Die Zwerge
- Автор: Хайц Маркус
- Серия: die zwerge #1
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Ullstein Heyne List GmbH & Co. KG
- ISBN: 3-453-87531-1
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
Tungdil gab sich Mühe, unauffällig einzutreten. Als er den Holzriegel nach oben schob und gegen das Holz drückte, schrien die verrosteten Türangeln auf. Es war die einfachste und zugleich wirkungsvollste Vorrichtung, sich gegen Schleicher zu schützen; diesen Laut des geschundenen Metalls überhörte gewiss niemand. Der Zwerg zögerte und betrat dann den Schankraum.
Zehn Dorfbewohner saßen bei Met und Bier an den grob gezimmerten Tischen; Tabak, Essensdüfte und Körpergerüche verbanden sich zu einem gewöhnungs-bedürftigen Bouquet. Die Kleider der Leute waren einfach: Mit Jutehemden oder ungefärbten Wollstoffen schützten sie sich gegen die Kühle des Frühlingsabends. Ihre Füße steckten in dicken Socken und geschnürten Schuhen.
Zwei Dorfbewohner nickten ihm zögernd zu, die anderen beschränkten sich darauf, ihn anzustarren.
Das dachte ich mir. Der Zwerg erwiderte den Gruß und ging zu einem freien Tisch. Die Möbel waren zwar wie immer zu groß für ihn, aber das störte ihn nicht. Er bestellte sich eine warme Mahlzeit und einen großen Humpen Bier. Kurz darauf standen eine Schüssel mit dampfendem Getreidebrei und zerkleinertem Fleisch sowie ein Krug Gerstensaft vor ihm.
Heißhungrig machte er sich über das Essen her. Es schmeckte bodenständig, leicht angebrannt und etwas fad, aber es war warm. Das wässrige, hellgelbe Bier wurde seinem zwergischen Anspruch nicht gerecht, doch er trank es. Er wollte keinen Streit vom Zaun brechen und zudem noch ein Bett für die Nacht bekommen.
Einer der Männer betrachtete ihn so eindringlich, dass er es förmlich spürte. Tungdil warf ihm einen auffordernden Blick zu.
»Ich frage mich, was ein Unterirdischer ausgerechnet jetzt bei uns will«, sagte der Dörfler so laut, dass selbst der Schwerhörigste es vernahm, und stieß den Rauch seiner Pfeife gegen die rußgeschwärzte Decke.
»Ein Bett.« Der Zwerg kaute langsamer, senkte den Löffel in die klebrige Masse und wischte sich die Reste aus dem kurzen Bart. Ein Mensch, der Ärger suchte - das fehlte ihm noch zu seinem Glück. Der Ton des Mannes war eindeutig. Aber nicht mit mir. »Ich möchte keine Scherereien mit Euch«, stellte er fest. »Ich habe die letzten Nächte in der Wildnis verbracht und bin Vraccas dankbar, dass ich ein Nachlager gefunden habe, das nicht aus Laub und Zweigen besteht«, sagte er trotzig.
Die anderen Gäste feixten und lachten. Manche verbeugten sich übertrieben vor dem Pfeifenraucher und redeten ihn mit »Ihro Gnaden« und »Ihre Erhabenheit« an; jemand setzte dem Mann einen leeren Humpen als Krone auf. Sie fanden es lustig, dass der Zwerg die höflichste aller Anreden für einen einfachen Dörfler gebrauchte.
»Oho, der Zwerg hat studiert. Ist wohl ein feiner Pinkel?« Wütend schlug der Mann sich den Krug vom Schopf und wandte sich seinen Leuten zu. »Ja, lacht nur, ihr Deppen! Ich weiß, warum ich misstrauisch bin. Wenn ihn die Orks geschickt haben, um uns auszuspionieren, und er denen heute Nacht das Tor öffnet, bleibt euch das Grölen schon noch im Hals stecken!«
Die Heiterkeit verflog.
Tungdil erkannte, dass es für ihn gefährlich werden konnte, wenn er nicht aufpasste. Vor allem musste er aufhören, wie ein Gelehrter zu sprechen. Ein Zwerg an sich war schon ungewöhnlich genug.
»Das Volk der Zwerge und die Orks sind unversöhnliche Feinde«, erwiderte er ernst. »Ein Zwerg würde mit ihnen niemals gemeinsame Sache machen.« Er reckte dem Mann die Hand entgegen. »Da, mein Wort, mein Ehrenwort, dass ich keinen Verrat im Schild führe. Das schwöre ich bei Vraccas, der die Zwerge erschuf.«
Der Pfeifenraucher betrachtete die kräftigen Finger und überlegte, was er tun sollte. Schließlich schlug er ein und drehte Tungdil den Rücken zu.
