Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Stephen Bonnet ist kein Gentleman«, sagte Roger. Sein Tonfall war milde, hatte jedoch einen Unterton, der Wylie zu ihm aufblicken ließ.
»Ich kenne den Kerl nicht«, sagte er mit fester Stimme. Er atmete versuchsweise flach ein, und da er feststellte, dass es auszuhalten war, holte er tiefer Luft. »Warum glaubt Ihr denn, dass der Ire, der sich an Mr. und Mrs. Innes vergangen hat, dieser Bonnet ist? Hat er vielleicht seine Karte hinterlassen?«
Zu meiner Überraschung musste ich lachen. Ich musste trotz allem zugeben, dass ich Mr. Wylie gegenüber einen gewissen Respekt empfand. Obwohl man ihn gegen seinen Willen festhielt, ihn misshandelt, bedroht, mit Kaffee übergossen und seiner Perücke beraubt hatte, hatte er sehr viel mehr Haltung bewahrt, als es den meisten anderen Männern in seiner Situation gelungen wäre.
Jamie warf mir einen Blick zu, dann sah er Wylie wieder an. Ich hatte den Eindruck, dass sein Mundwinkel zuckte, aber in dem schwachen Licht war es unmöglich, sicher zu sein.
»Nein«, sagte er trocken. »Aber mir ist Stephen Bonnet bekannt, der ein Verbrecher, ein Halunke und ein Dieb ist. Und ich habe den Mann mit Euch zusammen gesehen, Sir, als Ihr meine Frau und mich in dem Schuppen überrascht habt.«
»Ja«, sagte ich. »Ich habe ihn auch gesehen – er hat direkt hinter Euch gestanden. Und was hattet Ihr denn nun dort zu suchen?«
Bei Jamies Anklage hatte Wylie die Augen aufgerissen. Bei meiner Aussage kniff er sie zusammen. Er holte erneut tief Luft, sah zu Boden und fuhr sich mit den Fingerknöcheln unter der Nase entlang. Dann blickte er zu Jamie auf, und seine Erregung hatte sich gelegt.
»Ich kenne ihn nicht«, sagte er leise. »Ich hatte zwar das Gefühl, dass mir jemand folgte, habe aber niemanden hinter mir gesehen und mir deshalb nicht viel dabei gedacht. Als ich – gesehen habe, was sich im Inneren des Schuppens befand –«, sein Blick huschte zu mir herüber, wich dem meinen jedoch aus, »da war ich viel zu schockiert, als dass ich auf irgendetwas sonst geachtet hätte als das, was ich vor Augen hatte.«
Das konnte ich ihm glauben.
Wylie zog die Schultern hoch und ließ sie wieder sinken.
»Falls sich dieser Bonnet wirklich hinter mir befunden hat, dann muss ich Euch das glauben, Sir. Und doch versichere ich Euch, dass ich weder etwas mit seiner Anwesenheit zu tun hatte noch davon wusste.«
Jamie und Roger wechselten einen Blick, doch sie konnten genauso gut wie ich hören, dass Wylies Worte wahr klangen. Es folgte ein kurzes Schweigen, und ich konnte hören, wie sich die Pferde in ihren Ställen bewegten. Sie waren nicht länger aufgeregt, wurden aber langsam unruhig, weil sie auf ihr Futter warteten. Dämmerlicht fiel durch die Ritzen unter den Traufen, ein weicher, rauchiger Schimmer, der dem Inneren des Stalles jede Farbe nahm und doch die verschwommenen Umrisse eines Geschirrs preisgab, das an der Wand hing, und von Mistgabeln und Schaufeln, die in der Ecke standen.
»Gleich kommen die Stallknechte.« Jamie bewegte sich, holte Luft und zog die Schultern zu einem halben Achselzucken hoch. Er richtete den Blick wieder auf Wylie.
»Nun gut, Sir. Ich akzeptiere Euer Wort als Gentleman.«
»Wirklich? Oh, da fühle ich mich aber geschmeichelt.«
»Dennoch«, fuhr Jamie fort, ohne Wylies Sarkasmus zu beachten. »Ich wüsste gern, was es gewesen ist, das Euch letzte Nacht in den Schuppen geführt hat.«
Wylie hatte sich halb von seinem Sitz erhoben. Bei dieser Frage zögerte er und setzte sich langsam wieder. Er kniff ein-, zweimal die Augen zu, als dächte er nach, dann seufzte er und gab auf.
»Lucas«, sagte er nur. Er blickte nicht auf, sondern hielt den Blick fest auf seine Hände gerichtet, die reglos zwischen seinen Oberschenkeln hingen. »Ich war in der Nacht dabei, als er geboren wurde. Ich habe ihn aufgezogen, ihn zugeritten und ausgebildet.« Er schluckte; ich sah, wie ein Zittern unter den Rüschen an seinem Hals entlanglief. »Ich bin in den Stall gegangen, um ein paar Minuten mit ihm allein zu sein … mich von ihm zu verabschieden.«
Zum ersten Mal verlor Jamies Gesicht den Ausdruck der Abneigung, den es stets trug, wenn er Wylie ansah. Er atmete tief durch und nickte kaum merklich.
