Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Oh! rief der General, durch diese Worte wie durch ein glühendes Eisen getroffen. Elender, der du mir meine Schande in dem Augenblick vorwirfst, wo du mich töten willst, nein, ich habe dir nicht gesagt, ich sei dir unbekannt. Ich weiß wohl, Dämon, daß du in die Nacht meiner Vergangenheit gedrungenbist und jede Seite meines Lebensbeleuchtet hast. Aber vielleicht liegt noch mehr Ehre in mirbei meiner Schmach, als in dir, bei deiner prunkhaften Außenseite. Denn dich kenne ich nicht, mit Gold und Edelsteinen gestickter Abenteurer! Du läßt dich in Paris den Grafen von Monte Christo nennen, in Italien Simbad den Seefahrer, in Malta, was weiß ich? Doch ich frage dich nach deinem wirklichen Namen, um ihn in dem Augenblicke auszusprechen, wo ich dir mit meinem Degen das Herz durchbohre.
Der Graf von Monte Christo erbleichte furchtbar, sein wildes Auge entzündete sich in verzehrendem Feuer; er machte einen Sprung in das anstoßende Kabinett, riß in einer Sekunde seinen Oberrock, seine Weste und seine Halsbinde vom Leibe, zog eine kleine Seemannsjacke an und setzte einen Matrosenhut auf, unter dem seine langen, schwarzen Haare herabrollten.
So kehrte er furchtbar, unversöhnlich zurück und schritt mit gekreuzten Armen auf den General zu, der, sein Verschwinden nichtbegreifend, ihn erwartete und nun seine Zähne klappern und seineBeine unter sichbrechen fühlte, zurückwich und erst still stand, als seine krampfhaft zusammengezogene Hand auf einem Tische einen Stützpunkt fand.
Fernand! rief der Graf von Monte Christo, von meinen hundert Namenbrauche ich dir nur einen zu sagen, um dich niederzuschmettern; doch diesen Namen, nicht wahr, du errätst ihn? Oder vielmehr, du erinnerst dich seiner? Denn, trotz meines Kummers, trotz meiner Qualen, zeige ich dir heute ein Gesicht, welches das Glück der Rache verjüngt, ein Gesicht, das du seit deiner Verheiratung mit Mercedes, meiner Verlobten, oft in deinen Träumen gesehen haben mußt.
Mit zurückgeworfenem Kopf, ausgestreckten Händen und starremBlick verschlang der General schweigend dieses furchtbare Schauspiel; dann suchte er die Wand als Stütze, wankte langsambis zur Tür, durch die er rückwärts hinausging, wobei ihm nur ein finsterer, kläglicher, herzzerreißender Schrei entfuhr, der Schrei: Edmond Dantes.
Dann schleppte er sich mit Seufzern, die nichts Menschliches hatten, bis in den Säulengang des Hauses, durchschritt den Hof wie ein Trunkener und fiel in die Arme seines Kammerdieners, mit unverständlicher Stimme die Worte: Nach Hause! nach Hause! murmelnd.
Die frische Luft und die Scham vor seinen Leuten setzten ihn unterwegs instand, seine Gedanken zu sammeln; die Fahrt war jedoch kurz, und je mehr sich der Graf seiner Wohnung näherte, desto mehr fühlte er seine Schmerzen sich erneuern. Einige Schritte vom Hause ließ er halten und stieg aus.
Das Tor des Hotels war weit geöffnet; sehr erstaunt darüber, daß man ihn zu diesem herrlichen Gebäude rief, stand ein Fiakerkutscher neben seinem Gefährt im Hofe. Der Graf schaute den Fiaker voll Schrecken an und eilte in seine Zimmer.
Zwei Personen stiegen die Treppe herab; er konnte ihnen eben noch, in sein Kabinett schleichend, ausweichen. Es waren Mercedes und ihr Sohn, die das Hotel verließen. Sie gingen dicht an dem Unglücklichen vorüber, der hinter dem Damastvorhange fast vom seidenen Kleide Mercedes' gestreift wurde und in seinem Gesichte den warmen Atem seines Sohnes fühlte, als dieser die Worte sprach: Mut, meine Mutter! Kommen Sie, wir sind hier nicht mehr zu Hause.
Die Worte verklangen, die Tritte entfernten sich. Der General erhobsich, mit seinen Händen krampfhaft an dem Damastvorhange hängend; er preßte das furchtbarste Schluchzen zurück, das je derBrust eines zugleich von seiner Frau und seinem Sohne verlassenen Mannes entstiegen.
Bald hörte er den eisernen Kutschenschlag des Fiakers zuschlagen. Dann vernahm er die Stimme des Kutschers, das Rollen des schweren Wagens erschütterte die Fensterscheiben, und der Graf von Morcerf stürzte in sein Schlafzimmer, um noch einmal alles, was er in der Welt geliebt hatte, zu sehen. Doch der Fiaker entfernte sich, ohne daß Mercedes' oder Alberts Kopf am Schlage erschien, um dem einsamen Hause, dem verlassenen Gatten und Vater den letztenBlick, das letzte Lebewohl, das letzteBedauern, das heißt die Verzeihung zu gönnen.
