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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Kapitel 56

»…Männer genug, sie zu töten, töten können wir sie«

Zeugenaussage des Waightstill Avery

North Carolina

Mecklenburg County

Waightstill Avery sagt aus, er, der Unterzeichnende, sei am Morgen des sechsten gegen neun oder zehn Uhr im jetzigen Wohnhaus eines gewissen Hudgins gewesen, der am unteren Ende der langen Insel lebt.

Und dort sah der Unterzeichnende dreißig oder vierzig jener Leute, die sich selbst Regulatoren nennen, und wurde dort in deren Namen durch einen von ihnen (der sagte, sein Name sei John McQuiston) ergriffen und gewaltsam festgehalten. Kurz darauf habe ein gewisser James Graham (oder Grimes) zu dem Unterzeichnenden die folgenden Worte gesagt: »Ihr seid jetzt ein Gefangener und dürft ohne Bewachung nirgendwo hin gehen«, unmittelbar gefolgt von: »Ihr müsst Euch an der Seite Eurer Bewachung halten, dann wird Euch nichts geschehen.«

Sodann wurde der Unterzeichnende unter Bewachung zweier Männer zum Regulatorenlager (wie sie es nannten) gebracht, das sich etwa eine Meile entfernt befand und wo sich noch viele weitere Personen derselben Gesinnung befanden und ein paar Stunden später noch andere eintrafen, im Ganzen, so vermutet der Unterzeichnende, etwa zweihundertdreißig.

Der Unterzeichnende sagt weiter aus, dass er von ihnen selbst die Namen von fünf ihrer anwesenden Hauptmänner oder Anführer erfahren habe (nämlich Thomas Hamilton und noch ein Hamilton, James Hunter, Joshua Teague, ein gewisser Gillespie und der schon erwähnte James Grimes [oder Graham]). Er, der Unterzeichnende, hörte viele Anwesende, deren Namen er nicht kennt, unziemliche Dinge über den Gouverneur, die Richter des Obersten Gerichtes, gegen die Ratsversammlung und andere Amtsträger sagen. Während die umstehende Menge noch unziemlichere Dinge äußerte, stand besagter Thomas Hamilton in ihrer Mitte und sprach Worte folgenden Tenors und Inhaltes (während die Menge ihm Beifall zollte und ihre Übereinstimmung mit seinen Worten ausdrückte): »Was hat Maurice Moore im Amt eines Richters zu suchen? Er ist kein Richter, und weder er noch Henderson wurden vom König ernannt, und keiner von ihnen hält Gericht. Die Versammlung hat einen Aufruhrerlass erteilt, und die Leute sind aufgebrachter als je zuvor, es war das Beste, was jetzt für das Land geschehen konnte. Wir werden gezwungen sein, alle Gerichtsbediensteten und Rechtsgelehrten umzubringen, und wir werden sie umbringen, und der Teufel soll mich holen, wenn sie nicht den Tod erleiden. Hätten sie diesen Erlass nicht erteilt, hätten wir vielleicht einige von ihnen am Leben gelassen. Ein Aufruhrerlass! Einen solchen Erlass hat es in den Gesetzen Englands oder anderer Länder nie gegeben, bis auf Frankreich, sie haben es aus Frankreich, und demnächst kommen sie noch mit der Inquisition.«

Viele von ihnen sagten, der Gouverneur sei ein Freund der Rechtsgelehrten und die Versammlung habe die Regulatoren ins Unrecht gestellt, indem sie gegen Bezahlung ein Gesetz erlassen habe. Man hat Husband ins Gefängnis gesteckt, damit er ihre unzivilisierte Vorgehensweise nicht sieht, und dann haben der Gouverneur und die Versammlung genau die Gesetze erlassen, die die Rechtsgelehrten wollen. Der Gouverneur ist ein Freund der Rechtsgelehrten, die Rechtsgelehrten machen, was sie wollen, sie ernennen in ihrem eigenen Interesse schwache Friedensrichter.

In der ganzen Provinz dürfe es keine Rechtsgelehrten geben, dafür würden sie sorgen. Fanning wurde mit Wirkung vom zweiundzwanzigsten März zum Gesetzlosen erklärt, und jeder Regulator, der ihn danach sah, würde ihn umbringen, und einige sagten, so lange würden sie nicht warten, sie wünschten, sie könnten ihn sehen, und schworen, ihn vor ihrer Heimkehr umzubringen, wenn sie ihn in Salisbury finden könnten – manche wünschten, sie könnten Richter Moore in Salisbury aufsuchen, um ihn auszupeitschen, andere, um ihn zu töten. Ein gewisser Robert Thomson sagte, Maurice Moore hätte einen Meineid geleistet und beschimpfte ihn als Unhold, Rüpel, Verbrecher, Übeltäter etc., und andere pflichteten ihm bei.

