Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Marsali und Fergus waren nicht da – was keine Überraschung war –, aber Germain. Er saß mit Jem und Aidan McCallum neben Brianna. Die drei Jungen hatten sich gegenseitig angestoßen und mit den Fingern auf ihn gezeigt, als er zu sprechen begann, aber Brianna hatte dieses Benehmen mit einer gemurmelten Drohung von solchem Nachdruck unterbunden, dass sie jetzt nur noch zappelten. Aidans Mutter saß auf der anderen Seite der Jungen und sah Roger mit solch unverhohlener Anbetung an, dass ihm unbehaglich wurde.
Die Christies hatten den Ehrenplatz in der Mitte der ersten Bank. Malva Christie, sittsam unter ihrer Spitzenhaube, ihr Bruder, der schützend auf ihrer einen Seite saß, ihr Vater auf der anderen, anscheinend ohne sich der Blicke bewusst zu sein, die einige der jungen Männer gelegentlich in ihre Richtung warfen.
Zu Rogers großer Überraschung waren Jamie und Claire ebenfalls gekommen, wenn sie auch ganz hinten standen. Sein Schwiegervater war ruhig und ungerührt, doch Claires Gesicht war ein offenes Buch; sie fand das Geschehen eindeutig amüsant.
»… und wenn wir die Liebe Christi wahrhaft als das betrachten, was sie ist …« Es war sein durch zahllose Vorlesungen geschärfter Instinkt, der ihm zu Bewusstsein brachte, dass etwas nicht stimmte: ganz hinten in der Ecke, in der sich mehrere halbwüchsige Jungen gesammelt hatten. Einige der zahlreichen McAfee-Jungen und Jacky Lachlan, allgemein als der Satansbraten bekannt.
Nicht mehr als ein kleiner Schubs, das Aufglitzern eines Auges, ein Gefühl unterdrückter Aufregung. Doch er spürte es und blickte wiederholt mit zusammengekniffenen Augen in diese Ecke, um sie im Griff zu behalten. Und so sah er auch zufällig, wie die Schlange zwischen Mrs. Crombies Schuhe glitt. Es war eine kräftige Königsnatter, leuchtend gestreift in Rot, Gelb und Schwarz, und eigentlich machte sie einen erstaunlich ruhigen Eindruck.
»Nun mögt Ihr sagen, wer ist denn mein Nächster? Und das ist eine gute Frage, wenn man an einem Ort lebt, an dem die Hälfte der Menschen, denen man begegnet, Fremde sind – und viele von ihnen außerdem mehr als nur ein wenig merkwürdig.«
Ein beifälliges Tuscheln ging bei diesen Worten durch die Menge.
Die Schlange glitt lässig hin und her. Sie hatte den Kopf gehoben, und die Zunge fuhr ihr neugierig aus dem Maul, während sie die Luft prüfte. Es musste eine zahme Schlange sein; das Gedränge störte sie nicht.
Das konnte man umgekehrt nicht sagen; Schlangen waren in Schottland selten, und sie machten die meisten Emigranten nervös. Abgesehen davon, dass man sie automatisch mit dem Teufel in Verbindung brachte, konnten oder wollten die meisten Leute Giftschlangen nicht von anderen Arten unterscheiden, da die einzige in Schottland vorkommende Schlange, die Kreuzotter, giftig war. Sie würden außer sich sein, dachte Roger grimmig, wenn sie zu Boden blickten und sahen, was dort lautlos zu ihren Füßen über die Dielen glitt.
Ein ersticktes Kichern, das plötzlich abbrach, erhob sich aus der Ecke der Schuldigen, und in der Kongregation wandten sich mehrere Köpfe und stießen wie aus einem Munde ein »Schsch!« aus.
»… als ich Hunger hatte, habt Ihr mir zu essen gegeben; als ich Durst hatte, habt Ihr mir zu trinken gegeben. Und wer in Eurer Bekanntschaft würde selbst … selbst einen Sassenach abweisen, wenn er hungrig vor Eurer Tür stünde?«
Belustigung regte sich in der Menge, und leicht entsetzte Blicke richteten sich auf Claire, die kräftig errötet war, jedoch vor unterdrücktem Gelächter, so hoffte er, nicht vor Ärger.
Ein rascher Blick zu Boden; die Schlange, die angehalten und Rast gemacht hatte, war wieder unterwegs und schob sich sanft um das Ende einer Bank. Roger fiel eine plötzliche Bewegung ins Auge; Jamie hatte die Schlange gesehen und war zusammengezuckt. Jetzt stand er stocksteif da und beäugte sie, als wäre sie eine Bombe.
Roger hatte in den Atempausen seiner Predigt Stoßgebete zum Himmel gesandt und dem Allmächtigen nahegelegt, in seiner Güte dafür zu sorgen, dass sich die Schlange in aller Ruhe zur offenen Hintertür hinaus verzog. Er intensivierte diese Gebete, während er sich gleichzeitig unauffällig den Rock aufknöpfte, um mehr Bewegungsfreiheit zu haben.