»Aye, ich verstehe«, sagte er leise. »Und dann?«
Wylie richtete sich etwas mehr auf.
»Als ich aus dem Stall kam, hatte ich das Gefühl, an der Mauer des Gemüsegartens Stimmen zu hören. Und als ich näher trat, um zu sehen, was dort vorging, habe ich durch die Ritzen des Schuppens Licht gesehen.« Er zuckte mit den Achseln. »Ich habe die Tür geöffnet. Und was dann geschehen ist, wisst Ihr besser als ich, Mr. Fraser.«
Jamie rieb sich mit der Hand durch das Gesicht und schüttelte dann den Kopf.
»Aye«, sagte er. »Das weiß ich. Ich habe mich auf Bonnet gestürzt, und Ihr seid mir in die Quere gekommen.«
»Ihr habt mich angegriffen«, sagte Wylie kalt. Er zog sich seinen ruinierten Rock höher über die Schultern. »Ich habe mich verteidigt, und das war mein gutes Recht. Und dann habt Ihr mich mit Eurem Schwiegersohn ergriffen, mich hier hineingeschoben –«, er wies mit einem Ruck seines Kinns auf die Box in seinem Rücken, »und mich die halbe Nacht festgehalten!«
Roger räusperte sich. Jamie machte es ihm nach, allerdings noch mürrischer.
»Aye, nun gut«, sagte er. »Dem kann ich nicht widersprechen.« Er seufzte, trat einen Schritt zurück und bedeutete Wylie, dass er gehen könne. »Ihr habt wohl nicht gesehen, in welche Richtung Bonnet geflüchtet ist?«
»Oh, doch. Obwohl ich natürlich seinen Namen nicht kannte. Ich gehe davon aus, dass er inzwischen längst über alle Berge ist«, sagte Wylie. Seine Stimme hatte einen seltsamen Unterton, der fast wie Genugtuung klang. Jamie fuhr scharf herum.
»Wie meint Ihr das?«
»Lucas.« Wylie wies kopfnickend auf die Dunkelheit am anderen Ende der dämmerigen Stallgasse. »Seine Box ist am anderen Ende. Ich kenne seine Stimme genau; ich weiß, wie sich seine Bewegungen anhören. Und ich habe ihn heute Morgen noch nicht gehört. Bonnet – wenn er es denn gewesen ist – ist zum Stall geflüchtet.«
Noch ehe er zu Ende geredet hatte, hatte Jamie die Laterne ergriffen und schritt durch den Stall. Überall schoben sich neugierige Pferdenasen über die Boxentüren, als er vorübereilte, und die Tiere schnaubten und kollerten neugierig – doch es erschien keine schwarze Nase am Ende der Stallgasse, keine schwarze Mähne schüttelte sich zur freudigen Begrüßung. Wir anderen hasteten ihm nach und beugten uns vor, um an ihm vorbeizusehen, als er die Laterne hochhielt.
Das gelbe Licht fiel auf nichts als Stroh.
Wir betrachteten es einige Sekunden lang schweigend. Dann richtete Philip Wylie sich seufzend auf.
»Mag sein, dass ich ihn nicht länger besitze, Mr. Fraser – aber Ihr auch nicht.« Dann fiel sein Blick voll finsterer Ironie auf mich. »Aber ich wünsche Euch Freude an Eurer Frau.«
Er machte kehrt und ging mit hängenden Strümpfen davon, und die roten Absätze seiner Schuhe leuchteten im zunehmenden Licht.
Draußen brach still und lieblich der Tag an. Nur der Fluss schien sich zu bewegen, und hinter den Bäumen blitzte das heller werdende Licht silbern auf der Strömung auf.
Roger war gähnend zum Haus davongegangen, doch Jamie und ich waren bei den Paddocks geblieben. In den nächsten Minuten würden sich die Leute regen; es würde noch mehr Fragen und Spekulationen, noch mehr Gerede geben. Und nach noch mehr Gerede stand im Augenblick keinem von uns der Sinn.
Schließlich legte mir Jamie den Arm um die Schultern und wandte sich entschlossen vom Haus ab. Ich wusste nicht, wohin er unterwegs war, und es kümmerte mich auch nicht besonders – aber ich hoffte, dass ich mich hinlegen konnte, wenn wir am Ziel waren.
Wir kamen an der Schmiede vorbei, wo ein kleiner, schläfrig aussehender Junge mit einem Blasebalg den Ofen anheizte, so dass rote Funken wie Glühwürmchen durch die Dämmerung schwebten. Vorbei an weiteren Nebengebäuden, um eine Ecke herum, und dann standen wir vor einem unscheinbaren Schuppen mit einem großen Flügeltor. Jamie hob den Riegel, schob die eine Türhälfte ein Stückchen auf und winkte mich hinein.