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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Raub, Mord und wer weiß was sonst noch«, sagte ich fest. »Und wir haben vor, der Sache auf den Grund zu gehen.«

»Mord?«, sagten Roger und Wylie gleichzeitig und klangen erschrocken.

»Wer ist denn ermordet worden?«, fragte Wylie und ließ seine Blicke wild zwischen mir und Jamie hin und her zucken.

»Eine Sklavin«, sagte Jamie und nickte mir zu. »Meine Frau hatte den Verdacht, dass ihrem Tod ein Verbrechen zugrunde lag, und wir wollten die Wahrheit herausfinden. Daher unsere Anwesenheit in dem Schuppen, als Ihr letzte Nacht auf uns gestoßen seid.«

»Anwesenheit«, wiederholte Wylie. Sein Gesicht war sowieso schon bleich, doch als er sich jetzt an das erinnerte, wobei er mich in dem Schuppen gesehen hatte, sah er aus, als würde ihm schlecht. »Ja … ich verstehe.« Er warf mir aus dem Augenwinkel einen raschen Blick zu.

»Also ist sie umgebracht worden?« Roger trat in den von der Laterne beleuchteten Kreis, stellte den Eimer wieder hin und nahm zu meinen Füßen Platz. Er stellte die Überreste des Kuchens auf den Boden. »Woran ist sie denn gestorben?«

»Jemand hat ihr zerstampftes Glas eingeflößt«, sagte ich. »Ich habe noch eine ziemliche Menge davon in ihrem Magen gefunden.«

Bei diesen Worten achtete ich besonders auf Philip Wylie, doch sein Gesicht trug denselben Ausdruck blanken Erstaunens wie Jamie und Roger.

»Glas.« Jamie erholte sich als Erster. Er setzte sich aufrecht hin und schob sich die aufgelösten Haare aus dem Gesicht. »Wie lange dauert es wohl, bis man an so etwas stirbt, Sassenach?«

Ich rieb mir mit zwei Fingern über die Nasenwurzel; das Taubheitsgefühl der frühen Stunde wich jetzt einem dröhnenden Kopfschmerz, der durch den kräftigen Kaffeeduft und die Tatsache, dass ich nichts davon zu trinken bekommen hatte, noch verschlimmert wurde.

»Ich weiß es nicht«, sagte ich. »Es muss innerhalb von Minuten im Magen ankommen, aber wahrscheinlich braucht es sehr lange, bis es genug Schaden anrichtet, um massive Blutungen hervorzurufen. Die größte Verletzung liegt wahrscheinlich im Dünndarm vor, weil die Glassplitter die Wand perforieren. Und wenn das Verdauungssystem verlangsamt ist – zum Beispiel durch Alkohol – und es nicht besonders gut funktioniert, ist es möglich, dass es noch länger dauert. Oder wenn sie gleichzeitig viel gegessen hatte.«

»Ist das die Frau, die du mit Brianna am Tag der Hochzeit im Garten gefunden hast?«, wandte sich Roger fragend an Jamie.

»Aye.« Jamie nickte, ohne die Augen von mir abzuwenden. »Da war sie so betrunken, dass sie bewusstlos war. Und als du sie später besucht hast, Sassenach – gab es da irgendwelche Anzeichen?«

Ich schüttelte den Kopf.

»Möglich, dass das Glas da schon seine Wirkung tat – aber sie war nicht ansprechbar. Allerdings hat Fentiman gesagt, sie sei mitten in der Nacht aufgewacht und hätte über Bauchschmerzen geklagt. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie es also mit Sicherheit geschluckt. Aber ich kann nicht sagen, ob man ihr das zerstampfte Glas eingeflößt hat, bevor ihr sie gefunden habt, oder ob sie vielleicht am frühen Abend zu Bewusstsein gekommen ist und man es ihr dann gegeben hat.«

»Bauchschmerzen«, murmelte Roger. Er schüttelte den Kopf, und sein Mund nahm einen grimmigen Ausdruck an. »Himmel, was für ein Tod.«

»Aye, das war gewissenlos und gemein«, pflichtete ihm Jamie kopfnickend bei. »Aber warum? Wer könnte der Frau den Tod wünschen?«

»Eine gute Frage«, sagte Wylie knapp. »Ich kann Euch allerdings versichern, dass ich es nicht gewesen bin.«

Jamie starrte ihn abschätzend an.

»Aye, vielleicht«, sagte er. »Doch wenn nicht – was hat Euch dann letzte Nacht in den Schuppen geführt? Was hattet Ihr dort zu suchen, außer vielleicht Euer Opfer, um ihm ins Gesicht zu sehen?«

»Meinem Opfer!« Wylie fuhr kerzengerade auf und versteinerte erneut vor Entrüstung. »Ich war es doch nicht, der blutrot bis zu den Ellbogen im Inneren der Frau herumgewühlt hat und an ihren Knochen und Gedärmen herumgeschnipselt hat!« Er fuhr ruckartig mit dem Kopf herum und sah funkelnd zu mir auf.