Wenn das verflixte Tier zur Vorderseite des Zimmers kroch statt nach hinten, würde er einen Satz nach vorn machen und versuchen müssen, sie zu fangen, bevor sie für jeden sichtbar wurde. Das würde zwar eine Störung bedeuten, aber nichts im Vergleich zu dem, was geschehen konnte, wenn …
»… nun wird Euch aufgefallen sein, was Jesus sagte, als er mit der Samariterin am Brunnen gesprochen hat …«
Die Schlange war immer noch halb um das Bein der Bank gewickelt und überlegte. Sie war nur einen knappen Meter von seinem Schwiegervater entfernt. Jamie beobachtete sie wie ein Falke, und auf seiner Stirn hatte sich ein deutlicher Schweißfilm gebildet. Roger war sich bewusst, dass sein Schwiegervater eine deutliche Abneigung gegen Schlangen hegte – kein Wunder angesichts der Tatsache, dass er vor drei Jahren beinahe durch eine große Klapperschlange umgekommen war.
Die Entfernung war noch zu groß, als dass Roger das Tier hätte erwischen können; es standen drei dicht besetzte Bänke zwischen ihm und der Schlange. Brianna, die sich darum hätte kümmern können, saß auf der falschen Seite des Zimmers. Es war nicht zu ändern, dachte er mit einem innerlichen Seufzer der Resignation. Er musste die Vorgänge abbrechen und ganz ruhig jemanden, auf den er sich verlassen konnte – wen? Er sah sich hastig um und erspähte Ian Murray, der zum Glück in Reichweite war –, bitten, die Schlange zu packen und ins Freie zu tragen.
Er hatte sogar schon den Mund geöffnet, um genau das zu tun, als der Schlange die Aussicht zu langweilig wurde und sie blitzschnell um die Bank herum und an der letzten Reihe entlangglitt.
Rogers Blick hing an der Schlange, daher war er völlig überrascht – zweifellos genauso sehr wie die Schlange –, als sich Jamie plötzlich bückte, sie vom Boden aufhob und sich das verblüffte Reptil unter sein Plaid steckte.
Jamie war ein kräftiger Mann, und infolge seiner Bewegung wandten sich mehrere Köpfe, um zu sehen, was passiert war. Er trat von einem Fuß auf den anderen, hustete und gab sich den Anschein, sich brennend für Rogers Predigt zu interessieren. Da es nichts zu sehen gab, drehte sich alles wieder zurück und machte es sich wieder bequem.
»… nun begegnen wir erneut den Samaritern, nicht wahr, in der Geschichte vom Barmherzigen Samariter? Die meisten von Euch werden sie kennen, aber für die Kinder, die sie vielleicht noch nicht gehört haben …« Roger lächelte Jem, Germain und Aidan zu, die sich wanden wie die Würmer und vor Aufregung leise ekstatische Quietschlaute ausstießen, weil er sie besonders ansprach.
Aus dem Augenwinkel konnte er Jamie sehen, der in seinem besten Leinenhemd erstarrt und blass dastand. Im Inneren dieses Hemdes bewegte sich etwas, und in seiner geballten Faust erschien eine Spur bunter Schuppen – offenbar versuchte die Schlange, an seinem Arm entlang zu flüchten, und nur Jamies verzweifelte Umklammerung ihres Schwanzes verhinderte, dass sie den Kopf aus seinem Halssausschnitt steckte.
Jamie schwitzte heftig; Roger auch. Er sah, wie ihn Brianna mit einem kleinen Stirnrunzeln ansah.
»… und so trug der Samariter dem Wirt auf, sich um den armen Kerl zu kümmern, seine Wunden zu verbinden und ihm zu essen zu geben, und er würde auf dem Rückweg haltmachen und die Rechnung begleichen. Und …«
Aus dem Augenwinkel sah Roger, wie sich Claire zu Jamie hinüberbeugte und ihm etwas zuflüsterte. Sein Schwiegervater schüttelte den Kopf. Er vermutete, dass Claire die Schlange bemerkt hatte – sie konnte sie kaum übersehen – und Jamie drängte, mit ihr ins Freie zu gehen, Jamie sich jedoch tapfer weigerte, um die Predigt nicht noch mehr zu stören, denn er konnte nicht hinaus, ohne sich an einer ganzen Reihe anderer Stehender vorbeizudrängen.
Roger hielt inne, um sich das Gesicht mit einem großen Taschentuch abzuwischen, das ihm Brianna für diesen Zweck mitgegeben hatte und in dessen Deckung er jetzt beobachtete, wie Claire in ihren Rock griff und einen großen Kalikobeutel herauszog.