Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Sie schien sich flüsternd mit Jamie zu streiten; er schüttelte den Kopf und sah aus wie der Spartaner, der lebendig von dem Fuchs gefressen wurde.
Dann erschien der Kopf der Schlange plötzlich züngelnd unter Jamies Kinn, und er riss die Augen auf. Claire stellte sich unverzüglich auf die Zehenspitzen, packte das Tier am Hals, zog ihrem Mann das erstaunte Reptil wie ein Stück Seil aus dem Hemd, stopfte es kopfüber in ihren Beutel und zog ihn zu.
»Preiset den Herrn!«, platzte Roger heraus, und die Gemeinde antwortete pflichtschuldigst mit »Amen!«, obwohl sie ein wenig verwundert über diesen Einwurf dreinblickte.
Claires Nebenmann, der diese rasche Abfolge der Ereignisse mit angesehen hatte, starrte sie mit großen Augen an. Sie stopfte den Beutel – der sich jetzt sichtlich aufgeregt bewegte – wieder in ihren Rock, ließ ihr Schultertuch darüberfallen, sah den Herrn an ihrer Seite an, als wollte sie ihn fragen: »Was glotzt du so, Kumpel?«, blickte geradeaus und setzte eine Miene frommer Konzentration auf.
Roger schaffte es irgendwie bis zum Ende. Er war so erleichtert, dass die Schlange in Gewahrsam gebracht war, dass ihn selbst der Schlussgesang kaum aus der Fassung brachte, obwohl er fast keine Stimme mehr hatte und ihre Überbleibsel ächzten wie ein ungeöltes Scharnier.
Sein Hemd klebte ihm am Körper, und die kühle Luft im Freien war wie Balsam, als er hinterher dort stand und unter Händeschütteln und Verbeugungen die freundlichen Worte seiner Gemeinde entgegennahm.
»Eine großartige Predigt, Mr. MacKenzie, großartig!«, versicherte ihm Mrs. Gwilty. Sie stieß den verschrumpelten Herrn an ihrer Seite an, der sowohl ihr Mann als auch ihr Schwiegervater hätte sein können. »War es nicht eine großartige Predigt, Mr. Gwilty?«
»Mmpfm«, sagte der verschrumpelte Herr weise. »Nicht schlecht, nicht schlecht. Etwas kurz, und ihr habt die schöne Geschichte von der Dirne weggelassen, aber darauf kommt Ihr ja sicher irgendwann noch zu sprechen.«
»Sicher«, sagte Roger kopfnickend und lächelnd, während er sich fragte, welche Dirne? »Danke, dass Ihr da wart.«
»Oh, das hätte ich mir um nichts in der Welt entgehen lassen«, unterrichtete ihn die nächste Dame. »Obwohl die Gesänge noch etwas zu wünschen übriggelassen haben, nicht wahr?«
»Ich fürchte, ja. Vielleicht nächstes Mal –«
»Psalm hundertneun hat mir noch nie gefallen, er ist so langweilig. Vielleicht sucht Ihr uns nächstes Mal einen fröhlicheren aus?«
»Aye, ich denke –«
»Papapapapapa!« Jem prallte gegen seine Beine, klammerte sich liebevoll um seine Oberschenkel und hätte ihn fast umgeworfen.
»Gut gemacht«, sagte Brianna mit belustigter Miene. »Was war denn dahinten los? Du hast ständig dorthin geschaut, aber ich konnte nichts sehen, und –«
»Eine schöne Predigt, Sir, eine schöne Predigt.« Der ältere Mr. Ogilvie verbeugte sich vor ihm, dann ging er davon, die Hand seiner Frau im Arm, und sagte zu ihr: »Der arme Junge trifft ums Verrecken keinen Ton, aber die Predigt war eigentlich gar nicht übel.«
Germain und Aidan schlossen sich Jemmy an. Sie versuchten zu dritt, ihn gleichzeitig zu drücken, und er gab sein Bestes, sie zu umarmen, jedermann zuzulächeln und zustimmend zu nicken, während ihm die Leute nahelegten, er solle lauter sprechen, auf Gälisch predigen, auf Latein (was für Latein?) und auf papistische Anspielungen verzichten, sich um eine gemessenere Miene bemühen, sich um eine fröhlichere Miene bemühen, möglichst stillhalten und mehr Geschichten einbauen.
Jamie kam heraus und schüttelte ihm ernst die Hand.
»Ganz ordentlich«, sagte er.
»Danke«, sagte Roger und rang um Worte. »Du – nun ja. Danke«, wiederholte er.
»Niemand hat größere Liebe denn die«, sagte Claire, die hinter Jamie stand, und lächelte ihn an. Der Wind hob ihr Schultertuch an, und er konnte sehen, wie sich ihr Rock an der Seite merkwürdig bewegte.
Jamie stieß ein leises, belustigtes Geräusch aus.
