Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Es war Mr. Simms’ Druckerei, die völlig in Flammen stand. Offenbar hatten seine politischen Gegner, ihrer Beute beraubt, beschlossen, ihre Feindseligkeit an seinem Besitz auszulassen.
Ein Haufen Männer sammelte sich auf der Straße, genau wie schon vorhin. Wieder erschollen »Tory!«-Rufe, und ein paar von ihnen schwangen Fackeln. Andere Männer kamen rufend über die Straße auf das Feuer zugerannt. Ich fing auf, wie jemand »Gottverdammte Whigs!« rief, und dann stießen die beiden Gruppen drängelnd und prügelnd aufeinander.
Jamie packte meinen Arm und schob mich dorthin zurück, woher wir gekommen waren, um die Ecke und außer Sichtweite. Mein Herz hämmerte, und ich bekam keine Luft; wir duckten uns unter einen Baum und blieben keuchend stehen.
»Nun«, sagte ich nach einer kurzen Pause, die mit dem Geschrei des Aufruhrs angefüllt war. »Dann wird sich Fergus wohl eine andere Beschäftigung suchen müssen. Ich weiß von einer Apotheke, die es hier billig zu kaufen gibt.«
Jamie stieß ein leises Geräusch aus, das nicht ganz ein Lachen war.
»Er wäre besser beraten, eine Partnerschaft mit Mrs. Sylvie einzugehen«, sagte er. »Das ist wenigstens ein Gewerbe, das mit Politik nichts zu tun hat. Komm, Sassenach – wir nehmen den langen Weg.«
Als wir das Gasthaus endlich erreichten, trafen wir Ian auf der Veranda an, wo er nervös auf uns wartete.
»Wo in Dreiteufelsnamen seid ihr gewesen?«, wollte er streng wissen, und sein Verhalten erinnerte mich plötzlich an seine Mutter. »Wir haben die ganze Stadt nach dir durchkämmt, Onkel Jamie, und Fergus war sich schon sicher, dass du in die Randale geraten und verletzt worden oder umgekommen bist.« Er wies kopfnickend in Richtung der Druckerei; die Feuersbrunst erstarb jetzt langsam, obwohl sie immer noch hell genug war, um sein Gesicht zu beleuchten, dessen Stirn missbilligend gerunzelt war.
»Wir haben gute Taten vollbracht«, versicherte ihm Jamie frömmelnd. »Und die Kranken besucht, wie es uns Christus aufgetragen hat.«
»Oh, aye?«, erwiderte Ian mit beträchtlichem Zynismus. »Er hat uns aber auch aufgetragen, die Sträflinge im Gefängnis zu besuchen. Schade, dass ihr nicht dort angefangen habt.«
»Was? Weshalb?«
»Dieser Donner ist ausgebüchst, deshalb«, unterrichtete ihn Ian, dem es eine grimmige Freude zu bereiten schien, schlechte Nachrichten zu überbringen. »Während der Auseinandersetzung heute Nachmittag. Der Gefängniswärter wollte den Spaß nicht verpassen und hat die Tür nicht ordentlich verriegelt; der Kerl ist einfach auf und davon spaziert.«
Jamie holte tief Luft, dann atmete er langsam wieder aus, und der Rauch ließ ihn husten.
»Aye, nun ja«, sagte er. »Also sind wir mit einer Druckerei und einem Dieb im Soll – aber mit vier Huren im Haben. Meinst du, das ist ein gerechter Tausch, Sassenach?«
»Huren?«, rief Ian verblüfft aus. »Was denn für Huren?«
»Mrs. Sylvies Huren«, sagte ich und sah ihn mir genauer an. Es lag etwas Gerissenes in seiner Miene, aber vielleicht war es nur das Licht. »Ian! Du hast doch nicht etwa …«
»Aber natürlich hat er das, Sassenach«, sagte Jamie resigniert. »Sieh ihn dir doch an.« Ein schuldbewusster Ausdruck breitete sich auf Ians Gesicht aus wie ein Ölfilm auf dem Wasser und war selbst im flackernden Rotlicht des ersterbenden Feuers leicht auszumachen.
»Ich habe herausgefunden, wo Manfred ist«, bot uns Ian hastig an. »Er ist flussabwärts gefahren und wollte sich in Wilmington ein Schiff suchen.«
»Ja, das haben wir auch herausgefunden«, sagte ich ein wenig gereizt. »Wer war es? Mrs. Sylvie oder eines der Mädchen?«
Sein großer Adamsapfel hüpfte nervös auf und ab.
»Mrs. Sylvie«, sagte er leise.
