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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Miranda!«, sagte ich. »Was ist denn hier passiert?«

Ihr Gesicht erhellte sich bei meinem Anblick, und ihr nach unten verzogener Mund drehte sich kurz nach oben.

»Mrs. Fraser! Braucht Ihr vielleicht Andorn? Wir haben noch fast ein Pfund übrig – und er ist billig, nur drei Farthing für die Unze.«

»Ich nehme eine Unze«, sagte ich, obwohl ich eigentlich genug davon in meinem Garten hatte. »Wo sind denn deine Eltern?«

Ihr Mund verzog sich wieder nach unten, und ihre Unterlippe zitterte.

»Mama ist hinten im Haus und packt. Und Papa ist bei Mr. Raintree, um ihm Jack zu verkaufen.«

Jack war das Zugpferd des Apothekers und Mirandas besonderer Liebling. Ich biss mir auf die Lippe.

»Mr. Raintree ist ein sehr gütiger Mensch«, sagte ich, um sie irgendwie zu trösten. »Und er hat eine schöne Weide für seine Pferde und einen warmen Stall; ich glaube, Jack wäre glücklich bei ihm. Und Freunde wird er auch haben.«

Sie nickte mit verkniffenem Mund, doch ihr entwischten zwei dicke Tränen und rollten ihr über die Wangen.

Ich vergewisserte mich mit einem raschen Blick, dass niemand in den Laden kam, und umrundete die Theke, setzte mich auf ein umgedrehtes Fass und nahm sie auf meinen Schoß, wo sie sich sofort in Tränen auflöste. Sie klammerte sich an mich und weinte, obwohl sie sich sichtlich darum bemühte, dass man sie in den Wohnräumen hinter der Apotheke nicht hören konnte.

Ich tätschelte sie mit leisen, beruhigenden Geräuschen und spürte unterdessen eine Beklommenheit, die weit über das bloße Mitgefühl mit dem Mädchen hinausging. Die Bogues waren eindeutig im Begriff, ihr Hab und Gut zu verkaufen. Warum?

Da ich nur so selten den Berg herunterkam, hatte ich keine Ahnung, welche politische Gesinnung Ralston Bogues in diesen Tagen hegte. Er war kein Schotte und war daher nicht bei dem Empfang zu Flora MacDonalds Ehren gewesen. Doch sein Geschäft war stets gut gegangen, und den Kleidern der Kinder nach – Miranda und ihre beiden kleinen Brüder hatten immer Schuhe – lebte die Familie nicht schlecht. Die Bogues hatten mindestens so lange hier gewohnt, wie Miranda lebte, wahrscheinlich sogar länger. Dass sie auf diese Weise ihre Zelte abbrachen, bedeutete, dass etwas Ernstes vorgefallen war – oder kurz bevorstand.

»Weißt du, wohin ihr geht?«, fragte ich Miranda, die jetzt auf meinem Knie saß, ihre Nase hochzog und sich das Gesicht an meiner Schürze abwischte. »Vielleicht kann dir Mr. Raintree ja schreiben und dir sagen, wie es Jack geht.«

Bei diesen Worten wurde ihre Miene ein wenig hoffnungsvoller.

»Meint Ihr, er kann einen Brief nach England schicken? Das ist furchtbar weit weg.«

England? Es war ernst.

»Oh, ich glaube schon«, sagte ich und steckte ihr die Haarsträhnchen wieder unter die Haube. »Mr. Fraser schreibt jeden Abend einen Brief an seine Schwester in Schottland – und das ist noch viel weiter fort als England!«

»Oh. Gut.« Mit glücklicherem Gesicht kletterte sie von meinem Schoß und strich sich ihr Kleid glatt. »Glaubt Ihr, ich kann Jack auch schreiben?«

»Mr. Raintree liest ihm den Brief bestimmt vor, wenn du das tust«, versicherte ich ihr. »Kannst du denn gut schreiben?«

»O ja, Ma’am«, sagte sie ernst. »Papa sagt, ich kann besser lesen und schreiben als er in meinem Alter. Und auf Latein. Er hat mir die Namen aller Kräuter beigebracht, damit ich ihm holen konnte, was er brauchte – seht Ihr das?« Sie wies stolz auf ein großes Apothekergefäß aus Porzellan, das elegant mit blauen und goldenen Schnörkeln verziert war. »Electuarium Limonensis. Und das da ist Ipecacuanha!«

Ich bewunderte ihr Können und war mir sicher, jetzt zumindest die politische Meinung ihres Vaters zu kennen. Die Bogues mussten Loyalisten sein, wenn sie nach England zurückkehrten. Es tat mir leid, sie gehen zu sehen, doch angesichts dessen, was ich von der unmittelbaren Zukunft wusste, war ich froh, dass sie in Sicherheit sein würden. Immerhin war es wahrscheinlich, dass Ralston einen anständigen Preis für seine Apotheke bekommen hatte; nicht mehr lange, und das Eigentum von Loyalisten würde beschlagnahmt werden, und sie selbst konnten froh sein, wenn sie einer Festnahme – oder Schlimmerem – entgingen.

