Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
Denn genau das versuchten Zdorab und Issib zu umgehen — die Macht der Überseele, alle Entscheidungen zu treffen, etwas zu sagen oder zu verschweigen. Ich will nicht, daß die Überseele entscheidet, was ich wissen darf und was nicht — und doch stehe ich hier und überlege, ob ich meinen Gatten genauso behandeln soll, wie die Überseele mich behandelt. Aber die Überseele wußte wirklich besser als Rasa, ob Volemak über diese Dinge informiert werden sollte.
»Ich verabscheue solche Dilemmas zutiefst«, sagte Rasa.
»Also?«
»Also werde ich später darüber entscheiden«, sagte sie.
»Das ist auch eine Entscheidung«, sagte Issib.
»Das weiß ich, mein kluger Erstgeborener«, sagte Rasa. »Aber das heißt nicht, daß es eine permanente Entscheidung ist.«
»Du hast dein Brot nicht aufgegessen«, sagte Issib.
»Weil dieser Kamelkäse darauf ist.«
»Ein wirklich übles Zeug, nicht wahr?« sagte Issib. »Und du kannst dir nicht vorstellen, welche Verstopfung du davon bekommst.«
»Ich kann kaum abwarten, es zu erfahren.«
»Deshalb ißt keiner von uns das Zeug«, sagte Issib.
Rasa funkelte ihn an. »Und warum liegt davon so viel in der Kältetruhe?«
»Weil wir es den Pavianen geben. Sie halten es für Süßigkeiten.«
Rasa betrachtete ihr halb aufgegessenes Butterbrot. »Ich habe Pavianfutter gegessen.« Dann lachte sie. »Kein Wunder, daß Jobar in das Zelt gekommen ist! Er hat gedacht, ich würde ihm etwas zu fressen machen!«
»Dann warte mal ab, bis du ihm tatsächlich ein Stück Käse gibst und er daraufhin versucht, mit deinem Bein zu kopulieren.«
»Ich kriege eine Gänsehaut, wenn ich nur daran denke.«
»Natürlich habe ich bislang nur gesehen, wie er es bei Vater und Zdorab macht. Vielleicht ist er zhop und ignoriert dich einfach.«
Rasa lachte, aber Issibs grausamer kleiner Scherz über die Möglichkeit, der Pavian könne homosexuell sein, machte sie nachdenklich. Was, wenn die Überseele jemanden in ihre Gemeinschaft gebracht hatte, der seiner Zeugungspflicht nicht nachkommen konnte? Und dann ein anderer Gedanke — hatte die Überseele ihr diese Idee eingegeben? War es eine Warnung?
Sie erschauderte und legte die Hand auf den Index. Verrate es mir, sagte sie stumm. Ist einer aus unserer Gemeinschaft zur Fortpflanzung unfähig? Wird eine der Ehefrauen enttäuscht werden?
Aber der Index antwortete ihr nicht.
Es war später Nachmittag, und der einzige, der Wild getötet hatte, war Nafai, was Mebbekew unerträglich ärgerte. Also war Nafai besser darin, verstohlen Felsen hinaufzuklettern — na und? Also konnte Nafai mit einem Pulsator zielen, als wäre er mit dem Ding in der Hand geboren worden — das alles bewies, daß Elemak die Waffe hätte abfeuern sollen, als er draußen in der Wüste die Gelegenheit dazu gehabt hatte. Draußen in der Wüste. Als wären sie nicht noch immer in der Wüste. Obwohl dieser Ort im Vergleich zu einigen Ländereien, durch die sie gezogen waren, in der Tat üppig war. Das Grün des Tals, in dem sie wohnten, war für die Augen wie ein Trank kühlen Wassers — er hatte vor ein paar Minuten von einem Vorgebirge einen Blick auf die Bäume erhascht, und es war ein wirklich köstlicher Anblick, solch eine Erleichterung nach dem öden Hellgrau und Gelb der Felsen und des Sandes und dem gräulichen Grün der Wüstenpflanzen, die Elemak stets benennen mußte, wenn er sie sah, als interessiere es jemanden, daß er jede Pflanze, die hier wuchs, mit ihrem vollen Namen kannte. Vielleicht hatte Elemak tatsächlich Vettern unter den Wüstenpflanzen. Es hätte Mebbekew kaum überrascht, wenn irgendein entfernter Vorfahr Elemaks sich irgendwann auf seinen Wanderungen mit einem stachligen grauen Busch gepaart hätte. Vielleicht habe ich heute auf einen Vetter Eljas gepinkelt. Das wäre nett — damit habe ich eindeutig gezeigt, was ich von Leuten halte, die die Wüste lieben.
