Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Mir klappte der Mund auf, und ich schloss ihn hastig wieder. Nicht Miss Morton also – Mrs. Morton. Die erste Mrs. Isaiah Morton nämlich. Isaiah Morton hatte im Regulatorenkrieg in Jamies Milizkompanie gekämpft, und er hatte seine erste Frau einmal erwähnt – wobei ihm der kalte Schweiß ausgebrochen war.
»Ich … äh … glaube, er arbeitet irgendwo landeinwärts«, sagte ich. »Guilford? Oder war es Paleyville?«
Tatsächlich war es Hillsboro, doch das spielte kaum eine Rolle, da er sich zurzeit nicht in Hillsboro befand. Er war nämlich in Cross Creek, um für seinen Arbeitgeber, einen Brauer, eine Lieferung Fässer in Empfang zu nehmen. Ich hatte ihn kaum eine Stunde zuvor in der Küferei gesehen, in Begleitung der zweiten Mrs. Morton und ihres Babys. Jezebel Hatfield Morton sah nicht so aus, als würde sie eine solche Situation gesittet hinnehmen.
Sie stieß einen leisen Kehllaut aus, der auf Ekel schließen ließ.
»Er ist ein verdammt flinkes kleines Wiesel. Aber ich erwisch ihn schon noch, nur keine Sorge.« Die beiläufige Überzeugung, mit der sie diese Worte sprach, verhieß nichts Gutes für Isaiah.
Ich hielt zwar Schweigen für die klügste Vorgehensweise, fragte aber unwillkürlich: »Was wollt Ihr denn von ihm?« Isaiah besaß eine gewisse lässige Liebenswürdigkeit, doch objektiv betrachtet, schien er kaum die Sorte Mann zu sein, für den eine Frau entflammte, von zweien ganz zu schweigen.
»Was ich von ihm will?« Dieser Gedanke schien sie zu belustigen, und sie rieb sich mit ihrer kräftigen Faust über die rote Nase. »Ich will gar nichts von ihm. Aber mich lässt kein Mann für irgendein blasses Mäuschen sitzen. Wenn ich ihn erwische, schlag ich ihm den Schädel ein und nagle ihn mit der Vorhaut an meine Tür.«
Aus dem Mund eines anderen Menschen hätte dies eventuell nach einer rhetorischen Drohung geklungen. Aus dem Mund der fraglichen Dame war es eine unumstößliche Absichtserklärung. Mirandas Augen waren so rund wie die eines Froschs, und die ihrer Mutter kaum minder.
Jezebel H. Morton blinzelte mich an und kratzte sich nachdenklich unter ihrer massigen Brust, so dass der feuchte Stoff ihres Hemdes an ihrer Haut kleben blieb.
»Ich habe gehört, Ihr habt dem kleinen Schuft in Alamance das Leben gerettet. Stimmt das?«
»Äh … ja.« Ich beobachtete sie argwöhnisch und machte mich auf einen eventuellen Angriff gefasst. Sie blockierte die Tür; falls sie auf mich losging, würde ich über die Theke springen und durch die Tür in die Wohnung der Bogues’ sprinten.
Sie trug ein blankes Messer, das groß genug war zum Schweineschlachten. Es steckte in einem geknoteten Wampum-Gürtel, der außerdem eine zum Kilt zusammengelegte Stoffmasse festhielt, die ursprünglicherweise vielleicht einmal ein roter Flanellunterrock gewesen war und jetzt am Knie abgesäbelt war. Ihre kräftigen Beine waren nackt, genau wie ihre Füße. Sie hatte außerdem eine Pistole und ein Pulverhorn am Gürtel hängen, machte aber zum Glück keine Anstalten, nach einer ihrer Waffen zu greifen.
»Wie schade«, sagte sie leidenschaftslos. »Aber wenn er schon tot wäre, bliebe mir der Spaß erspart, ihn umzubringen, also ist es wohl nicht so schlimm. Keine Sorge; wenn ich ihn nicht finde, findet ihn einer von meinen Brüdern.«
Anscheinend war die Angelegenheit damit vorerst erledigt, und sie entspannte sich ein wenig und sah sich um, wobei ihr erstmals die leeren Regale ins Auge fielen.
»Was ist denn hier los?«, wollte sie mit neugieriger Miene wissen.
»Wir verkaufen«, murmelte Melanie und versuchte, Miranda hinter sich in Sicherheit zu bringen. »Fahren nach England.«
»Ach ja?« Das schien Jezebel zu interessieren. »Was ist passiert? Haben sie Euren Mann umgebracht? Oder geteert und gefedert?«
Melanie wurde weiß.
»Nein«, flüsterte sie. Ihr Kehlkopf bewegte sich, als sie schluckte, und ihr angstvoller Blick wanderte zur Tür. Das war also die Bedrohung. Trotz der glühenden Hitze war mir plötzlich kalt.
