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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Aye. Wenn der Knopf jemandem aus der Siedlung gehört – sie wissen alle genau, wo die Destillerie ist, und es könnte ohne weiteres sein, dass jemand kurz dort vorbeischaut. Aber falls es ein Fremder sein sollte …« Er sah sie an und zuckte erneut mit den Achseln.

»Es ist nicht so einfach für einen Mann, hier unbemerkt zu bleiben – es sei denn, er versteckt sich absichtlich. Wenn ein Mann, der aus einem harmlosen Grund hier ist, in einem Haus rasten und um etwas zu essen und zu trinken bitten würde, würde ich es noch am selben Tag erfahren. Aber es ist nichts dergleichen vorgefallen. Es ist wahrscheinlich auch kein Indianer; die benutzen so etwas nicht für ihre Kleidung.«

Ein Windstoß fuhr über den Weg und wirbelte braune und gelbe Blätter auf, und sie wandten sich hügelaufwärts dem Blockhaus zu. Angesteckt von der zunehmenden Stille des Waldes, wanderten sie fast wortlos weiter; die Vögel sangen noch im Zwielicht, doch die Schatten unter den Bäumen wurden länger. Der Nordhang des Berges auf der anderen Talseite war schon dunkel, als die Sonne sich hinter ihn schob.

Doch die Lichtung mit dem Blockhaus war immer noch mit Sonnenlicht erfüllt, das durch ein Flammenmeer gelber Kastanienbäume gefiltert wurde. Claire stand im eingezäunten Teil des Gartens, eine Schüssel auf der Hüfte, und pflückte Bohnen von strebengestützten Ranken. Ihre schlanke Gestalt war im Gegenlicht dunkel umrissen, ihr Haar ein breiter Strahlenkranz aus gelocktem Gold.

»Innisfree«, sagte Brianna unwillkürlich, während sie bei dem Anblick erstarrte.

»Innisfree?« Jamie sah sie verblüfft an.

Sie zögerte, doch es führte kein Weg an einer Erklärung vorbei.

»Es ist ein Gedicht, oder ein Teil davon. Papa hat es immer aufgesagt, wenn er nach Hause kam und Mama in ihrem Garten werkeln sah – er meinte immer, wenn sie könnte, würde sie dort draußen wohnen. Er hat oft gescherzt, dass sie – dass sie uns eines Tages verlassen und sich einen Ort suchen würde, wo sie ganz allein mit ihren Pflanzen leben könnte.«

»Ah.« Jamies Gesicht war ruhig, die breiten Wangen vom ersterbenden Licht gerötet. »Und wie geht das Gedicht?«

»Ich mach mich auf und geh nach Innisfree,

Dort bau ich eine Hütte aus Ruten und Lehm:

Dann pflanze ich dort Bohnen, und Bienen ich dort zieh.

Und leb im Tal der Bienen allein und ganz bequem.«

Seine dichten, roten Brauen zogen sich sacht zusammen und glänzten in der Sonne.

»Ein Gedicht, wie? Und wo ist Innisfree?«

»Irland vielleicht. Er war Ire«, erklärte Brianna. »Der Dichter.« Die Bienenstöcke standen ordentlich in Reih und Glied auf ihren Steinen am Waldrand.

»Oh.«

Winzige Fusseln aus Gold und Schwarz schwebten an ihnen vorbei durch die honigduftende Luft – Bienen auf dem Heimweg von den Feldern. Ihr Vater machte keine Anstalten, weiterzugehen, sondern blieb still an ihrer Seite stehen und sah ihrer Mutter beim Bohnenpflücken zu, schwarz und golden zwischen den Pflanzen.

Also am Ende doch nicht allein, dachte sie. Doch es blieb ein Engegefühl in ihrer Brust, das fast ein Schmerz war.

Kenny Lindsey trank einen Schluck Whisky, schloss die Augen und ließ sich den Schnaps durch den Mund laufen wie ein professioneller Weintester. Er hielt inne, runzelte konzentriert die Stirn und schluckte dann krampfhaft.

»Huuh!« Er holte Luft und erschauerte von oben bis unten.

»Himmel«, sagte er heiser. »Der zieht einem ja die Schuhe aus.«

Jamie grinste über das Kompliment und goss noch ein kleines Glas ein, das er Duncan hinüberschob.

»Aye, er ist besser als der letzte«, pflichtete er bei und schnüffelte vorsichtig, bevor er von seinem eigenen Becher probierte. »Diesmal gerbt er einem die Zunge nicht so.«

Lindsey wischte sich mit dem Handrücken über den Mund und nickte zustimmend.

»Tja, wir bringen ihn gut unter. Woolam möchte ein Fass – damit kommt er ein ganzes Jahr aus, so sparsam, wie diese Quäker damit umgehen.«

»Habt Ihr einen Preis vereinbart?«

Lindsey nickte und roch anerkennend an dem Teller mit Haferkeksen und Häppchen, den Lizzie vor ihn hingestellt hatte.

»Einen Zentner Gerste pro Fass; noch einen, wenn er die Hälfte des daraus resultierenden Whiskys bekommt.«

»Das ist fair.« Jamie nahm sich einen Haferkeks und kaute einen Augenblick lang geistesabwesend darauf herum. Dann zog er eine Augenbraue hoch und sah Duncan an, der ihm gegenübersaß.

»Kannst du MacLeod am Naylors Creek fragen, ob er damit einverstanden ist? Du kommst doch auf dem Heimweg dort vorbei, aye?«

Duncan nickte kauend, und Jamie prostete mir mit erhobenem Becher einen stummen Glückwunsch zu – mit Woolams Angebot hatten wir insgesamt achthundert Pfund Gerste durch Tauschhandel und Versprechungen zusammengekratzt. Das war mehr als der Reingewinn der gesamten Felder unserer Niederlassung; der Rohstoff für den Whisky des kommenden Jahres.

