zog mich hilfsbereit in eine halb aufrechte Position, lehnte mich gegen einen Kissenstapel und legte mir die Hand auf den Hinterkopf, um zu verhindern, dass er wackelte, während er mir eine Tasse Tee an die trockenen Lippen hielt. Es war die merkwürdige Art, wie sich seine Hand auf der bloßen Haut meines Nackens anfühlte, die es mir vage dämmern ließ. Dann spürte ich die Wärme seiner Hand deutlich und unmittelbar auf meinem Hinterkopf und zuckte zusammen wie ein gestrandeter Lachs, so dass die Teetasse durch die Luft segelte.

»Was? Was?«, prustete ich und umklammerte meinen Kopf, zu schockiert, um einen vollständigen Satz zu formulieren. Den heißen Tee, der durch die Laken sickerte, bemerkte ich gar nicht. »WAS?!«

Roger sah beinahe genauso schockiert aus, wie ich mich fühlte. Er schluckte und suchte nach Worten.

»Ich … ich … ich dachte, du wüsstest es«, stammelte er, und seine Stimme überschlug sich. »War das etwa nicht …? Ich meine … ich dachte … hör zu, es wächst doch wieder nach!«

Ich konnte spüren, wie mein Mund arbeitete und sich an unterschiedlichen Formen versuchte, die eine mögliche Ähnlichkeit mit Worten besaßen, doch es bestand keine Verbindung zwischen Zunge und Hirn – es gab nur Raum für die Erkenntnis, dass das gewohnte weiche, schwere Gewicht meines Haars verschwunden und einem Stachelpelz gewichen war.

»Malva und Mrs. Bug haben es abgeschnitten, vorgestern«, sagte Roger fast wie in einem Wort. »Sie – wir waren nicht da, Brianna und ich, sonst hätten wir sie nicht gelassen, natürlich nicht – aber sie haben gedacht, es ist das Richtige für jemanden mit schlimmem Fieber, heutzutage macht man es so. Brianna hat getobt, aber sie haben gedacht – sie haben wirklich geglaubt, sie würden helfen, dir das Leben zu retten – o Gott, Claire, mach nicht so ein Gesicht, bitte!«

Sein Gesicht war in einem verschwommenen Kranz aus Licht verschwunden, als sich plötzlich ein Vorhang aus schimmerndem Wasser herabsenkte, um mich vor dem Blick der Welt zu schützen.

Mir war gar nicht bewusst, dass ich weinte. Der Schmerz brach einfach aus mir heraus, wie Wein aus einem Weinschlauch spritzt, den man mit dem Messer ansticht, überall Tropfen, dunkelrot wie Knochenmark.

»Ich hole Jamie!«, krächzte er.

»NEIN!« Ich packte ihn am Ärmel und legte dabei mehr Kraft an den Tag, als ich zu besitzen geglaubt hätte. »Gott, nein! Ich will nicht, dass er mich so sieht!«

Sein kurzes Schweigen verriet es mir, doch ich hielt mich stur an seinem Ärmel fest, weil mir keine andere Möglichkeit einfiel, das Unvorstellbare zu verhindern. Ich kniff die Augen zu und öffnete sie wieder; das Wasser strömte mir über das Gesicht wie ein Bach, der über Felsen fließt, und Roger wurde wieder sichtbar, wenn auch mit verschwommenen Rändern.

»Er … äh … er hat dich gesehen«, sagte Roger schroff. Er senkte den Blick, um mich nicht direkt anzusehen. »Es. Schon. Ich meine –« Er wies mit einer vagen Geste in die Richtung seiner eigenen schwarzen Locken. »Er hat es schon gesehen.«

»Wirklich?« Das schockierte mich beinahe genauso wie die eigentliche Entdeckung. »Was – was hat er gesagt?«

Er holte tief Luft und blickte wieder auf, wie ein Mensch, der befürchtet, dass er eine Gorgo sehen wird. Oder die Antigorgo, dachte ich bitter.

»Er hat gar nichts gesagt«, sagte Roger ganz sanft und legte mir die Hand auf den Arm. »Er – er hat einfach nur geweint.«

Auch ich weinte erneut, allerdings jetzt weniger heftig und ohne dabei nach Luft zu schnappen. Das Gefühl markerschütternder Kälte war vorüber, und meine Gliedmaßen fühlten sich jetzt warm an, obwohl mich der kühle Lufthauch auf meiner Kopfhaut noch aus der Fassung brachte. Mein Herzschlag verlangsamte sich wieder, und mich überkam ein schwaches Gefühl, außerhalb meines Körpers zu stehen.

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