»Oh? Nun, wenn es Euch kümmert, ob sie das tun, geht Ihr besser zur Center Street«, schlug Jezebel hilfsbereit vor. »Aus irgendjemandem machen sie da gleich ein Brathuhn, so sicher, wie Gott die kleinen grünen Äpfel geschaffen hat. Die ganze Stadt riecht nach heißem Teer, und die Leute kommen aus allen Wirtshäusern gequollen.«
Melanie und Miranda kreischten gleichzeitig auf und rannten auf die Tür zu, indem sie sich an der unerschütterlichen Jezebel vorbeischoben. Ich bewegte mich eilig in dieselbe Richtung und wäre um ein Haar mit Ralston Bogues zusammengestoßen, der gerade noch rechtzeitig zur Tür hereinkam, um seine hysterische Frau aufzuhalten.
»Randy, pass auf deine Brüder auf«, sagte er ruhig. »Ruhig, Mellie, es ist ja schon gut.«
»Teer«, keuchte sie an ihn geklammert. »Sie hat gesagt – sie hat gesagt –«
»Nicht ich«, sagte er, und ich sah, dass sein Haar triefte und sein Gesicht unter dem Schweiß blass war. »Sie sind nicht hinter mir her. Es ist der Drucker.«
Er löste die Hände seiner Frau sanft von seinem Arm und trat hinter die Ladentheke, wobei er einen kurzen, neugierigen Blick auf Jezebel warf.
»Nimm die Kinder, geh zu Ferguson«, sagte er und zog eine Flinte aus ihrem Versteck unter der Theke. »Ich komme, sobald ich kann.« Er griff in einer Schublade nach Pulverhorn und Patronenbeutel.
»Ralston!«, flüsterte Melanie mit einem Blick auf Mirandas Rücken, doch durch die schwache Lautstärke war ihr Ton nicht weniger flehend. »Wohin gehst du?«
Sein Mundwinkel zuckte, aber er antwortete nicht.
»Geh zu Ferguson«, erwiderte er, ohne den Blick von der Patrone in seiner Hand abzuwenden.
»Nein! Nein, geh nicht! Komm mit uns, komm mit mir!« Sie packte ihn panisch am Arm.
Er schüttelte sie ab und lud weiter hartnäckig das Gewehr.
»Geh, Mellie.«
»Nein!« Sie wandte sich drängend an mich. »Mrs. Fraser, sagt es ihm. Bitte, sagt ihm, dass es Verschwendung ist – schreckliche Verschwendung! Er darf nicht gehen.«
Ich öffnete den Mund, ohne zu wissen, was ich zu den beiden sagen sollte, doch die Entscheidung wurde mir abgenommen.
»Ich glaube nicht, dass Mrs. Fraser es für Verschwendung halten wird, Mellie«, sagte Ralston Bogues, den Blick immer noch auf seine Hand gerichtet. Er schlang sich den Riemen des Patronenbeutels über die Schulter und entsicherte das Gewehr. »Im Moment hält ihr Mann sie in Schach – er ganz allein.«
Jetzt sah er mich an, nickte und war fort.
Jezebel hatte recht; man konnte in der ganzen Stadt Teer riechen. Das war zwar im Sommer alles andere als ungewöhnlich, vor allem in der Nähe der Lagerhäuser an den Docks, doch der scharfe, stickige Geruch, der mir in die Nase biss, hatte etwas Bedrohliches an sich. Abgesehen von dem Teer – und meiner Angst –, keuchte ich, weil ich mich angestrengt bemühte, mit Ralston Schritt zu halten, der zwar noch nicht rannte, aber sich doch so schnell bewegte, wie es möglich war, ohne in Trab zu verfallen.
Jezebel hatte auch recht gehabt, was die Menschen betraf, die aus den Wirtshäusern strömten; die Ecke der Center Street war von einer aufgeregten Menge verstopft. Zum Großteil Männer, wie ich registrierte, doch ein paar Frauen von der rauheren Sorte waren ebenfalls dabei, Fischweiber und Leibeigene.
Der Apotheker zögerte bei diesem Anblick. Einige Gesichter wandten sich in seine Richtung; ein oder zwei zupften ihren Nachbarn am Ärmel und zeigten mit den Fingern auf ihn – und ihre Mienen waren nicht besonders freundlich.
»Scher dich fort, Bogues!«, rief ein Mann. »Das ist nicht deine Sache – noch nicht!«
Ein anderer hob einen Stein auf und warf damit. Er landete harmlos klickernd über einen Meter vor Bogues auf dem hölzernen Gehsteig, doch dies lenkte noch mehr Aufmerksamkeit auf ihn. Teile der Menge begannen, sich umzudrehen und langsam in unsere Richtung zu drängen.