Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Und dies alles, mein Gott! weil mein Herz, das ich für tot hielt, nur entschlummert war, weil es erwachte, weil es schlug, weil ich dem Schmerze dieses Herzschlages nachgab, den die Stimme einer Frau in der Tiefe meinerBrust wieder zum Leben erweckte. Und dennoch, fuhr der Graf, sich immer mehr in die Gedanken an den nächsten Tag vertiefend, fort, und dennoch ist es unmöglich, daß diese Frau, ein so edles Herz, aus Selbstsucht eingewilligt hat, mich, den Mann voll Kraft und Leben, töten zu lassen! Es ist unmöglich, daß siebis zu diesem Grade die mütterliche Liebe, oder vielmehr den mütterlichen Wahnsinn treibt! Es gibt Tugenden, deren Übertreibung ein Verbrechen wäre. Nein, sie wird irgend eine pathetische Szene ersonnen haben, sie wird kommen und sich zwischen die Degen werfen, uns das wird das Erhabene lächerlich machen.
Die Röte des Stolzes stieg Monte Christo auf die Stirn.
Lächerlich, wiederholte er, und die Lächerlichkeit wird auf mich zurückfallen… Ich, lächerlich! Lieber sterben. Dummheit! Dummheit! rief er endlich, so den Edelmut üben und sich wie eine träge Zielscheibe vor den Pistolenlauf eines jungen Mannes stellen! Nie wird er glauben, daß mein Tod ein Selbstmord sei, und dennochbin ich es der Ehre meines Andenkens schuldig, daß die Welt erfährt, ich habe freiwillig meinenbereits zum Schlage erhobenen Arm aufgehalten, und mich mit dem gegen andere so mächtigbewaffneten Arm selbst geschlagen. Es muß sein, und ich werde es tun.
Und er nahm eine Feder, zog ein Papier aus dem geheimen Fache seinesBüros und fügte unten an die Schrift, die nichts anderes war, als sein nach seiner Ankunft in Paris gemachtes Testament, einen Nachtrag, der die Ursache seines Todes auch demBlödesten klar legte.
Mein Gott! ich tue dies, sagte er, die Augen zum Himmel aufschlagend, ich tue dies ebensowohl für deine Ehre, als für die meinige. Oh, mein Gott! ich habe mich seit zehn Jahren als den Abgesandten deiner Rachebetrachtet, und es soll sich kein Elender wie dieser Morcerf, es soll sich kein Danglars, kein Villefort einbilden, der Zufall habe sie von ihrem Feindebefreit. Sie mögen erfahren, daß die Vorsehung, diebereits ihreBestrafungbeschlossen, nur durch die Macht meines Willens eine Änderung gestattete, daß die Strafe nur aufgeschoben ist und in der andern Welt ihrer harrt, und daß sie für die Zeit nur die Ewigkeit eingetauscht haben.
Während er so in der düsteren Ungewißheit und den üblen Träumen eines durch den Schreck erweckten Menschen schwebte, begann der Tag an den Fenstern zu erscheinen und unter seinenbleichen Händen das Papier zu erhellen, auf das er diese seine letzte Rechtfertigung geschrieben hatte. Plötzlich drang ein leichtes Geräusch an sein Ohr. Er glaubte etwas wie einen erstickten Seufzer gehört zu haben; er wandte den Kopf, schaute umher und sah niemand. Nun wiederholte sich aber das Geräusch deutlich.
Da stand er auf, öffnete sacht die Tür des Salons und sah auf einem Lehnstuhle mit niederhängenden Armen und geneigtembleichem Kopf Haydee, die sich quer vor die Tür gesetzt hatte, damit er nicht, ohne sie zu sehen, hinausgehen könnte, die aber nach langem Wachen von dem übermächtigen Schlafbezwungen worden war.
Das Geräusch der Tür weckte sie nicht, und Monte Christo heftete einenBlick voll Weichheit und Mitleid auf sie.
Sie hat sich erinnert, daß sie einen Sohnbesitzt, sagte er, und ich habe vergessen, daß ich eine Tochterbesitze. Dann fuhr er, traurig den Kopf schüttelnd, fort: Arme Haydee! sie wollte mich sehen, sie wollte mich sprechen, sie hat etwasbefürchtet oder erraten… Ah! ich kann nicht von hinnen, ohne ihr Lebewohl zu sagen, ich kann nicht sterben, ohne sie irgend jemand anzuvertrauen.
