Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Jamie nickte und nahm sich noch einen Haferkeks. »Aye, wenn’s geht, Duncan.«
Lizzie stand über das Feuer gebeugt und rührte den Eintopf für das Abendessen um. Ich sah, wie sich ihre Schultern anspannten, doch sie war zu schüchtern, um in Gegenwart so vieler Männer den Mund aufzutun. Brianna war solche Zurückhaltung fremd.
»Ich habe auch jemanden, nach dem Ihr fragen könntet, Mr. Innes.« Sie beugte sich über den Tisch zu ihm hin und sah ihn ernst und flehend an. »Würdet Ihr Euch nach einem Mann namens Roger Wakefield erkundigen? Bitte?«
»Och, natürlich. Natürlich tue ich das.« Duncan errötete über die unmittelbare Nähe von Briannas Ausschnitt und trank in seiner Verwirrung Kennys Whisky aus. »Kann ich sonst noch irgendetwas tun?«
»Ja«, sagte ich und stellte dem verärgerten Lindsey einen frischen Becher hin. »Wenn du dich nach Hodgepile und Brees jungem Freund erkundigst, könntest du da auch nach einem Mann namens Joseph Wemyss fragen? Er dürfte ein Zwangsarbeiter sein.« Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Lizzies schmale Schultern erleichtert zusammensackten.
Duncan nickte und gewann die Fassung wieder, als Brianna in der Vorratskammer verschwand, um Butter zu holen. Kenny Lindsey sah ihr interessiert nach.
»Bree? So nennt Ihr Eure Tochter?«, fragte er.
»Ja, manchmal«, sagte ich. »Warum?«
Ein kurzes Lächeln erschien in Lindseys Gesicht. Dann sah er Jamie an, hustete und vergrub sein Lächeln in seinem Becher.
»Es ist ein schottisches Wort, Sassenach«, sagte Jamie, und auch in seinem Gesicht zeigte sich jetzt ein ziemlich ironisches Lächeln. »Ein bree ist ein großes Ärgernis.«
Kapitel 44
Unterhaltung um drei Ecken
Oktober 1769
Der Schock des Aufpralls vibrierte in seinen Armen. Mit dem Rhythmusgefühl, das langjähriger Übung entstammte, riss Jamie die Beilklinge frei, schwang sie zurück und ließ sie wieder herabsausen. Mit einem Tschunk! flogen Rindensplitter und gelbe Holzspäne umher. Er schob seinen Fuß auf dem Baumstamm ein Stück zur Seite und schlug erneut zu, ein genau gezielter Axthieb, der das scharfe Metall knappe fünf Zentimeter neben seinen Zehen im Holz versenkte.
Er hätte Ian das Holzhacken auftragen und selbst das Mehl in der kleinen Mühle am Woolams Point abholen können, doch der Woolam-Junge verdiente den Besuch bei den drei unverheirateten Töchtern, die zusammen mit ihrem Vater in der Mühle arbeiteten. Sie waren Quäkermädchen, grau gekleidet wie Kirchenmäuse, jedoch intelligent und hübsch, und sie verwöhnten Ian und übertrafen sich gegenseitig darin, ihm bei seinen Besuchen Bier und Fleischpasteten anzubieten.
Besser, der Junge flirtete mit tugendsamen Quäkerinnen als mit den aufdringlichen Indianermädchen auf der anderen Seite des Berges, dachte er etwas grimmig. Er hatte nicht vergessen, was Myers über die Indianerfrauen erzählt hatte, die sich die Männer ins Bett holten, wie es ihnen gefiel.
Er hatte das kleine Dienstmädchen mit Ian losgeschickt, weil er hoffte, dass die kühle Herbstluft vielleicht ein wenig Farbe in das Gesicht des Mädchens bringen würde. Die Haut des Mädchens war so hell wie Claires, hatte aber den kränklichen, blauweißen Schimmer entrahmter Milch, nicht Claires blasses Leuchten, so satt und fehlerlos wie das seidenweiße Kernholz einer Pappel.
Das Holzstück war fast gespalten; noch ein Hieb und ein kräftiger Ruck an der Axt, und zwei ordentliche Scheite, die einen klaren, scharfen Harzgeruch ausströmten, lagen für die Feuerstelle bereit. Er legte sie sorgfältig auf den wachsenden Holzstapel neben der Vorratskammer und rollte sich das nächste Holzstück unter den Fuß.
Eigentlich hackte er gerne Holz. Es war etwas ganz anderes als die feuchte, mörderische, fußerfrierende Arbeit des Torfstechens, brachte aber dieselbe tiefe Genugtuung über einen anständigen Brennstoffvorrat mit sich, die nur derjenige kennt, der einmal einen Winter in dünnen Kleidern durchgezittert hat. Der Holzstapel reichte jetzt fast bis an die Traufen des Hauses, trockene Scheite aus Kiefernholz und Eiche, Hickory und Ahorn, deren Anblick ihm die Seele genauso erwärmte, wie ihm später das Holz den Körper wärmen würde.
