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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Moiraine betrachtete sie beim Essen. Schließlich stellte sie ihren Teller weg und tupfte sich mit einer Serviette die Lippen. »Ich kann euch eine erfreuliche Sache mitteilen. Ich glaube gar nicht, daß Thom Merrilin tot ist.«

Rand blickte sie scharf an. »Aber... der Blasse...«

»Mat erzählte mir, was in Weißbrücke vorgefallen ist«, sagte die Aes Sedai. »Die Leute dort erwähnten einen Gaukler, aber sie sagten nichts davon, daß er gestorben sei. Ich glaube, wenn ein Gaukler getötet worden wäre, dann hätten sie es gesagt. Weißbrücke ist nicht so groß, daß ein Gaukler keine wichtige Figur wäre. Und Thom ist ein Teil des Musters, das sich um euch drei herum bildet. Ein zu wichtiger Teil, wie ich glaube, um so schnell abgeschnitten zu werden.«

Zu wichtig? dachte Rand. Wie kann Moiraine wissen...? »Min? Hat sie etwas in bezug auf Thom gesehen?«

»Sie hat eine Menge gesehen«, sagte Moiraine trocken. »Von euch allen. Ich wünschte, ich verstünde nur die Hälfte von dem, was sie sah, aber selbst sie versteht es nicht. Die alten Beschränkungen sind gefallen. Aber gleich, ob das, was Min macht, alt oder neu ist — sie sieht die Wahrheit. Eure Schicksale sind miteinander verknüpft. Auch Thom Merrilins.«

Nynaeve schniefte unbeeindruckt und goß sich noch eine Tasse Tee ein. »Ich kann nicht verstehen, wieso sie etwas über uns sehen konnte«, sagte Mat grinsend. »Wie ich mich erinnere, hat sie die meiste Zeit über Rand angehimmelt.«

Egwene zog die Augenbrauen hoch. »Oh? Das hast du mir gar nicht erzählt, Moiraine Sedai.«

Rand blickte sie an. Sie sah ihn wohl nicht an, aber ihr Tonfall hatte etwas übertrieben unbeteiligt geklungen. »Ich habe einmal mit ihr gesprochen«, sagte er. »Sie zieht sich wie ein Junge an, und ihr Haar ist so kurz wie meines.«

»Du hast mit ihr gesprochen. Einmal.« Egwene nickte langsam. Sie sah ihn immer noch nicht an und hob die Tasse an die Lippen.

»Min war eben nur jemand, der in der Schenke in Baerlon arbeitete«, sagte Perrin. »Nicht so wie Aram.«

Egwene verschluckte sich an ihrem Tee. »Zu heiß«, murmelte sie.

»Wer ist Aram?« fragte Rand. Perrin lächelte. Es sah sehr nach Mats altem Lächeln aus, wenn er früher etwas ausgeheckt hatte. Er versteckte es hinter seiner Tasse.

»Einer vom Fahrenden Volk«, sagte Egwene leichthin, aber auf ihren Wangen waren rote Flecke zu sehen.

»Einer vom Fahrenden Volk«, sagte Perrin verbindlich. »Er tanzt. Wie ein Vogel. Hast du das nicht gesagt, Egwene? Es war, als ob man mit einem Vogel flöge?«

Egwene stellte ihre Tasse energisch hin. »Ich weiß nicht, ob sonst noch jemand müde ist, aber ich gehe jetzt schlafen.«

Als sie sich in ihre Decken rollte, streckte Perrin die Hand aus und stupfte Rand in die Rippen. Dabei blinzelte er ihm zu. Rand stellte fest, daß er zurückgrinste. Verseng mich, aber diesmal hab ich das bessere Ende für mich gehabt. Ich wünschte, ich verstünde soviel von Frauen wie Perrin.

»Rand«, sagte Mat trocken, »vielleicht solltest du Egwene von Bauer Grinwells Tochter Else erzählen.« Egwene hob den Kopf und sah erst Mat und dann ihn an.

Er stand schleunigst auf und holte seine Decken. »Ich würde jetzt auch gern schlafen.«

Alle Emondsfelder suchten sich nun ihre Decken zusammen. Loial schloß sich ihnen an. Moiraine blieb sitzen und schlürfte ihren Tee. Lan auch. Der Behüter wirkte nicht, als habe er jemals vor schlafenzugehen oder als brauche er überhaupt Schlaf.

Selbst zum Schlafen zusammengerollt, wollte keiner sich weit von den anderen entfernen. Sie bildeten einen engen Kreis deckenumhüllter Erhebungen um den Ofen herum. Beinahe berührten sie sich gegenseitig.