»Mein Opfer, in der Tat! Es ist ein Kapitalverbrechen, eine Leiche zu schänden, Mrs. Fraser. Und ich habe Dinge gehört – oh, ja, ich habe Dinge über Euch gehört! Ich traue es Euch zu, dass Ihr die Frau umgebracht habt, um von ihr –«

Seine Worte endeten in einem Gurgeln, denn Jamies Hand packte ihn an der Vorderseite seines Hemdes und drückte ihm den Hals zu. Er boxte Wylie fest in den Magen, und der junge Mann krümmte sich, hustete und versprühte spuckend Kaffee, Galle und andere, noch unappetitlichere Substanzen auf dem ganzen Boden, auf seinen Knien und auf Jamie.

Ich seufzte matt. Die kurze, wärmende Wirkung des Gesprächs war dahin, und ich fühlte mich wieder kalt und leicht desorientiert. Der Gestank war auch nicht besonders hilfreich.

»Das hilft uns nicht besonders weiter, weißt du«, sagte ich vorwurfsvoll zu Jamie, der Wylie losgelassen hatte und sich jetzt hastig seiner äußeren Kleidungsstücke entledigte. »Nicht, dass ich den Vertrauensbeweis nicht zu schätzen wüsste.«

»Oh, aye«, sagte er mit erstickter Stimme, während er sich das Hemd über den Kopf zog. Er kam wieder zum Vorschein, funkelte mich an und ließ das Hemd zu Boden klatschen. »Glaubst du etwa, ich sitze untätig herum und lasse zu, dass dieser Fatzke dich beleidigt?«

»Ich gehe nicht davon aus, dass er das noch einmal tut«, sagte Roger. Er beugte sich über Wylie, der immer noch mit ziemlich grünem Gesicht zusammengekrümmt auf seinem Hocker saß. Roger blickte sich zu Jamie um.

»Aber hat er Recht? Dass Leichenschändung ein Kapitalverbrechen ist?«

»Ich weiß es nicht«, sagte Jamie kurz angebunden. Bis zur Taille entblößt, mit Blut und Erbrochenem befleckt, das rote Haar im Laternenschein wild zerzaust, sah er dem gut gekleideten Gentleman, der dieses Gespräch begonnen hatte, nicht mehr allzu ähnlich.

»Es spielt auch kaum eine Rolle«, fügte er hinzu, »weil er es niemandem erzählen wird. Denn wenn er es tut, werde ich ihn zerlegen wie einen Ochsen und seine Eier und seine Lügnerzunge an die Schweine verfüttern.« Er berührte den Knauf seines Dolches, als wollte er sich vergewissern, dass er ihn nötigenfalls griffbereit hatte.

»Aber Ihr habt doch sicher nicht vor, derlei unbegründete Anklagen über meine Frau zu verbreiten, oder … Sir?«, sagte er übertrieben höflich zu Wylie.

Es überraschte mich nicht zu sehen, dass Wylie, der offensichtlich noch unfähig war zu sprechen, den Kopf schüttelte. Jamie gab einen Laut grimmiger Genugtuung von sich und bückte sich, um den Umhang aufzuheben, den er vorhin fallen gelassen hatte.

Da ich bei dieser jüngsten Demonstration männlichen Ehrgefühls ziemlich weiche Knie bekommen hatte, setzte ich mich jetzt auf den Eimer.

»Nun gut«, sagte ich und schob eine Haarsträhne zurück. »Schön. Wenn wir das nun alles geklärt haben, dann … wo waren wir?«

»Der Mord an Betty«, half mir Roger auf die Sprünge. »Wir wissen nicht, wer, wir wissen nicht, wann, und wir wissen nicht, warum – doch vielleicht können wir ja der Einfachheit halber davon ausgehen, dass keiner der Anwesenden etwas damit zu tun hatte?«

»Schön und gut.« Jamie tat den Mord mit einer energischen Geste ab und setzte sich. »Was ist mit Stephen Bonnet?«

Rogers Miene, die bis jetzt interessiert gewesen war, verdunkelte sich.

»Aye, was ist mit ihm? Hat er etwas mit dieser Sache zu tun?«

»Vielleicht nicht mit dem Mord – aber meine Tante und ihr Mann sind gestern Abend in ihrem Schlafzimmer von zwei Verbrechern überfallen worden. Einer von ihnen war Ire.« Jamie schlang sich den Umhang um die bloßen Schultern und warf einen unheilvollen Blick auf Philip Wylie, der sich so weit erholt hatte, dass er sich aufsetzen konnte.

»Ich wiederhole«, sagte er kalt, die Hände immer noch gegen seinen Magen gedrückt, »dass ich mit keinem Gentleman dieses Namens bekannt bin, sei er nun Ire oder Hottentotte.«

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