Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Er muss wohl als Zwangsarbeiter hierhergekommen sein, aber ich weiß nicht, wohin; nur, dass es die Kolonien im Süden sein müssen.«
Na ja, das begrenzt die Suche ja nur auf ein paar hunderttausend Quadratmeilen, dachte ich. Dennoch, es konnte nicht schaden, wenn man Ronnie Sinclair bat, die Nachricht zu verbreiten. Es gab im Süden kaum Zeitungen oder andere Drucksachen; die meisten echten Neuigkeiten verbreiteten sich immer noch von Mund zu Mund, wurden in den Läden oder Wirtshäusern weitererzählt oder von den Sklaven oder Dienstboten von einer abgelegenen Plantage zur nächsten getragen.
Der Gedanke an Zeitungen weckte schlagartig eine unangenehme Erinnerung. Dennoch, sieben Jahre schienen noch in beruhigend weiter Ferne zu liegen – und Brianna hatte sicher recht; ob das Haus dazu verdammt war, am 21. Januar abzubrennen oder nicht, es würde sich doch sicher einrichten lassen, dass wir an diesem Datum nicht dort waren.
Brianna erschien mit hochrotem Gesicht, schwang sich auf den Wagen, nahm die Zügel auf und wartete ungeduldig auf den Rest.
Als Ian ihr rotes Gesicht sah, runzelte er die Stirn und blickte zur Küferwerkstatt.
»Was ist los, Cousinchen? Hat der Kerl da drin was Falsches zu dir gesagt?« Er ballte seine Fäuste, die fast so groß wie Sinclairs waren.
»Nein«, sagte sie schroff. »Kein einziges Wort. Können wir jetzt gehen?«
Ian hob Lizzie hoch und schwang sie auf die Ladefläche, dann streckte er die Hand aus und half mir neben Brianna auf den Sitz. Er warf einen Blick auf die Zügel in Briannas Händen; er hatte ihr beigebracht, die Maultiere zu lenken, und ihre Geschicklichkeit erfüllte ihn mit berufsmäßigem Stolz.
»Pass auf den Gaul auf der linken Seite auf«, wies er sie an. »Er zieht seinen Teil der Ladung nur, wenn du ihm ab und zu eins aufs Hinterteil gibst.«
Er verschwand mit Lizzie auf der Ladefläche, als wir uns auf den Weg machten. Ich konnte hören, wie er ihr groteske Geschichten erzählte und sie darauf mit schwachem Kichern antwortete. Da er selbst das Nesthäkchen seiner Familie war, war Ian von Lizzie verzaubert und behandelte sie wie eine jüngere Schwester, abwechselnd Nervensäge und Lieblingshaustier.
Ich warf einen Blick zurück auf die Küferwerkstatt, die hinter uns kleiner wurde, dann auf Brianna.
»Was hat er getan?«, fragte ich still.
»Nichts. Ich bin ihm dazwischengekommen.« Ihre breiten Wangenknochen erröteten tiefer.
»Was in aller Welt hat er denn getan?«
»Bilder auf ein Holzstück gezeichnet«, sagte sie und biss sich von innen auf die Wange. »Von nackten Frauen.«
Ich lachte, gleichermaßen schockiert und belustigt.
»Na ja, er hat keine Frau, und wahrscheinlich bekommt er so schnell auch keine; Frauen sind sowieso Mangelware in der Kolonie, und hier oben erst recht. Ich schätze, man kann es ihm nicht übelnehmen.«
Ich verspürte einen unerwarteten Stich des Mitgefühls für Ronnie Sinclair. Er war schließlich schon sehr lange allein. Seine Frau war in den schrecklichen Tagen nach der Schlacht von Culloden umgekommen, und er selbst hatte über zehn Jahre im Gefängnis gesessen, bevor er in die Kolonien deportiert wurde. Wenn er hier Freundschaften geknüpft hatte, dann waren sie nicht von Dauer gewesen; er war ein Einzelgänger, und plötzlich sah ich seine eifrige Suche nach Gerüchten, seine heimlichen Beobachtungen – ja, sogar die Tatsache, dass er Brianna als Quelle künstlerischer Inspiration benutzte – in einem anderen Licht. Ich wusste, was es bedeutete, einsam zu sein.
Briannas Verlegenheit war verflogen, und sie pfiff leise vor sich hin, während sie lässig über die Zügel gebeugt saß – eine Melodie der Beatles, dachte ich, obwohl ich diese ganzen Popgruppen noch nie auseinanderhalten konnte.