»Rand«, flüsterte Mat, »war irgend etwas zwischen dir und Min? Ich habe sie kaum einmal richtig gesehen. Sie war hübsch, aber sie muß fast so alt wie Nynaeve sein.«

»Wie steht es mit dieser Else?« fügte Perrin von der anderen Seite her hinzu. »'ne Hübsche?«

»Blut und Asche«, nuschelte er. »Kann ich noch nicht einmal mit einem Mädchen sprechen? Ihr zwei seid genauso schlimm wie Egwene.«

»Wie die Seherin bemerken würde«, schimpfte Mat scherzend, »hüte deine Zunge! Also, wenn du nicht erzählen willst, dann schlafe ich jetzt ein wenig.«

»Gut«, brummte Rand. »Das ist das erste vernünftige Wort, das du herausgebracht hast.«

Aber das Einschlafen fiel ihm nicht leicht. Der Stein war hart, gleich auf welche Seite sich Rand legte, und er konnte die Löcher durch seine Decke hindurch fühlen. Es gab keine Möglichkeit sich vorzustellen, daß man sich anderswo als in den Kurzen Wegen befand, die von den Männern gebaut worden waren, die vom Dunklen König gezeichnet waren und die Welt zerstört hatten. Er stellte sich immer wieder die zerstörte Brücke vor und das Nichts darunter.

Wenn er sich nach der einen Seite drehte, dann sah er, wie Mat ihn anblickte, oder besser, wie er durch ihn hindurchblickte. Aller Spott war vergessen, wenn man sich an die Dunkelheit um sie herum erinnerte. Also rollte er sich zur anderen Seite herum, und da hatte Perrin die Augen ebenfalls offen. Perrins Gesicht wirkte nicht so ängstlich wie das Mats, aber er hatte die Hände vor der Brust und klopfte ständig besorgt mit den Daumen gegeneinander.

Moiraine machte eine Runde, kniete sich neben jedem Kopf nieder und sprach leise auf die betreffende Person ein. Rand konnte nicht hören, was sie zu Perrin sagte, aber die Bewegung seiner Daumen hörte auf. Als sie sich über Rand beugte und ihr Gesicht seines beinahe berührte, sagte sie mit leiser, beruhigender Stimme: »Selbst hier beschützt dich dein Schicksal. Nicht einmal der Dunkle König kann das Muster völlig verändern. So lange ich dir nahe bin, bist du vor ihm sicher. Deine Träume sind sicher. Eine Weile lang sind sie das noch.«

Als sie zu Mat weiterging, fragte er sich, ob sie sich das wirklich so leicht vorstellte, daß sie ihm sagen konnte, er sei sicher, und er würde das glauben. Aber irgendwie fühlte er sich sicher — sicherer zumindest. Bei dem Gedanken schlief er ein, und er träumte nichts.

Lan weckte sie. Rand fragte sich, ob der Behüter geschlafen hatte. Er wirkte nicht müde, nicht einmal so müde wie diejenigen, die ein paar Stunden auf dem harten Stein gelegen hatten. Moiraine gestattete ihnen genug Zeit, um Tee zu bereiten, aber nur eine Tasse für jeden. Sie frühstückten im Sattel. Loial und der Behüter führten sie an. Es war das gleiche Essen wie sonst — Brot und Fleisch und Käse. Rand dachte sich, wie leicht es doch sei, dessen überdrüssig zu werden.

Nicht lang, nachdem der letzte Krümel vom Finger abgeleckt war, sagte Lan ruhig: »Jemand folgt uns. Oder etwas.« Sie befanden sich in der Mitte einer Brücke. Die beiden Enden waren verborgen.

Mat riß einen Pfeil aus seinem Köcher und, bevor ihn jemand aufhalten konnte, schoß er ihn in die Dunkelheit hinter ihnen.

»Ich wußte, daß ich das nie hätte tun sollen«, murmelte Loial. »Gib dich nie mit einer Aes Sedai ab, außer in einem Stedding.«

Lan drückte den Bogen herunter, bevor Mat einen weiteren Pfeil auflegen konnte. »Hör damit auf, du Idiot! Man kann doch nie wissen, wer das ist.«

Der Ogier setzte hinzu: »Das ist der einzige Ort, an dem sie harmlos sind.«

»Was sonst kann es an einem solchen Ort geben, als etwas Böses?« wollte Mat wissen.

»Das behaupten auch die Ältesten, und ich hätte auf sie hören sollen.«

»Zum Beispiel gibt es uns hier«, sagte der Behüter trocken.

»Vielleicht ist es ein anderer Reisender«, sagte Egwene voller Hoffnung. »Vielleicht ein Ogier?«

»Ogier sind zu vernünftig, um die Kurzen Wege zu benützen«, grollte Loial. »Alle außer Loial, der überhaupt nicht vernünftig ist. Das hat der Älteste Haman immer gesagt, und er hatte recht.«

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