Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Es saugte. Es war ein Säugling, der noch gestillt wurde – und der Saugreflex ist der erste Überlebensinstinkt. Ich fuhr herum, um mich nach der Frau umzusehen, doch ein einziger Blick auf ihre flachen Brüste und eingesunkenen Brustwarzen genügte; dennoch packte ich ihre Brust und drückte mit den Fingern gegen die Brustwarze. Noch einmal und noch einmal – nein, nein, es zeigten sich keine Milchtropfen auf den bräunlichen Brustwarzen, und das Gewebe in meiner Hand war schlaff. Kein Wasser, keine Milch.
Marsali, die begriff, worum es ging, fasste an den Halsausschnitt ihrer Bluse und zog ihn herunter, um dann das Kind an ihre entblößte Brust zu drücken. Seine winzigen Beine lagen reglos auf ihrem Kleid, die Zehen bläulich und eingerollt wie verwelkte Blütenblätter.
Ich legte Hortense den Kopf zurück und ließ ihr Wasser in den offenen Mund rinnen. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Marsali mit einer Hand rhythmisch auf ihre Brust drückte, um den Milchfluss in Gang zu bringen, während meine eigenen Finger ihre Bewegung nachahmten und die Kehle der bewusstlosen Frau massierten, um sie zum Schlucken zu bewegen.
Ihre Haut war glitschig vom Schweiß, doch es war zum Großteil meiner. Er lief mir in Rinnsalen über den Rücken und kitzelte mich zwischen den Pobacken. Ich konnte mich riechen, ein seltsamer Metallgeruch wie von heißem Kupfer.
Die Peristaltik ihrer Kehle kam mit einem Mal in Gang, und ich zog meine Hand fort. Hortense verschluckte sich und hustete, dann rollte ihr Kopf zur Seite, und ihr Magen verkrampfte sich und katapultierte seinen spärlichen Inhalt wieder hinaus. Ich wischte ihr eine Spur von Erbrochenem von den Lippen und drückte ihr den Becher wieder an den Mund. Ihre Lippen bewegten sich nicht; das Wasser füllte ihren Mund und rann ihr über Gesicht und Hals.
Im Summen der Fliegen hörte ich Lizzies Stimme hinter mir, ruhig, aber irgendwie abwesend, so als spräche sie aus weiter Ferne.
»Könntet Ihr aufhören zu fluchen, Ma’am? Nur, weil die Kleinen Euch hören könnten.«
Ich fuhr zu ihr herum und begriff erst jetzt, dass ich die ganze Zeit laut »gottverdammte Scheiße« vor mich hin gesagt hatte, während ich arbeitete.
»Ja«, sagte ich, »es tut mir leid.« Und wandte mich wieder Hortense zu.
Hin und wieder konnte ich ihr ein wenig Wasser einflößen, aber nicht genug. Nicht annähernd genug, da ihre Eingeweide ja immer noch versuchten, sich des Inhalts zu entledigen, der sie quälte. Rote Ruhr.
Lizzie betete.
»Heilige Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir …«
Brianna murmelte etwas vor sich hin, drängende Laute mütterlicher Ermunterung.
»Gesegnet ist die Frucht deines Leibes, Jesus …«
Mein Daumen lag auf dem Puls der Halsschlagader. Ich spürte, wie er ruckte, einen Schlag aussetzte und dann weiterschlug. Er rumpelte wie ein Karren, dem ein Rad fehlte. Ihr Herz begann, ihr den Dienst zu versagen, und wurde arhythmisch.
»Heilige Maria, Mutter Gottes …«
Ich rammte ihr die Faust in die Mitte der Brust, dann noch einmal und noch einmal, so fest, dass das Bett und der hingestreckte, leichenblasse Körper unter meinen Hieben erzitterten. Fliegen stiegen alarmiert summend von dem durchnässten Stroh auf.
»O nein«, sagte Marsali leise hinter mir. »O nein, nein, bitte.« Ich hörte diesen Tonfall des Unglaubens nicht zum ersten Mal, des Protestes und des vergeblichen Flehens – und wusste, was geschehen war.
»Bitte für uns Sünder.«
Als hätte auch sie es gehört, rollte Hortenses Kopf plötzlich zur Seite, und ihre Augen sprangen auf und starrten zu der Stelle, wo Marsali saß, obwohl ich nicht glaubte, dass sie etwas sah. Dann schlossen sich die Augen, und sie krümmte sich plötzlich seitlich zusammen, bis ihre Knie fast an ihr Kinn reichten. Ihr Kopf fuhr zurück, während ihr restlicher Körper im Krampf erstarrt verharrte, und dann entspannte sie sich plötzlich. Sie würde ihr Kind nicht allein gehen lassen. Rote Ruhr.
