Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Leutnant Wolff ist betrunken herumgetorkelt«, fügte Roger hinzu. »Das ist allen aufgefallen – und sie haben sich darüber mokiert, dass sich jemand so früh schon in einem solchen Zustand befinden konnte.«
Jocasta machte ein hämisches Geräusch, und Duncan senkte den Kopf und lächelte insgeheim.
»Jedenfalls«, fasste Jamie zusammen, »ist die zweite Ladung Rumpunsch gegen Mittag serviert worden, und ich habe die Frau keine Stunde später sturzbetrunken mit einem Punschbecher an ihrer Seite auf dem Misthaufen gefunden, wo sie alle Viere von sich gestreckt hatte. Ich will ja nicht sagen, dass das nicht zu bewerkstelligen ist, aber es wäre schnelle Arbeit, sich in so kurzer Zeit besinnungslos zu trinken, vor allem, wenn man nur auf Reste zurückgreifen kann.«
»Also gehen wir davon aus, dass ihr tatsächlich eine Droge verabreicht worden ist«, sagte ich. »Und zwar höchstwahrscheinlich Laudanum. Gab es das hier in der Kräuterkammer?«
Jocasta hörte die Veränderung in meinem Tonfall und wusste, dass die Frage an sie gerichtet war; sie richtete sich auf ihrem Stuhl auf und steckte sich eine Haarlocke unter ihre Haube zurück. Sie schien sich gut von der letzten Nacht erholt zu haben.
»Oh, aye. Aber das muss nichts bedeuten«, warf sie ein. »Jeder hätte es mitbringen können; es ist nicht sehr schwierig zu bekommen, wenn man es bezahlen kann. Ich weiß von mindestens zwei Frauen unter den Gästen, dass sie es regelmäßig nehmen. Sie hatten mit Sicherheit etwas dabei.«
Ich hätte zu gern gewusst, welche von Jocastas Bekannten opiumsüchtig waren und woher sie das wusste, verfolgte diesen Punkt jedoch nicht weiter und ging zum nächsten über.
»Nun, woher das Laudanum – angenommen, es war Laudanum – auch immer kam, anscheinend ist es in Bettys Magen gelandet.« Ich wandte mich Jamie zu. »Also, du hast doch gesagt, dass dir, als du sie gefunden hast, der Gedanke gekommen ist, sie könnte etwas Präpariertes oder Giftiges getrunken haben, das für jemand anderen gedacht war.«
Er nickte und verstand genau.
»Aye, denn warum sollte jemand einem Sklaven schaden oder ihn umbringen wollen?«
»Ich weiß nicht, warum, aber irgendjemand hat Betty umgebracht«, unterbrach ihn Brianna hörbar gereizt. »Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, wie sie Glassplitter hätte essen sollen, die für jemand anderen gedacht waren – du vielleicht?«
»Immer mit der Ruhe! Ich versuche, logisch zu denken.« Ich sah Brianna stirnrunzelnd an, und sie machte ein ähnlich hämisches Geräusch wie Jocasta, nur nicht so laut.
»Nein«, fuhr ich fort. »Ich glaube nicht, dass sie das zerstampfte Glas versehentlich zu sich genommen hat – aber ich weiß auch nicht, wann sie es gegessen hat. Es war aber höchstwahrscheinlich, nachdem ihr sie auf den Speicher gebracht hattet – und nach Fentimans erster Visite.«
Fentimans Brechmittel und Klistiere hätten starke Blutungen hervorgerufen, wenn Betty das Glas bereits eingenommen gehabt hätte – und genau das war ja dann geschehen, als er sie gegen Anbruch der Dämmerung erneut aufgesucht hatte, um ihre neuerlichen Klagen über innere Schmerzen zu behandeln.
»Ich glaube, du hast Recht«, sagte ich zu Brianna, »aber nur der Ordnung halber – als du deine Runde gemacht hast, Roger, hast du doch keine Gäste gefunden, die den Eindruck machten, als hätte man ihnen ein Betäubungsmittel verabreicht, oder?«
Er schüttelte den Kopf und hatte die dunklen Augenbrauen zusammengezogen, als bereitete ihm das Sonnenlicht Probleme. Es hätte mich nicht überrascht, wenn er Kopfschmerzen hatte; auch in meinem Schädel hatte sich das Wattegefühl in ein Pochen verwandelt.
»Nein«, sagte er und presste sich einen Fingerknöchel fest zwischen die Brauen. »Mindestens zwanzig, die allmählich leicht zu schwanken begannen, aber sie schienen alle nur rechtschaffen alkoholisiert zu sein.«
»Was ist mit Leutnant Wolff?«, fragte Duncan zur allgemeinen Überraschung. Er errötete ein wenig, als er aller Augen auf sich gerichtet sah, ließ aber nicht locker.
