Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er zögerte, doch er konnte spüren, wie der Traum in der stillen Nachtluft schwebte, genau hinter ihm; zu schweigen und sich in der Dunkelheit zurückzulegen, bedeutete, ihn zur Rückkehr aufzufordern. Und vielleicht war es ja besser, wenn sie wusste, was ihm der Traum gesagt hatte.
»Es war ziemlich durcheinander, hatte aber mit dem Kampf zu tun – als wir Claire zurückgeholt haben. Der Mann – den ich umgebracht habe –« Das Wort blieb ihm in der Kehle stecken wie eine Klette, doch er bekam es heraus. »Ich habe ihm den Schädel zertrümmert, und er ist gestürzt, und ich habe noch einmal sein Gesicht gesehen. Und plötzlich war mir klar, dass ich ihn schon einmal gesehen hatte; ich – ich weiß, wer er war.« Das unterschwellige Entsetzen darüber, dass er den Mann kannte, war seiner Stimme anzuhören; ihre schweren Lider hoben sich, und ihr Blick war plötzlich hellwach.
Ihre Hand legte sich leicht und fragend auf seinen verletzten Handrücken.
»Erinnerst du dich an diesen erbärmlichen Diebesfänger namens Harley Boble? Wir sind ihm einmal begegnet, beim Gathering am Mount Helicon.«
»Ich erinnere mich an ihn. Er? Bist du sicher? Du hast doch gesagt, alles war dunkel und durcheinander –«
»Ja, ich bin mir sicher. Ich wusste es nicht, als ich ihn erschlagen habe – aber ich habe sein Gesicht gesehen, als er gestürzt ist, das Gras hat gebrannt, und ich habe es deutlich gesehen – und gerade habe ich es wieder gesehen, im Traum, und als ich aufgewacht bin, hatte ich seinen Namen im Kopf.« Er bog langsam seine Finger gerade und verzog das Gesicht.
»Irgendwie kommt es mir sehr viel schlimmer vor, jemanden umzubringen, den man kennt.« Und das Bewusstsein, einen Fremden getötet zu haben, war schon schlimm genug. Es zwang ihn, sich als einen Menschen zu betrachten, der des Mordes fähig war.
»Nun, damals hast du es aber nicht gewusst«, sagte sie. »Hast ihn nicht erkannt, meine ich.«
»Nein, das stimmt.« Es stimmte, aber das half nichts. Das Feuer war für die Nacht eingedämmt, und im Zimmer war es kalt; er sah die Gänsehaut auf ihren nackten Unterarmen, die Goldhärchen, die sich aufstellten. »Du frierst ja, lass uns wieder ins Bett gehen.«
Das Bett hatte noch einen Hauch von Wärme gespeichert, und es war ein unaussprechlicher Trost, als sie sich jetzt an seinen Rücken schmiegte und ihre Körperwärme die Kälte durchdrang, die ihm durch Mark und Bein ging. Seine Hand pochte zwar noch, doch der Schmerz war jetzt so dumpf, dass er ihn ignorieren konnte. Ihr Arm legte sich fest um ihn, ihre Hand lag als lose Faust unter seinem Kinn. Er beugte den Kopf, um ihren Handrücken zu küssen, die Knöchel darin glatt, hart und rund, spürte ihren warmen Atem an seinem Hals und erinnerte sich eine merkwürdige Sekunde lang an das Tier in seinem Traum.
»Brianna … ich wollte ihn töten.«
»Ich weiß«, sagte sie leise und nahm ihn fester in den Arm, als wollte sie ihn davor bewahren zu fallen.
Kapitel 59
Fröhliche Brautschau
Von Lord John Grey
Mount Josiah Plantage
Mein lieber Freund,
ich schreibe Dir in großer Unruhe.
Sicher erinnerst Du Dich noch an Mr. Josiah Quincy. Ich hätte ihm niemals ein Referenzschreiben an Dich mitgegeben, hätte ich geahnt, was sich daraus entwickeln würde. Denn ich bin sicher, dass er daran schuld ist, dass Dein Name nun mit dem sogenannten Korrespondenzkomitee in North Carolina in Verbindung gebracht wird. Ein Freund, der davon wusste, dass ich mit Dir bekannt bin, hat mir gestern ein Schreiben gezeigt, das offenbar von dieser Vereinigung stammt und eine Liste der vermutlichen Empfänger enthielt. Dein Name war auch darunter, und ihn in solcher Gesellschaft zu sehen, hat mir große Sorge bereitet, dass ich mich verpflichtet fühle, Dir augenblicklich zu schreiben und Dich davon zu unterrichten.
