Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Deo gratias«, murmelte er mit sehr viel weniger Dankbarkeit, als die Worte suggerierten. Er bekreuzigte sich mechanisch und ging, um das Metallstück aufzuheben. Verdammte Trockenheit; es hatte seit fast einem Monat nicht mehr geregnet. Das geschrumpfte Heft seiner Axt machte ihm weniger Sorgen als die herabhängenden Köpfe der Pflanzen in Claires Garten am Haus.
Er warf einen Blick auf den halbfertigen Brunnen und zuckte verärgert mit den Achseln. Noch eine Arbeit, die getan werden musste, für die er aber keine Zeit hatte. Doch sie würde einfach warten müssen; sie konnten immer Wasser vom Bach hochschleppen oder Schnee schmelzen, aber ohne Brennholz würden sie verhungern oder erfrieren – oder beides.
Die Tür ging auf, und Claire kam heraus, durch ihren Umhang vor der Kühle der herbstlichen Schatten geschützt, ihren Korb über dem Arm. Brianna war hinter ihr, und bei ihrem Anblick vergaß er seine Verärgerung.
»Was hast du gemacht?«, fragte Claire sogleich, als sie ihn mit der Axtklinge in der Hand sah. Ihr Blick überflog ihn schnell und suchte nach Blut.
»Nein, ich bin nicht verletzt«, beruhigte er sie. »Ich muss nur den Griff reparieren. Geht ihr Kräuter suchen?« Er wies kopfnickend auf Claires Korb.
»Ich dachte, wir könnten flussaufwärts Holunderpilze suchen.«
»Ah? Geht nicht zu weit weg, aye? Es sind Indianer weiter hinten auf dem Berg auf der Jagd. Ich habe sie heute Morgen auf dem Grat gerochen.«
»Du hast sie gerochen?«, fragte Brianna.
Sie zog fragend ihre rote Augenbraue hoch. Er sah, wie Claire von Brianna zu ihm blickte und schwach lächelte; also war es eine seiner eigenen Gesten. Er zog die Augenbrauen hoch, sah Claire an, und ihr Lächeln wurde breiter.
»Es ist Herbst, und sie räuchern Wild«, erklärte er Brianna. »Man kann die Räucherfeuer weit riechen, wenn der Wind richtig steht.«
»Wir gehen nicht weit weg«, versicherte ihm Claire. »Nur am Forellenteich vorbei.«
»Aye, gut. Ich schätze, das ist wohl sicher.« Es widerstrebte ihm etwas, die Frauen gehen zu lassen, doch er konnte sie kaum im Haus einsperren, nur weil Wilde in der Nähe waren – die Indianer waren zweifelsohne friedlich mit ihren Wintervorbereitungen beschäftigt, genau wie er.
Wenn er nur sicher wüsste, ob es Nacognawetos Leute waren, dann würde er sich keine Sorgen machen, doch es war so, dass die Jäger oft weit ins Land zogen und es genauso gut Cherokee sein konnten oder jener seltsame kleine Stamm, der sich das Hundevolk nannte. Nur eins ihrer Dörfer war übrig geblieben, und sie waren weißen Fremden gegenüber zutiefst misstrauisch – und das nicht ohne Grund.
Briannas Augen ruhten einen Augenblick lang auf seiner entblößten Brust und dem kleinen Knoten aus vorspringendem Narbengewebe, doch sie zeigte keinerlei Abscheu oder Neugier – auch dann nicht, als sie ihm kurz die Hand auf die Schulter legte und ihn zum Abschied auf die Wange küsste, obwohl er wusste, dass sie die verheilten Schwielen unter ihren Fingern spüren musste.
Claire hatte es ihr wohl erzählt, dachte er – alles über Jack Randall und die Zeit vor dem Aufstand. Oder vielleicht doch nicht alles. Ein kleiner Schauer, der nicht von der Kühle herrührte, lief ihm an der Wirbelsäule hoch, und er trat zurück, aus ihrer Reichweite heraus, obwohl er sie weiter anlächelte.
»Es ist Brot im Schrank und ein bisschen Eintopf im Kessel für dich und Ian und Lizzie.« Claire streckte die Hand aus und schnippte ihm einen verirrten Holzsplitter aus dem Haar. »Bitte nicht den Pudding in der Vorratskammer essen; der ist fürs Abendessen.«
Er fing ihre Finger in den seinen auf und küsste sacht ihre Knöchel. Sie machte ein überraschtes Gesicht, dann erschien ein schwaches, warmes Glühen unter ihrer Haut. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn auf den Mund, dann eilte sie Brianna nach, die schon am Rand der Lichtung war.
»Seid vorsichtig!«, rief er ihnen nach. Sie winkten und verschwanden im Wald, und er blieb zurück, ihre Küsse sanft in seinem Gesicht.