Der Schankwirt brachte dem erleichterten Zwerg ein frisches Bier. »Du musst ihm verzeihen. Wir sind alle angespannt«, beeilte er sich zu erklären. »Die Orks ziehen bereits seit vielen Umläufen durch den oberen Westen Idoslâns und plündern Siedlungen.«
»Deshalb die Söldner?«
»Ja. Wir haben die Krieger angeheuert, um unser Dorf zu beschützen, bis König Tilogorns Soldaten eintreffen und die Horden vernichten.« Er wandte sich zum Gehen.
»Warte!« Tungdils Hand legte sich auf seinen fleckigen Ärmel. Eine vage Hoffnung keimte in ihm auf. »Sind Zwerge in seiner Streitmacht? Ich habe gehört, dass einige in seinem Sold stehen.«
Der Wirt zuckte mit den Achseln. »Ich weiß es nicht, kleiner Mann. Denkbar wäre es.«
»Wann kommen sie an?«, wollte er aufgeregt wissen. Sein Botengang zum Schwarzjoch würde einen Aufschub vertragen, wenn er dafür endlich Angehörige seines Volkes zu sehen bekäme. Soll Jolosin nur ordentlich schälen.
»Sie wollten vor drei Umläufen hier sein«, antwortete der Wirt und deutete entschuldigend zum Tresen, wo Durstige nach ihrem Bier verlangten. Tungdil ließ ihn ziehen und aß weiter, während er über das Land nachdachte, in das es ihn verschlagen hatte.
Idoslân hatte seinen Namen daher erhalten, weil hier etliche Schlachten geschlagen worden waren. Dabei war es immer nur um den Thron gegangen. Die Ido waren einst ein großes Herrschergeschlecht gewesen, das selbst in der eigenen Familie um die Macht gerungen und sich gegenseitig bekriegt hatte - worunter vor allem die Untertanen zu leiden gehabt hatten. Das Reich war zersplittert, jedes Stückchen von einem anderen Familienmitglied regiert worden. Irgendwann war es den einfachen Bewohnern zu viel geworden, und sie hatten die Angehörigen des Geschlechts der Reihe nach abgeschlachtet: Idoslân.
Ein angetrunkener Dörfler stand auf und hob seinen Becher. »Es lebe Mallen! Auf dass er den Betrüger Tilogorn vom Thron stoße!« Als niemand in seinen Trinkspruch einfiel, setzte er sich grummelnd.
Wenn Tungdil sich recht entsann, war damit Prinz Mallen von Ido gemeint, der letzte Spross des Geschlechts. Er lebte im nördlich gelegenen Urgon und betrieb von dort aus ein Ränkespiel, um eines Tages als rechtmäßiger König in das Land zurückzukehren.
An der Wand der Gaststube hing eine alte, vergilbte und verräucherte Karte von Idoslân. Das Reich selbst wies harmlose Berge, Wälder und Ebenen auf, die sich in abwechslungsreicher Folge aneinander reihten. Es hätte ein Paradies sein können, wenn die Orks nicht gewesen wären.
»Schön, nicht wahr?«, sagte einer der Gäste, der die Blicke des Zwergs bemerkt hatte.
»Bis auf Toboribor«, meinte Tungdil und deutete auf den eingezeichneten schwarzen Fleck, der mitten in Idoslân lag, ausgerechnet dort, wo sich die fruchtbarsten Äcker befanden. Er nahm seinen Humpen und wanderte zum Nachbartisch. »Was hat die Orks aufgeschreckt?«
»Sie brauchen nicht aufgeschreckt zu werden. Sie ziehen aus Langeweile los, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Ein paar Meilen von hier waren sie schon. Haben Äcker und Obsthaine angezündet. Scheußliche Kreaturen! Mord, Raub und Kampf, etwas anderes kennen sie nicht«, berichtete der Mann.
»Aber sie sind stark«, ergänzte ein anderer und rollte mit den Augen.
»Jetzt kommt wieder die alte Geschichte«, stöhnte der Wirt auf und schenkte Bier nach.
»Ja, die alte Geschichte«, meinte der Erzähler halb beleidigt, aber es reichte nicht aus, um ihn zum Schweigen zu veranlassen. »Ich stand einst einer ganzen Rotte von besonders großen Viechern gegenüber, als ich noch in Tilogorns Heer diente...«
»... und er keine Zeit dazu hatte, kleine Kinder zum Grausen zu bringen...«
»Sei jetzt still, Krüger! Ich habe mit ihnen gekämpft, nicht du! Stell dir vor, Zwerg, sie überragen einen gewöhnlichen Mann um einen ganzen Kopf. Ihre Fratzen mit den platten Nasen und den hervorstehenden Zähnen sind einfach widerlich. Die grässlichen Augen und ihr Gebrüll jagen unerfahrenen Kämpfern gehörig Angst ein.«