Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Prima. Wollt Ihr meine Narbe sehen?« Er lehnte sich zurück und zog seinen zerschlissenen Hemdsaum hoch, um eine zehn Zentimeter breite, saubere Wulstnarbe freizulegen, die sich auffallend rot über seine weiße Haut zog.
»Gut gemacht«, sagte Roger beifällig. »Dann kümmerst du dich jetzt, wo du wieder gesund bist, also um deine Mama und Klein Orrie?«
»Oh, aye.« Aidan blies seine schmale Brust auf. »Gestern Abend habe ich sechs Forellen zum Abendessen heimgebracht, und die größte war so lang wie mein Arm.« Er streckte zur Demonstration seinen Unterarm aus.
»Ach, du schummelst doch.«
»Doch, wirklich«, beharrte Aidan entrüstet, dann merkte er, dass er aufgezogen wurde, und grinste.
Clarence, der nach Hause wollte, wurde langsam unruhig, drehte sich auf der Stelle und zog an den Zügeln.
»Ich gehe besser. Möchtest du mit mir nach oben reiten?«
Aidan sah so aus, als sei er versucht, schüttelte aber den Kopf.
»Nein. Ich habe Mrs. Ogilvie versprochen, dass ich ihr sofort Bescheid sage, wenn Ihr kommt.«
Das überraschte Roger.
»Oh, aye? Warum denn?«
»Sie hat letzte Woche ein Baby bekommen und möchte, dass es getauft wird.«
»Oh?« Bei diesen Worten wurde ihm warm ums Herz, und die Blase aus Glück in seinem Inneren vergrößerte sich ein wenig. Seine erste Taufe! Oder besser – seine erste offizielle Taufe, dachte er mit einem leisen Stich bei dem Gedanken an das O’Brian-Mädchen, das er namenlos begraben hatte. Er brauchte nur noch den Segen eines Ältesten.
»Sag ihr, ich freue mich darauf, das Kind zu taufen«, sagte er und setzte Aidan auf den Boden. »Sie soll mir nur sagen lassen, wann. Und vergiss deine Fische nicht!«, rief er.
Aidan griff nach seiner Angelrute und der Schnur, auf der er die silbernen Fische aufgereiht hatte – keiner davon länger als eine Hand –, und stürzte in den Wald davon. Roger wandte Clarence heimwärts.
Schon aus einiger Entfernung roch er Rauch. Kräftiger als Schornsteinrauch. In Anbetracht der Gerüchte, die er unterwegs über die jüngsten Ereignisse in Cross Creek gehört hatte, konnte er sich eines beklommenen Gefühls nicht erwehren und trieb Clarence mit den Fersen an. Clarence, der seinen Heimatstall auch durch den Rauch roch, reagierte begeistert auf diesen Wink und trabte den steilen Hang eilig hinauf.
Der Rauchgeruch wurde stärker, vermischt mit einem seltsamen, muffigen Geruch, der ihm vage bekannt vorkam. Zwischen den Bäumen hing eine deutliche Dunstwolke, und als sie aus dem Unterholz auf die Lichtung brachen, stand er vor Aufregung beinahe in den Steigbügeln.
Das Blockhaus stand noch, verwittert und solide, und die Erleichterung ließ ihn so heftig in den Sattel plumpsen, dass Clarence protestierend ächzte. Doch rings um das Haus stieg Rauch in dichten Strudeln auf, und mitten darin war Brianna als verschwommene Gestalt zu erkennen, eingewickelt wie ein Moslem mit einem Schal um Kopf und Gesicht. Er stieg ab, holte tief Luft, um sie zu rufen, und bekam prompt einen Hustenanfall. Der verdammte Murmeltierofen war offen und spuckte Rauch wie der Schlot der Hölle, und jetzt erkannte er auch den muffigen Geruch – verbrannte Erde.
»Roger! Roger!« Sie hatte ihn gesehen und kam mit wehenden Röcken und Schals angerannt. Sie sprang mit einem Satz über einen Stapel ausgestochener Rasenstücke und warf sich in seine Arme.
Er umfasste sie und hielt sie fest und dachte dabei, dass sich in seinem Leben noch nichts schöner angefühlt hatte als ihr handfestes Gewicht, das sich an ihn presste, und der Geschmack ihres Mundes, trotz der Tatsache, dass sie eindeutig Zwiebeln zu Mittag gegessen hatte.
