Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Aye, alles klar. Nur der eine Sack ist durch und durch verdorben, Onkel Jamie.« Ian stand mit seinem Tablett voller Gerstenkörner auf und trat gleichgültig gegen einen aufgeplatzten Sack, auf dem sanftes Schimmelgrün und fauliges Schwarz von den üblen Nachwirkungen eindringender Feuchtigkeit zeugten. Zwei weitere Säcke standen am Rand des Mälzereibodens; sie waren geöffnet worden, die verdorbene, obere Schicht abgeschöpft.
»Dann lass uns zusehen, dass wir fertig werden«, sagte Jamie. »Ich verhungere.« Er und Ian ergriffen jeweils einen Jutesack und streuten frische Gerste in einer dicken Schicht auf die freie Stelle auf dem Podestboden und benutzten einen flachen Holzspaten, um die Körner flach zu drücken und zu wenden.
»Wie lange dauert das Ganze?« Brianna steckte ihre Nase über den Rand des Maischebottichs, in dem Marsali das fermentierende Korn des letzten Räuchervorgangs umrührte. Die Maische fing gerade erst an zu gären; es lag nur ein schwacher Hauch von Alkohol in der Luft.
»Oh, das hängt etwas vom Wetter ab.« Marsali blickte mit geschultem Auge zum Himmel. Es war später Nachmittag, der Himmel hatte begonnen, sich zu einem klaren, tiefen Blau zu verdunkeln, und es trieben nur ein paar Andeutungen weißer Wolken über den Horizont. »So klar, wie es ist, würde ich sagen – Germain!« Germains Hintern war das Einzige, was von ihm zu sehen war; sein Oberkörper war unter einem am Boden liegenden Baumstamm verschwunden.
»Ich hole ihn.« Brianna ging mit drei schnellen Schritten über die Lichtung und hob ihn hoch. Germain kommentierte die unerwünschte Unterbrechung mit einem kräftigen Protestgeräusch und fing an, um sich zu treten und mit seinen kräftigen Fersen gegen ihr Bein zu hämmern.
»Au!« Brianna stellte ihn auf den Boden und rieb sich mit einer Hand den Oberschenkel.
Marsali machte ein entnervtes Geräusch und ließ ihre Kelle fallen. »Was hast du denn jetzt schon wieder, du hinterlistiges Biest?« Germain, der aus Erfahrung klug geworden war, steckte seinen jüngsten Fund in den Mund und schluckte heftig. Er wurde auf der Stelle rot und fing an, nach Luft zu schnappen.
Mit einem Schreckenslaut fiel Marsali auf die Knie und versuchte, ihm mit Gewalt den Mund aufzumachen. Germain würgte, keuchte und stolperte kopfschüttelnd rückwärts. Seine blauen Augen quollen vor, und ein dünner Speichelfaden kroch ihm über das Kinn.
»Komm her!« Brianna packte den kleinen Jungen am Arm, zog seinen Rücken an sich, presste ihm die geballten Fäuste in den Magen und riss sie scharf zurück.
Germain machte ein lautes Keuchgeräusch, und ein kleiner, runder Gegenstand schoss ihm aus dem Mund. Er gurgelte, schnappte nach Luft, sog sich die Lungen voll und fing an zu brüllen, wobei seine Gesichtsfarbe in Sekundenschnelle von dunklem Lila in gesundes Rot überging.
»Geht’s ihm gut?« Jamie warf einen ängstlichen Blick auf den kleinen Jungen, der sich in den Armen seiner Mutter ausweinte, und als er sich davon überzeugt hatte, wandte er sich an Brianna. »Das ging aber schnell, Kleine. Gut gemacht.«
»Danke. Ich – danke. Ich bin froh, dass es funktioniert hat.«
Brianna fühlte sich etwas zittrig. Sekunden. Es hatte nur ein paar Sekunden gedauert. Vom Leben zum Tod und wieder zurück in null Komma nichts. Jamie berührte sie am Arm und drückte kurz zu, und sie fühlte sich etwas besser.
»Am besten bringst du den Kleinen hinunter ins Haus«, sagte er zu Marsali. »Gib ihm sein Abendessen und leg ihn ins Bett. Wir machen hier den Rest.«
Marsali nickte. Sie sah ebenfalls verstört aus. Sie strich sich eine Strähne ihres hellen Haars aus den Augen und versuchte ziemlich erfolglos, Brianna anzulächeln.
»Danke, Schwester.«
Brianna spürte, wie sie vor Freude stolz strahlte, als man sie so bezeichnete. Sie erwiderte Marsalis Lächeln.
»Ich bin froh, dass es ihm gutgeht.«
Marsali hob ihre Tasche vom Boden auf, nickte Jamie zu, machte kehrt und schritt vorsichtig den steilen Pfad hinab. Sie hielt das Kind in den Armen, und Germains Knubbelfäuste waren fest in ihr Haar gekrallt.
