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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Die Stimmen waren nicht weit entfernt und riefen sich etwas zu, doch der Wind wehte von ihm fort, und er konnte die Worte nicht ausmachen. Wahrscheinlich Jäger. Es war ein schöner Herbsttag mit Luft wie frischem Wein, und der Wald war voller Lichtflecken.

Das Laub hatte gerade erst begonnen, sich zu verfärben, doch einige Blätter fielen schon, ein lautloses, ständiges Flackern am Rand des Gesichtsfeldes. In einer solchen Umgebung konnte jede Bewegung wie Wild aussehen, das wusste er genau. Er holte Luft, um zu rufen, zögerte und murmelte »Mist!«. Toll, wirklich.

»Esel«, sagte er zu sich selbst, holte Luft und rief »Hallooo!« mit allem, was seine Stimme hergab – die krächzte und ohne jedes Volumen war. Noch einmal. Noch einmal. Und noch einmal. Beim fünften Mal hegte er allmählich den Gedanken, dass er sich lieber erschießen ließ, als weiter zu versuchen, sie auf sich aufmerksam zu machen. Doch endlich trug die kühle helle Luft ein schwaches »Halloooo!« zu ihm zurück.

Er hielt erleichtert inne und hustete, überrascht, dass kein Blut zum Vorschein kam; seine Kehle fühlte sich an wie rohes Fleisch. Doch er versuchte sich schnell an einem Summton, dann, vorsichtig, an einem ansteigenden Arpeggio. Eine Oktave. Gerade eben, und die Anstrengung sandte ihm stechende Schmerzen durch den Kehlkopf – aber eine volle Oktave. Es war das erste Mal, dass er einen solchen Tonumfang hinbekommen hatte, seit er die Verletzung erlitten hatte.

Ermutigt durch dieses kleine Anzeichen eines Fortschritts, begrüßte er die Jäger gutgelaunt, als sie in Sicht kamen: Allan Christie und Ian Murray, beide mit langen Flinten in der Hand.

»Pastor MacKenzie!«, begrüßte ihn Allan und grinste wie eine unangebracht freundliche Eule. »Was macht Ihr denn hier so ganz allein? Probt Ihr Eure erste Predigt?«

»Zufälligerweise ja«, sagte Roger liebenswürdig. Es war ja auch nicht ganz falsch – und es gab keine andere gute Erklärung dafür, was er ohne Waffen, Schlingen oder Angel allein im Wald machte.

»Nun, hoffentlich wird sie gut«, sagte Allan. »Alle werden da sein. Pa lässt Malva von morgens bis abends fegen und wischen.«

»Ah? Nun, sagt ihr, ich weiß es zu schätzen, aye?« Nach reiflicher Überlegung hatte er Thomas Christie gefragt, ob die Sonntagsgottesdienste im Haus des Schulmeisters abgehalten werden könnten. Es war nur eine grobe Blockhütte, wie die meisten Häuser in Fraser’s Ridge, doch da der Schulunterricht dort stattfand, war das eigentliche Zimmer geräumiger als der Durchschnitt. Jamie Fraser hätte ihm zwar sicherlich gestattet, sein Haus zu benutzen, doch Roger hatte den Eindruck, dass sich seine Kongregation – was für ein Ehrfurcht erregendes Wort – unwohl dabei fühlen würde, ihre Gottesdienste im Haus eines Papisten abzuhalten, selbst wenn es ein entgegenkommender und toleranter Papist war.

»Ihr seid doch auch dabei, oder?«, wandte sich Allan an Ian. Ian zeigte sich überrascht über diese Einladung und rieb sich unsicher die Nase.

»Och, aber ich bin doch römisch getauft, aye?«

»Nun, aber Ihr seid ein Christ, oder?«, sagte Allan ein wenig ungeduldig. »Oder nicht? Die Leute sagen, Ihr wärt bei den Indianern zum Heiden geworden und nicht wieder umgekehrt.«

»Sagen sie das?«, fragte Ian nachsichtig, doch Roger sah, wie sich sein Gesicht dabei ein wenig anspannte. Allerdings nahm er neugierig zur Kenntnis, dass Ian die Frage nicht beantwortete und sich stattdessen an ihn wandte: »Kommt deine Frau denn mit, Vetter?«

»Ja«, sagte er und drückte sich selbst die Daumen, »und unser Jemmy auch.«

»Wie sieht das aus?«, hatte Brianna ihn gefragt und ihn mit einem gebannten Blick fixiert, das Kinn leicht gehoben, die Lippen den Bruchteil eines Zentimeters geöffnet. »Jackie Kennedy. Meinst du, so geht es, oder ziele ich besser auf Königin Elizabeth bei der Truppeninspektion ab?« Ihre Lippen pressten sich aufeinander, ihr Kinn wich ein wenig zurück, und ihr wandelbares Gesicht wechselte von gebannter Aufmerksamkeit zu würdigem Beifall.