Apropos Wärme; dafür, dass es später Oktober war, war es ein warmer Tag, und sein Hemd klebte ihm schon an den Schultern. Er wischte sich mit dem Ärmel über das Gesicht und betrachtete den feuchten Fleck kritisch.
Wenn es so nass wurde, dass man es auswringen konnte, würde Brianna darauf bestehen, es wieder zu waschen, auch wenn er noch so sehr einwandte, dass der Schweiß ganz sauber war. »Puh«, würde sie mit tadelnd geblähten Nasenlöchern sagen und wie ein Opossum ihre lange Nase kräuseln. Er hatte laut gelacht, als er das zum ersten Mal gesehen hatte; vor Überraschung genauso wie aus Belustigung.
Seine Mutter war vor langer Zeit gestorben, als er noch ein Kind war, und obwohl er sich manchmal in seinen Träumen an sie erinnerte, hatte er ihre Gegenwart zum Großteil durch statische Bilder, Augenblicke ersetzt, die in seinem Gedächtnis erstarrt waren. Aber sie hatte auch immer »Puh!« zu ihm gesagt, wenn er schmutzig nach Hause kam, und ihre lange Nase ganz genauso gekräuselt – er hatte sich blitzartig daran erinnert, als er es bei Brianna sah.
Was für ein Rätsel doch die Blutsverwandtschaft war – wie konnte eine winzige Geste, ein Tonfall die Generationen genauso überdauern wie die handfesteren körperlichen Wahrheiten? Er hatte es schon oft beobachtet, während er seine Nichten und Neffen aufwachsen sah, und hatte ohne großes Nachdenken die Echos der Eltern und Großeltern hingenommen, die sich für kurze Augenblicke zeigten, den Schatten eines Gesichtes, das durch die Jahre hindurch zurückblickte – und wieder im Gesicht der Gegenwart verschwand.
Und doch, jetzt wo er es bei Brianna sah … er konnte ihr stundenlang zusehen, dachte er, und fühlte sich dabei daran erinnert, wie sich seine Schwester jedes Mal voller Faszination dicht über ihre Neugeborenen beugte. Vielleicht war das der Grund, warum Eltern ihre Kinder mit solcher Verzauberung beobachteten, dachte er; weil sie all die kleinen Bindeglieder entdeckten, die die Kette des Lebens zwischen ihnen knüpften, von einer Generation zur nächsten.
Er zuckte mit den Achseln und zog das Hemd aus. Er war hier schließlich zu Hause; es war niemand da, der die Narben auf seinem Rücken sehen konnte, und niemand, den sie etwas angingen, wenn es doch geschah. Die Luft traf kühl und unvermittelt auf seine feuchte Haut, doch ein paar Axthiebe brachten sein Blut wieder zum Pulsieren.
Er liebte Jennys Kinder sehr – vor allem Ian, den kleinen Trottel, dessen Mischung aus Unvernunft und dickköpfiger Courage ihn so sehr an sich selbst in diesem Alter erinnerte. Sie alle waren schließlich mit ihm verwandt. Doch Brianna …
Brianna war sein eigen Fleisch und Blut. Ein unausgesprochenes Versprechen an seine Eltern, das er eingelöst hatte; sein Geschenk an Claire und ihres an ihn.
Nicht zum ersten Mal ertappte er sich dabei, dass er sich Gedanken über Frank Randall machte. Was hatte sich Randall gedacht, wenn er das Kind eines anderen Mannes im Arm hielt – eines Mannes, den zu lieben er keinen Grund hatte.
Was das anging, war Randall ja vielleicht doch der bessere Mensch gewesen – weil er ein Kind um seiner Mutter willen angenommen hatte, nicht um seiner selbst willen; weil er sich an ihrem Gesicht nur um seiner Schönheit willen erfreut hatte und nicht, weil er sich selbst darin wiederfand. Er schämte sich vage und schlug heftiger zu, um das Gefühl zu vertreiben.
Sein Verstand war vollständig mit seinen Gedanken beschäftigt, nicht mit seiner Arbeit. Doch wenn er die Axt benutzte, war sie ebenso ein Teil seines Körpers wie die Arme, die sie schwangen. Genauso wie ein Ziehen in seinem Arm oder Ellbogen ihn auf der Stelle vor einer Verletzung gewarnt hätte, bremste ihn jetzt eine schwache Vibration, eine unmerkliche Gewichtsverlagerung mitten im Schwung, so dass die gelockerte Klinge über die Lichtung flog, ohne Schaden anzurichten, anstatt sich in seinen verletzlichen Fuß zu rammen.