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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Ein weniger alarmierendes Anliegen –

Ich finde mich plötzlich erneut in der Rolle eines Diplomaten wieder. Allerdings nicht, wie ich eilig hinzufüge, im Namen Seiner Majestät, sondern vielmehr im Interesse Robert Higgins’, der mich anfleht, den Einfluss, den ich besitzen mag, zu benutzen, um seine Heiratsaussichten zu fördern.

Ich habe in Mr. Higgins einen guten und treuen Bediensteten gefunden und freue mich, ihm meinen Beistand anzubieten, soweit das möglich ist; ich hoffe, Du wirst ihm ähnlich geneigt sein, denn wie Du sehen wirst, wird Dein Rat dringend benötigt und ist sogar völlig unverzichtbar.

Nun ist diese Angelegenheit ein wenig delikat, und an diesem Punkt bitte ich Dich, Dir einige Gedanken zu machen; auf Deine Diskretion verlasse ich mich natürlich selbstredend. Es hat den Anschein, dass Mr. Higgins sein Herz an zwei junge Damen gehängt hat, die beide in Fraser’s Ridge leben. Ich habe ihn auf die Schwierigkeit hingewiesen, an zwei Fronten zu kämpfen, und ihm geraten, seine Kräfte zu sammeln und seinen Vorstoß dann mit besseren Erfolgschancen auf ein einzelnes Objekt zu richten – vielleicht mit der Möglichkeit eines Reserveplans, sollte sein ursprünglicher Versuch scheitern.

Die beiden fraglichen Damen sind Miss Wemyss und Miss Christie, die beide Schönheit und Charme im Überfluss besitzen, sagt Mr. Higgins, der sie beide in den höchsten Tönen preist. Zu einer Entscheidung zwischen beiden gedrängt, protestierte Mr. Higgins, das könne er nicht – doch nach einiger Erörterung der Angelegenheit hat er sich schließlich auf Miss Wemyss als seine erste Wahl verlegt.

Dies ist eine praktische Entscheidung, und die Gründe für seine Entscheidung betreffen nicht nur die unbestrittenen Vorzüge der Dame, sondern auch eine sehr viel prosaischere Überlegung, nämlich die, dass die Dame und ihr Vater Leibeigene in Deinem Besitz sind. Da mir Mr. Higgins ein hingebungsvoller Bediensteter ist, biete ich Dir hiermit an, mit Deinem Einverständnis ihre Verträge zu kaufen, falls Miss Wemyss einwilligt, Mr. Higgins zu heiraten.

Es liegt mir zwar fern, Dich zweier geschätzter Dienstboten zu berauben, doch Mr. Higgins glaubt, dass Miss Wemyss nicht bereit sein wird, ihren Vater zu verlassen. Ebenso hofft er, dass mein Angebot, Vater und Tochter aus der Leibeigenschaft zu befreien (denn ich habe zugestimmt, dies zu tun, vorausgesetzt, Mr. Higgins arbeitet weiter für mich), ein hinreichendes Argument für Mr. Wemyss wäre, alle möglichen Einwände zu entkräften, die Mr. Wemyss in Bezug auf Mr. Higgins’ Mangel an Verbindungen und persönlichem Besitz vorbringen könnte, beziehungsweise auf etwaige andere Hinderungsgründe, die einer Heirat im Weg stehen könnten.

Wie ich es verstehe, ist Miss Christie zwar nicht minder attraktiv, doch könnte ihr Vater möglicherweise schwieriger zu überreden sein, und ihre gesellschaftliche Stellung ist um einiges höher als die von Miss Wemyss. Dennoch, sollten Miss Wemyss oder ihr Vater Mr. Higgins’ Angebot ablehnen, will ich mit Deiner Hilfe mein Bestes tun, einen Anreiz zu schaffen, der Mr. Christie ansprechen könnte.

Was hältst Du von diesem Angriffsplan? Ich bitte Dich, die Aussichten sorgsam zu überdenken, und wenn Du den Eindruck hast, dass ein solcher Antrag auf Wohlwollen stoßen könnte, Mr. Wemyss und seiner Tochter die Angelegenheit vorzutragen – falls möglich so diskret, dass einem zweiten Vorstoß nichts im Wege steht, sollte ein solcher nötig werden.

Mr. Higgins ist sich seiner minderwertigen Position als zukünftiger Stallknecht höchst bewusst und damit auch des Gefallens, um den er bittet, genau wie

Dein ergebener und gehorsamer Diener,

John Grey

»Etwaige andere Hinderungsgründe, die einer Heirat im Weg stehen könnten«, las ich über Jamies Schulter hinweg. »Wie die Tatsache, dass er ein verurteilter Mörder mit einem Brandzeichen auf seiner Wange, ohne Familie und ohne Mittel ist, zum Beispiel?«

»Aye, in etwa«, pflichtete mir Jamie bei, während er die Papierbögen glatt strich und ihre Ränder gerade klopfte. Er war eindeutig amüsiert über Lord Johns Brief, doch seine Augenbrauen hatten sich zusammengezogen, wenn ich auch nicht wusste, ob das ein Zeichen der Besorgnis über Lord Johns Neuigkeiten von Willie war oder nur ein Zeichen der Konzentration auf die delikate Frage von Bobby Higgins’ Heiratsantrag.

