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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Inzwischen hatte er das Aussehen eines gejagten Tiers angenommen, und diese Argumentationskette führte nicht zu einer Verbesserung.

»Aber – das Penizillin wirkt doch gar nicht immer«, führte er an. »Was, wenn es bei den Huren nicht funktioniert?«

»Diese Möglichkeit besteht«, gab ich zu. »Aber wenn ich die Wahl habe, etwas zu versuchen, was vielleicht nicht funktioniert – und es gar nicht zu versuchen …« Da er mich immer noch schief ansah, vergaß ich den Appell an seine Vernunft und verlegte mich auf meine beste Waffe.

»Was ist mit Ian?«

»Was ist denn mit ihm?«, erwiderte er argwöhnisch, aber ich konnte sehen, dass meine Worte prompt ein Bild vor seinem inneren Auge hatten entstehen lassen. Ian waren Bordelle nicht fremd – dank Jamie, auch wenn seine Einführung in das älteste Gewerbe der Welt ungeschickt und ungewollt gewesen war.

»Ian ist ein guter Junge«, sagte er standhaft. »Er würde nie …«

»Vielleicht doch«, sagte ich. »Und das weißt du genau.«

Ich hatte keine Ahnung, wie sich Ians Privatleben gestaltete – falls er eins hatte. Aber er war einundzwanzig, ungebunden und, soweit ich das sehen konnte, ein vollkommen gesundes männliches Exemplar der Gattung. Also …

Ich konnte sehen, wie Jamie widerstrebend zu denselben Schlüssen gelangte.

Er war noch Jungfrau gewesen, als ich ihn mit dreiundzwanzig heiratete. Aufgrund von Faktoren, die niemand hatte beeinflussen können, war Ian in beträchtlich jüngerem Alter mit der Fleischeslust vertraut gemacht worden. Und diese Art von Unschuld ließ sich nicht zurückgewinnen.

»Mmpfm«, sagte er.

Er griff nach dem Handtuch, rubbelte sich heftig das Haar damit ab und warf es dann beiseite, fasste sein feuchtes Haar wieder zu dem dicken Pferdeschwanz und streckte die Hand nach einem Band aus, um diesen zusammenzubinden.

»Besser, wenn es so schnell wie möglich geschieht«, sagte ich, während ich ihn beifällig beobachtete. »Ich glaube, ich komme besser auch mit. Lass mich meine Kiste holen.«

Darauf gab er keine Antwort, sondern machte sich nur grimmig daran, sich in einen präsentablen Zustand zu versetzen. Glücklicherweise hatte er während des Zwischenspiels auf der Straße weder Weste noch Rock getragen, so dass er die schlimmsten Beschädigungen an seinem Hemd verdecken konnte.

»Sassenach«, sagte er, und als ich mich umdrehte, sah ich, dass er mich mit einem blutunterlaufenen Glitzern betrachtete.

»Ja?«

»Das wirst du mir büßen.«

Mrs. Sylvies Etablissement war ein ganz gewöhnliches zweistöckiges Haus, klein und ziemlich schäbig. Seine Dachschindeln rollten sich an den Kanten ein, was ihm eine leichte Ausstrahlung zerzauster Überraschung verlieh, wie eine Frau, die überrumpelt wird, nachdem sie sich gerade die Lockenwickler aus den Haaren gezogen hat.

Jamie stieß einige missbilligende schottische Kehllaute aus, als er die durchhängende Eingangstreppe und den überwucherten Garten sah, doch ich ging davon aus, dass er damit nur sein eigenes Unbehagen überspielte.

Ich war mir nicht ganz sicher, wie ich mir Mrs. Sylvie vorgestellt hatte – da die einzige andere Puffmutter in meiner Bekanntschaft eine ausgesprochen elegante Exilfranzösin in Edinburgh gewesen war –, doch die Betreiberin von Cross Creeks beliebtestem Freudenhaus war eine Frau von ungefähr fünfundzwanzig mit dem unauffälligsten Gesicht der Welt und extrem abstehenden Ohren.

Ich hatte sogar im ersten Moment angenommen, sie wäre das Dienstmädchen, und nur die Tatsache, dass Jamie sie höflich als »Mrs. Sylvie« begrüßte, setzte mich davon in Kenntnis, dass die Dame des Hauses persönlich an die Tür gekommen war. Ich warf Jamie einen Seitenblick zu, weil ich mich fragte, wieso er sie kannte, doch dann sah ich noch einmal hin und begriff, dass ihm die gute Qualität ihres Kleids und die große Brosche aufgefallen war, die sie an der Brust trug.

Ihr Blick pendelte von ihm zu mir, und sie runzelte die Stirn.

»Dürfen wir hereinkommen?«, fragte ich und trat ein, ohne ihre Antwort abzuwarten.

