Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Sie nickte und wandte ihre blinden Augen erst in Jamies Richtung, dann in meine.
»Da seht ihr es«, sagte sie. »Es war Duncans Becher.«
Duncan machte zuerst ein erschrockenes, dann ein beklommenes Gesicht, als er zu begreifen begann, was ihre Worte bedeuteten.
»Nein«, sagte er und schüttelte den Kopf. »Ach, nein. Das kann doch gar nicht sein.« Doch kleine Schweißtröpfchen hatten auf der verwitterten Haut seines Kinns einen Taufilm gebildet.
»Hat dir vorgestern irgendjemand etwas zu trinken angeboten, a charaid?«, fragte Jamie und beugte sich konzentriert vor.
Duncan zuckte hilflos mit den Achseln.
»Selbstverständlich, Gott und jedermann!«
Natürlich. Er war schließlich der Bräutigam. Doch angesichts seiner nervenbedingten Verdauungsprobleme hatte er keine der angebotenen Erfrischungen angenommen. Auch hatte er nicht besonders darauf geachtet, ob ihm irgendeine davon in einem silbernen Becher serviert worden war.
»Ich war so abgelenkt, Mac Dubh, dass es mir nicht einmal aufgefallen wäre, wenn mir jemand eine lebende Schlange angeboten hätte.« Ulysses nahm eine Leinenserviette vom Tablett und hielt sie Duncan unauffällig hin. Dieser ergriff sie kommentarlos und wischte sich das Gesicht ab.
»Dann … glaubst du also, dass jemand versucht hat, Duncan etwas anzutun?« Das Erstaunen in Rogers Stimme war nicht unbedingt schmeichelhaft, aber Duncan schien es ihm nicht übel zu nehmen.
»Aber warum denn?«, sagte er verwirrt. »Wer sollte mich denn so hassen?«
Jamie gluckste vor sich hin, und die Spannung am Tisch lockerte sich ein wenig. Es stimmte: Duncan war zwar ein intelligenter, fähiger Mann, doch er war von so bescheidener Natur, dass man sich unmöglich vorstellen konnte, dass er jemanden verärgert hatte, und erst recht nicht, dass er ihn zu mörderischer Wut getrieben hatte.
»Nun ja, a charaidh«, sagte Jamie taktvoll, »vielleicht war es ja gar nicht persönlich gemeint.« Er fing meinen Blick auf und zog eine ironische Grimasse. Auch ihm hatte man schon mehr als einmal nach dem Leben getrachtet, und die Gründe hatten nur damit zu tun, wer er war, nicht damit, was er getan hatte. Nicht, dass man nicht auch schon gelegentlich versucht hatte, ihn aufgrund von Dingen umzubringen, die er getan hatte.
Jocasta schien es ähnlich zu sehen.
»In der Tat« sagte sie trocken. »Das habe ich mir auch schon gedacht. Erinnerst du dich noch, was beim gathering geschehen ist, Jamie?«
Jamie zog eine Augenbraue hoch und ergriff seine Teetasse.
»Da ist so vieles geschehen, Tante Jocasta«, sagte er trocken. »Aber ich vermute, du meinst, was mit Vater Kenneth geschehen ist?«
»Genau.« Sie streckte automatisch die Hand aus, und Ulysses hielt ihr eine frische Tasse hin. »Hast du mir nicht erzählt, dieser Lillywhite hätte gesagt, der Priester sollte daran gehindert werden, ›Zeremonien‹ zu vollziehen?«
Jamie nickte und schloss kurz die Augen, als er einen Schluck Tee trank.
»Aye, das hat er. Also – glaubst du, es war deine Vermählung mit Duncan, die er gemeint hat? Dass das die ›Zeremonie‹ war, die es zu verhindern galt?«
Meine Kopfschmerzen wurden immer schlimmer. Ich drückte auf den Punkt zwischen meinen Augenbrauen; meine Finger waren heiß von der Teetasse, und die Wärme war wohltuend.
»Eine Sekunde«, sagte ich. »Willst du damit sagen, jemand wollte verhindern, dass deine Tante Duncan heiratet, und beim gathering ist ihm das auch gelungen – aber dann ist ihm keine Methode eingefallen, wie er es jetzt verhindern könnte, und deshalb hat er versucht, Duncan umzubringen?« Meine Stimme klang genauso erstaunt, wie Duncan aussah.
»Ich will gar nichts sagen«, sagte Jamie und betrachtete Jocasta interessiert, »aber ich habe das Gefühl, meine Tante möchte genau das andeuten.«
»Genau«, sagte sie ruhig. Sie trank ihren Tee aus und stellte die Tasse mit einem Seufzer hin. »Ich will meinen Stellenwert ja nicht überschätzen, Neffe – aber es ist nun einmal so, dass ich seit Hectors Tod ständig Heiratsanträge bekomme. River Run ist ein wertvolles Anwesen, und ich bin eine alte Frau.«
Einen Moment herrschte Schweigen, während wir diese Worte verdauten. In Duncans Gesicht spiegelten sich Beklommenheit und Entsetzen wider.
