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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Na ja, sie haben mich in Theologie geprüft, und wir haben viele Gespräche geführt und gemeinsam um Urteilsvermögen gebetet.« Er scheute ein wenig davor zurück, mit ihr darüber zu reden. Es war eine bemerkenswerte Erfahrung gewesen; wie eine Rückkehr in ein Zuhause, von dem er nie gewusst hatte, dass es ihm fehlte. Es hatte ihm Freude bereitet, seine Berufung einzugestehen; es unter Menschen zu tun, die diese verstanden und teilten …

»Also bin ich einstweilig Pastor des Worts«, sagte er und senkte den Blick auf seine Schuhspitzen. »Ich muss noch ordiniert werden, bevor ich Sakramente wie die Ehe oder die Taufe stiften kann, aber das muss warten, bis irgendwo in der Nähe ein Presbyterianer-Rat zusammenkommt. In der Zwischenzeit kann ich predigen, lehren und beerdigen.«

Sie sah ihn an und lächelte, wenn auch ein wenig wehmütig.

»Bist du glücklich?«, fragte sie, und er nickte, denn er konnte im Moment nicht sprechen.

»Sehr glücklich«, antwortete er schließlich kaum hörbar.

»Gut«, sagte sie leise, und jetzt war ihr Lächeln ein wenig aufrichtiger.

»Ich verstehe. Das ist jetzt also quasi dein Handfasting mit Gott, ist es so?«

Er lachte und spürte, wie der Druck in seiner Kehle nachließ. Gott, er musste etwas dagegen unternehmen; er konnte ja nicht jeden Sonntag betrunken predigen. Das wäre ein Skandal für die Gläubigen …

»Aye, so ist es. Aber mit dir bin ich rechtmäßig verheiratet – das werde ich nicht vergessen.«

»Das will ich wohl hoffen.« Jetzt kam ihr Lächeln von Herzen. »Da wir verheiratet sind …« Sie sah ihn sehr direkt an, ein Blick, der ihn durchfuhr wie ein schwacher Elektroschock. »Jem ist bei Marsali und spielt mit Germain. Und ich habe noch nie mit einem Pastor geschlafen. Das klingt doch durchtrieben und verdorben, findest du nicht?«

Er holte tief Luft, doch es half nicht; ihm war immer noch schwindelig, zweifellos durch den Qualm.

»Siehe, meine Freundin, du bist schön! Siehe, schön bist du«, sagte er, »und grün ist unser Bett. Deine Lenden stehen gleich aneinander wie zwei Spangen, die des Meisters Hand gemacht hat. Dein Schoß ist wie ein runder Becher, dem nimmer Getränk mangelt. Dein Leib ist wie ein Weizenhaufen, umsteckt mit Rosen.« Er streckte die Hand aus und berührte sie sanft.

»Deine beiden Brüste sind wie zwei junge Rehzwillinge.«

»Ach ja?«

»Es steht in der Bibel«, versicherte er ihr ernsthaft. »Dann muss es auch so sein, aye?«

»Erzähl mir noch mehr von meinem Schoß«, sagte sie, doch bevor er dazu kam, sah er, wie eine kleine Gestalt aus dem Wald auf sie zugeschossen kam. Aidan, diesmal ohne Fische und außer Atem.

»Mrs. Ogil … vie sagt … kommt sofort!«, platzte er heraus. Er keuchte und sammelte genug Atem für den Rest der Mitteilung. »Das Baby – es geht ihm schlecht, und sie möchten, dass es getauft wird, falls es stirbt.«

Roger schlug sich mit der Hand an die Seite; das Gebetbuch, das sie ihm in Charlotte gegeben hatten, lag als kleines, beruhigendes Gewicht in seiner Tasche.

»Kannst du das?« Brianna sah ihn besorgt an. »Katholiken können es – ich meine, ein Laie kann im Notfall jemanden taufen.«

»Ja, in diesem Fall – ja«, sagte er noch atemloser, als er es kurz zuvor bereits gewesen war. Er sah Brianna an, die mit Ruß und Schmutz verschmiert war und deren Kleider nach Rauch und gebranntem Lehm statt nach Myrrhe und Aloe rochen.

»Möchtest du mitkommen?« Er wünschte sich sehr, dass sie ja sagte.

»Um nichts in der Welt möchte ich das verpassen«, versicherte sie ihm. Sie legte den schmutzigen Schal ab und schüttelte ihr Haar aus, das wie ein Banner im Wind leuchtete.

