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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Ich kenne niemand, dem ich diese Ehre erweisen möchte, als Ihnen, Morel, und Ihrem Schwager Emanuel. Glauben Sie, Emanuel würde mir diesen Dienst leisten?

Ich stehe für ihn, wie für mich, Graf.

Gut! mehrbrauche ich nicht. Morgen früh um sieben Uhrbei mir, nicht wahr?

Wir werden uns einfinden.

Die Nacht.

Fünf Minuten nach Schluß der Oper war der Graf zu Hause und rief Ali, von dem er sich seine Pistolenbringen ließ, dann prüfte er die Waffen mit einer für einen Mann, der sein Leben ein wenig Pulver undBlei anvertraut, sehr natürlichen Sorgfalt.

Er war eben imBegriff, die Waffe in die Hand zu nehmen und sich den Zielpunkt auf einem kleinen Plättchen von Eisenblech, das ihm als Scheibe diente, zu wählen, als die Tür seines Kabinetts sich öffnete undBaptistin eintrat.

Doch ehe dieser ein Wort gesprochen hatte, erblickte der Graf durch die offengebliebene Tür eine verschleierte Frau, dieBaptistin gefolgt war und im Halbschatten des anstoßenden Zimmers stand.

Sie gewahrte den Grafen, eine Pistole in der Hand, sie sah zwei Degen auf dem Tische und stürzte herein.

Baptistinbefragte seinen Herrn mit demBlicke. Der Graf machte ein Zeichen, Baptistin entfernte sich und schloß die Tür hinter sich.

Wer sind Sie, gnädige Frau? fragte der Graf.

Die Unbekannte schaute umher, um sich zu versichern, daß sie allein war, verneigte sich, als wollte sie niederknien, faltete die Hände und rief mit einem Tone der Verzweiflung: Edmond! Sie werden meinen Sohn nicht töten!

Der Graf machte einen Schritt rückwärts, stieß einen schwachen Schrei aus, ließ seine Waffe fallen und erwiderte: Welchen Namen haben Sie da ausgesprochen, Frau von Morcerf?

Den Ihrigen, rief sie, ihren Schleier zurückschlagend, den ich allein nicht vergessen habe. Edmond, nicht Frau von Morcerf kommt zu Ihnen, sondern Mercedes.

Mercedes ist tot, gnädige Frau, sagte Monte Christo, und ich kenne niemand dieses Namens mehr.

Mercedes lebt, mein Herr, und Mercedes erinnert sich, denn sie allein hat Sie erkannt, als sie Ihr Antlitz erblickte, und sogar ohne Sie zu sehen, Edmond, schon am Tone Ihrer Stimme, und seit dieser Zeit folgt sie Ihnen Schritt für Schritt, sie überwacht Sie, sie fürchtet Sie, und sie hatte nicht nötig, die Hand zu suchen, von der der Schlag ausging, der Herrn von Morcerf niederwarf.

Fernand wollen Sie sagen, versetzte Monte Christo mitbitterer Ironie; da wir uns der Namen wieder erinnern, so wollen wir diesen nicht vergessen.

Monte Christo sprach den Namen Fernand mit einem solchen Tone des Hasses aus, daß Mercedes fühlte, wie ein Schauer des Schreckens ihren Leibdurchlief.

Sehen Sie, Edmond, daß ich mich nicht getäuscht habe, rief sie, und daß ich recht hatte, Ihnen zu sagen: Schonen Sie meinen Sohn!

Und wer sagt Ihnen, daß ich gegen Ihren Sohn aufgebrachtbin?

Mein Gott! niemand; aber eine Mutter ist mit dem doppelten Gesichtebegabt. Ich habe alles erraten, ichbin ihm in die Oper gefolgt und habe, in einer Loge verborgen, alles gesehen.

Wenn Sie alles gesehen haben, so haben Sie auch gesehen, daß mich Fernands Sohn öffentlichbeleidigte, sagte Monte Christo mit furchtbarer Ruhe.

Hören Sie. Mein Sohn hat Sie auch erraten; er schreibt Ihnen die Unglücksfälle zu, die seinen Vater treffen.

Gnädige Frau, Sie verwechseln die Sache; es sind nicht Unglücksfälle, es ist eine Strafe. Nicht ichbin es, der Herrn von Morcerf schlägt, es ist die Vorsehung, die ihnbestraft.

Und warum treten Sie an die Stelle der Vorsehung? rief Mercedes. Warum erinnern Sie sich, wenn sie vergißt? Was ist Ihnen, Edmond, an Janina und seinem Wesir gelegen? Welches Unrecht hat Ihnen Fernand Mondego dadurch zugefügt, daß er Ali Tependelini verraten?

