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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Doch ich dachte, der Trank, von dem Siebereits vier Löffel nehmen, sei für Herrn Noirtier verschrieben?

Ich weiß, daß er sehrbitter ist, erwiderte Valentine, sobitter, daß mir alles, was ich darauf trinke, denselben Geschmack zu haben scheint.

Noirtier schaute seine Enkelin mit fragendemBlicke an.

Ja, guter Papa, versetzte Valentine, es ist so. Soeben, ehe ich zu Ihnen ging, trank ich ein Glas Zuckerwasser; ich ließ die Hälfte davon stehen, sobitter schmeckte das Wasser.

Noirtier erbleichte undbedeutete durch ein Zeichen, er wolle sprechen. Valentine stand auf, um das Wörterbuch zu holen, und Noirtier folgte ihr in sichtbarer Angst mit den Augen.

DasBlut stieg in der Tat dem Mädchen in den Kopf, seine Wangen färbten sich. Halt! rief sie, immer noch voll Heiterkeit, das ist sonderbar! bin ichblind? Hat mich etwa die Sonne in die Augen getroffen?

Und sie stützte sich auf das Fenstersims.

Es scheint keine Sonne her, sagte Morel, noch mehr durch den Ausdruck Noirtiers als durch Valentines Unpäßlichkeitbeunruhigt, und lief auf seineBraut zu.

Das Mädchen lächelte und sagte: Beruhige dich, guter Papa, beruhigen Sie sich, Maximilian, es ist nichts, es ist schon vorbei; stille doch!.. Ist das nicht das Geräusch eines Wagens, was ich im Hofe höre?

Sie öffnete die Tür, lief an ein Fenster im Gange und kehrte eilig zurück.

Ja, sagte sie, es ist Frau Danglars und ihre Tochter, die uns einenBesuch machen wollen. Gottbefohlen, ich fliehe, denn man würde mich doch holen, oder vielmehr auf Wiedersehen! Bleiben Siebei dem guten Papa, ich verspreche Ihnen, denBesuch nicht zurückzuhalten.

Morel folgte ihr mit den Augen, sah sie die Tür zumachen und hörte sie die kleine Treppe hinaussteigen, die zugleich zu Frau von Villefort und in ihr Zimmer führte.

Sobald sie verschwunden war, bedeutete der Greis Morel, er solle das Wörterbuch nehmen. Nach Verlauf von zehn Minuten hatte der junge Mann Noirtiers Gedanken folgendermaßen übersetzt: Suchen Sie das Glas Wasser und die Flasche in Valentines Zimmer.

Morel läutete sogleich dem Diener, derBarrois ersetzt hatte, und erteilte ihm in Noirtiers Namen denBefehl.

Der Diener kam nach einem Augenblick zurück. Er hatte Flasche und Glas völlig leer gefunden. Noirtier machte hierauf ein Zeichen, daß er sprechen wolle.

Warum sind das Glas und die Flasche leer? fragte er mit Hilfe des Wörterbuchs. Valentine sagte, sie habe nur die Hälfte des Glases getrunken.

Ich weiß es nicht, antwortete derBediente; doch die Kammerfrau ist in Valentines Zimmer; vielleicht hat sie es geleert.

Fragen Sie die Kammerfrau, sagte Morel.

Der Diener ging hinaus, kambeinahe in derselben Minute wieder zurück und meldete: Fräulein Valentine ist durch ihr Zimmer gegangen, um sich in das der Frau von Villefort zubegeben, und da sie Durst hatte, so trank sie, was im Glase übrig war; die Flasche hat Herr Eduard geleert, um einen Teich für seine Enten daraus zu machen.

Noirtier schlug die Augen zum Himmel auf, wie ein Spieler, der seine ganze Habe auf einen Wurf setzt. Von da an hefteten sich die Augen nach der Tür und verließen diese Richtung nicht mehr.

Diebefreundeten Damen waren eben in den Salon getreten und hatten Frau von Villefortbegrüßt, als Valentine eintrat.

Liebe Freundin, sagte dieBaronin, während sich die jungen Mädchenbei den Händen nahmen, ichbin gekommen, um Ihnen die nahebevorstehende Verheiratung meiner Tochter mit dem Prinzen Cavalcanti mitzuteilen.

So erlauben Sie mir, Ihnen meine aufrichtigen Glückwünsche auszusprechen, antwortete Frau von Villefort. Der Herr Prinz Cavalcanti scheint ein junger Mann von seltenen Eigenschaften zu sein.