»A Smeòraich hat gesagt, der Mann ist betrunken im Salon herumgetorkelt. Ist es möglich, dass er das Laudanum – oder was immer es war – zu sich genommen hat, die Hälfte getrunken und der Sklavin dort den Rest gegeben hat?«
»Ich weiß es nicht«, sagte er skeptisch. »Wenn ich je einen Menschen gesehen habe, der sich innerhalb einer Stunde lediglich mit Hilfe von Alkohol um den Verstand trinken konnte …«
»Als ich mich unter den Gästen umgesehen habe, hat der Leutnant mit einer Flasche in der Hand an der Wand des Mausoleums gelehnt«, sagte Roger. »Nicht mehr ganz klar im Kopf, aber bei Bewusstsein.«
»Aye, er ist erst später im Gebüsch gelandet«, warf Jamie mit skeptischer Miene ein. »Ich habe ihn nachmittags dort entdeckt. Er hat allerdings nicht so ausgesehen wie die Sklavin – nur betrunken.«
»Aber die Zeit stimmt ungefähr«, sagte ich nachdenklich. »Also ist es immerhin möglich. Hat jemand den Leutnant im Lauf des Tages noch einmal gesehen?«
»Ja«, sagte Ulysses, und alle fuhren zu ihm herum und sahen ihn an. »Er ist während des Abendessens ins Haus gekommen, hat mich gebeten, sofort ein Boot für ihn aufzutreiben, und ist auf dem Wasserweg abgereist. Immer noch ziemlich betrunken«, fügte er präzise hinzu, »aber bei klarem Verstand.«
Jocasta pustete leise durch die Lippen und murmelte: »Bei klarem Verstand, dass ich nicht lache.« Sie massierte sich die Schläfen mit den Zeigefingern; offensichtlich hatte auch sie Kopfschmerzen.
»Damit fällt der Leutnant dann wohl als Verdächtiger aus, oder? Oder ist sein plötzlicher Aufbruch verdächtig?« Brianna, die einzige Anwesende, die keine Kopfschmerzen zu haben schien, ließ mehrere Zuckerklümpchen in ihren Tee fallen und rührte ihn heftig um. Jamie schloss bei dem Geräusch die Augen und zuckte zusammen.
»Übersiehst du da nicht etwas?« Jocasta war sämtlichen Argumenten gebannt gefolgt und hatte die Stirn konzentriert in kleine Falten gelegt. Jetzt beugte sie sich vor und streckte die Hand nach dem flachen Tisch mit dem Frühstücksgeschirr aus. Sie tastete sich vor, indem sie hier und dort mit den Fingern klopfte, um zu finden, was sie suchte, und ergriff schließlich einen kleinen Silberbecher.
»Du hast mir doch den Becher gebracht, aus dem Betty getrunken hat«, sagte sie zu Jamie und hielt ihm den Becher hin, den sie in der Hand hatte. »Es war so einer, aye?«
Der Becher war aus Sterlingsilber und noch so neu, dass die eingravierten Verzierungen kaum zu sehen waren. Später, wenn das Metall eine Patina bekam, würden die Rillen der Gravur schwarz anlaufen und dadurch hervorstechen, doch vorerst verschwanden der Buchstabe »I« und die kleinen Fische, die ihn umschwammen, noch fast vollständig im Glanz des Metalls.
»Aye, so einer ist es gewesen, Tante Jocasta«, erwiderte Jamie und berührte die Hand, die ihm den Becher entgegenhielt. »Brianna sagt, er gehört zu einem ganzen Satz?«
»Ja. Ich habe sie Duncan am Morgen unserer Trauung zur Hochzeit geschenkt.« Sie stellte den Becher hin, legte jedoch ihre langen Finger quer darüber. »Duncan und ich haben zum Frühstück aus zwei von diesen Bechern getrunken, aber die anderen vier sind hier geblieben.« Sie wies mit der Hand hinter sich auf die kleine Anrichte an der Wand, auf der die Teller mit dem Schinken und den Spiegeleiern standen. An der Rückseite lehnten Schmuckteller aufrecht an der Wand, unterbrochen von einem Satz kristallener Sherrygläser. Ich zählte; jetzt standen alle sechs Silberfischbecher auf dem Tisch, gefüllt mit Portwein, den Jocasta anscheinend gern zum Frühstück trank. Nichts deutete jedoch darauf hin, welcher von ihnen den präparierten Punsch enthalten hatte.
»Du hast doch am Hochzeitstag keinen von diesen Bechern nach unten in den Salon gebracht, oder, Ulysses?«, fragte sie.
»Nein, Madam.« Bei diesem Gedanken zog er ein schockiertes Gesicht. »Natürlich nicht.«