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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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Aber der Kaiser ging mit Balaschew vorbei, ohne Araktschejew zu bemerken, und begab sich durch die Ausgangstür in den erleuchteten Garten. Araktschejew legte die Hand auf den Degen, blickte sich grimmig um und ging in einer Entfernung von etwa zwanzig Schritten hinter ihnen her.

Während Boris fortfuhr, die einzelnen Touren der Masurka zu tanzen, ließ ihm der Gedanke keine Ruhe, was für eine Nachricht Balaschew wohl überbracht haben mochte und auf welche Weise er dies eher als alle übrigen in Erfahrung bringen könne.

Als die Tour kam, wo er eine Dame zu engagieren hatte, flüsterte er Helene zu, er wolle die Gräfin Potocka holen, die wohl auf die Terrasse hinausgetreten sei, chassierte über das Parkett und eilte auf die Ausgangstür zu, die in den Garten führte, blieb aber plötzlich dort stehen, als er den Kaiser mit Balaschew über die Terrasse zurückkommen sah. Sie kamen in der Richtung auf die Tür zu. Boris drückte sich eilig, als habe er keine Zeit mehr gehabt, zurückzutreten, an den Türpfosten und senkte den Kopf.

Der Kaiser, erregt wie ein Mensch, der persönlich beleidigt worden ist, sagte gerade die Worte: »Ohne Kriegserklärung in Rußland einzufallen! Ich werde erst dann Frieden schließen, wenn kein bewaffneter Feind mehr auf meinem Grund und Boden steht.«

Es schien Boris, als bereite es dem Kaiser Vergnügen, diese Worte auszusprechen: er war mit der Form, in die er seine Gedanken gekleidet hatte, zufrieden, aber ungehalten darüber, daß Boris sie gehört hatte.

»Niemand darf etwas davon erfahren!« fügte der Kaiser hinzu und zog finster die Stirn zusammen.

Boris verstand, daß sich das auf ihn bezog, schloß die Augen und neigte leicht den Kopf. Der Kaiser trat wieder in den Saal und blieb noch eine halbe Stunde auf dem Ball.

So erfuhr Boris als erster die Nachricht von dem Übergang der französischen Truppen über den Njemen und hatte somit Gelegenheit, einigen wichtigen Persönlichkeiten zu zeigen, daß vieles, was anderen verborgen blieb, ihm bekannt zu sein pflegte, wodurch er sich wiederum im Ansehen dieser Persönlichkeiten noch höher schraubte.

Die plötzliche Nachricht vom Übergang der Franzosen über den Njemen kam nach diesem ganzen Monat vergeblichen Wartens besonders überraschend, und nun noch dazu während des Balles. Im ersten Augenblick nach dem Eintreffen der Nachricht, noch ganz von Empörung und beleidigtem Gefühl beeinflußt, hatte der Kaiser diesen Ausspruch getan, der nachher berühmt geworden ist, der ihm selber gefiel, und der seine Gefühle ganz zum Ausdruck brachte.

Vom Ball nach Hause zurückgekehrt, schickte der Kaiser um zwei Uhr nachts nach seinem Sekretär Schischkow und befahl ihm, den Kriegsbefehl an die Truppen und einen Erlaß an den Feldmarschall Fürsten Saltykow zu schreiben, und verlangte dabei unbedingt, daß darin die Worte angebracht werden sollten, daß er nicht Frieden schließen werde, solange noch ein bewaffneter Franzose auf russischen Grund und Boden stehe.

Am folgenden Tag wurde folgender Brief auf französisch an Napoleon geschrieben:

»Mein Herr Bruder!

