Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Du bist da gewesen«, sagte sie und sah mich unter gesenkten Lidern an. »Warum? Wolltest du zurückgehen? Nachdem du – ihn gefunden hattest?« Es lag immer noch ein leichtes Zögern in ihrer Stimme, sie konnte sich noch nicht ganz dazu durchringen, Jamie als »mein Vater« zu bezeichnen.
»Nein. Es hing mit Geillis Duncan zusammen. Sie hat die Stelle entdeckt.«
Briannas Augenlider flogen hoch.
»Sie ist hier?«
»Nein. Sie ist tot.«
Ich holte tief Luft und spürte in Gedanken den Aufprall eines Axthiebs, und ein Kribbeln durchlief meinen Arm. Manchmal dachte ich an sie, an Geillis, wenn ich allein im Wald war. Manchmal glaubte ich, ihre Stimme hinter mir zu hören, und drehte mich rasch um, sah aber nur Hemlockzweige, die im Wind rauschten. Doch dann und wann spürte ich ihren Blick auf mir, grün und leuchtend wie der Wald im Frühling.
»Wirklich tot«, sagte ich nachdrücklich und wechselte das Thema. »Wie ist es überhaupt passiert?«
Sie versuchte gar nicht erst, so zu tun, als wüsste sie nicht, wovon ich sprach. Sie sah mich geradeheraus an, eine Augenbraue hochgezogen.
»Du bist die Ärztin. Wie viele Möglichkeiten gibt es denn?«
Ich zahlte ihr den Blick mit Zinsen heim.
»Hast du denn nicht einmal daran gedacht, irgendwelche Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen?«
Sie sah mich wütend an, die dichten Augenbrauen zusammengezogen.
»Ich hatte nicht vor, hier Sex zu haben.«
Ich griff mir an den Kopf und vergrub entnervt die Finger in meiner Kopfhaut.
»Du meinst, so etwas plant man im Voraus? Großer Gott, wie oft war ich bei dir in der Schule und habe euch darüber …«
»Dauernd! Jedes Jahr! Meine Mutter, das Sex-Lexikon! Hast du eigentlich eine Ahnung, wie peinlich es ist, wenn deine eigene Mutter vor aller Welt dasteht und Penisse zeichnet?«
Bei dieser Erinnerung nahm ihr Gesicht dieselbe Farbe an wie die scharlachroten Ahornbäume.
»Offensichtlich habe ich es nicht allzu gut gemacht«, sagte ich schroff, »da du anscheinend nicht in der Lage warst, einen Penis zu erkennen, als du ihn vor der Nase hattest.«
Ihr Gesicht fuhr zu mir herum, blutunterlaufenen Auges, entspannte sich aber wieder, als sie sah, dass ich einen Witz machte – oder es versuchte.
»Stimmt«, sagte sie. »Na ja, in 3-D sehen sie anders aus.«
Ich lachte überrumpelt. Nach einem Augenblick des Zögerns fiel sie mit einem verhaltenen Kichern ein.
»Du weißt, was ich meine. Ich habe dir doch das Rezept dagelassen, bevor ich gegangen bin.«
Sie sah mich herablassend an.
»Ja, und ich war noch nie in meinem Leben so schockiert! Hast du wirklich geglaubt, ich würde loslaufen und es mit jedem hergelaufenen Kerl treiben, sobald du fort warst?«
»Willst du damit sagen, es war nur meine Anwesenheit, die dich daran gehindert hat?« Der Winkel ihres breiten Mundes zuckte.
»Na ja, nicht nur«, gab sie zu. »Aber es hat schon an dir gelegen, dir und Papa. Ich meine, ich – ich hätte euch nur ungern enttäuscht.« Das Zucken war blitzschnell in Zittern übergegangen, und ich nahm sie fest in den Arm. Ihr glattes, leuchtendes Haar lag an meiner Wange.
»Das kannst du gar nicht, Baby«, murmelte ich und wiegte sie sanft. »Wir wären niemals von dir enttäuscht gewesen, niemals.«
Ich spürte die Spannung und Sorge verebben, während ich sie festhielt. Schließlich holte sie tief Luft und ließ mich los.
»Vielleicht nicht du oder Papa«, sagte sie. »Aber was ist mit –?« Sie senkte den Kopf in Richtung des Hauses, das für uns unsichtbar war.
»Er wird nicht –«, begann ich, doch dann hielt ich inne. Die Wahrheit war, dass ich nicht wusste, was Jamie tun würde. Einerseits neigte er sehr dazu, Brianna unübertrefflich zu finden. Andererseits hatte er Ansichten über Sexualität und Ehre, die man – aus naheliegenden Gründen – nur als altmodisch bezeichnen konnte, und er hatte keine Hemmungen, sie auszudrücken.