Es war das erste Kind der Ogilvies, ein kleines Mädchen, dem Brianna – mit der Erfahrung langer Mutterschaft – eine heftige Kolik diagnostizierte, das sich aber ansonsten guter Gesundheit erfreute. Die erschreckend jungen Eltern – sie sahen beide aus wie ungefähr fünfzehn – waren mitleiderregend dankbar für alles: für Briannas beruhigende Worte und ihre Ratschläge, für ihr Angebot, ihnen Claire mit Arznei und etwas zu essen vorbeizuschicken (denn sie hatten viel zu große Angst, um auch nur daran zu denken, die Frau des Pachtherrn selbst anzusprechen, ganz zu schweigen von den Geschichten, die sie von ihr gehört hatten), und vor allem dafür, dass Roger gekommen war, um das Baby zu taufen.

Dass ein richtiger Pastor in dieser Wildnis auftauchen und sich dann auch noch herablassen sollte, Gottes Segen auf ihr Kind herabzurufen … Sie waren überwältigt von so viel Glück und nicht vom Gegenteil zu überzeugen.

Roger und Brianna blieben noch eine Weile und gingen, als die Sonne zu sinken begann, erwärmt von einer leisen, angenehmen Befangenheit über ihre gute Tat.

»Die armen Dinger«, sagte Brianna, und ihre Stimme schwankte zwischen Mitgefühl und Belustigung.

»Die armen kleinen Dinger«, pflichtete ihr Roger bei. Die Taufe war bestens vonstattengegangen; selbst der brüllende, rotgesichtige Säugling hatte das Lärmen eingestellt, während ihm Roger Wasser über das kahle Köpfchen goss und den Schutz des Himmels auf die Seele des kleinen Mädchens herabrief. Er hatte immenses Glück dabei empfunden und grenzenlose Demut darüber, dass es ihm vergönnt gewesen war, die Zeremonie durchzuführen. Wäre da nur nicht diese eine Sache gewesen – und er war nachhaltig hin- und hergerissen zwischen verlegenem Stolz und tiefer Bestürzung.

»Ihr Name –«, sagte Brianna und blieb kopfschüttelnd stehen.

»Ich habe ja versucht, es zu verhindern«, sagte er und versuchte, die Kontrolle über seine Stimme zu behalten. »Ich habe es versucht – du warst dabei. Elizabeth, habe ich gesagt. Mairi. Elspeth vielleicht. Du hast es gehört!«

»Oh, komm schon«, sagte sie, und ihre Stimme zitterte. »Ich finde, ›Rogerina‹ ist ein wirklich schöner Name.« Dann verlor sie die Kontrolle, setzte sich ins Gras und lachte wie eine Hyäne.

»O Gott, die arme Kleine«, sagte er und versuchte – erfolglos –, nicht selbst loszulachen. »Ich habe ja schon von Thomasina gehört und sogar von Jamesina, aber … o Gott.«

»Vielleicht rufen sie sie ja einfach Ina«, meinte Brianna, die sich schniefend das Gesicht mit ihrer Schürze abwischte. »Oder sie können es rückwärts sagen – Aniregor – und sie ›Annie‹ rufen.«

»Oh, du bist mir echt eine große Stütze«, sagte Roger trocken und streckte die Arme aus, um sie hochzuziehen.

Sie lehnte sich an ihn und nahm ihn in die Arme. Sie bebte immer noch vor Lachen; sie roch nach Orangen und Rauch, und das Licht der untergehenden Sonne schlug Wellen in ihrem Haar.

Schließlich hielt sie inne und hob den Kopf von seiner Schulter.

»Mein Freund ist mein, und ich bin sein«, sagte sie und küsste ihn. »Du hast deine Sache gut gemacht, Reverend. Lass uns nach Hause gehen.«

Achter Teil

Der Aufruf

Kapitel 58

»Liebet einander«

Roger holte Luft, so tief er konnte, und brüllte, so laut er konnte. Was nicht besonders laut war, verdammt. Noch einmal. Und noch einmal.

Es tat weh. Außerdem ärgerte es ihn; das schwache, erstickte Geräusch weckte in ihm den Wunsch, den Mund zu schließen und ihn nie wieder zu öffnen. Er holte Luft, schloss die Augen und schrie mit aller Kraft – oder versuchte es zumindest.

Brennender Schmerz schoss ihm von innen durch die rechte Halsseite, und er brach keuchend ab. Na schön. Er atmete einen Moment lang vorsichtig ein und aus, schluckte, dann schrie er noch einmal.

Himmel, tat das weh.

Er rieb sich mit dem Ärmel über die tränenden Augen und biss vor dem nächsten Versuch die Zähne zusammen. Als er dann mit geballten Fäusten seine Brust aufblies, hörte er Stimmen und atmete wieder aus.

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