»Randy? Hast du Georgies Schuh gesehen? Einen habe ich unter der Truhe gefunden, aber – oh, Mrs. Fraser! Verzeihung, Ma’am, ich wusste nicht, dass jemand hier ist.« Melanie Bogues’ scharfer Blick erfasste meinen Standort hinter der Theke, die rotgeränderten Augen ihrer Tochter und die feuchten Flecken auf meiner Schürze, doch sie sagte nichts und tätschelte Miranda nur im Vorübergehen die Schulter.

»Miranda erzählte mir, Ihr brecht nach England auf«, sagte ich, während ich aufstand und hinter der Ladentheke hervorschlenderte. »Wir lassen Euch aber nur ungern gehen.«

»Das ist sehr freundlich von Euch, Mrs. Fraser.« Sie lächelte unglücklich. »Wir gehen auch nur ungern. Und ich freue mich nicht auf die Überfahrt, das kann ich Euch sagen!« Dieser Satz kam von jemandem, der eine solche Überfahrt bereits einmal unternommen hatte und sich lieber lebendig kochen lassen würde, als diese Erfahrung zu wiederholen.

Ich konnte es ihr nachfühlen, da ich es selbst schon einmal gemacht hatte. Es mit drei Kindern zu tun, zwei davon Jungen unter fünf … es war kaum vorzustellen.

Ich hätte sie gern gefragt, was sie zu dieser drastischen Entscheidung gedrängt hatte, wusste aber nicht, wie ich dieses Thema vor Miranda hätte ansprechen sollen. Irgendetwas war vorgefallen; das war klar. Melanie wirkte nervös wie ein Kaninchen und sogar noch gehetzter, als es sich durch das Zusammenpacken eines Haushalts mit drei Kindern erklären ließ. Sie warf ständig hastige Blicke hinter sich, als fürchtete sie, dass sich jemand an sie heranschleichen könnte.

»Ist Mr. Bogues –«, setzte ich an, wurde aber unterbrochen, weil ein Schatten auf die Eingangstreppe fiel. Melanie zuckte zusammen und fuhr sich mit der Hand an die Brust, und ich drehte mich, um festzustellen, wer der Ankömmling war.

Die Türöffnung wurde von einer kleinen, untersetzten Frau ausgefüllt, die eine sehr seltsame Kombination von Kleidungsstücken trug. Im ersten Moment dachte ich, sie wäre Indianerin, denn sie trug keine Haube und hatte ihr dunkles Haar geflochten – doch dann betrat sie die Apotheke, und ich sah, dass sie eine Weiße war. Oder eher rötlich; ihr kräftiges Gesicht war von der Sonne verbrannt, und die Spitze ihrer Mopsnase war leuchtend rot.

»Wer von Euch ist Claire Fraser?«, wollte sie wissen und blickte von mir zu Melanie Bogues.

»Das bin ich«, sagte ich und unterdrückte das instinktive Bedürfnis, einen Schritt zurückzutreten. Ihr Verhalten war nicht bedrohlich, doch ihr Körper strahlte eine solche Energie aus, dass sie ziemlich einschüchternd auf mich wirkte. »Wer seid Ihr?« Erstaunen, nicht Unhöflichkeit diktierte mir diese Worte, und sie schien sich nicht vor den Kopf gestoßen zu fühlen.

»Jezebel Hatfield Morton«, sagte sie und blinzelte mich gebannt an. »Ein Kerl bei den Docks hat mir gesagt, Ihr wärt nach hier unterwegs.« In deutlichem Unterschied zu Melanie Bogues’ sanftem englischen Akzent hatte sie die rauhe Aussprache, die ich mit Menschen in Verbindung brachte, die schon seit drei oder vier Generationen im Hinterland lebten und sich die meiste Zeit nur mit Waschbären, Opossums und miteinander unterhalten hatten.

»Äh … ja«, sagte ich, da ich keinen Sinn darin sah, es zu verneinen. »Braucht Ihr irgendwelche Hilfe?«

Sie sah nicht danach aus; wäre sie noch gesünder gewesen, wäre sie aus den Nähten des Männerhemdes geplatzt, das sie trug. Melanie und Miranda starrten sie mit großen Augen an. Ganz gleich, vor welcher Gefahr sich Melanie gefürchtet hatte, Miss Morton war es nicht.

»Hilfe würde ich nicht sagen«, sagte sie und trat noch einen Schritt weiter in die Apotheke. Sie legte den Kopf schief und betrachtete mich mit einem Ausdruck, der wie Faszination aussah. »Aber ich dachte, Ihr wisst vielleicht, wo das alte Stinktier Isaiah Morton ist.«

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