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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Er hörte die leisen Knistergeräusche im trockenen Laub auf dem Hof, drehte sich aber nicht um. Hinter ihm ertönte leises Husten wie von einem niesenden Eichhörnchen.

»Mrs. Lizzie«, sagte er, die Augen immer noch am Boden. »Hat dir die Fahrt gefallen? Ich hoffe, bei Woolams war alles bestens.« Wo war Ian mit dem Wagen?, fragte er sich. Er hatte ihn unten auf der Straße nicht gehört.

Sie sagte nichts, sondern machte ein unartikuliertes Geräusch, das ihn überrascht herumfahren ließ, um sie anzusehen.

Sie war bleich, ihr Gesicht verkrampft, und sie sah aus wie eine verschreckte weiße Maus. Das war nichts Ungewöhnliches; er wusste, dass er ihr mit seiner Größe und seiner tiefen Stimme Angst einjagte, daher sprach er sie so sanft und langsam an, wie er es mit einem misshandelten Hund getan hätte.

»Hast du einen Unfall gehabt, Kleine? Ist etwas mit dem Wagen oder den Pferden geschehen?«

Sie schüttelte den Kopf, immer noch wortlos. Ihre Augen waren fast rund und so grau wie der Saum ihres verwaschenen Kleides, und ihre Nasenspitze war leuchtend rot geworden.

»Ist mit Ian alles in Ordnung?« Er wollte sie nicht noch weiter in Aufregung versetzen, doch sie begann, ihn zu beunruhigen. Irgendetwas war geschehen, so viel war sicher.

»Mir geht’s gut, Onkel Jamie. Den Pferden auch.« Lautlos wie ein Indianer bog Ian um die Ecke des Blockhauses. Er trat an Lizzies Seite, bot ihr seine schützende Gegenwart an, und sie ergriff automatisch seinen Arm.

Er blickte von ihm zu ihr; Ian war äußerlich ruhig, doch seine innere Aufregung war deutlich zu sehen.

»Was ist geschehen?«, fragte er schärfer als beabsichtigt. Das Mädchen zuckte zusammen.

»Sag’s ihm lieber«, sagte Ian. »Möglicherweise haben wir nicht viel Zeit.« Er berührte zur Ermutigung ihre Schulter, und sie schien Kraft aus seiner Hand zu ziehen; sie stellte sich gerader hin und nickte.

»Ich – da war – ich habe einen Mann gesehen. Bei der Mühle, Sir.«

Sie versuchte, weiterzureden, doch ihr war der Mut ausgegangen; ihre Zungenspitze lugte bemüht zwischen ihren Zähnen hervor, doch es kamen keine Worte.

»Sie kannte ihn, Onkel Jamie«, sagte Ian. Er sah verstört aus, aber nicht angstvoll; eher aufgeregt auf eine völlig neue Art und Weise. »Sie hatte ihn schon einmal gesehen – mit Brianna.«

»Aye?« Er versuchte, ermutigend zu klingen, doch seine Nackenhaare sträubten sich ahnungsvoll.

»In Wilmington«, brachte Lizzie hervor. »MacKenzie war sein Name; ich habe gehört, wie ein Seemann ihn so genannt hat.«

Jamie warf Ian einen schnellen Blick zu, doch dieser schüttelte den Kopf.

»Er hat nicht gesagt, wo er herkam, doch ich kenne niemanden aus Leoch, der so aussieht wie er. Ich habe ihn gesehen und ihn sprechen gehört; vielleicht ist er ein Highlander, aber im Süden erzogen, würde ich sagen – ein gebildeter Mann.«

»Und es hat so ausgesehen, als würde dieser MacKenzie meine Tochter kennen?«, fragte er. Lizzie nickte und runzelte konzentriert die Stirn.

»Oh, aye, Sir! Und sie kannte ihn auch – sie hatte Angst vor ihm.«

»Angst? Warum?« Er sprach scharf, und sie erbleichte, doch inzwischen hatte sie sich warm geredet, und ihre Worte kamen zwar stotternd und stolpernd, aber sie kamen.

»Ich weiß es nicht, Sir. Aber sie ist bei seinem Anblick bleich geworden, Sir, und hat leise aufgeschrien. Dann ist sie rot geworden, dann weiß, dann wieder rot – oh, sie war ziemlich aufgeregt, das konnte jeder sehen!«

»Was hat er getan?«

»Also – also – nichts, zunächst. Er ist zu ihr gekommen und hat sie bei den Armen gepackt und ihr gesagt, sie müsste mit ihm kommen. Alle Augen im Schankraum waren auf sie gerichtet. Dann hat sie sich losgerissen, leichenblass, aber sie hat zu mir gesagt, es wäre alles in Ordnung, und ich sollte warten, und sie würde zurückkommen. Und – und dann ist sie mit ihm hinausgegangen.«

Lizzie holte kurz und tief Luft und wischte sich ihre Nasenspitze ab, die angefangen hatte zu tropfen.

