Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Der Alte Simon hatte Zeugen gehabt; zwei seiner Freunde und die beiden Leibdienerinnen der Witwe – von denen eine später Jamies Großmutter geworden war, wenn ich auch davon ausging, dass in diesem Fall weniger Gewalt im Spiel gewesen war.
»Ich verstehe das Problem«, sagte ich und strich mir die Krümel von der Brust. »Hier waren offensichtlich mehrere Männer am Werk. Wer auch immer der Möchtegernbräutigam ist – und vergesst nicht, dass wir ja gar nicht wissen, ob es einen solchen gibt –, jedenfalls, wer er auch immer ist, falls er existiert, hat er eindeutig Komplizen. Randall Lillywhite zum Beispiel.«
»Der nicht hier gewesen ist«, erinnerte mich Jamie.
»Hm. Das stimmt«, räumte ich ein. »Aber das ändert nichts am Prinzip.«
»Ja«, sagte Roger beharrlich, »und wenn er existiert, ist Leutnant Wolff der Hauptverdächtige, nicht wahr? Jeder weiß, dass er mehr als einmal versucht hat, Jocasta zu einer Ehe zu bewegen. Und er ist hier gewesen.«
»Aber nicht zurechnungsfähig«, fügte Jamie skeptisch hinzu.
»Oder auch nicht. Wie schon gesagt, waren Seamus und seine Jungs überrascht, dass man so früh am Tage schon so betrunken sein konnte – aber was, wenn es eine Finte war?« Roger sah sich mit hoch gezogener Augenbraue am Tisch um.
»Wenn er nur so getan hat, als wäre er völlig betrunken, konnte er davon ausgehen, dass niemand ihn beachten oder später verdächtigen würde – und doch wäre er in der Lage gewesen, einen Becher Punsch zu vergiften, ihn Betty mit der Anweisung zu geben, dass sie ihn Duncan brachte, dann zu verschwinden und sich im Hintergrund zu halten, um schließlich die Treppe hinaufzueilen, sobald ihm zu Ohren kam, dass Duncan zusammengebrochen war. Und falls Duncan den Rumpunsch zurückwies – nun, dann stand Betty eben mit einem Becher frischem Rumpunsch in der Hand da.«
Er zuckte mit den Achseln.
»Und wer könnte ihr vorwerfen, dass sie sich damit in den Gemüsegarten gestohlen hat, um ihn in Ruhe zu genießen?«
Jocasta und Ulysses prusteten gleichzeitig los und verdeutlichten damit unmissverständlich, was sie von Bettys Handlungsweise hielten. Roger hustete und setzte seine Analyse hastig fort.
»Schön. Nun. Aber die Dosis hat Betty nicht umgebracht. Entweder hat sich der Mörder verrechnet – oder …« Roger hatte eine andere, schlaue Idee. »Vielleicht wollte er ja gar nicht, dass Duncan an der Droge starb. Vielleicht wollte er nur, dass er das Bewusstsein verlor, um ihn dann in aller Stille in den Fluss zu schubsen. Das wäre sogar noch besser gewesen. Du kannst doch nicht schwimmen, oder?«, fragte er an Duncan gewandt, der benommen den Kopf schüttelte. Er hob seine Hand und massierte sich mechanisch den Stumpf seines fehlenden Arms.
»Aye. Wenn du ertrunken wärst, hätte es dann also wunderhübsch nach einem Unfall ausgesehen.« Roger rieb sich mit zufriedener Miene die Hände. »Aber dann ist alles schief gegangen, weil die Magd den präparierten Punsch getrunken hat, nicht Duncan. Und deshalb ist sie umgebracht worden!«
»Warum?« Jocasta sah nun genauso benommen aus wie Duncan.
»Weil sie den Mann identifizieren konnte, der ihr den Becher gegeben hat«, meldete sich Jamie zu Wort. Er nickte und lehnte sich nachdenklich auf seinem Stuhl zurück. »Und weil sie es auch getan hätte, sobald die Leute sie danach gefragt hätten. Aye, das klingt plausibel. Aber natürlich konnte er sie nicht mit Gewalt beseitigen; das Risiko, dass man ihn im Umfeld des Speichers sah, war zu groß.«
Roger nickte beifällig, weil Jamie das Szenario so schnell erfasst hatte.
»Aye. Aber es gehörte keine große Meisterleistung dazu, an zerstampftes Glas zu gelangen – wie viele Weinkelche und Gläser waren hier im Lauf des Tages unterwegs? Man brauchte ja nur eines fallen zu lassen und es zu zertreten, und voilà.«
Selbst das wäre möglicherweise gar nicht nötig gewesen; nach den Hochzeitsfeierlichkeiten waren die Wege und die Terrasse mit Glassplittern übersät gewesen. Ich selbst hatte ja ein Glas fallen gelassen, als mich Philip Wylie überraschte.