»Das war gute Arbeit, Cousinchen.« Ian hatte die Gerste fertig ausgebreitet und sprang vom Podest, um ihr zu gratulieren. »Wo hast du denn so etwas gelernt?«
»Von meiner Mutter.«
Ian nickte und machte ein beeindrucktes Gesicht. Jamie bückte sich und suchte ringsum den Boden ab.
»Was war es wohl, was der Junge verschluckt hat, frage ich mich.«
»Das hier.« Brianna sah den Gegenstand, der halb unter dem Laub vergraben war, und pulte ihn heraus. »Sieht aus wie ein Knopf.« Der Gegenstand war ein eingebeulter, grob aus Holz geschnitzter Kreis, aber unzweifelhaft ein Knopf mit einem langen Schaft und Löchern für das Nähgarn.
»Lass mal sehen.« Jamie hielt ihr die Hand hin, und sie ließ den Knopf hineinfallen.
»Du vermisst doch keine Knöpfe, oder, Ian?«, fragte er und sah den kleinen Gegenstand in seiner Handfläche stirnrunzelnd an.
Ian linste über Jamies Schulter und schüttelte den Kopf. »Vielleicht Fergus?«, schlug er vor.
»Vielleicht, aber ich glaube nicht. Unser Fergus ist viel zu sehr Dandy, als dass er so etwas tragen würde. Die Knöpfe an seinem Rock sind aus poliertem Horn.« Er schüttelte langsam und immer noch stirnrunzelnd den Kopf, dann zuckte er mit den Achseln. Er hob seinen Sporran auf und steckte den Knopf hinein, bevor er ihn um seine Hüften schnallte.
»Ah, na ja. Ich werde mich umhören. Machst du hier fertig, Ian? Es ist nicht mehr viel zu tun.« Er lächelte Brianna an und deutete kopfnickend auf den Weg. »Dann komm, Kleine, wir können auf dem Heimweg noch bei Lindseys fragen.«
Es stellte sich heraus, dass Kenny Lindsey nicht zu Hause war.
»Duncan Innes hat ihn vor nicht einmal einer Stunde abgeholt«, sagte Mrs. Lindsey, die in der Haustür stand und ihre Augen gegen die späte Nachmittagssonne überschattete. »Sie sind jetzt bestimmt bei Euch zu Hause. Wollt Ihr nicht mit Eurer Tochter hereinkommen, Mac Dubh, und einen Bissen essen?«
»Äh, nein danke, Mrs. Lindsey. Meine Frau wartet mit dem Abendessen auf uns. Aber vielleicht könnt Ihr mir sagen, ob das hier von Kennys Rock stammt?«
Mrs. Lindsey blinzelte den Knopf in seiner Hand an und schüttelte dann den Kopf.
»Nein, bestimmt nicht. Bin schließlich gerade damit fertig, ihm einen ganzen neuen Satz Knöpfe anzunähen, die er aus Hirschbein geschnitzt hat. Die schönsten Knöpfe, die Ihr je gesehen habt«, erklärte sie voll Stolz auf die handwerklichen Fähigkeiten ihres Mannes. »Jeder von ihnen ist mit einem kleinen Gesicht verziert, das grinst wie ein Kobold, und jedes ist anders!«
Sie ließ den Blick abschätzend über Brianna wandern.
»Kenny hat einen Bruder«, sagte sie. »Hat ein schönes, kleines Anwesen in der Nähe von Cross Creek – zwanzig Hektar Tabak und ein schöner Bach. Er kommt zum Gathering am Mount Helicon; geht Ihr vielleicht dorthin, Mac Dubh?«
Jamie schüttelte den Kopf und lächelte über den Wink mit dem Zaunpfahl. Es gab nur wenige heiratsfähige Frauen in der Kolonie, und obwohl Jamie hatte verlauten lassen, dass Brianna schon anderweitig vergeben sei, hatte dies den Verkupplungsversuchen keinerlei Abbruch getan.
»Dieses Jahr nicht, fürchte ich, Mrs. Lindsey. Vielleicht nächstes Mal, aber im Augenblick habe ich keine Zeit dafür.«
Sie verabschiedeten sich höflich und wandten sich heimwärts. Die sinkende Sonne in ihrem Rücken warf lange Schatten auf den Weg vor ihnen.
»Meinst du, der Knopf hat eine Bedeutung?«, fragte Brianna neugierig.
Jamie zuckte leicht mit den Achseln. Ein schwacher Luftzug hob das Haar auf seinem Scheitel an und zerrte an dem Lederriemen, der es zusammenhielt.
»Ich kann es nicht sagen. Es könnte unbedeutend sein – aber es könnte genauso gut von Belang sein. Deine Mutter hat mir gesagt, was Ronnie Sinclair von dem Mann in Cross Creek erzählt hat, der sich nach dem Whisky erkundigt hat.«
»Hodgepile?« Brianna konnte ein Lächeln über den Namen nicht unterdrücken. Jamie lächelte kurz zurück und wurde dann wieder ernst.