Sie tauchte strahlend und mit feuchten Augen aus der Umarmung auf, lange genug, um »Ich liebe dich!« zu sagen, dann nahm sie sein Gesicht in die Hände und küsste ihn erneut. »Du hast mir gefehlt. Wann hast du dich zuletzt rasiert? Ich liebe dich.«
»Vor vier Tagen, als ich in Charlotte aufgebrochen bin. Ich liebe dich auch. Ist alles in Ordnung?«
»Klar. Na ja, eigentlich nicht. Jemmy ist von einem Baum gefallen und hat sich einen Zahn ausgeschlagen, aber es war ein Milchzahn, und Mama sagt, sie glaubt nicht, dass der bleibende Zahn beschädigt ist. Und Ian hat sich möglicherweise die Syphilis geholt, und wir sind alle von ihm angewidert, und Pa ist in Cross Creek beinahe geteert und gefedert worden, und wir sind Flora MacDonald begegnet, und Mama hat Tante Jocasta eine Nadel ins Auge gestochen, und –«
»Iiih!«, sagte Roger instinktiv angewidert. »Warum denn das?«
»Damit es nicht platzt. Und ich habe sechs Pfund für Auftragsbilder bekommen!«, schloss sie triumphierend. »Ich habe dünnen Draht und Seide gekauft, aus dem ich Papiersiebe machen kann, und Wolle für einen Winterumhang für dich. Sie ist grün. Aber das Größte war die Begegnung mit einem anderen – na ja, ich erzähle es dir später. Wie war es bei den Presbyterianern? War es gut? Bist du jetzt Pastor?«
Er schüttelte den Kopf und versuchte, sich zu entscheiden, auf welchen Teil dieses Wortschwalls er antworten sollte. Schließlich wählte er den letzten, aber nur, weil er sich noch daran erinnern konnte.
»Mehr oder weniger. Hast du bei Mrs. Bug Unterricht in Zusammenhanglosigkeit genommen?«
»Wie kannst du denn mehr oder weniger Pastor sein? Warte – erzähl’s mir gleich, ich muss den Ofen noch etwas weiter öffnen.«
Damit huschte sie über den verwüsteten Boden zu der klaffenden Ofengrube zurück. Der hohe Schornstein aus Lehmziegeln erhob sich wie ein Grabstein am einen Ende der Grube. Die angesengten Rasenstücke, mit denen er während des Betriebs zugedeckt gewesen war, waren ringsum verstreut, und das Ganze machte den Eindruck eines enormen qualmenden Grabs, aus dem sich gerade etwas Großes, Heißes und zweifellos Dämonisches erhoben hatte. Wäre er katholisch gewesen, hätte er sich bekreuzigt.
So jedoch näherte er sich vorsichtig dem Rand der Grube, wo Brianna kniete und ihre Schaufel ausstreckte, um die nächsten Rasenstücke von dem gewölbten Weidengerüst zu heben, das sich über die Grube spannte.
Als er durch den wirbelnden Qualm in die Grube spähte, konnte er einige unregelmäßig geformte Gegenstände auf den Erdregalen liegen sehen, die sich an den Wänden der Grube entlangzogen. Ein paar konnte er als Schüsseln und Teller erkennen. Die meisten jedoch waren vage röhrenförmig, einen halben bis einen Meter lang und verjüngten sich an einem Ende leicht, während sie am anderen etwas weiter wurden. Sie hatten eine dunkelrötliche Färbung, waren vom Rauch dunkel gestreift und hatten verflixte Ähnlichkeit mit einer Sammlung gegrillter Riesenphallusse, eine Vorstellung, die er beinahe so verstörend fand wie die Geschichte mit Jocastas Augapfel.
»Rohre«, sagte Brianna stolz und zeigte mit der Schaufel auf eines dieser Objekte. »Für Wasser. Sieh nur – sie sind perfekt! Zumindest werden sie es sein, wenn sie beim Abkühlen nicht springen.«
»Fantastisch«, sagte Roger und gab sich begeistert. »Hey – ich habe ein Geschenk für dich.« Er griff in die Seitentasche seines Rocks und holte eine Orange hervor, die sie mit einem entzückten Ausruf ergriff, obwohl sie einen Moment innehielt, bevor sie ihren Daumen in die Schale bohrte.
»Nein, iss sie nur; ich habe noch eine für Jem«, versicherte er ihr.
»Ich liebe dich«, wiederholte sie mit Nachdruck, während ihr der Saft über das Kinn lief. »Was ist mit den Presbyterianern? Was haben sie gesagt?«
»Oh. Tja, im Großen und Ganzen geht alles in Ordnung. Ich habe den Universitätsabschluss und kann genug Griechisch und Latein, um sie zu beeindrucken; das Hebräische ließ etwas zu wünschen übrig, aber wenn ich das noch etwas aufpoliere – Reverend Caldwell hat mir ein Buch mitgegeben.«
»Ja, ich kann mir genau vorstellen, wie du auf Hebräisch zu den Crombies und Buchanans predigst«, sagte sie grinsend. »Und? Was noch?«
Sie hatte ein Stück Orangenfruchtfleisch an der Lippe kleben, und er beugte sich impulsiv zu ihr hinüber und küsste es fort. Es explodierte herbsüß und aromatisch auf seiner Zunge.