»Aber –«, sagte er und begann leicht zu stottern, »aber-aber – wenn es so war, Mac Dubh, warum hat er dann gewartet?«
»Gewartet?«
»Aye.« Er sah sich Verständnis heischend am Tisch um. »Seht ihr, wenn jemand die Hochzeit beim gathering verhindern wollte, gut und schön. Aber das ist vier Monate her, und niemand hat mir seitdem ein Haar gekrümmt. Ich bin meistens allein zu Pferd unterwegs; es wäre doch wohl ein Leichtes, mir auf der Straße aufzulauern, wenn ich in Geschäftsdingen unterwegs bin, und mir eine Kugel durch den Kopf zu jagen.« Sein Tonfall war ganz sachlich, aber ich bemerkte, wie Jocasta bei dieser Vorstellung ein Schauer durchfuhr.
»Warum sollte er also gewartet haben, bis wir schon quasi vor dem Traualtar standen und noch dazu Hunderte von Leuten hier waren?«
»Aye, nun ja, da hast du Recht, Duncan«, gab Jamie zu.
Roger war diesem Wortwechsel gefolgt, die Ellbogen auf die Knie gestützt, das Kinn in den Händen. Jetzt richtete er sich auf.
»Ich kann mir einen Grund vorstellen«, sagte er. »Der Priester.«
Alle starrten ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an.
»Der Priester war hier«, erklärte er. »Wenn es bei der ganzen Sache um River Run geht, dann reicht es nicht, nur Duncan aus dem Weg zu räumen. Nach seinem Tod stünde der Mörder ja wieder ganz am Anfang – Jocasta wäre zwar nicht mit Duncan verheiratet, aber sie wäre genauso wenig mit ihm verheiratet, und er hätte keine Möglichkeit, Druck auf sie auszuüben.«
Er hob einen Finger. »Aber – wenn der Priester hier ist und darauf eingestellt ist, eine private Zeremonie abzuhalten … dann ist es einfach. Unser Mörder räumt Duncan aus dem Weg – auf eine Weise, die auf einen Selbstmord oder Unfall hindeutet –, rauscht hinauf in Jocastas Gemächer und zwingt den Priester mit vorgehaltener Pistole, die Trauung zu vollziehen. Sämtliche Sklaven und Gäste sind mit Duncan beschäftigt, niemand kann Einwände erheben oder sich einmischen. Das Bett ist gleich hier –« Er wies auf das große Himmelbett, das durch die Schlafzimmertür zu sehen war. »Er kann Jocasta hinbringen und die Ehe mit Gewalt vollziehen … und fertig ist die Kiste.«
Bei diesen Worten bemerkte Roger Jocastas offenen Mund und Duncans verblüffte Miene und begriff, dass dies nicht nur eine interessante Theorie war. Er lief puterrot an und räusperte sich.
»Äh … ich meine … es wäre ja nicht das erste Mal.«
Jamie hustete und räusperte sich ebenfalls. Es wäre in der Tat nicht das erste Mal gewesen. Sein eigener, skrupelloser Großvater hatte seinen gesellschaftlichen Aufstieg in die Wege geleitet, indem er die ältere, reiche, verwitwete Lady Lovat gewaltsam heiratete und sie prompt zum Vollzug der Ehe zwang.
»Was?« Brianna fuhr herum und starrte Roger voller Abscheu an. »Das ist ja … aber er käme doch mit so etwas niemals durch!«
»Ich denke, doch«, sagte Roger beinahe entschuldigend. »Wenn es um Frauen geht, spielen doch in den meisten Fällen Besitzfragen eine Rolle. Wenn ein Mann eine Frau heiratet und mit ihr den Beischlaf vollzieht, ist sie sein, mit all ihrem Besitz – ob es ihr gefällt oder nicht. Und solange sie keine anderen, männlichen Verwandten hat, die Protest einlegen, ist es sehr unwahrscheinlich, dass irgendein Gericht etwas unternehmen würde.«
»Aber sie hat doch einen männlichen Verwandten!« Brianna wies mit der Hand auf Jamie, der jetzt in der Tat einen Einwand äußerte, allerdings wohl nicht den, den Brianna erwartete.
»Aye, nun ja, aber«, warf er ein. »So etwas ist nur möglich, wenn man einen Zeugen hat, der bestätigt, dass die Ehe Gültigkeit besitzt.« Er räusperte sich erneut, und Ulysses ergriff die Teekanne.