Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Die bösen Kreaturen haben versucht, ihn zu ersäufen«, wurde Mrs. Bug deutlicher. »Haben den armen Kleinen in seinem Körbchen gestohlen und es zum Schwimmen in den Bach gesetzt!«
»Ich glaube nicht, dass sie vorhatten, ihn zu ersäufen«, sagte Jamie nachsichtig, nebenher in sein Spiel vertieft. »Sonst hätten sie sich wohl kaum die Mühe mit dem Körbchen gemacht.«
»Hmpf!«, lautete Mrs. Bugs Erwiderung auf diese logische Erörterung. »Sie hatten jedenfalls nichts Gutes mit ihm vor«, fügte sie finster hinzu.
Ich hatte Henri-Christian einer raschen Untersuchung unterzogen und einige weitere heilende Prellungen, eine kleine verkrustete Wunde an seiner Ferse und ein aufgeschürftes Knie gefunden.
»Hiihiihii!«, sagte Henri-Christian, den meine Erkundungen köstlich amüsierten.
»Roger hat ihn gerettet?«, sagte ich und blickte zu Jamie auf.
Er nickte, und seine Mundwinkel verzogen sich ein wenig nach oben.
»Aye. Ich hatte keine Ahnung, was da vor sich ging, bis die kleine Joan zu mir gerannt kam und schrie, sie hätten ihren Bruder – aber ich bin noch rechtzeitig dort gewesen, um das Ende der Angelegenheit mitzubekommen.«
Die Jungen hatten das Babykörbchen in den Forellenteich gesetzt, eine breite, tiefe Stelle des Bachs, an der das Wasser ziemlich ruhig war. Das fest geflochtene Schilfkörbchen war an der Oberfläche dahingetrieben – bis es die Strömung zum Auslauf des Teichs trug, wo das Wasser rasch über eine steinige Strecke lief, bevor es einen guten Meter tief in einen Tumult aus Wasser und Felsbrocken stürzte.
Roger war dabei gewesen, in Hörweite des Bachs einen Zaun zu errichten. Als er die Rufe der Jungen und Felicités Kreischen hörte, hatte er seinen Balken fallen gelassen und war bergab gerannt, weil er glaubte, sie würde gequält.
Stattdessen war er gerade rechtzeitig aus den Bäumen geschossen, um zu sehen, wie Henri-Christian in seinem Körbchen langsam über die Kante des Auslaufs kippte und wie wild von Stein zu Stein zu rumpeln begann, wobei sich der Korb in der Strömung drehte und Wasser aufnahm.
Roger rannte das Ufer hinunter und stürzte sich bäuchlings ins Wasser, um in letzter Sekunde kurz vor dem Wasserfall der Länge nach im Bach zu landen, gerade als Henri-Christian brüllend vor Angst aus seinem durchtränkten Körbchen fiel, den Wasserfall hinunterplumpste und auf Roger landete, der ihn auffing.
»Ich war also gerade rechtzeitig da, um es zu beobachten«, berichtete mir Jamie, der bei dieser Erinnerung grinste. »Und dann zu sehen, wie Roger Mac sich aus dem Wasser erhob wie ein Wassergeist mit Wasserpflanzen im Haar, mit blutender Nase und dem Kleinen fest im Arm. Es war ein grauenvoller Anblick.«
Die Übeltäter waren dem Kurs des Körbchens laut rufend am Ufer gefolgt, doch dann hatte es ihnen die Sprache verschlagen. Einer von ihnen setzte zur Flucht an, und die anderen stoben auf wie ein Taubenschwarm, doch Roger hatte drohend mit dem Finger auf sie gezeigt und so laut »Sheas!« gebrüllt, dass er das Lärmen des Bachs übertönte.
Sein Auftreten war so gebieterisch, dass sie tatsächlich stehen blieben und vor Schreck erstarrten.
Roger fixierte sie mit seinem Blick und watete fast bis zum Ufer. Dann hockte er sich hin und schöpfte eine Handvoll Wasser, die er dem kreischenden Baby über den Kopf goss – worauf es prompt verstummte.
»Ich taufe dich, Henri-Christian«, hatte Roger mit seiner heiseren, rauhen Stimme gedröhnt. »Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! Hört ihr mich, ihr kleinen Mistkerle? Sein Name ist Christian! Er gehört dem Herrn! Wenn ihr ihn noch einmal behelligt, ihr Pestbeulen, so wird Satan erscheinen und euch geradewegs in die Tiefe ziehen – IN DIE HÖLLE!«
Er zeigte noch einmal anklagend mit dem Finger auf die Jungen, die diesmal tatsächlich die Flucht ergriffen und panisch ins Gebüsch stürzten, wo sie in ihrem Fluchteifer stolpernd übereinanderpurzelten.