Das geht auch nur den fränkischen Kapitän und Wasilikis Tochter an. Sie haben recht, was kümmert's mich? Und wenn ich geschworen habe, mich zu rächen, so ist es weder an dem fränkischen Kapitän, noch an dem Grafen von Morcerf, sondern an dem Fischer Fernand, dem Gatten der Katalonierin Mercedes.

Oh! rief die Gräfin, welch eine furchtbare Rache für einen Fehler, den ein Mißgeschick michbegehen ließ! Denn die Schuldigebin ich, Edmond, und wenn Sie sich an jemand zu rächen haben, so ist es an mir, weil es mir an Kraft gebrach, gegen Ihre Abwesenheit und meine Einsamkeit zu kämpfen.

Doch warum war ich abwesend, warum waren Sie einsam? — Weil Sie im Gefängnis saßen.

Und warum wurde ich verhaftet, warum saß ich im Gefängnis? — Ich weiß es nicht.

Ja, Sie wissen es nicht, gnädige Frau, wenigstens hoffe ich dies. Nun, ich will es Ihnen sagen. Ich wurde verhaftet, ich war Gefangener, weil unter der Laube der Reserve, am Vorabend des Tages, an dem ich Sie heiraten sollte, ein Mensch namens Danglars einenBrief geschrieben hatte, den der Fischer Fernand selbst auf die Post zubringen übernahm.

Monte Christo ging an einen Sekretär, zog eine Schublade auf, aus der er ein vergilbtes Papier nahm und legte dieses Papier vor Mercedes' Angin. Es war derBrief von Danglars an den Staatsanwalt.

Mercedes las voll Schrecken die Denunziation.

Oh! mein Gott, rief sie, mit der Hand über ihre von Schweißbefeuchtete Stirn fahrend; dieserBrief…

Ich habe ihn um 200 000 Franken gekauft, und das war noch wohlfeil, da er mir heute gestattet, mich in Ihren Augen von jeder Schuld freizusprechen.

Und der Erfolg diesesBriefes?

Sie wissen, war meine Verhaftung; doch Sie wissen nicht, wie lange diese Haft gedauert hat; Sie wissen nicht, daß ich vierzehn Jahre, eine Viertelstunde von Ihnen entfernt, in einem Kerker des Kastells If geschmachtet habe. Sie wissen nicht, daß ich jeden Tag in diesen vierzehn Jahren das Gelübde der Rache erneuert habe, das ich am ersten Tage aussprach, und ich wußte nicht einmal, daß Sie Fernand, meinen Denunzianten, geheiratet hatten, und daß mein Vater gestorben, vor Hunger gestorben war!

Gerechter Gott! rief Mercedes wankend.

Aber ich habe dies erfahren, als ich das Gefängnis nach vierzehn Jahren wieder verließ, und darum habe ich geschworen, mich an Fernand zu rächen, und ich räche mich.

Und Sie wissen gewiß, daß Fernand dies getan hat?

Bei meiner Seele. Übrigens ist das nicht schlechter, als wenn man als Franzose durch Adoption zu den Engländern übergeht, als Spanier von Geburt gegen die Spanier kämpft und in Alis Solde Ali verrät und ermordet. Was war im Vergleich dazu derBrief, den Sie gelesen? Ein schlauer Kniff, den die Frau, die diesen Menschen heiratet, ich gestehe undbegreife dies, verzeihen muß, den aber der Geliebte, der sie heiraten sollte, nicht vergißt. Wohl! die Franzosen haben sich nicht an dem Verräter gerächt, die Spanier haben den Verräter nicht erschossen, in seinem Grabe liegend, hat Ali den Verräter unbestraft gelassen; doch ich, verraten, ermordet, ebenfalls in ein Grabgeworfen, bin aus diesem Grabe durch Gottes Gnade hervorgegangen undbin es Gott schuldig, daß ich mich räche; er schickt mich zu diesem Zwecke hierher, und hierbin ich.

Die arme Frau ließ ihren Kopf und ihre Hände sinken; ihreBeinebogen sich unter ihr, und sie fiel auf die Knie.

Verzeihen Sie mir, Edmond, sagte sie, verzeihen Sie, meinetwegen, denn ich liebe Sie noch!

Die Würde der Gattin zügelte den Ausdruck ihrer Worte. Ihre Stirn neigte sich, daß siebeinahe denBodenberührte. Der Graf eilte auf sie zu und hobsie auf. Auf einem Stuhle sitzend, konnte sie nur durch ihre Tränen sein männliches Gesichtbetrachten, aus dem Schmerz und Haß abermals drohend sich ausprägten.

Daß ich das verfluchte Geschlecht nicht niedertrete! murmelte er, daß ich Gott ungehorsam werde, der mich zu seinerBestrafung wiedererweckt hat, unmöglich, gnädige Frau, es kann nicht sein!

Edmond, sagte die arme Mutter, alle Mittel versuchend; mein Gott! wenn ich Sie Edmond nenne, warum nennen Sie mich nicht Mercedes?

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