Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Ichbin vollkommen Ihrer Meinung, antwortete der Edelmann, nichts ruft so viele ernste Duelle hervor, als der Rücktritt von einem Duell.
Ich danke, meine Herren, erwiderte Albert mit kaltem Lächeln, ich werde Ihren Ratbefolgen, nicht weil Sie mir ihn geben, sondern weil es meine Absicht war, Frankreich zu verlassen. Ich danke Ihnen auch für den Dienst, den Sie mir dadurch geleistet, daß Sie mir als Zeugen dienten. Er ist tief in mein Herz eingegraben, da ich nach den Worten, die ich soeben gehört, mich mir noch seiner erinnere.
Chateau‑Renaud undBeauchamp schauten sich an, der Eindruck warbeibeiden derselbe, und der Ton, mit dem Morcerf seinen Dank ausgedrückt, trug das Gepräge solcher Entschlossenheit an sich, daß die Lage für alle peinlich geworden wäre, wenn das Gespräch fortgedauert hätte.
Gottbefohlen, Albert, sagte plötzlichBeauchamp, dem jungen Manne eine Hand reichend, ohne daß dieser aus seiner Lethargie zu erwachen schien.
Er ergriff in der Tat die Hand nicht.
Gottbefohlen! sagte Chateau‑Renaud, in der linken Hand sein Stöckchen haltend und mit der rechten grüßend.
Alberts Lippen murmelten kaum: Gottbefohlen! SeinBlick war deutlicher, er enthielt ein ganzes Kapitel von gepreßtem Zorn, stolzer Verachtung und edler Entrüstung. Erbeobachtete noch eine Zeitlang eine unbewegliche, schwermütige Haltung; dann machte er sein Pferd vomBaume los, sprang leicht in den Sattel und ritt im Galopp nach Paris zurück. Eine Viertelstunde nachher war er im Hofe des Hotels der Rue du Helder.
Als er vom Pferde stieg, glaubte er dasbleiche Gesicht seines Vaters in dessen Schlafzimmer zu erblicken; Albert wandte seufzend den Kopf abund kehrte in seinen Pavillon zurück.
Hier warf er einen letztenBlick auf alles, was ihm das Leben seit seiner Kindheit so süß und so glücklich gemacht hatte. Erbeschaute noch einmal diese Gemälde, deren Gesichter ihm zu lächeln, deren Landschaften Saft und glühende Farben anzunehmen schienen. Dann holte er das Porträt seiner Mutter herunter und nahm es aus dem goldenen Rahmen. Hierauf ordnete er seine schönen türkischen Waffen, seine Gewehre, seine Trinkschalen, seine kunstreichenBronzen, durchsuchte seine Schränke, warf in eine Schublade seines Sekretärs alles Taschengeld, das erbei sich trug, fügte die tausend Nippsachen hinzu, die sein Zimmerbelebt hatten, machte von allem ein genaues Inventar und legte dieses auf die am meisten in die Augen fallende Stelle eines Tisches.
Als er diese Arbeitbegann, war sein Diener, trotz AlbertsBefehl, ihn allein zu lassen, in sein Zimmer getreten.
Was wollen Sie? fragte ihn Morcerf mit mehr traurigem, als zornigem Tone.
Verzeihen Sie, Herr Vicomte, erwiderte der Kammerdiener, Sie haben mir allerdings verboten, Sie zu stören, aber der Herr Graf von Morcerf läßt mich rufen. Ich wollte mich nicht zu dem Herrn Grafenbegeben, ohne vorher IhreBefehle zu hören.
Warum dies?
Weil der Herr Graf ohne Zweifel weiß, daß ich den Herrn Vicomte auf den Platzbegleitet habe, und wenn er mich rufen läßt, so geschieht es ohne Zweifel, um mich über das, was vorgefallen ist, zubefragen. Was soll ich antworten?
Die Wahrheit.
Also werde ich sagen, das Duell habe nicht stattgefunden?
Sie sagen, ich habe michbei dem Herrn Grafen von Monte Christo entschuldigt; gehen Sie!
Der Kammerdiener verbeugte sich und verließ das Zimmer. Albert ging wieder an sein Inventar. Als er damit fertig war, näherte er sich dem Fenster und sah seinen Vater in seine Kalesche steigen und ausfahren.
Kaum war die Tür des Hotels wieder hinter dem Grafen geschlossen, als Albert sich nach dem Zimmer seiner Mutter wandte, und da niemand anwesend war, ihn zu melden, so drang erbis in Mercedes' Schlafzimmer undblieb, während ihm das Herz anschwoll von dem, was er sah, und von dem, was er erriet, auf der Schwelle stehen.
