Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Es war nicht unmöglich, dass einer von den Fischersleuten sich auf dem Weg von der Küste angesteckt hatte und vielleicht einer jener Glückspilze war, die selbst nur eine schwache Infektion durchmachten, während er die Amöbe jetzt in Zystenform in seinem Verdauungstrakt mit sich trug und überall ansteckende Zysten verteilte.
Warum dieser plötzliche Ausbruch? Die Ruhr verbreitete sich fast immer durch kontaminierte Nahrungsmittel oder Wasser. Was –
»Hier, Ma’am.« Malva war zurück, atemlos vor Eile. In der Hand hielt sie mehrere große braune Zwiebeln, die knisterten und glänzten, und sie hatte ein Dutzend Knoblauchknollen in ihre Schürze eingeschlagen. Ich bat Malva, sie klein zu schneiden, und hatte dabei glücklicherweise die Eingebung, ihr aufzutragen, sie mit Honig aufzukochen. Ich wusste nicht, ob sich die antibakterielle Wirkung des Honigs auch auf Amöben bezog, aber es konnte nicht schaden – und würde die Mixtur sehr wahrscheinlich etwas genießbarer machen; sie machte Anstalten, dank der Zwiebeln, des Knoblauchs und des Rhabarbers, heftig in den Augen zu brennen.
»Puh! Was macht ihr denn hier?« Ich blickte von meinem Mörser auf und sah Brianna mit zutiefst argwöhnischer Miene und gerümpfter Nase in der Tür stehen.
»Oh. Na ja …« Ich hatte mich schon daran gewöhnt, aber es herrschte schon durch die Fäkalproben dicke Luft im Sprechzimmer, die jetzt durch die Zwiebeldämpfe noch verstärkt wurde. Malva blickte mit tränenden Augen auf, zog die Nase hoch und wischte sie an ihrer Schürze ab.
»Bir bachen Bedizin«, unterrichtete sie Brianna ausgesprochen würdevoll.
»Ist noch jemand krank geworden?«, fragte ich ängstlich, doch sie schüttelte den Kopf und schob sich ins Zimmer, wobei sie bewusst einen Bogen um die Arbeitsplatte machte, auf der ich die Objektträger mit der Fäkalmasse präpariert hatte.
»Nein, nicht, dass ich wüsste. Ich habe den McLachlans heute Morgen etwas zu essen gebracht, und sie sagen, nur die beiden Kleinen hätten es. Mrs. Coinneach sagt, sie hatte zwar vor ein paar Tagen Durchfall, aber nicht schlimm, und es geht ihr wieder gut.«
»Geben sie den Kindern Honigwasser?«
Sie nickte mit leicht gerunzelter Stirn.
»Ich habe sie gesehen. Sie wirken zwar ziemlich schwach und krank, aber kein Vergleich mit den MacNeills.« Bei der Erinnerung daran nahm sie selbst ein krankes Aussehen an, schüttelte es jedoch ab und wandte sich dem hohen Schrank zu.
»Kannst du mir ein bisschen Schwefelsäure leihen, Mama?« Sie hatte eine Keramiktasse mitgebracht, und bei diesem Anblick musste ich lachen.
»Normale Menschen borgen sich eine Tasse Zucker«, sagte ich und wies kopfnickend auf das Gefäß. »Natürlich. Aber sei vorsichtig damit – füll sie besser in ein Fläschchen mit einem gewachsten Korken. Es wäre nicht gut, wenn du damit stolperst und sie verschüttest.«
»Da hast du recht«, bestätigte sie mir. »Ich brauche aber nur ein paar Tropfen; ich werde sie ziemlich stark verdünnen. Ich mache Papier.«
»Papier?« Malva blinzelte mit roten Augen und zog die Nase hoch. »Wie denn?«
»Nun, man zerquetscht alle möglichen Fasern, die man in die Finger bekommt«, sagte Brianna zu ihr und machte zur Demonstration mit beiden Händen Quetschbewegungen. »Alte gebrauchte Papierstücke, alte Stofflappen, Garnreste, ein paar weiche Blätter oder Blumen. Dann weicht man den Brei tagelang in Wasser ein – und, falls man welche hat, in verdünnter Schwefelsäure.« Sie tippte liebevoll mit ihrem langen Finger gegen das kantige Fläschchen.
»Wenn der ganze Brei zu einer Art Pulpe geworden ist, kann man eine dünne Schicht davon auf Siebe streichen, das Wasser herauspressen, trocknen lassen und ta-da, Papier!«
Ich konnte sehen, wie Malva »ta-da« vor sich hin sagte, und wandte mich halb ab, damit sie mich nicht lächeln sah. Brianna entkorkte die große Säureflasche und goss ganz vorsichtig ein paar Tropfen in ihre Tasse. Scharfer Schwefelgeruch erhob sich sofort wie ein Dämon inmitten des Miasmas aus Fäkalien und Zwiebeln.