Gestern habe ich erfahren, daß trotz der Treue, mit der ich meine Verpflichtungen gegen Euer Majestät erfüllt habe, Dero Truppen die Grenzen Rußlands überschritten haben, und soeben erhalte ich aus Petersburg eine Note, in der Graf Lauriston mir als Grund dieses Einbruches angibt, Euer Majestät hätten sich von dem Augenblick an, als Fürst Kurakin seine Pässe gefordert habe, als im Kriegszustand mit mir stehend betrachtet. Die Gründe, mit denen der Herzog von Bassano seine Weigerung, sie ihm auszuliefern, erklärt hat, hätten mich nie vermuten lassen, daß dieser Schritt je als Vorwand zu einem Angriff dienen könne. Tatsächlich ist mein Botschafter, wie er es auch selber erklärt hat, niemals dazu ermächtigt gewesen, und ich habe ihm, sobald ich nur darüber informiert wurde, unverzüglich meine Mißbilligung über sein Verhalten ausgesprochen, ihm aber befohlen, auf seinem Posten zu bleiben. Wenn Euer Majestät nicht willens sind, das Blut unserer Völker eines derartigen Mißverständnisses wegen zu vergießen, und sich bereit finden, Dero Truppen aus russischem Gebiet zurückzuziehen, werde ich das, was vorgefallen ist, als nicht geschehen betrachten, und eine Verständigung zwischen uns wäre noch möglich. Im entgegengesetzten Fall jedoch, Euer Majestät, werde ich mich gezwungen sehen, einen Angriff zurückzuschlagen, den ich durch nichts herausgefordert habe. Noch hängt es von Euer Majestät ab, der Menschheit das Elend eines neuen Krieges zu ersparen.

Ich bin und so weiter

(gez.) Alexander.«

4

In der Nacht vom 13. zum 14. Juni um zwei Uhr ließ der Kaiser Balaschew zu sich rufen, las ihm seinen Brief an Napoleon vor und befahl ihm, diesen Brief zu überbringen und dem französischen Kaiser persönlich zu überreichen. Als der Kaiser Balaschew verabschiedete, wiederholte er ihm noch einmal die Worte, daß er nicht Frieden schließen werde, solange noch ein einziger bewaffneter Feind auf russischem Boden stehe, und trug ihm auf, diese Worte unbedingt Napoleon zu übermitteln. In seinem Brief an Napoleon hatte der Kaiser diese Worte deshalb nicht angeführt, weil sein Takt ihm eingab, daß in einem Augenblick, da der letzte Versuch einer friedlichen Verständigung unternommen wurde, ein solcher Ausspruch nicht am Platze sei. Aber er trug Balaschew ausdrücklich auf, diese Worte Napoleon mündlich zu überbringen.

Balaschew ritt noch in derselben Nacht, von einem Trompeter und zwei Kosaken begleitet, fort und stieß in der Morgendämmerung bei dem Dorf Rikonti auf französische Vorposten diesseits des Njemen. Er wurde von einer französischen Kavalleriewache angehalten.

Ein französischer Husarenunteroffizier in roter Uniform und zottiger Pelzmütze rief den herbeireitenden Balaschew an und befahl ihm, haltzumachen. Balaschew hielt nicht sogleich an, sondern ritt im Schritt auf dem Wege weiter.

Der Unteroffizier machte ein finsteres Gesicht, brummte ein Schimpfwort vor sich hin, drängte sich mit der Brust seines Pferdes dicht an Balaschew, zog den Säbel und schnauzte den russischen General grob an, indem er ihn fragte, ob er wohl taub sei, daß er nicht höre, was man ihm sage. Balaschew nannte seinen Namen. Der Unteroffizier schickte einen Soldaten zu seinem Offizier.

Ohne Balaschew weiter irgendwelche Aufmerksamkeit zu schenken, unterhielt sich der Unteroffizier dann mit seinen Kameraden über dienstliche Angelegenheiten und würdigte den russischen General keines Blickes mehr.

Es befremdete Balaschew außerordentlich, hier auf russischem Boden diesem feindlichen und vor allem unehrerbietigen Benehmen einer rohen Gewalt ausgesetzt zu sein, nachdem er stets in nächster Nähe der höchsten herrschenden Macht gewesen war und noch vor drei Stunden eine Unterredung mit dem Kaiser gehabt hatte und überhaupt in seiner dienstlichen Stellung an die höchsten Ehrenbezeigungen gewöhnt war.

Eben fing die Sonne an, aus den Wolken hervorzusteigen. Die Luft war frisch und feucht vom Tau. Auf dem Weg vom Dorfe her wurde eine Viehherde getrieben. Die Lerchen stiegen, eine nach der anderen wie Bläschen im Wasser, jubilierend in den Feldern auf.

Balaschew schaute sich rings um, während er auf die Ankunft des Offiziers aus dem Dorfe wartete. Ab und zu blickten sich die russischen Kosaken und der Trompeter und die französischen Husaren stumm an.

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