Als die Neuigkeit eintraf, Hauptmann Rutherford marschiere am Kopf seiner Kompanie durch die Straßen von Salisbury, hörte der Unterzeichnende, wie mehrere von ihnen mit aller Kraft darauf drängten, dass sämtliche anwesenden Regulatoren mit ihren Waffen nach Salisbury marschierten und gegen sie kämpften, denn sie hätten Männer genug, sie zu töten, töten können wir sie, wir werden sie lehren, sich mit uns anzulegen.

Unter Eid abgelegt und unterzeichnet

am achten März 1771 in meiner Gegenwart

(gezeichnet) Waightstill Avery

(bezeugt) Wm. Harris, Friedensrichter

William Tryon an General Thomas Gage

North Carolina

New Bern, den 19ten März

Sir,

gestern wurde im Königlichen Rat dieser Provinz beschlossen, eine Truppe aus den Milizregimentern und Kompanien zusammenzustellen, um gegen die Siedlungen der Aufrührer zu marschieren, die durch ihre rebellischen Handlungen und Deklarationen die Regierung gegen sich aufgebracht haben. Da wir in diesem Land nur wenig Militärgerät und Ausrüstung haben, muss ich Euch bitten, mir bei der Beschaffung der anbei aufgelisteten Artikel für diesen Einsatz (Kanonen, Munition, Flaggen, Trommeln etc.) behilflich zu sein.

Ich beabsichtige, mich um den zwanzigsten des nächsten Monats in Marsch zu setzen und die Milizen auf dem Weg durch die Distrikte um mich zu sammeln. Es ist mein Plan, fünfzehnhundert Männer aufzustellen, doch angesichts der Einstellung, die die Regierung derzeit demonstriert, ist es möglich, dass diese Anzahl noch beträchtlich wächst.

Ich verbleibe in allem Respekt

Euer gehorsamster Diener

Wm. Tryon.

Kapitel 57

Und lasst uns ruhig schlafen

Fraser’s Ridge

15. April

Roger lag im Bett und lauschte dem immer wieder ertönenden Summen einer unsichtbaren Mücke, die sich an der Ölhaut vor dem Fenster der Blockhütte vorbeigezwängt hatte. Jemmys Wiege war mit einem Gazenetz bedeckt, aber er und Brianna hatten einen solchen Schutz nicht. Wenn das verdammte Ding doch nur auf ihm landen würde, könnte er es erwischen – doch es schien unermüdlich über ihrem Bett zu kreisen und gelegentlich herabzustoßen, um ihm sein ärgerliches Niiiieee-Liedchen ins Ohr zu singen, bevor es wieder in die Dunkelheit davonsauste.

Nach den hektischen Aktivitäten der letzten Tage hätte er eigentlich müde genug sein sollen, um selbst inmitten eines Luftangriffs ganzer Mückengeschwader einzuschlafen. Zwei Tage lang war er im Eiltempo durch die Bergtäler und über die Kämme geritten und hatte die Nachricht in den umliegenden Siedlungen verbreitet, deren Bewohner wiederum die abgelegeneren Mitglieder der Miliz alarmieren würden. Die Frühlingsaussaat war in Rekordzeit bewerkstelligt worden, da sämtliche verfügbaren Männer jede Sekunde zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf den Feldern verbracht hatten. Sein Kreislauf war immer noch mit Adrenalin geladen, das ihm in kleinen Stößen durch Kopf und Muskeln fuhr, als hätte er Kaffee intravenös zu sich genommen.

Heute hatte er den ganzen Tag dabei geholfen, die Farm für die Zeit ihrer Abwesenheit vorzubereiten, und jedes Mal, wenn er die Augen schloss, liefen hinter seinen Augenlidern Bildfragmente der zahllosen Aufgaben ab. Zäune mussten repariert, Heu umgelagert werden, ein hastiger Ausflug zur Mühle, um das Mehl zu holen, das unterwegs zur Verpflegung der Kompanie benötigt wurde. An einem Wagenrad musste eine gebrochene Felge in Ordnung gebracht werden, ein zerrissener Zugriemen musste geflickt werden, und er hatte dabei geholfen, die weiße Sau einzufangen, die einen vergeblichen Fluchtversuch aus dem Stall unternommen hatte. Holzhacken, und schließlich hatte er kurz vor dem Abendessen eine Stunde lang angestrengt im Garten gegraben, damit Claire ihr kleines Yamswurzel- und Erdnussbeet bepflanzen konnte, bevor sie aufbrachen.

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