»Schön«, sagte ich. »Glücklicherweise habe ich noch etwas Penizillin übrig – und eine schöne stumpfe Spritze. Hinein mit dir, Ian, du gottloser Geselle, und herunter mit deiner Hose.«
Mrs. MacLanahan, die in diesem Moment auf die Veranda trat, um sich zu erkundigen, ob wir gern noch ein Nachtmahl hätten, hörte dies mit und sah mich erschrocken an, doch ich hatte den Punkt überschritten, an dem mich das kümmerte.
Etwas später lagen wir endlich in der Geborgenheit eines sauberen Betts, sicher vor dem Aufruhr und den Unruhen des Tages. Ich hatte das Fenster geöffnet, und ein schwacher Windhauch bewegte die schwere, heiße Luft. Ein paar graue Fussel drifteten sanft herein, Federn oder Asche, und kreiselten wie Schneeflocken zu Boden.
Jamie hatte den Arm über mich gelegt, und ich konnte die weißlichen Rundungen der Blasen ausmachen, die einen Großteil seines Unterarms bedeckten. Die Luft war rauh vom Brandgeruch, doch darunter lag der Teer wie eine ständige Bedrohung. Die Männer, die Simms’ Werkstatt angezündet hatten – und so dicht davor gewesen waren, auch Simms selbst und wahrscheinlich auch Jamie zu verbrennen –, waren zukünftige Rebellen; Männer, die man Patrioten nennen würde.
»Ich kann dich denken hören, Sassenach«, sagte er. Er klang friedlich, kurz vor dem Einschlafen. »Was ist?«
»Ich habe an Teer und Federn gedacht«, sagte ich leise und berührte ganz sacht seinen Arm. »Jamie – es ist Zeit.«
»Ich weiß«, antwortete er genauso leise.
Draußen auf der Straße gingen ein paar Betrunkene mit Fackeln vorbei und sangen; das flackernde Licht huschte über die Zimmerdecke und war fort. Ich konnte spüren, wie Jamie ihm nachsah und den grölenden Stimmen lauschte, die auf der Straße immer leiser wurden, doch er schwieg, und nach einer Weile begann sein kräftiger Körper, der mich wie eine Wiege umfasste, sich zu entspannen, und sank erneut dem Schlaf entgegen.
»Was denkst du?«, flüsterte ich, unsicher, ob er mich noch hören konnte. Er konnte es.
»Ich denke, dass du eine wirklich gute Hure abgeben würdest, Sassenach, wenn du auch nur das kleinste bisschen promiskuitiv wärst«, erwiderte er schläfrig.
»Was?«, sagte ich völlig verblüfft.
»Aber ich bin froh, dass du es nicht bist«, fügte er hinzu und begann zu schnarchen.
Kapitel 57
Pastors Heimkehr
4. September 1774
Roger machte auf dem Heimweg einen Bogen um Coopersville. Zwar hatte er keine Angst vor Ute McGillivrays Zorn, aber er wollte das Glücksgefühl, das er auf dem Heimweg empfand, nicht durch Kälte oder Konfrontation schmälern. Stattdessen nahm er den langen Weg über den steilen Berghang hinauf nach Fraser’s Ridge, auf dem er gezwungen war, sich durch überwucherte Stellen zu schieben, an denen sich der Wald den Pfad zurückerobert hatte, und kleine Bäche durchqueren musste.
Sein Maultier stieg am Ende des Weges platschend aus dem letzten dieser Bäche und schüttelte sich, so dass ihm die Tropfen vom Bauch flogen. Als er stehen blieb, um sich den Schweiß vom Gesicht zu wischen, sah er, dass sich auf einem großen Stein am Ufer etwas bewegte. Aidan, der angelte und so tat, als hätte er ihn nicht gesehen.
Roger trieb Clarence an die Stelle und wartete eine Minute, ohne etwas zu sagen. Dann fragte er: »Beißen sie gut an?«
»Es geht«, erwiderte Aidan und sah angestrengt auf seine Angelschnur. Dann blickte er auf, und ein breites Grinsen zerteilte sein Gesicht von einem Ohr zum anderen. Er warf seine Angel zu Boden, sprang auf und streckte beide Hände aus, so dass Roger seine schmalen Handgelenke packen und ihn vor sich in den Sattel schwingen konnte.
»Ihr seid wieder da!«, rief Aidan strahlend aus. Er schlang die Arme um Roger und vergrub sein Gesicht glücklich an Rogers Brust. »Ich hab auf Euch gewartet. Dann seid Ihr jetzt ein richtiger Pastor?«
»Fast, aye. Woher wusstest du denn, dass ich heute kommen würde?«
Aidan zuckte mit den Achseln. »Ich warte doch schon seit fast einer Woche.« Er sah Roger mit großen Augen fragend ins Gesicht auf. »Ihr seht gar nicht verändert aus.«
»Das bin ich auch nicht«, versicherte ihm Roger lächelnd. »Was macht dein Bauch?«