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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Ich schluckte den kleinen Kloß in meinem Hals herunter. Es waren noch zwei übrig. Einer für jeden, wenn Roger oder Brianna und Jemmy … aber ich würgte diesen Gedanken entschlossen ab.

»Was nützt es einem Menschen, die Welt zu gewinnen«, zitierte ich, »wenn er seine Seele verliert? Es wird uns nichts nützen, insgeheim reich zu sein, wenn du geteert und gefedert wirst.« Dieser Gedanke gefiel mir nicht gerade besser, doch ich konnte ihn nicht vermeiden.

Er blickte auf seinen Unterarm; er hatte die Ärmel aufgekrempelt, um zu schreiben, und die verblassende Brandwunde war noch zu sehen, eine schwache rote Spur zwischen den sonnengebleichten Härchen. Er seufzte, trat auf die andere Seite seines Schreibtischs und nahm einen Federkiel aus dem Glas.

»Aye. Ich schreibe jetzt besser noch ein paar Briefe.«

Kapitel 60

Der apokalyptische Reiter geht um

Am 20. September hielt Roger eine Predigt zum Thema »Was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, dass er die Weisen zu Schanden mache.« Am 21. September machte sich eines dieser törichten Dinge daran, diese These zu beweisen.

Padraig und Hortense MacNeill waren mit ihren Kindern nicht zur Kirche gekommen. Sie waren sonst immer dabei, und es gab Getuschel über ihre Abwesenheit – so viel, dass Roger Brianna am nächsten Morgen fragte, ob sie ihnen vielleicht einen Besuch abstatten würde, um sich zu vergewissern, dass alles in Ordnung war.

»Ich würde ja selbst gehen«, sagte er, während er den Boden seines Porridgeschälchens auskratzte, »aber ich habe John MacAfee versprochen, mit ihm und seinem Vater nach Brownsville zu reiten; er möchte dort einem Mädchen einen Antrag machen.«

»Möchte er, dass du sie auf der Stelle für handfast erklärst, wenn sie ja sagt?«, fragte ich. »Oder gehst du nur mit, damit ihn die gesammelten Browns nicht umbringen?« Es war nicht zu offener Gewalt gekommen, seit wir Lionel Browns Leiche nach Brownsville zurückgebracht hatten, doch dann und wann gab es kleinere Zusammenstöße, wenn eine Abordnung aus Brownsville in der Öffentlichkeit auf Männer aus Fraser’s Ridge stieß.

»Letzteres«, sagte Roger mit einer schwachen Grimasse. »Obwohl ich die Hoffnung habe, dass die eine oder andere Ehe zwischen Fraser’s Ridge und Brownsville eventuell hilft, die Lage mit der Zeit zu beruhigen.«

Bei diesen Worten blickte Jamie, der eine Zeitung aus der jüngsten Lieferung las, auf.

»Oh, aye? Nun, das ist keine schlechte Idee. Allerdings funktioniert es nicht immer.« Er lächelte. »Mein Onkel Colum wollte einen solchen Zwist mit den Grants aus der Welt räumen, indem er meine Mutter mit ihrem Anführer verheiratete. Unglücklicherweise«, fügte er hinzu und blätterte um, »hatte meine Mutter keine Lust, dabei mitzumachen. Sie hat Malcolm Grant einen Korb gegeben, mit einem Messer auf meinen Onkel Dougal eingestochen und ist stattdessen mit meinem Vater durchgebrannt.«

»Wirklich?« Diese Geschichte kannte Brianna noch nicht; fasziniert setzte sie sich gerade. Roger warf ihr einen Seitenblick zu und hustete, bevor er ihr vielsagend das Messer abnahm, mit dem sie die Wurst geschnitten hatte.

»Nun, wie dem auch sei«, sagte er und schob seinen Stuhl vom Tisch zurück, das Messer in der Hand. »Wenn es dir nichts ausmacht, einen Blick auf Padraigs Familie zu werfen, nur um zu sehen, ob ihnen nichts fehlt?«

Am Ende schlossen Lizzie und ich uns Brianna an, um bei Marsali und Fergus vorbeizuschauen, deren Haus ein Stückchen weiter stand als das der MacNeills. Doch Marsali kam uns unterwegs entgegen. Sie war auf dem Rückweg von der Whiskyquelle, und so waren wir zu viert, als wir die Hütte der MacNeills erreichten.

»Warum sind hier plötzlich so viele Fliegen?« Lizzie schlug nach einer fetten Schmeißfliege, die auf ihrem Arm gelandet war, dann wedelte sie zwei Fliegen beiseite, die ihr Gesicht umkreisten.