»Und du hast sie gehen lassen?«

Die kleine Magd schrak zurück und zog den Kopf ein.

»Ooh, ich hätte ihr folgen sollen, ich weiß, dass ich das gesollt hätte, Sir!«, rief sie, das Gesicht vor lauter Elend verzogen. »Aber ich hatte Angst, Sir, und möge Gott mir vergeben!«

Mühsam glättete Jamie seine gerunzelte Stirn und sprach so geduldig weiter, wie er konnte.

»Aye, nun gut. Und was ist dann passiert?«

»Oh, ich bin nach oben gegangen, wie sie mir gesagt hatte, und ich habe im Bett gelegen, Sir, und aus Leibeskräften gebetet!«

»Oh, ja, das war bestimmt sehr hilfreich!«

»Onkel Jamie …« Ians Stimme war leise, aber nicht im mindesten zurückhaltend, und seine braunen Augen ruhten fest auf Jamie. »Sie ist doch nur ein kleines Mädchen, Onkel Jamie; sie hat ihr Bestes getan.«

Jamie rieb sich fest mit der Hand über die Kopfhaut.

»Aye«, sagte er. »Aye, tut mir leid, Kleine; ich hatte nicht vor, dir den Kopf abzureißen. Aber kannst du nicht auf den Punkt kommen?«

Ein heißer, roter Fleck hatte auf jeder ihrer Wangen zu brennen begonnen.

»Sie – sie ist erst kurz vor der Dämmerung zurückgekommen. Und – und …«

Jamie war mit seiner Geduld fast am Ende, und zweifellos konnte man seinem Gesicht das ansehen.

»Ich konnte ihn an ihr riechen«, flüsterte sie und senkte die Stimme so weit, dass sie fast unhörbar wurde. »Seinen … Samen.«

Die Wut überrannte ihn unvorbereitet, wie ein weißglühender Blitz, der ihm durch Brust und Bauch fuhr. Sie erstickte ihn fast, doch er unterdrückte sie fest und hielt sie unter Kontrolle wie die Kohlen in einer Feuerstelle.

»Also hat er sie in sein Bett geholt; bist du dir sicher?«

Durch und durch verlegen über seine Direktheit, konnte die kleine Magd nur nicken.

Lizzie vergrub ihre Hände im Stoff ihres Kleides; ihr Rock war völlig zerbeult und zerknittert. Ihre Blässe war tiefem Erröten gewichen; sie sah aus wie eine von Claires Tomaten. Sie konnte ihm nicht ins Gesicht sehen, sondern ließ den Kopf hängen und starrte zu Boden.

»Oh, Sir. Sie bekommt ein Kind, könnt Ihr das nicht sehen? Es muss von ihm sein – sie war eine Jungfrau, als er sie genommen hat. Er ist ihr gefolgt – und sie hat Angst vor ihm.«

Ganz plötzlich konnte er es sehen und spürte, wie ihm die Haare auf den Armen und Schultern zu Berge standen. Der Herbstwind blies ihm eisig durchs Hemd, und seine Wut verwandelte sich in Übelkeit. All die kleinen Dinge, die er halb gesehen und halb gedacht hatte, ohne ihnen zu erlauben, an die Oberfläche seines Bewusstseins zu steigen, ergaben auf einmal ein logisches Muster.

Ihr Aussehen und die Art, wie sie sich verhielt; im einen Augenblick lebendig und im nächsten in sorgenvollen Gedanken verloren. Und das Leuchten in ihrem Gesicht, auch wenn die Sonne nicht schien. Er wusste genau, wie eine Frau in anderen Umständen aussah; wenn er sie vorher schon gekannt hätte, hätte er die Veränderung gesehen; aber so …

Claire. Claire wusste es. Der Gedanke überkam ihn mit kalter Gewissheit. Sie kannte ihre Tochter, und sie war Ärztin. Sie musste es wissen – und hatte es ihm nicht gesagt.

»Bist du dir da sicher?« Die Kälte ließ seine Wut gefrieren. Er konnte spüren, wie sie in seiner Brust steckte – ein gefährliches, gezacktes Objekt, das in alle Richtungen zu zeigen schien.

Lizzie nickte wortlos und errötete noch stärker, sofern das überhaupt noch möglich war.

»Ich bin ihr Dienstmädchen, Sir«, flüsterte sie, die Augen zu Boden gerichtet.

»Sie meint, Brianna hat seit zwei Monaten ihre Regel nicht mehr gehabt«, sprang Ian nüchtern ein. Er war das jüngste Kind in einer Familie mit mehreren Schwestern, und ihn hemmte kein Feingefühl, wie es Lizzie hatte. »Sie ist sich sicher.«

»Ich – ich hätte nie etwas gesagt, Sir«, fuhr das Mädchen am Boden zerstört fort. »Nur, als ich den Mann gesehen habe …«

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