Hören Sie, versetzte dieBaronin lächelnd, wenn wir als Freundinnen sprechen, so muß ich Ihnen sagen, daß uns der Prinz noch nicht das zu sein scheint, was er sein soll. Es ist an ihm noch etwas von dem Ungelenken, woran wir Französinnen auf den erstenBlick einen italienischen oder deutschen Edelmann erkennen. Er offenbart jedoch ein sehr gutes Herz, viel Feinheit des Geistes, und was die sonstigen Verhältnissebetrifft, sobehauptet Herr Danglars, sein Vermögen sei majestätisch; dies ist sein Ausdruck.

Und dann, sagte Eugenie, in einem Albumblätternd, setzen Sie nur noch dazu, daß Sie eine ganzbesondere Neigung für den jungen Mann haben.

Ichbrauche Sie wohl nicht zu fragen, obSie diese Neigung teilen? versetzte Frau von Villefort.

Ich! entgegnete Eugenie mit ihrer gewöhnlichenBestimmtheit; oh, nicht im mindesten, gnädige Frau. Ich fühle mich nicht für denBeruf geschaffen, mich an die Sorgen einer Haushaltung und die Launen eines Mannes zu ketten. Ich möchte Künstlerin werden und frei über mein Herz, meine Person und meine Gedanken verfügen. Da ich indessen wohl oder übel heiraten muß, so kann ich nur der Vorsehung danken, daß sie mir wenigstens Herrn Albert von Morcerfs Abneigung verschafft hat; ohne diese Vorsehung wäre ich heute die Frau eines seiner Ehre verlustigen Mannes.

Es ist wahr, sagte dieBaronin, es fehlte wenig, so hätte meine Tochter Herrn Albert geheiratet. Dem General lag viel daran; er kam sogar, um von Herrn Danglars ihre Hand zu erzwingen; wir ließen ihn aber schön ablaufen.

Aber fällt denn die Schande des Vaters auch auf den Sohn? sagte schüchtern Valentine. Herr Albert scheint mir ganz unschuldig an dem Verrat des Generals.

Verzeihen Sie, liebe Freundin, versetzte die Männerfeindin; Albert verdient sein Teil davon. Nachdem er gestern Herrn von Monte Christo in der Oper herausgefordert, hat er sich heute auf dem Kampfplatzebei ihm entschuldigt.

Unmöglich! rief Frau von Villefort.

Ach! teure Freundin, sagte Frau Danglars, es ist so, ich habe es durch Herrn Debray erfahren, derbei der Erklärung zugegen war.

Valentine wußte auch die Wahrheit, aber sie sagte nichts. Durch ein Wort in ihre Erinnerungen zurückversetzt, befand sie sich in Gedanken wieder in Noirtiers Zimmer, wo sie Morel erwartete.

In diese innereBetrachtung versunken, hatte sie aufgehört, an dem Gespräche teilzunehmen, als plötzlich Frau Danglars' Hand sich auf ihren Arm stützte und sie ihrer Träumerei entzog.

Was wünschen Sie, gnädige Frau? fragte Valentine, bei derBerührung zusammenfahrend wie von einem elektrischen Schlage.

Meine liebe Valentine, sagte dieBaronin, Sie sind jedenfalls leidend?

Ich? entgegnete das Mädchen, mit der Hand über seine glühende Stirne fahrend.

Ja, beschauen Sie sich nur im Spiegel; Sie sind drei‑bis viermal hintereinander im Verlaufe einer Minute erbleicht und errötet.

Dubist in der Tat sehrbleich! rief Eugenie.

Oh, das tut nichts, Eugenie, ichbin seit einigen Tagen so.

So wenig schlau Valentine auch war, sobegriff sie doch, daß sie nun Gelegenheit hatte, sich zu entfernen. Überdies kam ihr Frau von Villefort zu Hilfe, indem sie sagte: Entferne dich, Valentine, du leidest wirklich; trinke ein Glas Wasser, und du wirst dich erholen.

Valentine küßte Eugenie, verbeugte sich vor Frau Danglars und verließ das Zimmer.

Das arme Kind, sagte Frau von Villefort, als Valentine verschwunden war, esbeunruhigt mich ernstlich, und es sollte mich nicht wundern, wenn ihr irgend ein Unfall widerführe.

Valentine war indessen in einer Aufregung, von der sie sich keine Rechenschaft geben konnte, durch Eduards Zimmer gegangen und hatte sodann die kleine Treppe zu Noirtiers Wohnung erreicht. Sie stieg alle Stufenbis auf die letzten drei hinab; sie hörtebereits Morels Stimme, als plötzlich eine Wolke vor ihren Augen hinzog, ihr starrer Fuß verfehlte die Stufe, ihre Hände hatten nicht mehr die Kraft, sich am Geländer zu halten, sie streifte an der Wand hin und rollte die drei letzten Stufen hinab.

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