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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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In dem Augenblick, wo der Fiaker vor dem Hause anhielt und Albert ausstieg, näherte sich ihm ein Mann und übergabihm einenBrief. Albert erkannte den Intendanten.

Vom Grafen, sagteBertuccio und entfernte sich sogleich.

Albert nahm denBrief, öffnete ihn, las ihn, ging mit Tränen in den Augen und erschüttertem Herzen zu Mercedes und gabihr das Schreiben, ohne ein Wort zu sprechen. Mercedes las:

Albert!

Wenn ich Ihnen zeige, daß ich den Plan durchschaut habe, den Sie eben ausführen wollen, so glaube ich Ihnen damit auch zu zeigen, daß ich das Zartgefühlbegreife. Sie sind nun frei, Sie verlassen das Hotel des Grafen und wollen Ihre Mutter an einen verborgenen Ortbringen; dochbedenken Sie wohl, Sie sind ihr mehr schuldig, als Sie ihr je vergelten können, Sie armes, edles Herz. Behalten Sie für sich den Kampf, fordern Sie für sich das Leiden, aber ersparen Sie ihr das Elend, das von Ihren ersten Anstrengungen untrennbar ist; denn sie verdient nicht einmal den Widerschein des Unglücks, das sie heute trifft, und nach dem Willen der Vorsehung soll nicht der Unschuldige mit dem Schuldigen leiden.

Ich weiß, daß Siebeide imBegriffe sind, Ihr Haus zu verlassen, ohne etwas mitzunehmen. Suchen Sie nicht zu entdecken, wie ich es erfahren habe. Ich weiß es.

Hören Sie, Albert! Ich kam vor vierundzwanzig Jahren freudig und stolz in mein Vaterland zurück; ich hatte eineBraut, Albert, eine heilige Jungfrau, die ich anbetete, und ichbrachte ihr 150 Louisd'or zurück, die ich mühsam durch rastlose Arbeit gesammelt hatte. Dieses Geld war für siebestimmt, und da ich wußte, wie treulos das Meer ist, sobegrubich unsern Schatz in dem Gärtchen des Hauses, das mein Vater in Marseillebewohnte.

Ihre Mutter, Albert, kennt das kleine, liebe Haus ganz gut. Als ich kürzlich nach Paris reiste, kam ich durch Marseille. Ichbesuchte dieses Haus mit den schmerzlichsten Erinnerungen und untersuchte am Abend mit dem Spaten in der Hand den Winkel, wo ich meinen Schatzbegraben hatte. Die eiserne Kassette war noch an demselben Platz, niemand hatte sieberührt; sie liegt in der Ecke, die ein schöner, von meinem Vater an meinem Geburtstage gepflanzter Feigenbaum mit seinem Schattenbedeckt.

Nun, Albert, dieses Geld, das einst das Leben und die Ruhe der Frau unterstützen sollte, die ich anbetete, findet durch einen seltsamen und schmerzlichen Zufall heute dieselbe Anwendung. Oh! verstehen Sie meinen Gedanken, verstehen Sie den Gedanken des Mannes, der dieser armen Frau Millionenbieten könnte und ihr ein Stück schwarzesBrot zurückgibt, das unter meinem Dache seit dem Tage vergessen worden ist, wo ich von der Geliebten getrennt wurde.

Sie sind ein edler Mensch, Albert, doch vielleicht nichtsdestoweniger von Stolz oder Groll verblendet; wenn Sie mich zurückweisen, wenn Sie von einem andern das fordern, was ich Ihnen zubietenberechtigtbin, so sage ich, es sei nicht edelmütig von Ihnen, das Leben Ihrer Mutter zurückzuweisen, wenn es von einem Manne geboten wird, dessen Vater Ihr Vater in den Schrecknissen des Hungers und der Verzweiflung hat sterben lassen.

Als Mercedes dies gelesen, schlug sie die Augen mit einem unaussprechlichen Ausdruck zum Himmel auf. Ich willige ein, sagte sie; er istberechtigt, die Mitgift zubezahlen, die ich in ein Klosterbringen werde.

Und indem sie denBrief auf ihr Herz legte, nahm sie ihren Sohn am Arm und ging mit festerem Schritte, als sie vielleicht selbst erwartet hatte, zur Treppe.

Der Selbstmord.

Monte Christo war indessen mit Maximilian ebenfalls in die Stadt zurückgefahren. Am Tor trafen sieBertuccio, der hier unbeweglich wie eine Schildwache wartete. Monte Christo streckte den Kopf durch den Kutschenschlag, wechselte mit leiser Stimme ein paar Worte mit ihm, und der Intendant verschwand.

Sehen Sie, wie ich Ihnen Glück gebracht habe! sagte Morel, als er mit dem Grafen allein war.

