Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Jamie prustete, legte aber den Arm um mich.
»John? Kannst du dich noch erinnern, was ich dir über die Highlander gesagt habe, als Arch Bug mit seiner Axt zu mir gekommen ist?«
Sie leben gemäß ihrem Eid, und sie sterben auch dafür.
Ich erschauerte sacht und schmiegte mich enger an ihn, um mich an seiner Nähe zu trösten. Er hatte recht; ich hatte sie selbst mit angesehen, diese brutale Verschworenheit der Clans – und doch war sie schwer nachzuvollziehen, selbst wenn man sie dicht vor Augen hatte.
»Ich erinnere mich«, sagte ich.
Er wies kopfnickend auf den Brief, den er unverwandt studierte.
»Er ist genauso. Nicht alle Engländer sind so – aber er schon.« Er sah mich mit einer Miene an, in der sich Reumut mit widerstrebendem Respekt vermischte.
»Er ist königstreu. Es würde keine Rolle spielen, wenn ihm der Engel Gabriel erschiene und ihm sagen würde, was geschehen wird; er würde seinen Eid nicht brechen.«
»Meinst du wirklich?«, sagte ich, diesmal mutiger. »Ich bin mir da nicht so sicher.«
Seine Augenbrauen hoben sich überrascht, und ich fuhr fort, stockend, weil ich nach den richtigen Worten suchte.
»Es ist – ich weiß, was du meinst; er ist ein Ehrenmann. Aber genau das ist es ja. Ich glaube gar nicht, dass er auf den König eingeschworen ist – nicht so, wie Colums Männer ihren Eid auf Colum geleistet haben oder die Männer aus Lallybroch auf dich. Was für ihn zählt – wofür er sein Leben geben würde –, ist Ehre.«
»Nun, aye – so ist es«, erwiderte er langsam und runzelte konzentriert die Stirn. »Aber für einen Soldaten wie ihn ist Ehre eine Pflichtsache, oder nicht? Und seine Pflicht definiert sich doch durch seinen Treueschwur gegenüber dem König, nicht wahr?«
Ich richtete mich auf und rieb mir mit dem Finger die Nase, während ich versuchte, meine Gedanken in Worte zu fassen.
»Ja, aber das ist es nicht ganz, was ich meine. Es ist die Idee, die ihm wichtig ist. Er folgt einem Ideal, keinem Menschen. Von allen, die du kennst, ist er eventuell der Einzige, der es verstehen könnte – dies wird ein Krieg sein, der um Ideale ausgefochten wird; vielleicht zum ersten Mal.«
Er kniff ein Auge zu und betrachtete mich verwundert mit dem anderen.
»Du hast dich mit Roger Mac unterhalten. Darauf wärst du allein nie gekommen, Sassenach.«
»Dann hast du dich also ebenfalls mit ihm unterhalten«, sagte ich, ohne mir die Mühe zu machen, die angedeutete Beleidigung zurückzuweisen. Außerdem hatte er recht. »Dann verstehst du mich also?«
Er stieß einen leisen schottischen Laut aus, der skeptische Zustimmung signalisierte.
»Ich habe ihn nach den Kreuzzügen gefragt, ob er nicht glaubt, dass dabei um Ideale gekämpft wurde? Und er musste zugeben, dass Ideale zumindest etwas damit zu tun hatten – obwohl er sagt, selbst dabei ging es um Geld und Politik. Ich habe ihm allerdings gesagt, das sei seit ewigen Zeiten so, und es werde jetzt mit Sicherheit nicht anders sein. Doch aye, ich verstehe«, fügte er hastig hinzu, als er sah, wie sich meine Nasenlöcher blähten. »Aber was John Grey angeht –«
»Was John Grey angeht«, unterbrach ich ihn, »so hast du eine Chance, ihn zu überzeugen, weil er sowohl Vernunftmensch als auch Idealist ist. Du müsstest ihn überzeugen, dass die Ehre nicht darin liegt, dem König zu folgen – sondern im Ideal der Freiheit. Aber möglich ist es.«
Er stieß ein neues schottisches Geräusch aus, diesmal tief in seiner Brust und erfüllt mit unbehaglichem Zweifel. Und schließlich begriff ich.
»Dir geht es dabei gar nicht um Ideale, nicht wahr? Nicht um – um Freiheit, Selbstbestimmung, all das.«
Er schüttelte den Kopf.
»Nein«, gab er leise zu. »Auch nicht darum, einmal auf der Siegerseite zu sein. Obwohl das sicher eine ganz neue Erfahrung sein wird.« Er lächelte mich plötzlich reumütig an, und ich lachte überrascht.
»Worum denn dann?«, fragte ich, sanfter jetzt.