»Ach, du liebe Güte«, sagte ich, hin- und hergerissen zwischen Gelächter und Bestürzung. Ich blickte auf Henri-Christian hinunter, der seit einiger Zeit die Freuden des Daumenlutschens entdeckt hatte und in weitere Studien dieser Kunst vertieft war. »Das muss ja sehr eindrucksvoll gewesen sein.«
»Mich hat es jedenfalls beeindruckt«, sagte Jamie, der immer noch grinste. »Ich wusste gar nicht, dass Roger Mac ein solches Talent hat, Tod und Verdammnis zu predigen. Der Junge hat eine gewaltige Stimme, selbst wenn sie rauh ist. Er würde begeisterte Zuhörer finden, wenn er das beim Gathering tun würde, aye?«
»Nun, das erklärt auch, was mit seiner Stimme passiert ist«, sagte ich. »Ich hatte mich schon gewundert. Aber glaubst du wirklich, dass es nur ein Streich war? Dass sie das Baby in den Bach gesetzt haben?«
»Oh, es war gewiss ein Streich«, sagte er und legte seine große Hand sanft um Henri-Christians Kopf. »Allerdings war es mehr als nur ein Dumme-Jungen-Streich.«
Jamie hatte einen der flüchtenden Jungen erwischt, als sie an ihm vorbeistürzten, ihn am Kragen gepackt und ihn buchstäblich so erschreckt, dass er sich in die Hosen machte. Er war zielstrebig mit dem Jungen in den Wald gegangen, hatte ihn fest an einen Baum gedrückt und zu erfahren verlangt, was es mit diesem Mordversuch auf sich hatte.
Zitternd und stotternd hatte der Junge diesen zu entschuldigen versucht und gesagt, dass sie dem Baby wirklich nichts Böses wollten! Sie wollten ihn nur schwimmen sehen – weil ihre Eltern sagten, er sei Dämonenbrut, und jeder wusste, dass die Söhne Satans oben auf dem Wasser trieben, weil das Wasser ihre Verruchtheit von sich stieß. Sie hatten das Baby mitsamt dem Körbchen mitgenommen, weil sie Angst hatten, die Berührung seiner Haut würde sie verbrennen.
»Ich habe ihm gesagt, ich würde ihn persönlich verbrennen«, sagte Jamie mit einem gewissen Grimm, »und das habe ich auch getan.« Dann hatte er den schmerzerfüllten Jungen fortgeschickt und ihm aufgetragen, seine Mitstreiter zu unterrichten, dass sie vor dem Abendessen in Jamies Studierzimmer erwartet wurden, um ihren Anteil der Strafe in Empfang zu nehmen – sonst würde Ehrwürden nach dem Abendessen ihre Häuser aufsuchen und sie vor den Augen ihrer Eltern verdreschen.
»Haben sie gehorcht?«, fragte ich fasziniert.
Er warf mir einen überraschten Blick zu.
»Natürlich. Sie haben ihre Arznei geschluckt, und dann sind wir in die Küche gegangen und haben Honigbrote gegessen. Ich hatte Marsali gesagt, sie sollte mit dem Kleinen ebenfalls kommen, und nach dem Essen habe ich ihn mir auf das Knie gesetzt und ihnen gesagt, sie sollten näher kommen und ihn anfassen, nur um es zu sehen.«
Er lächelte schief.
»Einer der Jungen hat mich gefragt, ob es stimmte, was Mr. Roger gesagt hat, dass der Kleine dem Herrn gehört? Ich habe ihm gesagt, dass ich Mr. Roger da gewiss nicht widersprechen würde – doch ganz gleich, zu wem er sonst noch gehöre, dass Henri-Christian auch zu mir gehört und sie das besser nicht vergessen sollten.«
Er fuhr langsam mit dem Finger über Henri-Christians runde, glatte Wange. Das Baby war jetzt fast eingeschlafen; seine schweren Augenlider schlossen sich, und es hatte seinen winzigen, glitzernden Daumen halb in den Mund geschoben.
»Schade, dass mir das entgangen ist«, sagte ich leise, um das Baby nicht zu wecken. Wie die meisten schlafenden Babys war es viel wärmer geworden und lag mir bleiern im Arm. Jamie merkte, dass es mir schwerfiel, den Jungen festzuhalten, und er nahm ihn mir ab und reichte ihn Mrs. Bug zurück, die lautlos damit beschäftigt gewesen war, das Zimmer aufzuräumen, und dabei Jamies Erzählung beifällig gelauscht hatte.
»Oh, das war wirklich ein herrlicher Anblick«, versicherte sie mir flüsternd und tätschelte Henri-Christian den Rücken, während sie ihn übernahm. »Wie die Jungen die Finger ausgestreckt haben, um den Bauch des Kleinen zu berühren, ganz vorsichtig, als würden sie eine heiße Kartoffel anfassen, und er hat gestrampelt und gekichert wie ein verrückter Wurm. Die durchtriebenen kleinen Schufte hatten Augen so groß wie Sixpence-Stücke!«