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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Aye, das werde ich«, sagte Jamie unbeeindruckt. »Wie es Euch genehm ist, Sir. Aber nicht, bevor Ihr mir nicht ebenfalls Rede und Antwort gestanden habt, Mr. Wylie.« Er entriegelte die Boxentür und öffnete sie. »Kommt heraus.«

Wylie zögerte, denn er wollte weder in der Box bleiben, noch auf Jamies Befehl herauskommen. Doch ich sah, wie seine Nasenlöcher zuckten; offensichtlich hatte er den Kaffee gerochen. Damit schien die Sache entschieden zu sein, und er kam erhobenen Kopfes aus der Box heraus. Er strich wenige Zentimeter an mir vorbei, hielt jedoch den Blick stur geradeaus gerichtet und tat so, als wäre ich Luft.

Roger hatte zwei Hocker und einen umgedrehten Eimer zusammengetragen. Ich ergriff Letzteren und schob ihn bescheiden ins Dunkle, so dass Wylie und Jamie in bequemem Würgeabstand voneinander Platz nehmen konnten. Roger zog sich mit seinem Streuselkuchen ebenfalls diskret zu mir in den Schatten zurück und sah interessiert zu.

Wylie nahm den Kaffee steif entgegen, doch ein paar kräftige Schlücke schienen seine Verfassung merklich zu verbessern. Schließlich senkte er den Krug und atmete hörbar aus. Seine Gesichtszüge hatten sich unter der Schicht aus verschmierter Schminke und Puder etwas entspannt.

»Ich danke Euch, Sir.« Er reichte Jamie den Krug mit einer kleinen Verneigung zurück und setzte sich dann kerzengerade auf seinen Hocker. Er rückte sich vorsichtig die Perücke zurecht, die die Abenteuer des Abends zwar überlebt, jedoch arg gelitten hatte. »Also dann. Darf ich mich erkundigen, was der Grund für Euer … Euer … unaussprechliches Verhalten ist?«

»Das dürft Ihr, Sir«, erwiderte Jamie und richtete sich ebenfalls auf. »Ich wünsche, die Natur Eurer Verbindung mit einem gewissen Stephen Bonnet und Euren Wissensstand bezüglich seines gegenwärtigen Aufenthaltsortes zu erfahren.«

Wylies Gesicht nahm eine derart ausdruckslose Miene an, dass es schon fast komisch war.

»Wer?«

»Stephen Bonnet.«

Wylie machte Anstalten, sich zu mir umzudrehen und mich um eine Erläuterung zu bitten, doch dann fiel ihm wieder ein, dass er meine Gegenwart ja ignorierte. Er funkelte Jamie mit tief gerunzelter Stirn an.

»Ich bin mit keinem Herrn dieses Namens bekannt, Mr. Fraser, und habe daher auch keinerlei Kenntnisse über seinen Aufenthalt – obwohl ich mich, wenn es so wäre, wohl kaum verpflichtet fühlen würde, Euch darüber zu informieren.«

»Ach nein?« Jamie trank nachdenklich einen Schluck Kaffee, dann reichte er mir den Krug. »Wie steht es dann mit Euren Verpflichtungen als Gast gegenüber seinen Gastgebern, Mr. Wylie?«

Wylies dunkle Augenbrauen hoben sich erstaunt.

»Was meint Ihr damit, Sir?«

»Ich gehe davon aus, Sir, dass Euch nicht bewusst ist, dass Mrs. Innes und ihr Gatte gestern Abend überfallen wurden und man versucht hat, sie auszurauben?«

Wylie klappte der Mund auf. Entweder war er ein sehr guter Schauspieler, oder seine Überraschung war echt. Aufgrund meiner bisherigen Bekanntschaft mit dem jungen Mann glaubte ich nicht, dass er schauspielern konnte.

»Nein, das ist es nicht. Wer …« Ihm kam ein Gedanke, und seine Verwirrung verwandelte sich erneut in Bestürzung. Seine Augen quollen ein wenig vor. »Ihr glaubt, ich hatte etwas zu tun mit diesem – diesem –«

»Gemeinen Verbrechen?«, schlug Roger vor. Jetzt, wo er des langweiligen Wachdienstes enthoben war, schien er sich prächtig zu amüsieren. »Aye, ich denke, das tun wir. Etwas Streuselkuchen zu Eurem Kaffee, Sir?« Er hielt Wylie ein Stück Kuchen hin; Wylie starrte es einen Moment an, dann sprang er auf und schlug Roger den Kuchen aus der Hand.

»Ihr Schurke!« Er baute sich mit geballten Fäusten vor Jamie auf. »Ihr wagt es, mir zu unterstellen, dass ich ein Dieb bin?«

Jamie hob das Kinn.

»Aye, das tue ich«, sagte er kühl. »Ihr habt versucht, mir meine Frau vor der Nase wegzustehlen – warum solltet Ihr vor dem Besitz meiner Tante Halt machen?«

Wylies Gesicht lief unter den Überresten seines Puders zu einem scheußlichen Dunkelrot an. Hätte er keine Perücke getragen, hätten ihm die Haare zu Berge gestanden.