Ich habe den Hasen nicht einmal gesehen; wie hätte ich dann auf ihn zielen sollen? Natürlich hat Nafai ihn erschossen — er hat ihn gesehen. Natürlich hatte Mebbekew mit dem Pulsator geschossen, weil alle anderen es auch getan hatten. Aber dann hatte sich herausgestellt, daß doch nicht alle anderen geschossen hatten. Nur Vas, der zu tief gezielt und den Pulsator sowieso auf eine zu diffuse Streuung eingestellt hatte, und Nafai, der das Ding tatsächlich getroffen und ein rauchendes kleines Loch in seinen Kopf gebrannt hatte. Und natürlich Mebbekew, der auf nichts Besonderes gezielt hatte, und danach hatte Elemak gesagt: »Guter Schuß, Nafai. Du zielst zu tief und unruhig, Vas, und stelle den Strahl schmaler. Und du, Mebbekew, wolltest du versuchen, mit deinem Pulsator einen Hasen auf diesen Felsen zu malen? Das ist kein Zeichenkur s. Versuche, auf denselben Planeten zu zielen, auf dem die Beute sich befindet.«
Dann waren Elemak und Nafai hinabgegangen, um den Hasen zu holen.
»Es wird spät«, hatte Mebbekew gesagt. »Können wir anderen nicht schon nach Hause gehen? Müssen wir unbedingt hier warten, bis ihr den Mümmelmann gefunden habt?«
Da hatte Elemak ihn kalt angesehen. »Ich dachte, du wolltest lernen, wie man einen Hasen häutet und ausnimmt. Aber du wirst wahrscheinlich niemals in die Verlegenheit kommen, dieses Wissen anzuwenden.«
Oh, sehr klug, Elemak. So erzeugt man bei seinen armen, sich abmühenden Schülern Selbstvertrauen. Wenigstens habe ich geschossen, im Gegensatz zu Obring, der seinen Pulsator handhabt, als wäre er der Fimmel eines anderen Mannes. Aber Meb hatte nichts davon gesagt, Elemak nur angefunkelt und dann gefragt: »Dann kann ich also gehen?«
»Glaubst du, du wirst den Weg finden?« fragte Elemak.
»Natürlich«, sagte Mebbekew.
»Bestimmt«, sagte Elemak. »Dann geh schon vor, und wer dich begleiten will, kann das ruhig tun.«
Aber niemand wollte ihn begleiten. Elemak hatte ihnen Angst eingejagt, daß Mebbekew sich verirren würde. Nun, er hatte sich nicht verirrt. Er war einfach in die richtige Richtung gegangen und hatte ihre Spur ziemlich problemlos zurückverfolgt, und als er auf den Kamm dieses Hügels geklettert war, nur um ganz sicherzugehen, lag das Tal genau dort, wo er es erwartet hatte. Ich bin nicht völlig unfähig, o kluger älterer Bruder. Nur weil ich mich nicht ein paar Dutzendmal wie du durch die Wüste geschwitzt und hübsche Pflanzen von einer Stadt zur anderen geschleppt habe, heißt das noch lange nicht, daß ich keinen Orientierungssinn habe.
Wenn er nur genau gewußt hätte, wann und wo er sich den Umhang und den Hosenboden aufgerissen hatte … Er konnte es wirklich nicht ausstehen, wenn seine Bekleidung nicht einwandfrei war, und diese Stücke waren nun schweißgetränkt und staubverkrustet. Er würde nie wieder sauber werden.
Er kam zum Rand der Schlucht und sah in der Erwartung hinab, die Zelte zu erblicken. Aber es war kein Zelt in Sicht.
Einen Augenblick lang geriet er in Panik. Sie sind ohne mich aufgebrochen, dachte er. Sie sind ganz schnell zurückgekehrt, haben das Lager abgebrochen und mich zurückgelassen, und das alles nur, weil ich diesen blöden Hasen nicht gesehen habe.
Dann wurde ihm klar, daß er sich einfach ein Stück flußabwärts vom Lager befand. Die Zelte waren oben links von ihm. Und natürlich war er viel zu nah am Meer. Hätte das Reinigende Meer einen Wellengang, wie es ihn am Ufer der Erdgebundenen See gab, hätte er hier die Brandung hören können. Und da waren die Paviane, die am Fluß und am Ufer lebten und ihre elende Nahrung mit den Wurzeln und Beeren und Pflanzen und Insekten und warzigen kleinen Tieren aufbesserten.
Wie bin ich nur hierher gelangt? Soviel zu meinem Orientierungssinn.
Ach, ja. Wir sind heute morgen diesen Weg hinabgegangen, nachdem wir Vaters faule Frau schlafend im Lager zurückgelassen haben, und alle anderen Frauen auch —besonders meine völlig nutzlose, dumme, faule Frau —, die sich noch vor den Zelten und im Garten rekelten. Das ist der einzige Teil unserer Strecke, den ich verpaßt habe, nur diese Abzweigung, ist ja toll, ich habe meinen guten Orientierungssinn nicht verloren.