»Oh, auf jeden Fall Mrs. Kennedy«, hatte er ihr versichert. Er war ja schon zufrieden, wenn sie keine Miene verzog, da brauchte es nicht noch die Miene fremder Leute zu sein.

»Aye, gut, dann komme ich auch – wenn Ihr nicht meint, dass es jemanden stört«, fügte Ian, an Allan gerichtet, hinzu, der diese Vorstellung mit einer freundschaftlichen Handbewegung abtat.

»Oh, alle werden da sein«, wiederholte er. Bei diesem Gedanken bekam Roger einen leichten Magenkrampf.

»Seid Ihr auf Rotwildjagd?«, fragte er und wies kopfnickend auf die Gewehre, um das Gespräch auf etwas anderes als sein bevorstehendes Debüt als Prediger zu lenken.

»Aye«, antwortete Allan, »aber dann haben wir hier einen Panther schreien hören.« Er deutete mit einer ausholenden Geste auf den Wald ringsum. »Ian sagt, wenn sich hier ein Panther herumtreibt, ist das Wild längst fort.«

Roger sah Ian scharf an, und dessen unnatürlich ausdrucksloses Gesicht sagte ihm mehr, als er wissen wollte. Allan Christie, in Edinburgh geboren und aufgewachsen, konnte vielleicht den Schrei eines Panthers nicht von dem eines Menschen unterscheiden, doch Ian konnte es mit Sicherheit.

»Schade, wenn er das Wild vertrieben hat«, sagte er und sah Ian mit hochgezogener Augenbraue an. »Nun denn, ich gehe mit Euch zurück.«

Er hatte »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst« als Thema seiner ersten Predigt gewählt. »Alt, aber bewährt«, wie er zu Brianna gesagt hatte, worauf sie sich kurz vor Lachen geschüttelt hatte. Und da er dieses Thema schon in mindestens hundert Variationen gehört hatte, war er sich hinreichend sicher, dass er genug Material für die dreißig oder vierzig Minuten haben würde, die er sich für den Anfang vorgenommen hatte.

Jetzt saß Brianna bescheiden an der Seite und beobachtete ihn – Gott sei Dank nicht wie Jackie Kennedy, sondern mit einem heimlichen Lächeln, das ihren Blick erwärmte, wann immer er sie direkt ansah.

Er hatte sich Notizen mitgebracht, für den Fall, dass ihm der Stoff ausging oder die Inspiration versagte, doch er brauchte sie nicht. Im ersten Moment hatte es ihm den Atem verschlagen, als Tom Christie, der die Lesung vorgetragen hatte, seine Bibel zugeklappt und ihn vielsagend angeschaut hatte. Doch als er einmal losgelegt hatte, fühlte es sich ganz selbstverständlich an; es erinnerte ihn an Vorlesungen an der Universität, obwohl ihm die Kongregation weiß Gott besser zuhörte, als es bei seinen Studenten üblich war. Sie unterbrachen ihn auch nicht oder diskutierten mit ihm – zumindest nicht während seines Vortrags.

Während der ersten Sekunden war er sich seiner Umgebung intensiv bewusst; des schwachen Miefs aus Körpergeruch und den gebratenen Zwiebeln des gestrigen Abends, der abgewetzten Bodendielen, die frisch geschrubbt waren und nach Seifenlauge rochen, und der dicht gepackten Menschen, die auf Bänken angeordnet waren, aber so zahlreich erschienen waren, dass sie sich um die letzten Stehplätze drängten. Doch innerhalb weniger Minuten nahm er nichts mehr wahr außer den Gesichtern, die er vor sich hatte.

Allan Christie hatte nicht übertrieben; alle waren gekommen. Es war fast so voll wie während seines ersten öffentlichen Auftritts bei der vorzeitigen Auferstehung der alten Mrs. Wilson.

Er fragte sich, wie viel dieser Anlass wohl mit seiner gegenwärtigen Popularität zu tun hatte. Einige der Anwesenden beobachteten ihn verstohlen und ein wenig erwartungsvoll, als könnte er als Zugabe Wasser in Wein verwandeln. Doch zum Großteil schienen sie mit seiner Predigt zufrieden zu sein. Seine Stimme war zwar heiser, aber Gott sei Dank laut genug.

Er glaubte, was er sagte, und nach dem Anfang stellte er fest, dass ihm das Reden leichter fiel, und jetzt, da er sich nicht mehr auf das Sprechen konzentrieren musste, konnte er von einem Gesicht zum anderen blicken, so dass es den Anschein bekam, als spräche er sie alle persönlich an, während er im Hinterkopf flüchtige Beobachtungen anstellte.

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