»Deo gratias«, murmelte er noch einmal, während er ihnen nachsah, und diesmal sagte er es aus aufrichtiger Dankbarkeit. Dann machte er sich wieder an die Arbeit.
Er saß auf dem Hackklotz, neben sich auf dem Boden eine Handvoll Nägel mit eckigen Köpfen, die er nacheinander vorsichtig mit dem Hammer in das Ende des Axtstiels trieb. Das trockene Holz spaltete sich und ging auseinander, konnte aber nicht zersplittern, da die Eisenklammer der Axtklinge es zusammenhielt.
Er drehte an der Klinge, und da sie ihm fest vorkam, stand er auf und ließ sie probehalber mit einem mächtigen Hieb auf den Hackklotz sausen. Sie hielt.
Vom Sitzen war ihm jetzt kalt geworden, und er zog sich das Hemd wieder an. Hunger hatte er auch, doch er würde auf die jungen Leute warten. Nicht, dass die sich nicht schon selber vollgestopft hätten, dachte er zynisch. Er konnte die Fleischpasteten, die Sarah Woolam machte, beinahe riechen, und ihr würziger Geruch verwob sich in seinen Gedanken mit den realen Herbstgerüchen nach toten Blättern und feuchter Erde.
Der Gedanke an Fleischpasteten blieb ihm weiter im Hinterkopf, als er mit seiner Arbeit fortfuhr, zusammen mit dem Gedanken an den Winter. Die Indianer sagten, er würde hart werden, der Winter, nicht so wie der letzte. Wie würde es sein, im tiefen Schnee zu jagen? Natürlich gab es in Schottland Schnee, doch oft lag er nur ganz dünn auf dem Boden, und die ausgetretenen Wildwechsel waren schwarz auf den steilen, kahlen Berghängen zu sehen.
Der letzte Winter war so gewesen. Doch diese Wildnis neigte zu Extremen. Er hatte Geschichten von Schneedecken gehört, die fast zwei Meter dick waren, von Tälern, wo man bis zu den Achseln einsinken konnte, davon, dass das Eis auf den Flüssen so dick gefror, dass ein Bär hinüberspazieren konnte. Er lächelte leicht grimmig bei dem Gedanken an Bären. Tja, sie würden einen ganzen Winter davon essen können, wenn er noch einen erlegen könnte, und das Fell könnte er auch brauchen.
Sein Bewusstsein driftete langsam in den Rhythmus seiner Arbeit ab, und ein Teil seiner Gedanken war dumpf von dem Text von »Daddy’s Gone A-Hunting« eingenommen, während sich der andere mit einem verlockend lebendigen Bild von Claires Haut beschäftigte, so blass und berauschend wie Rheinwein auf dem glänzenden Schwarz eines Bärenfells.
»Daddy’s gone to fetch a skin/To wrap his baby bunting in«, murmelte er tonlos vor sich hin.
Er fragte sich, wie viel Claire Brianna wirklich erzählt hatte. Sie war merkwürdig, wenn auch nicht unangenehm, diese Art, sich um drei Ecken zu unterhalten; er und das Mädchen waren noch ein wenig schüchtern im Umgang miteinander – sie neigten dazu, persönliche Dinge stattdessen lieber Claire zu sagen und darauf zu bauen, dass diese die Essenz ihrer Worte schon weitersagen würde; dass sie in dieser neuen und umständlichen Herzenssprache ihre Dolmetscherin sein würde.
So dankbar er auch für das Wunder seiner Tochter war, er würde gern wieder in seinem Bett mit seiner Frau schlafen. Es wurde zu kühl, um es im Kräuterschuppen oder im Wald zu tun – obwohl er zugeben musste, dass es einen gewissen Charme hatte, nackt in einem riesigen Haufen aus gelbem Kastanienlaub herumzustrampeln, wenn es auch an Würde zu wünschen übrigließ.
»Aye, ach was«, brummte er und lächelte schwach vor sich hin. »Und wann hat sich ein Mann jemals dabei Sorgen um seine Würde gemacht?«
Er blickte nachdenklich auf einen Stapel langer, gerader Kiefernstämme, die am Rand der Lichtung lagen, dann auf die Sonne. Wenn Ian schnell genug zurückkam, konnten sie vielleicht noch vor Sonnenuntergang ein gutes Dutzend davon abvieren und einkerben.
Er stellte die Axt fürs Erste ab und ging zum Haus hinüber. Dort schritt er die Maße des neuen Zimmers ab, das er plante, damit sie zurechtkamen, solange das große Haus noch im Bau war. Sie war eine erwachsene Frau, Brianna – sie sollte ihr eigenes Zimmer haben, in das sie sich zurückziehen konnte, sie und ihre Magd. Und wenn er dann außerdem wieder mit Claire ungestört sein konnte, nun, umso besser, aye?