Er war weltgewandt, gebildet, tolerant und mitfühlend. Dies bedeutete in keinster Art und Weise, dass er moderne Denkweisen teilte oder verstand; ich wusste genau, dass er das nicht tat. Und ich konnte mir nicht vorstellen, dass er Roger gegenüber auch nur die geringste Toleranz an den Tag legen würde.
»Tja«, sagte ich skeptisch, »ich würde mich nicht wundern, wenn er Roger am liebsten eins auf die Nase geben würde oder so etwas. Aber mach dir keine Sorgen«, fügte ich hinzu, als ich ihren alarmierten Blick sah. »Er liebt dich«, sagte ich und strich ihr das zerzauste Haar aus dem Gesicht. »Und nichts kann ihn davon abbringen.«
Ich stand auf und streifte mir die gelben Blätter von meinem Rock.
»Also haben wir noch etwas Zeit, wenn wir auch keine verlieren dürfen. Jamie kann flussabwärts die Nachricht verbreiten, dass man nach Roger Ausschau hält. Wo wir von Roger reden …« Ich zögerte und zupfte mir ein Stückchen vertrockneten Farn vom Ärmel. »Ich nehme nicht an, dass er davon weiß, oder?«
Brianna holte tief Luft, und ihre Faust schloss sich fest um das Blatt in ihrer Hand und zerdrückte es.
»Na ja, weißt du, es gibt da ein Problem«, sagte sie. Sie blickte zu mir auf, und plötzlich war sie wieder mein kleines Mädchen. »Es ist nicht von Roger.«
»Was?«, sagte ich wie vor den Kopf geschlagen.
»Es. Ist. Nicht. Rogers. Baby«, sagte sie mit zusammengebissenen Zähnen.
Ich sank wieder neben ihr zu Boden. Ihre Sorge um Roger nahm plötzlich neue Dimensionen an.
»Wer?«, sagte ich. »Hier oder dort?« Ich rechnete es augenblicklich nach – es musste jemand hier in der Vergangenheit sein. Wäre es ein Mann in ihrer eigenen Zeit gewesen, dann wäre sie schon weiter als zwei Monate. Also nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch hier in den Kolonien.
Ich hatte nicht vor, Sex zu haben, hatte sie gesagt. Nein, natürlich nicht. Sie hatte Roger nichts gesagt, aus Angst, dass er ihr folgen würde – er war ihr Anker, ihr Schlüssel zur Zukunft. Aber wenn das so war …
»Hier«, sagte sie und bestätigte meine Überlegungen. Sie wühlte in ihrer Rocktasche und brachte etwas zum Vorschein. Sie streckte mir die Hand hin, und ich hielt ihr automatisch die meine hin.
»Himmelherrgottsakrament.« Der abgetragene, goldene Ehering glitzerte in der Sonne, und meine Hand umschloss ihn automatisch. Er war warm, weil sie ihn an ihrem Körper getragen hatte, doch ich spürte, wie mir Eiseskälte in die Finger sickerte.
»Bonnet?«, sagte ich. »Stephen Bonnet?«
Ihre Kehle bewegte sich krampfhaft. Sie schluckte, und ihr Kopf ruckte in einem kurzen Nicken.
»Ich hatte nicht vor, es dir zu erzählen – ich konnte es nicht; nicht, nachdem Ian mir erzählt hat, was auf dem Fluss passiert ist. Zuerst wusste ich nicht, was Pa tun würde; ich hatte Angst, er würde mir Vorwürfe machen. Und dann, als ich ihn etwas besser kannte – da wusste ich, dass er versuchen würde, Bonnet zu finden – das ist es jedenfalls, was Papa getan hätte. Das konnte ich nicht zulassen. Du bist dem Mann doch begegnet, du weißt, wie er ist.« Sie saß in der Sonne, doch ein Schauer überlief sie, und sie rieb sich die Arme, als wäre ihr kalt.
»Das stimmt«, sagte ich. Meine Lippen waren steif. Ihre Worte hallten in meinen Ohren wider.
Ich hatte nicht vor, Sex zu haben. Ich konnte es nicht sagen … Ich hatte Angst, er würde mir Vorwürfe machen.
»Was hat er mit dir gemacht?«, fragte ich und war überrascht über den ruhigen Klang meiner Stimme. »Hat er dir weh getan, Baby?«
Sie zog eine Grimasse, winkelte die Knie an und presste sie mit den Armen an sich.
»Nenn mich nicht so, okay? Nicht jetzt.«
Ich streckte die Hand aus, um sie zu berühren, doch sie kuschelte sich noch fester in sich selbst, und ich ließ meine Hand sinken.
»Willst du es mir erzählen?« Ich wollte es nicht hören; auch ich hätte gern so getan, als wäre es nicht geschehen.