»Ihr … unglaublicher … Mistkerl!«, keuchte er. Dann stürzte er sich auf Jamie. Sie landeten krachend in einem Wirrwarr aus Armen und Beinen am Boden.

Ich sprang zurück und drückte mir den Kaffeekrug an die Brust. Roger machte einen Satz auf das Getümmel zu, doch ich schnappte mit der freien Hand nach ihm, um ihn zurückzuhalten, und erwischte seinen Umhang.

Jamie war Wylie an Körpergröße und Geschick überlegen, doch auch Wylie war kein Anfänger in der Kunst der Prügelei, und außerdem wurde er von grenzenloser Wut beflügelt. Noch ein paar Augenblicke, und Jamie würde ihn gefügig gehämmert haben, doch ich hatte nicht vor, so lange zu warten.

Stocksauer auf alle beide, trat ich vor und kippte die Kaffeekanne über ihnen aus. Der Kaffee war zwar nicht mehr kochend heiß, aber er war heiß genug. Die beiden jaulten überrascht auf und rollten auseinander. Dann rappelten sie sich hoch und schüttelten sich. Ich glaubte, Roger hinter mir lachen zu hören, doch als ich zu ihm herumfuhr, blickte er ungerührt, wenn auch höchst interessiert drein. Er sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an und stopfte sich noch ein Stück Kuchen in den Mund.

Als ich mich wieder umdrehte, war Jamie schon auf den Beinen, und Wylie erhob sich gerade von den Knien. Sie waren beide mit Kaffee durchtränkt, und ihren Mienen war deutlich anzusehen, dass sie vorhatten, an der Stelle fortzufahren, wo ich sie unterbrochen hatte. Ich schob mich zwischen sie und stampfte mit dem Fuß auf.

»Ich habe genug davon, zum Kuckuck!«

»Ich nicht!«, zischte Wylie aufgebracht. »Er hat meine Ehre verletzt, und ich verlange –«

»Oh, zum Teufel mit Eurer verflixten Ehre – und mit deiner auch!«, knurrte ich und funkelte zuerst ihn an, dann Jamie. Jamie, der offensichtlich im Begriff gewesen war, etwas ähnlich Haarsträubendes zu sagen, begnügte sich stattdessen mit einem sonoren Prusten.

Ich trat gegen einen der umgestürzten Hocker und deutete mit der Hand darauf, wobei ich Jamie weiter anfunkelte.

»Hinsetzen!«

Er zupfte den klatschnassen Stoff seines Hemdes von seiner Brust ab, stellte den Hocker wieder hin und nahm immens würdevoll darauf Platz.

Wylie war sehr viel weniger geneigt, mir Beachtung zu schenken, und erging sich in weiteren Bemerkungen über seine Ehre. Ich trat ihm vor das Schienbein. Diesmal trug ich feste Schuhe. Er jaulte auf und hüpfte auf einem Fuß herum, während er sich das schmerzende Bein rieb. Die Pferde, die durch den Aufruhr in ihrer Ruhe gestört waren, standen stampfend und schnaubend in ihren Boxen, und die Luft war von herumfliegender Spreu erfüllt.

»Legt Euch besser nicht mit ihr an, wenn sie in Rage ist«, unterrichtete Jamie Wylie und warf mir einen argwöhnischen Blick zu. »Sie ist gefährlich, aye?«

Wylie funkelte mich an, doch sein finsterer Blick verwandelte sich in Unsicherheit – vielleicht, weil ich jetzt den leeren Kaffeekrug am Hals gepackt hielt wie einen Knüppel, oder weil er sich daran erinnerte, wie er mich letzte Nacht bei Bettys Autopsie erwischt hatte. Mühsam schluckte er herunter, was auch immer ihm auf der Zunge gelegen hatte, und setzte sich langsam auf den anderen Hocker. Er zog ein Halstuch aus seiner fleckigen Westentasche und betupfte ein Rinnsal aus Blut, das ihm aus einem Riss über der Augenbraue über die Wange lief.

»Ich wüsste gern«, sagte er mit ausgesuchter Höflichkeit, »was hier vor sich geht, bitte.«

Er hatte seine Perücke verloren; sie lag in einer Kaffeepfütze auf dem Boden. Jamie bückte sich, um sie aufzuheben, und hielt sie geziert vor sich hin wie ein totes Tier. Er wischte sich mit der freien Hand eine Schmutzspur vom Kinn und hielt Wylie die tropfende Perücke hin.

»Dann haben wir also eine Abmachung, Sir?«

Wylie ergriff die Perücke mit einem steifen Kopfnicken und legte sie auf sein Knie, ohne den Kaffee zu beachten, der seine Hose durchtränkte. Beide Männer sahen mich mit identischen Mienen skeptischer Ungeduld an. Offensichtlich war ich zur Zeremonienmeisterin erkoren worden.

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