Als obdiesebeiden Körper eine Seelebelebt hätte, machte Mercedes in ihrer Wohnung, was Albert in der seinigen getan hatte. Alles war in Ordnung gebracht: die Spitzen, die Schmucksachen, die Juwelen, das Weißzeug und das Geld lagen im Grunde der Schubladen aufgereiht, deren Schlüssel die Gräfin sorgfältig sammelte.
Albert sah alle diese Vorbereitungen; erbegriff sie und fiel mit dem Ausrufe: Meine Mutter! Mercedes um den Hals.
Dieser ganze Aufwand von energischer Entschlossenheit, den er ohne weiteres für sich aufgewendet hatte, erschreckte ihnbei seiner Mutter. Was tun Sie denn? fragte er.
Was hast du getan? erwiderte sie.
Oh! meine Mutter, rief Albert sobewegt, daß er kaum sprechen konnte, es istbei Ihnen etwas anderes, alsbei mir; nein, Sie können nicht das gleichebeschlossen haben, wie ich; denn ich will Ihnen eben mitteilen, daß ich Ihrem Hause und… Ihnen Lebewohl sage.
Albert, ich reise auch. Ich gestehe, ich rechnete darauf, mein Sohn würde michbegleiten. Habe ich mich getäuscht?
Meine Mutter, erwiderte Albert mit Festigkeit, ich kann Sie dieses Schicksal nicht teilen lassen, das ich mir erwähle. Ich muß fortan ohne Namen und ohne Vermögen leben. Um die Lehrzeit dieses rauhen Daseins durchzumachen, muß ich von einem Freunde dasBrot entleihen, das ichbis zu dem Augenblick essen werde, wo ich anderes verdiene.
Du, mein armes Kind, rief Mercedes, du sollst Armut erdulden, sollst Hunger fühlen? Oh! sage dies nicht, du würdest alle meine Entschließungen umstoßen.
Doch nicht die meinigen, Mutter, entgegnete Albert. Ichbin jung, stark und mutig und habe seit gestern gelernt, was der Wille vermag. Es gibt Menschen, die so viel gelitten, und nicht nur nicht gestorben sind, sondern sich sogar ein neues Glück auf den Trümmern aller Hoffnungen, die ihnen Gott gegeben, aufgebaut haben! Ich habe dies erfahren, meine Mutter, ich habe diese Menschen gesehen, ich weiß, daß sie sich aus der Tiefe des Abgrundes, in den sie ihre Feinde gestoßen, mit so viel Kraft und Ruhm wieder erhoben, daß sie ihre ehemaligenBesiegerbeherrschten. Nein, meine Mutter, nein; ich habe von diesem Augenblick an mit der Vergangenheit gebrochen und nehme nichts mehr von ihr an, nicht einmal meinen Namen; denn Siebegreifen, Ihr Sohn kann nicht den Namen eines Menschen führen, der vor andern erröten muß!
Albert, mein Kind, wenn ich ein stärkeres Herz gehabt hätte, so würde ich dir diesen Rat gegeben haben; dein Gewissen hat gesprochen, während meine erloschene Stimme schwieg; höre auf dein Gewissen! Du hattest Freunde, Albert, brich für den Augenblick mit ihnen, aber im Namen deiner Mutter, verzweifle nicht! Das Leben ist noch schön in deinem Alter, mein Albert, denn dubist kaum zweiundzwanzig Jahre alt, und da ein so reines Leben wie das deine eines fleckenlosen Namensbedarf, so nimm den meines Vaters an; er hieß Herrera. Ich kenne dich, Albert, welche Laufbahn du auch verfolgen magst, du wirst diesen Namen in kurzer Zeitberühmt machen. Dann erscheine wieder in der Welt, glänzender durch den Schimmer deines vergangenen Unglücks, und wenn dies trotz aller meiner Voraussetzungen nicht so sein soll, so laß mir wenigstens die Hoffnung, mir, die nur noch diesen einen Gedanken hat, mir, die keine Zukunft mehr vor sich sieht und für die das Grabauf der Schwelle dieses Hausesbeginnt.
Ich werde nach Ihren Wünschen tun, meine Mutter, sagte der junge Mann; ja, ich teile Ihre Hoffnungen; der Herr des Himmels wird unsbei Ihrer Reinheit undbei meiner Unschuld nicht verfolgen. Doch da wir entschlossen sind, handeln wir schnell. Herr von Morcerf hat das Hotel vor ungefähr einer halben Stunde verlassen; die Gelegenheit ist günstig, um Lärm und Erklärungen zu vermeiden.
Ich erwarte dich, mein Sohn, sagte Mercedes.
Albert lief sogleich nach demBoulevard, von wo er einen Fiaker zurückbrachte, der sie aus dem Hotel wegfahren sollte. Er erinnerte sich eines kleinen Hauses in der Rue des Saints Pères, wo seine Mutter einebescheidene, aber anständige Wohnung finden würde; er kehrte also zurück, um die Gräfin zu holen.