Ich wandte mich an Ulysses.
»Bleibt die Frage, wie ihr das Glas eingeflößt wurde. Weißt du, was Betty zu essen oder zu trinken bekommen hat, Ulysses?«
Das Gesicht des Butlers zog sich in Falten, wie wenn ein Stein in dunklem Wasser Wellen wirft.
»Dr. Fentiman hat ihr Gewürzmilch verordnet«, sagte er langsam. »Und etwas Porridge, falls sie wach genug war, um ihn zu schlucken. Die Milch habe ich selbst gemacht und Mariah gebeten, sie ihr hinaufzubringen. Den Porridge habe ich bei der Köchin bestellt – aber ich weiß nicht, ob Betty ihn gegessen hat oder wer ihn ihr gebracht hat.«
»Hm.« Jocasta spitzte die Lippen und runzelte die Stirn. »In der Küche ging es mit Sicherheit drunter und drüber. Und bei der Menschenmenge … nun, wir können Mariah und die anderen fragen, aber es würde mich nicht überraschen, wenn sie sich nicht einmal mehr daran erinnern können, die Sachen überhaupt nach oben gebracht zu haben, geschweige denn daran, ob jemand sich daran zu schaffen gemacht hat. Es kann ja nicht mehr als ein paar Sekunden in Anspruch genommen haben, die Sklavin abzulenken und das Glas in den Brei zu rühren …« Sie machte eine abwinkende Handbewegung, die ausdrückte, wie skandalös einfach es war, einen Mord zu begehen.
»Oder es hätte jemand unter dem Vorwand, nach ihr sehen zu wollen, auf den Speicher gehen und ihr etwas Trinkbares einflößen können, worin das Glas enthalten war«, meinte ich. »Gewürzmilch wäre perfekt. Hier unten war zwar viel Verkehr, aber Betty ist zwischen Fentimans Visite und dem Zeitpunkt, als die anderen Sklaven zu Bett gegangen sind, über lange Zeit allein dort oben gewesen. Es ist sehr gut möglich, dass jemand ungesehen bei ihr gewesen ist.«
»Sehr ordentlich, Inspektor Lestrade«, sagte Brianna sotto voce zu Roger. »Aber es gibt keinen Beweis, oder?«
Jocasta und Duncan saßen wie versteinert nebeneinander. Dann jedoch holte Jocasta tief und hörbar Luft, offenbar, um sich zur Entspannung zu zwingen.
»Das stimmt«, sagte sie. »Es gibt keinen Beweis. Du kannst dich nicht zufällig daran erinnern, dass Betty dir einen Becher Punsch angeboten hat, oder, a dhuine?«
Duncan kaute einen Moment heftig auf seinem Schnurrbart herum und dachte konzentriert nach, doch dann schüttelte er den Kopf.
»Schon möglich, dass sie es getan hat … a bhean. Vielleicht aber auch nicht.«
»Nun denn.«
Alle verstummten, während Ulysses schweigend um den Tisch schritt und aufräumte. Schließlich seufzte Jamie tief und richtete sich auf.
»Nun gut. Dann sind da noch die Ereignisse der letzten Nacht. Wir sind uns doch einig, dass der Ire, der in deine Schlafkammer eingedrungen ist, Stephen Bonnet war, Tante Jocasta?«
Briannas Hand machte eine ruckartige Bewegung, und ihre Teetasse landete scheppernd auf dem Tisch.
»Wer?«, sagte sie heiser. »Stephen Bonnet – hier?«
Jamie sah mich stirnrunzelnd an.
»Ich dachte, du hättest es ihr gesagt, Sassenach.«
»Wann denn?«, sagte ich gereizt. »Ich dachte, du hättest es ihr gesagt«, sagte ich an Roger gewandt, der nur versteinerten Gesichtes mit den Achseln zuckte. Ulysses hatte sich mit einem Tuch über den Tisch gebeugt und wischte den Tee auf. Brianna war weiß im Gesicht, schien jedoch ihre Selbstkontrolle zurückerlangt zu haben.
»Nicht so wichtig«, sagte sie. »Er war hier? Letzte Nacht?«
»Aye, so war es«, sagte Jamie widerstrebend. »Ich habe ihn gesehen.«
»Dann ist er der Dieb gewesen, der hinter dem Gold her war – oder einer von ihnen?« Brianna langte nach einem der Silberbecher mit dem Portwein und trank ihn leer, als wäre es Wasser. Ulysses bekam kugelrunde Augen, beeilte sich jedoch, den Becher wieder zu füllen.
»Es sieht ganz so aus.« Roger nahm sich ein Stückchen Kuchen, wobei er Briannas Blick sorgsam auswich.