Letzteres offenbar, denn er sah zu dem Zimmer auf, das sich Lizzie und ihr Vater teilten. Durch die Decke war keine Bewegung zu hören, obwohl ich vor einiger Zeit gesehen hatte, wie Joseph nach oben ging.

»Er schläft?«, fragte Jamie mit hochgezogenen Augenbrauen. Er blickte unwillkürlich zum Fenster. Es war Nachmittag, und der Garten war in fröhliches, weiches Licht getaucht.

»Ein gängiges Symptom für eine Depression«, sagte ich mit einem kleinen Achselzucken. Für Mr. Wemyss war die Auflösung der Verlobung seiner Tochter ein harter Schlag gewesen – viel härter als für Lizzie selbst. Er hatte immer schon zerbrechlich ausgesehen, doch jetzt hatte er merklich an Gewicht verloren und sich ganz in sich zurückgezogen. Er sprach nur noch, wenn man ihn anredete, und war morgens immer schwerer aus dem Schlaf zu wecken.

Jamie kämpfte kurz mit der Vorstellung, dass so etwas wie eine Depression existierte, dann tat er sie kopfschüttelnd ab. Er klopfte nachdenklich mit den steifen Fingern seiner rechten Hand auf den Tisch.

»Was meinst du, Sassenach?«

»Bobby ist ein sympathischer junger Mann«, sagte ich skeptisch. »Und Lizzie hat ihn offensichtlich gern.«

»Und wenn die Wemyss’ noch Leibeigene wären, hätte Bobbys Antrag durchaus seinen Reiz«, stimmte mir Jamie zu. »Aber sie sind es nicht.« Er hatte Joseph Wemyss seinen Vertrag schon vor Jahren zurückgegeben, und Brianna hatte Lizzie hastig aus der Leibeigenschaft befreit, kaum dass sie begonnen hatte. Dies war allerdings nicht öffentlich bekannt, da Josephs vermeintlicher Status als Leibeigener ihn davor schützte, in der Miliz dienen zu müssen. Auch Lizzie profitierte als Leibeigene von Jamies offiziellem Schutz, da sie als sein Eigentum galt; niemand hätte es gewagt, sie zu behelligen oder sie respektlos zu behandeln.

»Vielleicht wäre er ja bereit, sie gegen Bezahlung in seinen Dienst zu stellen«, schlug ich vor. »Der Lohn für sie beide würde doch wahrscheinlich einiges weniger betragen als der Preis für zwei Leibeigenschaftsverträge.« Wir bezahlten Joseph zwar, aber sein Lohn betrug nur drei Pfund im Jahr, allerdings zuzüglich Kost, Logis und Kleidung.

»Das werde ich vorschlagen«, entschied Jamie, allerdings voller Skepsis. »Aber ich werde mit Joseph sprechen müssen.« Er sah noch einmal zur Decke und schüttelte den Kopf.

»Apropos Malva …«, sagte ich mit einem Blick zur anderen Seite des Flurs und senkte meine Stimme. Sie war im Sprechzimmer und seihte die Flüssigkeit aus den Schalen mit den Schimmelkulturen ab, die unsere Penizillinvorräte lieferten. Ich hatte Mrs. Sylvie versprochen, ihr noch mehr zu schicken und eine Spritze; ich hoffte, dass sie davon Gebrauch machen würde.

»Meinst du, Tom Christie hätte ein offenes Ohr, wenn Joseph es nicht hat? Ich glaube, die Mädchen sind Bobby beide zugeneigt.«

Bei diesem Gedanken stieß Jamie ein etwas verächtliches Geräusch aus.

»Tom Christie soll seine Tochter an einen Mörder verheiraten, noch dazu einen mittellosen? John Grey kennt den Mann nicht im Geringsten, sonst würde er so etwas nicht vorschlagen. Christie ist so stolz wie Nebukadnezar, wenn nicht noch mehr.«

»Oh, so stolz also, ja?«, sagte ich unwillkürlich belustigt. »Was meinst du denn, wer ihm passend erschiene, hier in der Wildnis?«

Jamie zuckte mit einer Schulter.

»Ich befinde mich nicht in der ehrenvollen Lage, dass er mir das anvertraut hätte«, sagte er trocken. »Aber er hält seine Tochter von den Jungen hier fern; ich nehme an, sie finden in seinen Augen allesamt keine Gnade. Es würde mich nicht im Geringsten überraschen, wenn er einen Weg fände, sie nach Edenton oder New Bern zu schicken, um sie zu verkuppeln, wenn es ihm nur irgend möglich ist. Roger Mac sagt, er hat so etwas erwähnt.«

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