»Ich bin Mrs. Fraser, und das ist mein Mann«, sagte ich und wies auf Jamie, der jetzt schon rot um die Ohren aussah.

»Oh?«, sagte Mrs. Sylvie argwöhnisch. »Nun, das macht ein Pfund extra, wenn Ihr zu zweit seid.«

»Ich bitte um – oh!« Das Blut stieg mir ins Gesicht, als ich mit Verspätung begriff, was sie meinte. Jamie hatte es sofort verstanden und war puterrot angelaufen.

»Es ist schon gut«, versicherte sie mir. »Nicht das Übliche, das ist wahr, aber Dottie würde es nichts ausmachen, weil sie sowieso eine Vorliebe für Frauen hat.«

Jamie stieß ein leises Grollen aus, um mir zu sagen, dass diese ganze Sache meine Idee war und ich mir gefälligst überlegen sollte, wie ich sie ausführte.

»Ich fürchte, wir haben uns nicht deutlich ausgedrückt«, sagte ich so charmant wie möglich. »Wir … äh … haben nur ein paar Fragen an Eure –« Ich brach ab und suchte nach einem passenden Wort. »Angestellte« passte ja wohl nicht.

»Mädchen«, warf Jamie einsilbig ein.

»Ähm, ja. Mädchen.«

»Oh, so ist das.« Ihre kleinen, leuchtenden Augen huschten zwischen uns hin und her. »Methodisten, wie? Oder seid Ihr Baptisten? Nun, das macht dann zwei Pfund. Für den Ärger.«

Jamie lachte.

»Das ist nicht teuer«, merkte er an. »Oder ist es pro Mädchen?«

»Oh, pro Mädchen natürlich.«

»Zwei Pfund pro Seele? Aber, aber, wer würde sich denn die Erlösung bezahlen lassen?« Er zog sie jetzt unverhohlen auf, und sie – die jetzt eindeutig begriffen hatte, dass wir weder potenzielle Kunden noch hausierende Missionare waren – war belustigt, auch wenn sie darauf achtete, es sich nicht anmerken zu lassen.

»Ich«, erwiderte sie trocken. »Eine Hure kennt den Preis aller Dinge und den Wert von keinem – sagt man mir jedenfalls.«

Jamie nickte.

»Aye. Was ist denn dann der Preis für das Leben eines Eurer Mädchen, Mrs. Sylvie?«

Der Ausdruck der Belustigung verschwand aus ihren Augen, die deshalb nicht minder leuchteten, jetzt aber vor Argwohn.

»Droht Ihr mir etwa, Sir?« Sie richtete sich zu voller Größe auf und legte die Hand auf eine Glocke, die auf dem Tisch neben der Tür stand. »Ich bin nicht schutzlos, Sir, das versichere ich Euch. Ihr wärt gut beraten, sofort zu gehen.«

»Wenn ich vorhätte, Euch etwas anzutun, würde ich wohl kaum meine Frau mitbringen, damit sie zusieht«, sagte Jamie nachsichtig. »Ein solcher Perverser bin ich dann doch nicht.«

Ihre Hand, die den Griff der Glocke fest umklammert hatte, lockerte sich ein wenig.

»Ihr wärt überrascht«, sagte sie. »Nicht«, sagte sie und wies mit dem Finger auf ihn, »dass ich mit solchen Dingen Handel treibe – denkt das nur nicht –, aber ich habe sie schon mit angesehen.«

»Ich auch«, sagte Jamie, und der neckende Tonfall war aus seiner Stimme verschwunden. »Sagt mir, habt Ihr vielleicht schon einmal von einem Schotten namens Mac Dubh gehört?«

Bei diesen Worten veränderte sich ihr Gesicht; ganz offensichtlich hatte sie das. Ich war verwirrt, war aber so klug zu schweigen.

»Ja«, sagte sie. Ihr Blick war schärfer geworden. »Das wart Ihr, nicht wahr?«

Er verbeugte sich ernst.

Mrs. Sylvie spitzte kurz die Lippen; dann schien sie mich wieder zu bemerken.

»Hat er Euch davon erzählt?«, fragte sie.

»Ich bezweifle es«, sagte ich und sah ihn vielsagend an. Er wich meinem Blick gewissenhaft aus.

Mrs. Sylvie lachte kurz auf.

»Eins meiner Mädchen ist mit einem Mann ins ›Toad‹ gegangen –« Damit meinte sie eine üble Spelunke am Fluss namens »Toad and Spoon«. »Er ist übel mit ihr umgesprungen. Dann hat er sie in den Schankraum gezerrt und sie den Männern dort angeboten. Sie sagt, sie wusste, dass das ihren Tod bedeutete – Ihr wisst doch, dass man zu Tode vergewaltigt werden kann?« Diese Worte waren mit einer Mischung aus Unnahbarkeit und Herausforderung an mich gerichtet.

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