»Mmpfm. Vielleicht stattest du Rab McAfee und Isaiah Lachlan einen Besuch ab und redest mit ihnen – vielleicht eine kurze Predigt zum Thema ›Wer seinen Sohn liebt, züchtigt ihn bisweilen‹?«
»McAfee und Lachlan. Aye, das mache ich.« Oder vielleicht erwischte er die McAfees und Jacky Lachlan ja allein und kümmerte sich selbst um die Züchtigung.
Er verabschiedete sich von den letzten Zuhörern, dankte Tom Christie und seiner Familie und steuerte mit seiner eigenen Familie auf sein Haus und sein Mittagessen zu. Die alte Mrs. Abernathy ging ein Stückchen vor ihnen her, unterstützt von ihrer Freundin, der unwesentlich weniger greisenhaften Mrs. Coinneach.
»Sieht nett aus, der Junge«, bemerkte Mrs. Abernathy gerade, und die kühle Herbstluft trug ihm ihre brüchige Stimme entgegen. »Aber so nervös, och! Hast du gesehen, wie er geschwitzt hat?«
»Aye, nun ja, bestimmt ist er schüchtern«, erwiderte Mrs. Coinneach zuversichtlich. »Mit der Zeit wird er sich schon daran gewöhnen.«
Roger lag im Bett und genoss die Freude über das, was er an diesem Tag geleistet hatte, die Erleichterung über die verhinderten Katastrophen und den Anblick seiner Frau. Das Licht der Glut schien durch das dünne Leinen ihres Hemdes, als sie jetzt vor dem Kamin kniete, und tauchte ihre Haut und ihre Haarspitzen in Licht, so dass sie aussah, als strahlte sie von innen.
Als sie das Feuer für die Nacht eingedämmt hatte, erhob sie sich und warf einen Blick auf Jemmy, der in seinem Bettchen zusammengerollt lag und das trügerische Aussehen eines Engels hatte, bevor sie ins Bett kam.
»Du siehst nachdenklich aus«, sagte sie lächelnd, als sie auf die Matratze kletterte. »Worüber grübelst du nach?«
»Ich versuche, darauf zu kommen, was in aller Welt ich gesagt haben könnte, das Mrs. MacNeill für Latein gehalten hat, ganz zu schweigen von einer katholischen Anspielung«, erwiderte er und machte ihr kameradschaftlich Platz.
»Du hast jedenfalls nicht angefangen, ›Ave Maria‹ oder so etwas zu singen«, versicherte sie ihm. »Das wäre mir aufgefallen.«
»Mm«, sagte er und hustete. »Sprich lieber nicht vom Singen, aye?«
»Es wird sich bessern«, sagte sie überzeugt und wandte ihm den Rücken zu, um sich ein Nest zu machen. Die Matratze war mit Wolle gefüllt, viel gemütlicher – und sehr viel leiser – als Maisblätter, aber sehr anfällig für Klumpen und unregelmäßige Mulden.
»Aye, vielleicht«, sagte er, dachte dabei aber, vielleicht. Aber es wird nie mehr das, was es einmal war. Doch es war zwecklos, sich darüber Gedanken zu machen; er hatte seine Trauer aufgebraucht. Es war Zeit, das Beste aus der Situation zu machen und darüber hinwegzukommen.
Als sie es sich bequem gemacht hatte, drehte sie sich zu ihm um und seufzte zufrieden, während ihr Körper für eine Sekunde zu schmelzen und sich um ihn herum neu zu formen schien – eines ihrer vielen kleinen, wundersamen Talente. Sie hatte ihr Haar zum Schlafen zu einem dicken Zopf geflochten, und er fuhr mit der Hand daran entlang und erinnerte sich schaudernd an die Schlange. Er fragte sich, was Claire wohl damit gemacht hatte. Wahrscheinlich in ihrem Garten ausgesetzt, damit sie Mäuse fraß, Pragmatikerin, die sie war.
»Hast du herausgefunden, welche Geschichte von einer Dirne du weggelassen hast?«, murmelte Brianna und bewegte ihre Hüften beiläufig, aber definitiv nicht zufällig gegen die seinen.
»Nein. Es gibt schrecklich viele Dirnen in der Bibel.« Er nahm ihre Ohrenspitze ganz sanft zwischen die Zähne, und sie holte plötzlich tief Luft.
»Was sind Dirnen?«, sagte eine schläfrige Kinderstimme aus dem Bettchen.
»Schlaf ein, Kumpel – ich erzähl’s dir morgen«, rief Roger und ließ seine Hand über Briannas sehr runde, sehr handfeste, sehr warme Hüfte gleiten.
Jemmy würde mit ziemlicher Sicherheit in ein paar Sekunden fest schlafen, doch sie beschränkten sich auf kleine geheime Berührungen unter der Bettdecke, bis sie sicher sein konnten, dass er absolut fest schlief. Wenn er das Traumland einmal betreten hatte, schlief er wie ein Toter, doch er war schon mehr als einmal in ungünstigen Momenten von den ungewohnten Geräuschen seiner Eltern an der Schwelle wieder aufgeweckt worden.