»Jetzt und in der Stunde unseres Todes, amen. Gegrüßet seist du, Maria, Mutter Gottes …«
Lizzies leise Stimme fuhr mechanisch fort und wiederholte ihre betenden Worte genauso unbewusst, wie ich vorhin geflucht hatte. Ich hielt Hortenses Handgelenk und suchte nach ihrem Puls, doch es war nur noch eine Formalität. Marsali krümmte sich schmerzerfüllt über den winzigen Körper und wiegte ihn an ihrer Brust. Aus ihrer geschwollenen Brustwarze tropfte Milch, erst langsam, dann schneller fiel sie wie ein weißer Regen auf das kleine, reglose Gesicht in dem vergeblichen Bemühen zu nähren und zu erhalten.
Die Luft war immer noch stickig, immer noch erfüllt vom Gestank, von Fliegen und dem Klang von Lizzies Gebeten – doch die Hütte schien leer und seltsam still zu sein.
Draußen erklang ein Rascheln; das Geräusch von etwas, das über den Boden geschleift wurde, ein gequältes, furchtbar erschöpftes Stöhnen. Dann ein leiser Fall, keuchender Atem. Padraig hatte es bis zu seiner Schwelle geschafft. Brianna blickte zur Tür, doch sie hatte das größere Mädchen noch im Arm, und es lebte noch.
Ich legte die erschlaffte Hand, die ich nach wie vor festhielt, vorsichtig hin und erhob mich, um zu helfen.
Kapitel 61
Pestilenz
Die Tage wurden kürzer, doch das Licht kam noch früh. Die Fenster an der Vorderseite des Hauses zeigten nach Osten, und die aufgehende Sonne glühte auf dem blankgeschrubbten weißen Eichenboden meines Sprechzimmers. Ich konnte den leuchtenden Block aus Licht über die handgehobelten Dielen näher kommen sehen; hätte ich eine richtige Uhr gehabt, hätte ich den Fußboden wie eine Sonnenuhr eichen und die Fugen zwischen den Dielen in Minuten einteilen können.
So jedoch teilte ich sie in Herzschläge ein und zählte die Sekunden, bis die Sonne meine Arbeitsfläche erreichte, wo mein Mikroskop neben Objektträger und Becher bereitstand.
Ich hörte leise Schritte im Flur, dann drückte Jamie mit der Schulter die Tür auf, in jeder Hand einen Zinnbecher mit irgendetwas Heißem, beide in ein Tuch gewickelt, um sich nicht zu verbrennen.
»Ciamar a tha thu, mo chridhe?«, sagte er leise und reichte mir einen der Becher, während er mir einen Kuss auf die Stirn hauchte. »Wie steht es denn?«
»Es könnte schlimmer sein.« Ich schenkte ihm ein Lächeln der Dankbarkeit, das jedoch von einem Gähnen unterbrochen wurde. Ich brauchte ihm nicht zu sagen, dass Padraig und seine ältere Tochter noch lebten; er hätte es meinem Gesicht sofort angesehen, wenn sich etwas Schlimmes ereignet hätte. Nein, ich glaubte, dass sich beide erholen würden, wenn es keine Komplikationen gab; ich war die ganze Nacht bei ihnen geblieben und hatte sie jede Stunde geweckt, um sie abwechselnd eine Mischung aus Honigwasser mit ein wenig Salz oder einen kräftigen Pfefferminztee mit Hartriegelrinde trinken zu lassen, der den Darm beruhigen sollte.
Ich hob die Teetasse – Gänsefußkraut –, schloss die Augen, während ich ihr leicht bitteres Parfum einatmete, und spürte, wie sich meine verkrampfte Hals- und Schultermuskulatur vorfreudig entspannte.
Er hatte gesehen, wie ich den Kopf verdrehte, um meinen Hals zu entkrampfen; Jamies Hand senkte sich auf meinen Nacken, groß und wunderbar warm, weil er den heißen Tee damit festgehalten hatte. Bei seiner Berührung stöhnte ich leise ekstatisch auf, und er lachte tief in seiner Kehle, während er meine schmerzenden Muskeln massierte.
»Solltest du nicht im Bett sein, Sassenach? Du hast doch die ganze Nacht nicht geschlafen.«
»O doch … ein bisschen.« Ich hatte am offenen Fenster gesessen und unruhig gedöst, ständig aufgeschreckt durch Motten, die mein Gesicht berührten, weil sie, angezogen vom Licht meiner Kerze, ins Zimmer flogen. Doch bei Tagesanbruch war Mrs. Bug gekommen, hellwach und in frisch gestärkten Kleidern, um die anstrengende Pflege der Patienten zu übernehmen.
»Ich lege mich gleich hin«, versprach ich. »Aber ich wollte erst etwas nachsehen.« Ich wies mit einer vagen Handbewegung auf mein Mikroskop, das zusammengeschraubt auf dem Tisch wartete. Daneben standen mehrere Glasfläschchen, die mit zusammengedrehten Stoffstückchen verstopft waren und jeweils eine bräunliche Flüssigkeit enthielten. Jamie betrachtete sie stirnrunzelnd.