Malva erstarrte, und ihre tränenden Augen wurden groß.
»Was ist das?«, fragte sie.
»Schwefelsäure«, sagte Brianna und musterte sie neugierig.
»Vitriol«, verbesserte ich. »Habt Ihr es schon einmal gesehen – äh, gerochen?«
Sie nickte, schüttete die zerkleinerten Zwiebeln in einen Topf und legte rasch einen Deckel darauf.
»Aye, das habe ich.« Sie kam näher, um einen Blick auf die grüne Glasflasche zu werfen, und betupfte ihre Augen. »Meine Mutter – sie ist gestorben, als ich noch klein war – hatte auch welche. Ich erinnere mich an den Geruch und daran, dass sie gesagt hat, ich darf es nicht anfassen, niemals.«
»Wirklich? Ich frage mich, was sie damit gemacht hat.« Das fragte ich mich tatsächlich und mit einem gewissen Gefühl der Beklommenheit. Für einen Alchemisten oder Apotheker war es nichts Ungewöhnliches, Schwefelsäure im Haus zu haben; der einzige Grund, den ich mir für einen Normalbürger vorstellen konnte, war, damit nach jemandem zu werfen.
Malva schüttelte nur den Kopf und wandte sich wieder den Zwiebeln und dem Knoblauch zu. Doch ich hatte ihren Blick gesehen; eine merkwürdige Miene voller Feindseligkeit und Sehnsucht, die mich tief im Inneren unvermutet an etwas erinnerte.
Die Sehnsucht nach einer verstorbenen Mutter – und die Wut eines kleinen, verlassenen Mädchens. Verwirrt und allein.
»Was?« Brianna beobachtete mein Gesicht mit leicht gerunzelter Stirn. »Was hast du?«
»Nichts«, sagte ich und legte ihr die Hand auf den Arm, nur um zu spüren, dass sie da war, kraftvoll, freudig, Jahr um Jahr gewachsen. Tränen brannten in meinen Augen, doch das konnte auch an den Zwiebeln liegen. »Wirklich gar nichts.«
Langsam wurde ich der Begräbnisse müde. Dies war das dritte in ebenso vielen Tagen. Wir hatten Hortense und das Baby zusammen begraben, dann die alte Mrs. Ogilvie. Jetzt war es wieder ein Kind, einer von Mrs. MacAfees Zwillingen. Der andere Zwilling, ein Junge, stand am Grab seiner Schwester und war so erschrocken, dass er wie ein wandelnder Geist aussah, obwohl er selbst die Krankheit nicht gehabt hatte.
Wir waren später dran als beabsichtigt – der Sarg war noch nicht ganz fertig gewesen –, und ringsum stieg die Nacht auf. Alles Gold der Herbstblätter war zu Asche verblichen, und weißer Nebel ringelte sich um die dunklen feuchten Stämme der Kiefern. Man konnte sich kaum eine trostlosere Szene vorstellen – und doch war sie passender als der helle Sonnenschein und der frische Wind, der geweht hatte, als wir Hortense und die kleine Angelica begraben hatten.
»Der Herr ist mein Hirte … Er wird mich leiten –« Rogers Stimme überschlug sich schmerzhaft, doch das schien niemand zu bemerken. Er kämpfte einen Moment dagegen an und schluckte, dann fuhr er hartnäckig fort. Er hatte die kleine grüne Bibel in den Händen, doch er sah sie nicht an; er sprach auswendig, und sein Blick wanderte von Mr. MacAfee, der allein dastand, denn seine Frau und seine Schwester waren beide krank, zu dem kleinen Jungen an seiner Seite – einem Jungen, der etwa in Jemmys Alter war.
»Und wandle … wandle ich auch im Tal des Todes, fürchte … fürchte ich kein Unheil –« Seine Stimme zitterte hörbar, und ich sah, dass ihm die Tränen über das Gesicht liefen. Ich sah mich nach Brianna um; sie stand etwas abseits hinter den Trauernden, Jemmy halb in die Falten ihres dunklen Umhangs gehüllt. Sie hatte die Kapuze hochgezogen, doch ihr Gesicht war zu sehen, blass in der Düsternis, wie Unsere liebe Frau der Schmerzen.
Selbst Major MacDonalds roter Rock hatte die Farbe verloren und war holzkohlengrau im letzten Licht. Er war am Nachmittag eingetroffen und hatte mitgeholfen, den kleinen Sarg zu tragen; jetzt stand er da, den Hut ernst unter den Arm geklemmt, den Kopf gesenkt, das Gesicht unter der Perücke unsichtbar. Auch er hatte ein Kind – eine Tochter, irgendwo daheim in Schottland bei ihrer Mutter.