»Hier liegt irgendetwas Totes«, sagte Marsali und hob die Nase, um zu schnüffeln. »Vielleicht im Wald. Hört ihr die Krähen?«

Krähen saßen krächzend ringsum in den Baumwipfeln; ich hob den Kopf und sah, dass noch mehr Vögel am Himmel kreisten, schwarze Flecken am gleißenden Himmel.

»Nicht im Wald«, sagte Brianna, deren Stimme plötzlich angestrengt klang. Sie hatte den Blick auf die Hütte gerichtet. Die Tür war fest geschlossen, und ein Fliegenschwarm drängte sich um das Fenster, das mit einem Stück Leder verschlossen war. »Schnell.«

Der Gestank im Inneren der Blockhütte war unaussprechlich. Ich sah, wie die Mädchen nach Luft schnappten und die Münder fest schlossen, als die Tür aufschwang. Unglücklicherweise war es unvermeidlich zu atmen. Ich atmete sehr flach, während ich mich durch das dunkle Zimmer bewegte und das Lederstück abriss, das fest vor das Fenster genagelt war.

»Lasst die Tür offen«, sagte ich, ohne den schwachen Klagelaut zu beachten, der beim Einströmen des Lichts vom Bett kam. »Lizzie – geh und zünde an der Tür ein Rauchfeuer an und noch eins draußen vor dem Fenster. Fang mit Gras und Stöckchen an und leg dann etwas darauf, das es zum Qualmen bringt – nasses Holz, Moos, feuchtes Laub.«

Innerhalb von Sekunden, nachdem ich das Fenster geöffnet hatte, waren die ersten Fliegen da und summten an meinem Gesicht vorbei – Hirschfliegen, Schmeißfliegen, Kriebelmücken. Vom Gestank angezogen, hatten sie sich in ganzen Schwärmen auf der sonnengewärmten Außenseite der Baumstämme niedergelassen und begehrten jetzt Einlass, gierig nach Nahrung und nach einer Gelegenheit, ihre Eier abzulegen.

Das Zimmer würde in wenigen Minuten eine summende Hölle sein – doch wir brauchten Licht und Luft und würden mit den Fliegen einfach zurechtkommen müssen. Ich löste mein Halstuch und faltete es zu einer improvisierten Fliegenklatsche zusammen, mit der ich hin und her wedelte, während ich mich dem Bett zuwandte.

Dort lagen Hortense und die beiden Kinder. Sie waren nackt, und ihre bleichen Gliedmaßen schimmerten, weil sie in der versiegelten Hütte geschwitzt hatten. Dort, wo die Sonne auf sie fiel, waren sie klamm und weiß, und sie hatten rötlich braune Streifen an Körper und Beinen. Ich hoffte, dass es nur Durchfall war, kein Blut.

Es hatte jemand gestöhnt; es bewegte sich jemand. Also nicht tot, Gott sei Dank. Die Bettwäsche lag in einem unordentlichen Haufen auf dem Boden – das war ein Glück, da sie noch weitgehend sauber war. Ich hielt es für besser, die Strohmatratze zu verbrennen, sobald wir die drei herunterbefördert hatten.

»Steck bloß nicht die Finger in den Mund«, murmelte ich Brianna zu, als wir uns an die Arbeit machten und das schwach zuckende Menschenhäuflein in seine Bestandteile auseinandersortierten.

»Du machst wohl Witze«, sagte sie mit zusammengebissenen Zähnen, während sie ein blasses Kind von etwa sieben Jahren anlächelte, das halb zusammengekrümmt und erschöpft in den Nachwehen einer Durchfallattacke lag. Sie schob dem kleinen Mädchen die Hände in die Achselhöhlen. »Nun komm, Schätzchen, lass dich hochheben.«

Das Kind war zu schwach, um dagegen zu protestieren, dass man es aufhob; seine Arme und Beine hingen schlaff wie Fäden herunter. Der Zustand seiner Schwester war noch alarmierender; das Baby, das kaum älter als ein Jahr war, bewegte sich gar nicht, und seine Augen waren tief eingesunken, ein Zeichen für schwere Austrocknung. Ich ergriff seine winzige Hand und nahm seine Haut sanft zwischen Daumen und Zeigefinger. Sie blieb einen Moment aufgerichtet, eine kleine Erhebung in der gräulichen Haut, die dann ganz langsam zu verschwinden begann.

»Verfluchter Mist«, schimpfte ich leise vor mich hin und beugte mich rasch über das Kind, um es abzuhören, eine Hand auf seiner Brust. Es war nicht tot – ich konnte seinen Herzschlag gerade eben spüren –, doch es war kurz davor. Wenn es zu schwach war, um zu nuckeln oder trinken, gab es nichts, was es retten konnte.

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