»Um dich«, sagte er, ohne zu zögern. »Um Brianna und den Kleinen. Um meine Familie. Um die Zukunft. Und wenn das kein Ideal ist, dann habe ich noch nie von einem gehört.«
Jamie gab sein Bestes als Botschafter, aber Bobbys Brandzeichen stellte sich als unüberwindliches Hindernis heraus. Mr. Wemyss räumte zwar ein, dass Bobby ein liebenswerter junger Mann war, doch er war nicht imstande, es nur entfernt in Betracht zu ziehen, seine Tochter an einen Mörder zu verheiraten, ganz gleich, welche Umstände zu seiner Verurteilung geführt hatten.
»Die Leute würden sich gegen ihn stellen, Sir, das wisst Ihr genau«, sagte er und schüttelte den Kopf als Antwort auf Jamies Argumente. »Sie halten nicht inne, um nach dem Warum und Wozu zu fragen, wenn ein Mann verurteilt ist. Sein Auge – ich bin sicher, dass er nichts getan hat, was einen solch brutalen Angriff provoziert hätte. Wie könnte ich meine liebe Elizabeth der Möglichkeit solcher Übergriffe aussetzen? Selbst wenn sie selbst verschont bleibt, was wird aus ihr – und ihren Kindern –, wenn er eines Tages auf der Straße erschlagen wird?«, fragte er händeringend.
»Und wenn er eines Tages den Schutz Seiner Lordschaft verlieren sollte, könnte er nirgendwo auf eine anständige Anstellung hoffen, nicht mit diesem Schandmal im Gesicht. Sie würden Bettler werden. Ich habe mich selbst schon in einer solchen Notlage befunden, Sir – und um nichts in der Welt würde ich es riskieren, dass meine Tochter noch einmal einem solchen Schicksal ausgesetzt wird.«
Jamie rieb sich mit der Hand über das Gesicht.
»Aye. Ich verstehe, Joseph. Es ist schade, aber ich kann nicht sagen, dass Ihr unrecht habt. Falls das eine Rolle spielt, so glaube ich aber nicht, dass Lord John ihn verstoßen würde.«
Mr. Wemyss schüttelte nur den Kopf. Er sah blass und unglücklich aus.
»Nun denn.« Jamie stieß sich von seinem Schreibtisch ab. »Ich hole ihn herein, dann könnt Ihr ihm Eure Entscheidung mitteilen.« Ich erhob mich ebenfalls, und Mr. Wemyss sprang panisch auf.
»Oh, Sir! Ihr werdet mich doch nicht mit ihm allein lassen!«
»Nun, ich glaube kaum, dass er versuchen wird, Euch etwas anzutun, Joseph«, sagte Jamie nachsichtig.
»Nein«, sagte Mr. Wemyss skeptisch. »Nein … das wohl nicht. Aber ich würde es dennoch als große Güte betrachten, wenn Ihr – wenn Ihr bleiben würdet, während ich mit ihm spreche? Und Ihr auch, Mrs. Fraser?« Er richtete seinen Blick flehend auf mich. Ich sah Jamie an, der resigniert nickte.
»Na schön«, sagte er. »Dann gehe ich ihn holen.«
»Es tut mir leid, Sir.« Joseph Wemyss war beinahe genauso unglücklich wie Bobby Higgins. Er war von schmaler Statur und schüchternem Auftreten und war es nicht gewohnt, Bewerbungsgespräche zu führen. Immer wieder bat er Jamie mit Blicken um moralische Unterstützung, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder auf den unwillkommenen Freier seiner Tochter richtete.
»Es tut mir wirklich leid«, wiederholte er und sah Bobby mit einer Art hilfloser Aufrichtigkeit in die Augen. »Ich habe Euch gern, junger Mann, und das Gleiche gilt für Elizabeth, dessen bin ich sicher. Doch ihr Wohlergehen und ihr Glück sind meine Verantwortung. Und ich kann mir nicht vorstellen … ich weiß wirklich nicht …«
»Ich wäre gütig zu ihr«, sagte Bobby eifrig. »Das wisst Ihr genau, Sir. Sie bekäme jedes Jahr ein neues Kleid, und ich würde all meine Habe verkaufen, damit sie immer Schuhe hat!« Auch er sah Jamie an, wohl in der Hoffnung auf Verstärkung.
»Ich bin mir sicher, dass Mr. Wemyss Eure Absichten zu schätzen weiß, Bobby«, sagte Jamie so sanft wie möglich. »Aber er hat recht, aye? Es ist seine Pflicht, die bestmögliche Partie für Lizzie zu finden. Und vielleicht …«
Bobby schluckte. Er hatte sich für dieses Gespräch bis zum Gehtnichtmehr herausgeputzt und trug ein gestärktes Halstuch, das ihn zu erwürgen drohte, zum Rock seiner Livree, einer sauberen wollenen Kniehose und einem Paar sorgsam gepflegter Seidenstrümpfe, die nur an ganz wenigen Stellen geflickt waren.