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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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»Das schreiben die Bücher auch«, rutschte es Tungdil heraus, doch glücklicherweise hörte niemand seine Anmerkung. Er kratzte sich am Kopf; seine Haut musste sich erst noch an den ständigen Sonnenschein gewöhnen, und wäre es Sommer gewesen, hätte er schon längst einen Sonnenbrand gehabt.

»Einen halben Umlauf brauchten wir damals, bis wir sie niederwarfen, so zäh waren sie. Ach, als ich noch bei den Soldaten war, hätten wir die Orks, die um unser Dorf lungern, selbst besiegt. Dann brauchten wir keine Söldner zu unserem Schutz anzuheuern. Das Heer ist nicht mehr das, was es einmal war«, sagte er wehleidig und sehnte sich seine Jugend zurück. Sein Blick fiel auf die Axt des Zwerges. Er betrachtete die Klinge, die unter dem Einsatz im Wald gelitten hatte; getrocknete Harzspuren und kleine Späne hafteten daran. »Eine so gute Waffe, und du hackst damit Holz?«, wunderte er sich.

»Ich musste mir einen Weg durch das Dickicht bahnen.« Tungdil wurde rot und flehte im Stillen, dass ihn niemand bat, die viel gerühmte zwergische Kriegskunst zu demonstrieren. Er hätte es nicht gekonnt.

Lot-Ionan besaß als Magus keinerlei Bezug zu Waffen, Schwertkampf und dem Handwerk eines Kriegers. Folglich hatte Tungdil niemals einen Lehrer gefunden, der ihm gezeigt hätte, wie man die Axt gegen einen Gegner führte. Die Mägde und Knechte brauchten Beile und Äxte zum Holzhacken oder um eine Ratte tot zu schlagen. Damit endeten auch seine Versuche, die Handhabung der berüchtigten Zwergenwaffe zu erlernen, wie es für einen Angehörigen seines Volkes angemessen wäre. Sollte er eines Tages einem Gegner gegenüberstehen, was angesichts der Orks nicht einmal abwegig erschien, würde er drauf losschlagen und hoffen, dass er den Feind verjagte...

»Ich habe schon viel von den Zwergen und ihrer Kampfkraft gehört. Habt ihr es im Blut, oder muss man es euch beibringen?«, fragte der Erzähler ihn prompt. »Einer von euch genügt, um zehn Orks zu töten, sagt man. Stimmt das?«

Tungdil wurde es inmitten der vielen Menschen klarer denn je zuvor: Er war weit davon entfernt, ein echter Zwerg zu sein. Sein Volk würde ihn gewiss auslachen, und plötzlich wünschte er sich nicht mehr, einem von ihnen zu begegnen. Selbst der Gedanke an die Liebe mit einer Zwergin verfehlte seinen Reiz.

»Es stimmt«, antwortete er schwach und hoffte, dass es sich wirklich so verhielt. Dann gähnte er laut und streckte sich. Es wurde Zeit, dass er in ein Bett fiel, die Gedanken und die neugierigen Zuhörer abschüttelte. »Entschuldigt, aber ich möchte mich nun ausruhen.«

Sie entließen ihn ungern aus ihrer Runde, nachdem sie ihre erste Zurückhaltung überwunden hatten. Der Wirt wies ihm ein Lager im zweiten Stock des Fachwerkhauses zu, ein geräumiger Schlafsaal, in dem niemand anderer nächtigte.

Die Waschschüssel nutzte er, um seine heißen Füße zu kühlen, die den Stiefeln seit dem Beginn der Reise nun zum ersten Mal entstiegen. Während er sich noch schnell ein drittes Bier gönnte, schaute er zum Fenster der engen Kammer hinaus und ließ den Blick über die Ziegeldächer Gutenauens schweifen.

Die Siedlung war recht groß und musste annähernd tausend Häuser umfassen. Die Bewohner lebten vermutlich von den Ernten der umliegenden Getreide- und Gemüsefelder sowie den Erträgen der Obstbäume. Dieses bisschen Reichtum wurde nun durch die marodierenden Orks bedroht. Tilogorns angefordertes Heer würde sich beeilen müssen, wenn es etwas retten wollte.

Tungdil trocknete die geschundenen Füße ab, legte seine Kleidung auf den Stuhl und verschwand unter der dicken Federdecke.

Silbriges Licht fiel auf den Sack, den er Gorén bringen sollte, und stellte seine Beherrschung auf eine harte Probe.

Lass ihn zu, sagte er zu sich selbst. Der Inhalt muss dich nicht kümmern.

Kurz vor dem Einschlafen dachte er an den Magus und an seine große Schwester Frala, deren Talisman er am Gürtel trug. Er vermisste ihr Lachen. Morgen früh wollte er den Krüger nach dem Weg zum Schwarzjoch fragen, und er würde sich durch nichts aufhalten lassen.