Der Gedanke schlich sich träge und hinterhältig in mein Bewusstsein: Falls Roger nicht kam, würde sie nicht lange allein bleiben, weder hier noch wenn sie in die Zukunft zurückkehrte. Doch das war lächerlich. Er würde kommen. Und wenn nicht …
Ein Gedanke, den ich unter Kontrolle zu halten versucht hatte, schlich sich an meinen Verdrängungsmechanismen vorbei und erschien in voller Größe vor meinem inneren Auge. Was, wenn er absichtlich nicht kommt? Ich wusste, dass sie sich über irgendetwas gestritten hatten, obwohl Brianna sich darüber ausgeschwiegen hatte. Hatte sie ihn so wütend gemacht, dass er ohne sie zurückkehren würde?
Ich hielt es für sehr wahrscheinlich, dass ihr dieser Gedanke ebenfalls gekommen war; sie sprach kaum noch von Roger, doch ich sah das aufgeregte Licht in ihren Augen, wenn Clarence Besuch ankündigte, und ich sah es jedes Mal ersterben, wenn sich zeigte, dass der Besucher einer von Jamies Pächtern oder Ians Tuscarorafreunden war.
»Beeil dich, Mensch«, brummte ich vor mich hin. Brianna hörte es und ließ die Zügel fest auf den Rücken des linken Maultiers knallen.
»Heh-hopp!«, rief sie, und der klappernde Wagen legte an Tempo zu und schwankte über den engen Pfad nach Hause.
»Es hat keine besondere Ähnlichkeit mit dem Braukeller in Leoch«, sagte Jamie, während er reuevoll auf den improvisierten Destillierkessel am Rand der kleinen Lichtung zeigte. »Aber es produziert so etwas wie Whisky.«
Trotz seiner Bescheidenheit konnte Brianna sehen, dass er auf seine aufstrebende Destillerie stolz war. Sie lag fast zwei Meilen von der Blockhütte entfernt, und zwar in der Nähe von Fergus’ Haus – so erklärte er –, so dass Marsali mehrmals am Tag heraufkommen konnte, um einen Blick auf das Unterfangen zu werfen. Als Belohnung für diese Dienstleistung erhielten sie und Fergus einen etwas größeren Anteil an dem resultierenden Whisky als die anderen Bauern der Niederlassung, die die Rohgerste lieferten und beim Verkauf des Schnapses halfen.
»Nein, Schätzchen, das fiese Ding willst du nicht essen«, sagte Marsali bestimmt. Sie ergriff ihren Sohn beim Handgelenk und fing an, seine Finger nacheinander aufzubiegen, um das große, heftig strampelnde Insekt freizubekommen, das er – in offenem Widerspruch mit den Ermahnungen seiner Mutter – ganz offensichtlich doch essen wollte.
»Pfui!« Marsali ließ die Küchenschabe auf den Boden fallen und trat darauf.
Germain, ein unerschütterliches, stämmiges Kind, weinte nicht über den Verlust des Leckerbissens, sondern blickte hasserfüllt unter seinem blonden Fransenhaar hervor. Die Küchenschabe erhob sich, unbeeindruckt von der schlechten Behandlung, aus dem Laub und spazierte davon, wobei sie nur ganz leicht stolperte.
»Oh, ich glaube nicht, dass es ihm schaden würde«, sagte Ian belustigt. »Ich habe schon Küchenschaben gegessen, bei den Indianern. Heuschrecken schmecken aber besser – vor allem geräuchert.«
Marsali und Brianna machten Würgegeräusche, worauf sich Ians Grinsen noch verbreiterte. Er nahm sich den nächsten Gerstensack und schüttete eine dicke Lage Körner in einen flachen Weidenkorb. Zwei weitere Schaben, die sich plötzlich dem Tageslicht ausgesetzt sahen, schlitterten wie verrückt über den Korbrand, fielen zu Boden und schossen davon. Sie verschwanden unter dem Rand des grob gezimmerten Bodens in der Mälzerei.
»Nein, habe ich gesagt!« Marsali hielt Germain am Kragen fest und unterband seine entschlossenen Verfolgungsversuche. »Bleib hier, du kleiner Frechdachs, oder willst du auch geräuchert werden?« Kleine, durchsichtige Rauchwölkchen stiegen zwischen den Ritzen des Holzpodestes auf und überzogen die kleine Lichtung mit dem Frühstücksduft gerösteter Körner. Brianna spürte ihren Magen rumoren; es war fast Essenszeit.
»Vielleicht solltest du sie drin lassen«, schlug sie scherzhaft vor. »Geräucherte Küchenschaben könnten dem Whisky eine nette Geschmacksnote geben.«
»Ich glaube jedenfalls nicht, dass sie ihn verderben würden«, stimmte ihr Vater zu, während er an ihre Seite trat. Er wischte sich mit dem Taschentuch über das Gesicht, sah sich das Tuch an und zog eine Grimasse beim Anblick der Rußflecken, bevor er es wieder in seinen Ärmel steckte. »Alles klar, Ian?«