Gewiß; deshalbmöchte ich Sie stetsbei mir haben.

Das ist wunderbar! fuhr Morel, seinen eigenen Gedankenbeantwortend, fort.

Was denn? fragte Monte Christo.

Was soeben vorgefallen ist.

Ja, versetzte der Graf mit einem Lächeln. Sie haben das wahre Wort gesagt, Morel, es ist wunderbar.

Denn Albert ist sonst mutig.

Sehr mutig, sagte Monte Christo, ich habe ihn schlafen sehen, während der Dolch über seinem Haupte hing.

Und ich weiß, daß er sich zehnmal geschlagen und sehr gut geschlagen hat; bringen Sie das mit seinemBenehmen an diesem Morgen in Einklang!

Stets Ihr Einfluß, versetzte Monte Christo lächelnd.

Es ist ein Glück für Albert, daß er nicht Soldat ist. Entschuldigungen an Ort und Stelle! bemerkte der junge Kapitän den Kopf schüttelnd.

Oh, sagte der Graf mit sanftem Tone, verfallen Sie nicht in die Vorurteile gewöhnlicher Menschen, Morel; bedenken Sie, daß Albert, da er tapfer ist, nicht feig sein kann, daß er irgend einen Grund haben muß, zu handeln, wie er gehandelt hat, und daß folglich seinBenehmen mehr heldenmütig, als sonst etwas ist.

Ganz gewiß; doch ich sage, wie der Spanier: Er ist heute minder tapfer gewesen, als gestern.

Nicht wahr, Sie frühstücken mit mir, Morel? fragte der Graf, das Gespräch abbrechend.

Morel lächelte und schüttelte den Kopf.

Sie müssen aber doch irgendwo frühstücken?

Wenn ich jedoch keinen Hunger habe?

Ah! rief der Graf, ich kenne nur zwei Gefühle, welche so den Appetit abschneiden: den Schmerz — und der scheint mirbei Ihrer Heiterkeit ausgeschlossen — und die Liebe. Nach dem, was Sie mir über Ihr Herz gesagt haben, ist es mir Wohl erlaubt, zu glauben…

Meiner Treu! Graf, ich sage nicht nein.

Und Sie erzählen mir das nicht, Maximilian? versetzte der Graf so lebhaft, daß man sah, welchen Anteil er an dem Herzensgeheimnis nahm.

Nicht wahr, Graf, ich zeigte Ihnen heute morgen, daß ich ein Herz habe?

Statt jeder Antwort reichte Monte Christo dem jungen Manne die Hand.

Wohl! fuhr Maximilian fort, seitdem dieses Herz nicht mehr mit Ihnen im Walde von Vincennes ist, ist es anderswo, wo ich es wiederfinden werde.

Gehen Sie, sagte langsam der Graf, lieber Freund, doch ichbitte Sie, wenn Sie auf ein Hindernis stoßen, so erinnern Sie sich, daß ich einige Macht auf dieser Weltbesitze, daß ich glücklichbin, diese Macht für die Leute anzuwenden, die ich liebe, und daß ich Sie liebe, Morel.

Gut! sagte der junge Mann, ich werde mich dessen erinnern, wie sich selbstsüchtige Kinder ihrer Eltern erinnern, wenn sie ihrerbedürfen. Bedarf ich Ihrer, so wende ich mich an Sie, Graf.

Gut! ich verlasse mich auf Ihr Wort, Gottbefohlen!

Auf Wiedersehen!

Man war vor die Tür des Hauses der Champs‑Elysées gelangt, vor demBertuccio wartete. Monte Christo öffnete den Schlag, Morel sprang auf das Pflaster und entfernte sich sofort, während Monte Christo raschBertuccio voran die Treppe hinaufschritt.

Nun? fragte er den Intendanten.

Sie ist imBegriff, ihr Haus zu verlassen.

Und ihr Sohn?

Sein Kammerdiener denkt, er werde dasselbe tun.

Monte Christo nahmBertuccio mit sich in sein Kabinett, schriebden erwähntenBrief an Albert und übergabihn dem Intendanten.

Gehen Sie rasch, sagte er; doch lassen Sie auch Haydeebenachrichtigen, daß ich zurückgekehrtbin.

Hierbin ich, sagte Haydee. Sie warbei dem Geräusch des Wagens schnell herabgestiegen, und ihr Gesicht strahlte vor Freude, als sie den Grafen unversehrt wiedersah. Bertuccio entfernte sich.

Alles Entzücken eines Mädchens, das einen geliebten Vater wiedersieht, die ganze wahnsinnige Freude einer Liebenden, deren angebeteter Geliebte wiederkehrt, fühlte Haydee während der ersten Augenblicke dieser von ihr so ungeduldig erwarteten Rückkehr.

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