*

Gedämpfte Geräusche weckten ihn aus seinem Schlummer.

Zwei Männer gaben sich große Mühe, so leise wie möglich im Schlafsaal Quartier zu beziehen. Von draußen gesellte sich das Heulen und Toben eines Sturmes hinzu, der um Gutenauen fegte.

Deutlich meinte der Zwerg, den Namen seines Ziehvaters gehört zu haben. Vorsichtig schaute er nach den Neuankömmlingen. Es handelte sich um einen schmächtigen, gut gekleideten Herrn und einen größeren, breit gebauten Mann, der eine mit Eisenplättchen verstärkte dunkelbraune Lederrüstung trug.

Ein Kaufmann und sein Leibwächter?, überlebte Tungdil. Ihre Sachen waren sicherlich viele Münzen wert. Da erspähte er ein schlichtes und dennoch besonderes Schmuckstück, das am ledernen Aufschlag des Größeren der beiden befestigt war und das Siegel des Rates der Magi trug.

Gesandte! »Ihr wollt zu Lot-Ionan?«, fragte Tungdil laut und gab es auf, den Schläfer zu mimen. Die Neugier hatte über die Vorsicht gesiegt.

Der Größere runzelte die Stirn. »Wie kommst du darauf?«

»Die Spange an Eurem Gewand«, erklärte er den erstaunten Männern. »Ihr seid Boten des Rates der Magi.«

Die beiden wechselten einen raschen Blick. »Wer bist du?«, wollte der Besitzer der Spange wissen. Der Zwerg stellte sich vor. »Nun, dann kannst du uns gewiss sagen, wie es um die Gesundheit deines Herrn bestellt ist. Ist er wohlauf?«

»Sicher. Wenn Ihr Euch vorstellen würdet...«, erwiderte Tungdil höflich. Sie nannten ihre Namen: Friedegard, Magusschüler des ersten Grades von der Schule Turgurs des Schönen, und Vrabor, ein Söldner in den Diensten des Rates. »Lot-Ionan geht es gut«, beantwortete er ihre Frage. »Ihr werdet es selbst sehen.« Doch seine Neugier ließ sich nicht zügeln. »Welchen Grund hat es...« Er stockte und verfiel in eine einfachere Sprache. »Was wollt Ihr von ihm?«

»Ich denke nicht, dass ich dergleichen mit dem Handlanger des Magus bereden sollte«, sagte Vrabor abweisend und griff nach den Schnallen seiner Rüstung, um sie zu öffnen. »Ansonsten trüge ich wohl den Titel Ausrufer.«

Das Wüten des Sturmes klang plötzlich doppelt bedrohlich; eine Böe pfiff durch die Ritzen, ein merkwürdiger Laut entstand. Es war ein grelles, unmenschliches Stöhnen, gefolgt von einem schrillen, mehrstimmigen Pfeifen.

Die Boten zuckten zusammen, und ihre Hände fuhren an die Griffe der Schwerter.

Keine gute Nacht, dachte Tungdil und blickte nach draußen, wo mondbeschienene Wolkenfetzen über den nächtlichen Himmel jagten.

Unvermittelt tauchte ein schmales, anmutiges Gesicht vor dem Fenster auf; graugrüne Augen blickten Tungdil an und fesselten seinen Verstand. Die Faszination war größer als der Schrecken, den das unverhoffte Bild mit sich brachte. Lange schwarze Haare peitschten über das Antlitz; einige Strähnen klebten auf der nassen, fast weißen Haut fest und wirkten wie Risse auf den Zügen eines kunstvoll gearbeiteten Elbenabbildes aus edelstem Marmor.

Der Zwerg konnte sich nicht abwenden, die Augen bannten ihn; doch so hübsch das Gesicht auch anzuschauen war, erwuchs eine immense körperliche Abneigung in ihm. Es war zu hübsch, und eine unbestimmbare Grausamkeit ging von ihm aus.

»Da...«, drang es aus seiner Kehle. Es reichte aus, um die Männer aufmerksam werden zu lassen. Sie blickten auf und gingen auf der Stelle in Deckung.

Das dicke Glas barst. Ein langer, schwarz gefiederter Pfeil schwirrte hindurch und bohrte sich in die Wand.

»Verjage sie!«, rief Vrabor seinem Begleiter zu, griff sich den massiven Tisch, hob ihn hoch und verkeilte ihn vor der Fensteröffnung. Schnell befestigte er die behelfsmäßige Abdeckung und arretierte sie mit einem Balken. Für einen Pfeil gab es nun kein Durchkommen mehr.

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