In der Sekunde, wo die Räder des Fiakers über das Straßenpflaster davonrollten, erscholl ein Schuß, und ein dunkler Rauch drang durch eine von der Gewalt der Lufterschütterung zerbrochene Scheibe des Schlafzimmers.
Valentine.
Man errät, wo Morel zu tun hatte, und wem sein Eilen galt. Als er Monte Christo verließ, ging er jedoch langsam nach dem Villefortschen Hause — langsam, denn es drängte ihn, mit seinen Gedanken allein zu sein.
Er kannte die Stunde gut, zu der Valentine, an Noirtiers Frühstück teilnehmend, vor Störung sicher war. Noirtier und Valentine hatten ihm zweiBesuche in der Woche zugestanden, und er kam, von seinem Rechte Gebrauch zu machen.
Valentine erwartete ihn. Unruhig, fast verwirrt, nahm sie ihnbei der Hand und führte ihn zu ihrem Großvater. Diese heftige Unruhe rührte davon her, daß Valentine von dembevorstehenden Duell zwischen Morcerf und Monte Christo gehört hatte. Sie ahnte schon, Morel würde Monte Christos Zeuge sein, und fürchtete, er werdebei seiner Unerschrockenheit ebenfalls in einen Zweikampf verwickelt werden.
Manbegreift, welche unbeschreibliche Freude Morel in den Augen seiner Geliebten lesen konnte, als sie erfuhr, die furchtbare Angelegenheit habe einen ebenso glücklichen, wie unerwarteten Ausgang gehabt.
Valentine ließ Morel neben dem Greise sitzen, setzte sich selbst auf den Sessel, worauf seine Füße ruhten, und sagte: Nun lassen Sie uns ein wenig von unsern Angelegenheiten reden. Sie wissen, daß der gute Papa den Gedanken gehabt hat, das Haus zu verlassen und seine Wohnung außerhalbdes Villefortschen Hauses zu nehmen.
Ja, gewiß, ich erinnere mich und habe diesem Plan meinen vollenBeifall geschenkt.
Und wissen Sie, sagte Valentine, welchen Grund der gute Papa für seine Absicht angibt?
Noirtier schaute seine Enkelin an, um ihr mit dem Auge Schweigen aufzuerlegen; doch Valentine sah ihn nicht an, ihre Augen, ihrBlick, ihr Lächeln gehörten nur Morel.
Oh! welchen Grund auch Herr Noirtier angeben mag, rief Morel, ich erkläre, daß er gut ist.
Vortrefflich; erbehauptet, die Luft des Faubourg Saint Honoré sei für mich nicht gesund.
In der Tat, Valentine, Herr Noirtier könnte recht haben; ich finde, daß Ihre Gesundheit seit vierzehn Tagen etwas gelitten hat.
Ja, ein wenig, das ist wahr, antwortete Valentine; auch hat sich der gute Papa zu meinem Arzte gemacht, und da er alles weiß, so habe ich das größte Vertrauen zu ihm.
Sie leiden also wirklich, Valentine? fragte Morel rasch. Oh! mein Gott, das nennt man nicht leiden; ich fühle eine allgemeine Unbehaglichkeit, und sonst nichts. Ich habe den Appetit verloren, und es kommt mir vor, als hielte mein Magen einen Kampf aus, um sich an etwas zu gewöhnen.
Noirtier verlor keines von Valentines Worten.
Und welcheBehandlungbefolgen Sie für diese unbekannte Krankheit?
Oh! das ist ganz einfach, ich verschlucke jeden Morgen einen Löffel von dem Trank, den man für meinen Großvaterbringt; wenn ich sage einen Löffel, so meine ich, ich habe mit einem angefangen, und nunbin ichbeim vierten. Mein Großvaterbehauptet, es sei ein Heilmittel für alles.
Valentine lächelte, doch es lag etwas Trauriges, Leidendes in diesem Lächeln. Trunken vor Liebe schaute sie Maximilian schweigend an; sie war sehr schön, doch ihreBlässe hatte einen matten Ton angenommen, ihre Augen glänzten von einem glühenderen Feuer als gewöhnlich, und ihre sonst perlmutterweißen Hände schienen von gelblichem Wachs zu sein.
Von Valentine richtete der junge Mann seine Augen auf Noirtier. Dieserbetrachtete mit innigem, prüfendemBlick das geliebte, liebende Mädchen und folgte, wie Morel, den Spuren eines tiefen Leidens, das, für das Auge der andern unsichtbar, dem des Großvaters und des Geliebten nicht entging.