Und er kehrte sacht an seinen Platz zurück und schriebunter die ersten Zeilen:
Ich vermache Maximilian Morel, Kapitän der Spahis und Sohn meines ehemaligen Patrons Pierre Morel, Reeders in Marseille, zwanzig Millionen, wovon ein Teil von ihm seiner Schwester Julie und seinem Schwager Emanuel angeboten werden soll, wenn er nicht glaubt, ein solcher Vermögenszuwachs könne ihrem Glücke schaden. Diese zwanzig Millionen sind in meiner Grotte in Monte Christo vergraben, deren GeheimnisBertuccio kennt.
Ist sein Herz frei, und er will Haydee, die Tochter Alis, des Paschas von Janina, heiraten, die ich mit der Liebe eines Vaters erzogen habe, und die für mich die Liebe und Zärtlichkeit einer Tochter gehabt hat, so wird er dadurch meinen letzten Wunsch erfüllen.
Gegenwärtiges Testament hatbereits Haydee zur Erbin meines übrigen Vermögens gemacht, das in Ländereien, englischen, und holländischen Renten und in dem Mobiliar in meinen verschiedenen Palästen und Häusernbesteht, was sich nach Abzug dieser zwanzig Millionen und der verschiedenen Legate zu Gunsten meiner Diener immer noch auf sechzig Millionenbelaufen mag.
Er vollendete eben die letzte Zeile, als ein hinter ihm ausgestoßener Schrei die Feder seinen Händen entfallen ließ. Haydee, sagte er, du hast gelesen?
Erweckt vom Tageslicht, das auf ihre Augenlider fiel, hatte sie sich in der Tat erhoben und dem Grafen genähert, ohne daß er ihre leichten und überdies vom Teppich gedämpften Tritte gehört hatte.
Oh! Herr, sprach sie, die Hände faltend, warum schreibst du zu einer solchen Stunde? Warum vermachst du mir dein ganzes Vermögen? Du verläßt mich?
Ich will eine Reise machen, liebes Kind, sagte Monte Christo mit einem Ausdrucke voll unendlicher Schwermut und Zärtlichkeit, und wenn mir Unglück widerführe… Der Graf hielt inne.
Nun?… fragte Haydee mit einerBestimmtheit, die der Graf nicht an ihr kannte.
Nun, wenn mir das Unglück widerführe, sagte Monte Christo, so will ich, daß meine Tochter glücklich sei.
Haydee schüttelte traurig den Kopf und sagte: Du denkst an den Tod, oh Herr?
Es ist ein heilsamer Gedanke, wie der Weise sagt. Wohl! wenn du stirbst, sagte sie, so vermache dein Vermögen anderen, denn ichbrauche nichts mehr.
Und sie nahm das Papier und zerriß es in vier Stücke, die sie mitten in das Zimmer warf. Doch diese für eine Sklavin so ungewöhnliche Energie hatte ihre Kräfte erschöpft, und sie fiel ohnmächtig zuBoden. Monte Christo neigte sich auf sie herabund hobsie in seinen Armen empor; und als er dieses schöne, bleiche Antlitz, diese schönen, geschlossenen Augen, diesen schönen, unbelebten Körper sah, kam ihm zum erstenmale der Gedanke, sie liebe ihn vielleicht auf andere Weise, als wie eine Tochter ihren Vater liebt.
Ach! murmelte er mit einer tiefen Entmutigung, ich hätte vielleicht noch glücklich sein können!
Dann trug er Haydee in ihr Gemach, übergabsie hier, noch ohnmächtig, den Händen ihrer Frauen, kehrte in sein Kabinett zurück, das er rasch schloß, und schriebnun das zerrissene Testament noch einmal. Als er vollendete, ließ sich das Geräusch eines in den Hof fahrenden Wagens hören. Monte Christo näherte sich dem Fenster und sah Maximilian und Emanuel aussteigen.
Gut, sagte er, es war Zeit! Und er versiegelte sein Testament mit einem dreifachen Siegel.
Nach einem Augenblick hörte er das Geräusch von Tritten im Salon und öffnete selbst. Morel erschien auf der Schwelle, zwanzig Minuten vor der verabredeten Stunde.
Ich komme vielleicht zubald, Herr Graf, sagte er, aber ich gestehe offen, ich konnte keine Minute schlafen, und so war es im ganzen Hause. Um wieder ich selbst zu werden, mußte ich Sie stark in Ihrer mutigen Sicherheit sehen.
Monte Christo vermochte diesemBeweise von Zuneigung nicht zu widerstehen, und er reichte dem jungen Manne nicht die Hand, sondern öffnete ihm seine Arme.
Morel, sagte er mitbewegter Stimme, es ist ein schöner Tag für mich, der Tag, an dem ich mich von einem Manne, wie Sie sind, geliebt fühle… Guten Morgen, Herr Emanuel. Sie kommen also mit mir, Maximilian?