»Ein Fass für jedes Haus in der Siedlung, zwei für Fergus …« Jamie zog geistesabwesend an seinem Ohrläppchen, während er nachrechnete. »Vielleicht zwei für Nacognaweto, eins, das wir zum Reifen liegen lassen – aye, wir haben vielleicht ein Dutzend Fässer für das Gathering übrig, Duncan.«

Duncans Ankunft kam uns sehr gelegen. Jamie hatte es zwar geschafft, den Rohwhisky des ersten Jahres bei der Herrnhuter Brüdergemeinde gegen die Werkzeuge, das Tuch und andere Dinge einzutauschen, die wir so dringend brauchten, doch es bestand kein Zweifel, dass die reichen schottischen Pflanzer vom Cape Fear einen besseren Markt abgeben würden.

Wir konnten es uns auf keinen Fall erlauben, uns für die einwöchige Reise zum Mount Helicon von der Siedlung zu entfernen, doch wenn Duncan den Whisky mitnehmen und verkaufen konnte … Ich stellte im Kopf bereits Listen zusammen. Zu den volksfestähnlichen Gatherings brachte jeder Dinge mit, die er verkaufen wollte. Wolle, Tuch, Werkzeuge, Lebensmittel, Tiere … Ich brauchte dringend einen kleinen Kupferkessel und sechs Ellen neuen Musselin für Hemden und …

»Meinst du wirklich, du solltest den Indianern Alkohol geben?« Briannas Frage riss mich aus meinen raffgierigen Überlegungen.

»Warum nicht?«, fragte Lindsey, der es missbilligte, dass sie sich einmischte. »Schließlich werden wir ihn ihnen ja nicht schenken, Kleine. Sie haben nicht viel Bargeld, aber sie zahlen in Fellen – und sie zahlen gut.«

Brianna sah erst mich, dann Jamie hilfesuchend an.

»Aber die Indianer sind nicht – ich meine, ich habe gehört, dass sie nicht mit Alkohol umgehen können.«

Die drei Männer sahen sie verständnislos an, und Duncan starrte auf seinen Becher, den er in der Hand hin- und herdrehte.

»Ich meine, sie werden schnell betrunken.«

Lindsey blinzelte in seinen Becher, dann sah er sie an und rieb sich mit der Hand über seinen Scheitel, der langsam kahl wurde.

»Worauf willst du denn hinaus, Mädchen?«

Briannas Mund presste sich zusammen und entspannte sich dann.

»Ich meine«, sagte sie, »dass ich es falsch finde, Menschen zum Trinken zu ermutigen, die nicht mehr damit aufhören können, wenn sie einmal angefangen haben.« Sie sah mich ein wenig hilflos an. Ich schüttelte den Kopf.

»Das Wort ›Alkoholiker‹ existiert noch nicht«, sagte ich. »Hier ist es keine Krankheit – nur eine Charakterschwäche.«

Jamie sah sie fragend an.

»Na ja, eins kann ich dir sagen, Kleine«, sagte er, »ich habe schon viele Betrunkene gesehen, aber noch keine Flasche, die von selbst vom Tisch springt und sich einem in die Kehle stürzt.«

Es erklang allgemeines Beifallsgrunzen, und bei einer weiteren Runde wechselten sie das Thema.

»Hodgepile? Nein, den habe ich noch nie gesehen, obwohl ich meine, dass ich den Namen schon einmal gehört habe.« Duncan kippte den Rest seines Whiskys hinunter und stellte leise keuchend seinen Becher hin. »Soll ich beim Gathering fragen?«

Jamie nickte und nahm sich noch einen Haferkeks. »Aye, wenn’s geht, Duncan.«

Lizzie stand über das Feuer gebeugt und rührte den Eintopf für das Abendessen um. Ich sah, wie sich ihre Schultern anspannten, doch sie war zu schüchtern, um in Gegenwart so vieler Männer den Mund aufzutun. Brianna war solche Zurückhaltung fremd.

»Ich habe auch jemanden, nach dem Ihr fragen könntet, Mr. Innes.« Sie beugte sich über den Tisch zu ihm hin und sah ihn ernst und flehend an. »Würdet Ihr Euch nach einem Mann namens Roger Wakefield erkundigen? Bitte?«

»Och, natürlich. Natürlich tue ich das.« Duncan errötete über die unmittelbare Nähe von Briannas Ausschnitt und trank in seiner Verwirrung Kennys Whisky aus. »Kann ich sonst noch irgendetwas tun?«

»Ja«, sagte ich und stellte dem verärgerten Lindsey einen frischen Becher hin. »Wenn du dich nach Hodgepile und Brees jungem Freund erkundigst, könntest du da auch nach einem Mann namens Joseph Wemyss fragen? Er dürfte ein Zwangsarbeiter sein.« Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Lizzies schmale Schultern erleichtert zusammensackten.

Duncan nickte und gewann die Fassung wieder, als Brianna in der Vorratskammer verschwand, um Butter zu holen. Kenny Lindsey sah ihr interessiert nach.

»Bree? So nennt Ihr Eure Tochter?«, fragte er.

»Ja, manchmal«, sagte ich. »Warum?«

Ein kurzes Lächeln erschien in Lindseys Gesicht. Dann sah er Jamie an, hustete und vergrub sein Lächeln in seinem Becher.

»Es ist ein schottisches Wort, Sassenach«, sagte Jamie, und auch in seinem Gesicht zeigte sich jetzt ein ziemlich ironisches Lächeln. »Ein bree ist ein großes Ärgernis.«

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