Ich hätte den Brief sofort verbrannt, wäre nicht klar gewesen, dass es sich nur um eine von mehreren Kopien handelte. Die anderen machen nun zweifellos die Runde durch die verschiedenen Kolonien. Du musst sofort dafür sorgen, dass Du Dich von jeder derartigen Vereinigung distanzierst und dass Dein Name in Zukunft nicht mehr in einem solchen Zusammenhang auftaucht.
Denn sei gewarnt; der Postverkehr ist nicht sicher. Ich habe schon mehr als einmal offizielle Dokumente erhalten – sogar einige, die das königliche Siegel trugen! –, denen nicht nur anzusehen war, dass sie geöffnet worden waren, sondern die in einigen Fällen sogar unverhohlen mit den Initialien oder Signaturen derer versehen waren, die sie abgefangen und inspiziert haben. Eine solche Inspektion kann durch Whig oder Tory gleichermaßen geschehen, das ist nicht zu sagen. Und ich höre, dass Gouverneur Martin inzwischen seine Post an seinen Bruder in New York umleiten lässt, von wo sie ihm durch einen privaten Boten überbracht wird – ein solcher war unlängst zu Gast an meiner Tafel –, da er sich nicht mehr auf ihre sichere Auslieferung innerhalb North Carolinas verlassen kann.
Ich kann nur hoffen, dass kein belastendes Dokument, das Deinen Namen enthält, in die Hände von Personen gerät, die die Macht besitzen, die Verfasser solch aufwieglerischer Inhalte festzunehmen oder anderweitig gegen sie vorzugehen. Ich entschuldige mich aufrichtigst, falls mein Ungeschick in Bezug auf Mr. Quincy Dich irgendwie in Gefahr gebracht oder Dir Ungemach verursacht haben sollte, und ich versichere Dir, dass ich mir alle Mühe geben werde, die Situation zu korrigieren, soweit es in meiner Macht steht.
Unterdessen biete ich Dir Mr. Higgins’ Dienste an, falls Du der sicheren Überbringung eines Dokumentes bedarfst, nicht nur von Briefen, die an mich gerichtet sind. Er besitzt mein ganzes Vertrauen, und ich werde ihn Dir regelmäßig schicken, falls Du seiner bedarfst.
Dennoch hoffe ich, dass sich die Lage im Großen und Ganzen noch retten lässt. Ich glaube, dass die Hitzköpfe, die auf eine Rebellion drängen, zum Großteil keine Vorstellung von der Natur des Krieges haben, sonst würden sie wohl kaum seine Schrecken und Strapazen heraufbeschwören oder das Blutvergießen. Oder das Opfer ihres eigenen Lebens so auf die leichte Schulter nehmen, nur um einer solch geringfügigen Meinungsverschiedenheit mit ihrem Vaterland willen.
In London herrscht die Meinung vor, dass die ganze Angelegenheit höchstens in »ein paar blutigen Nasen resultieren wird«, wie Lord North es ausdrückt, und ich hoffe, dass er recht hat.
Diese Neuigkeiten haben auch einen persönlichen Aspekt; mein Sohn William hat ein Leutnantspatent erworben und wird zügig zu seinem Regiment stoßen. Natürlich bin ich stolz auf ihn – und doch, da ich die Gefahren und Strapazen des Soldatenlebens kenne, bekenne ich, dass es mir lieber gewesen wäre, wenn er einen anderen Kurs eingeschlagen hätte und sich entweder der Verwaltung seines beträchtlichen Grundbesitzes gewidmet hätte oder, sollte ihm dieses Leben zu zahm erscheinen, vielleicht die Welt der Politik oder des Handels gewählt hätte – denn er besitzt ein großes natürliches Talent dafür, seine Ressourcen zu vermehren, und es ist gut möglich, dass er es in solchen Kreisen zu einigem Einfluss bringen würde.
Diese Ressourcen befinden sich natürlich noch unter meiner Kontrolle, bis William die Volljährigkeit erreicht. Doch ich konnte ihn nicht bevormunden, so stark war sein Verlangen – und so lebhaft meine Erinnerungen an mich selbst in diesem Alter und an meine Entschlossenheit, in der Armee zu dienen. Vielleicht hat er ja vom Soldatenleben schnell genug und schlägt einen anderen Kurs ein. Und ich gebe zu, dass sich das Militärleben tatsächlich durch viele Tugenden empfiehlt, auch wenn diese manchmal hart sein mögen.